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Fremdeln – Warum andere Menschen plötzlich unheimlich werden

Fremdeln Babys ist das vollkommen normal und kein Grund zur Sorge. Im Gegenteil: sie haben einen wichtigen Entwicklungsschritt gemeistert. Was genau in dieser Phase passiert und wie du helfen kannst, wenn dein Baby fremdelt, erfährst du hier.

Warum Fremdeln bei kleinen Kindern vollkommen normal ist
Warum Fremdeln bei kleinen Kindern vollkommen normal ist
© Freestocks Photos via Pixabay

Fremdeln & Babys: ein wichtiger Entwicklungsschritt

Fremdeln Babys hat das nichts mit einem verzogenen Kind zu tun. Und du hast auch nichts falsch gemacht, wenn es bei anderen Personen schreit und weint. Ganz im Gegenteil: Fremdeln ist eine ganz normale Entwicklungsstufe und zeugt sogar von neu gewonnener Reife.

Manche Babys fürchten sich sogar vor dem eigenen Vater (mehr dazu später).

Fremdeln ist ein wichtiger Schritt für die Ich-Entwicklung. Zeitgleich erlernt der Nachwuchs in dieser Phase viele neue Dinge, wie Krabbeln oder sich an Gegenständen hochziehen. Gerade dann, wenn dein Baby seinen Radius durch die selbständige Fortbewegung erweitert, wird es auch mehr Angst davor haben, dich aus den Augen zu verlieren. Dein Kind hat ein Urvertrauen zu dir entwickelt und kann Trennungsängste empfinden, wenn die Distanz zwischen euch zu groß ist.

Außerdem kann es nach und nach zwischen vertrauten und fremden Personen unterscheiden und bildet eine Grundskepsis, die geübt und auch beibehalten wird. Diese gesunde Skepsis vor Fremden ist wichtig und dient der eigenen Sicherheit deines Kindes.

Anzeichen dafür, dass das Baby fremdelt:

  • Es verweigert den Kontakt
  • Wirkt abweisend, ängstlich oder kritisch
  • Schreit oder weint
  • Sucht engen Körperkontakt zu Eltern, wenn Fremde dabei sind
  • Starren und Versteifen
  • Versteckt sich bei Eltern aus Verlegenheit
  • Schlechte Laune

Ab wann fremdeln Babys?

Das Fremdeln wird auch Achtmonatsangst genannt, weil es meist zwischen dem sechsten und achten Lebensmonat beginnt. Manchmal tritt die Phase des Fremdelns auch später ein und hält dafür aber länger an. Da ist jedes Kind in seiner Entwicklung individuell.

Wie lange dauert das Fremdeln?

Am stärksten ausgeprägt ist das Fremdeln im zweiten oder dritten Lebensjahr, wenn Kinder mehr wahrnehmen, sich artikulieren und Zusammenhänge besser verstehen können. Spätestens ab dem dritten Lebensjahr, wirst du bemerken, dass das Fremdeln deines Kindes abschwächt und aufhört.

Baby fremdelt nicht oder stark

Babys fremdeln unterschiedlich stark. Es kann sein, dass dein Baby absolut nicht fremdelt und andere Kinder wiederum über Jahre hinweg distanziert und misstrauisch fremden Personen gegenüber sind. Häufig liegt das am Temperament deines Babys. Neugierige Kinder fremdeln weniger als kleine Angsthäschen. Auch fremdeln Babys zu Hause in der Regel weniger, da sie sich in einer vertrauten Umgebung befinden.

Natürlich spielen auch die Erfahrungen und die momentane Befindlichkeit eine wichtige Rolle. Babys, die müde oder gerade aufgewacht sind, können verstärkt ängstlich oder skeptisch auf andere Personen reagieren.

In der Entwicklungspsychologie wird vermutet, dass Babys, die nicht fremdeln eine weniger stabile Bindung zu oder negative Erfahrungen mit seiner Bezugsperson hat. Diese Bindung kann durch ablehnendes, distanziertes Verhalten, Stimmungsschwankungen oder emotionale Kälte geschwächt werden.

Fremdeln beim Vater

Selbst gegenüber dem eigenen Papa fürchtet sich dein Kind? Mach dir keinen Kopf, auch das ist völlig normal. Weder du noch der Papa machen etwas falsch. In der ersten Zeit nach der Geburt ist die Beziehung zwischen Baby und Mutter durch das Stillen sehr innig.

Sie sind intensiv miteinander verbunden, sodass das Kind denkt, es sei Teil der Mama und kann sich selbst noch nicht als eigenständige Person sehen. Deshalb ist die Mutter in der Anfangszeit gerne mal die Nummer eins, während sich der Vater oft nutzlos fühlt.

Es kann aber auch sein, dass der Papa arbeitet und eben nur morgens in der Früh und abends zu Hause ist. Dann ist die Mutter die Hauptbezugs- und Vertrauensperson. Durch einen Familienurlaub oder Papa-Kind-Beschäftigungen am Wochenende kann das Fremdeln beim Vater wieder weniger werden.

Besonders wenn die Kinder zahnen oder krank sind, suchen sie häufig die Nähe der Mutter. Väter müssen Geduld und Vertrauen haben. Vor allem sollte man es nicht persönlich nehmen und die Bindung durch Spielen oder Toben wieder stärken. Dann ist Papa ganz schnell wieder der Beste!

Fremdelphase meistern: So kannst du dein Kind unterstützen

Je entspannter du bist, wenn dein Baby bei Fremden weint, desto leichter wird es auch ihm fallen den Entwicklungsschritt gut zu meistern. Als Elternteil kannst du dein Kind so unterstützen:

  • Gefühle ernst nehmen:
    Wichtig ist, dass das Kind von den Eltern ernstgenommen wird, wenn es ängstlich ist.
  • Kommunikation:
    Wenn dein Baby in einer – für ihn – unangenehmen Situation steckt, sollte du es auf deinen Arm nehmen, es streicheln und vor allem mit Worten beruhigen.
  • Bitte um Abstand:
    Auch wenn „fremde“ Personen sich vor dem Kopf gestoßen fühlen, ist es wichtig, zu erklären, dass rasche, laute und aufdringliche Bewegungen dein Kind verunsichern können.
  • Geduld:
    Nicht nur kleine Kinder sind manchmal sehr ungeduldig, sondern auch wir Erwachsenen neigen dazu unsere Kinder unbewusst unter Druck zu setzen. Deshalb ist es wichtig deinem Kind zu vertrauen, dass es von selbst Kontakt zu anderen Menschen aufnimmt. Jedes Baby hat sein eigenes Tempo. Lass ihm deshalb Zeit.
  • Eltern als Vorbild:
    Auch das eigene Verhalten gegenüber Fremden, Familienmitgliedern oder Freunden wirkt sich auf das Kind aus. Wenn häufiger positiv auf andere Personen reagiert wird, signalisierst du auch bei deinem Kind, dass alles normal ist. Es kann also sein, dass dein Verhalten die Reaktion deines Kindes unbewusst beeinflusst, wenn sie stark ablehnend oder angespannt anderen Menschen gegenüber sind.

Das Baby fremdelt bei Oma?

Auch wenn ein schlechtes Gewissen sich einschleichen mag, weil dein Baby partout nicht auf dem Schoß der Großeltern sitzen möchte, solltest du dich nicht irritieren lassen und es zu dir nehmen. Du möchtest ja schließlich nicht das Vertrauensverhältnis zwischen dir und deinem Kind kaputt machen. Das müssen die lieben Großeltern dann auch akzeptieren. Beim nächsten Besuch kann es auch schon wieder ganz anders aussehen.

Was man nicht tun sollte, wenn das Kind fremdelt

  • Das Kind zwingen, die Hand zu geben oder sich anfassen zu lassen.
  • Das Kind einfach jemandem in die Arme geben.
  • Das Kind zurückweisen, wenn es Kontakt oder Schutz sucht.
  • Das Kind „mal kurz“ bei jemand anderem lassen, als bei seinen Bezugspersonen.

Fremdeln darf dir eins auf keinen Fall sein: nämlich peinlich. Ein gesundes Misstrauen ist doch auch was Gutes. Du wirst merken – egal wie anhänglich dein Kind ist – dass der Radius von Mama und Papa mit der Zeit immer größer wird. In Sichtweite wirst du wahrscheinlich noch ein bisschen länger bleiben. Aber so baut sich eben das Selbstvertrauen deines Kindes auf.

Quellen