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Corona-Pandemie bringt Frühchen in Gefahr

©Pixabay/Sepp H

Seit Beginn der Corona-Pandemie wird in vielen Ländern der Körperkontakt zu Frühchen stark eingeschränkt. Das kann das Sterberisiko deutlich erhöhen, zeigt nun ein Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Kein Körperkontakt nach der Geburt

In einer internationalen Umfrage unter Medizinern und Krankenschwester wurde untersucht, wie man im Krankenhaus seit Pandemie-Beginn mit Müttern und ihren Neugeborenen umgeht.

Rund zwei Drittel von 1120 Befragten gaben an, dass sie Babys nach der Geburt von der Mutter trennen würden, wenn diese positiv auf das Corona-Virus getestet wurde oder unklar ist, ob die Mutter Covid-19 hat. Die WHO warnt, dass diese Vorgehensweise fatale Auswirkungen auf die Gesundheit von Frühchen haben kann.

Frühchen brauchen Nähe

Bei Frühchen oder Neugeborenen mit wenig Gewicht wird normalerweise die sogenannte Känguru-Methode angewendet.

: wichtig für Neugeborene

Hierbei sollte das Baby möglichst viele Stunden am Tag auf dem nackten Oberkörper von Mutter oder Vater liegen. Damit könne das Sterberisiko von Frühchen laut Angaben der WHO um bis zu 40 Prozent gesenkt werden.

Fällt diese Nähe nach der Geburt nun weg, besteht ein erhebliches Risiko für zu früh geborene Babys.

Modellrechnung zeigt Risiko auf

Laut einer Modellrechnung der WHO ist das Sterberisiko durch das Aussetzen der Körpernähe-Maßnahmen für Frühchen um mindestens 65-Mal höher, als das Risiko, durch den Kontakt zu der Corona-positiven Mutter.

Studien haben zudem bereits aufgezeigt, dass Neugeborene bei einer Corona-Infektion hauptsächlich keine oder nur leichte Symptome und Krankheitserscheinungen haben. Das Sterberisiko durch Covid-19 ist bei Neugeborenen sehr gering.

„Die Känguru-Methode gehört zu den besten Eingriffen, um die Sterblichkeit bei Frühgeborenen oder Babys mit niedrigem Geburtsgewicht zu senken, vor allem in Ländern mit niedrigem Einkommen“, sagt Queen Dube, eine der Autorinnen des Reports der WHO.

Der medizinische Nutzen der Känguru-Methode ist also um ein Vielfaches höher, als das Risiko einer gefährlichen Corona-Infektion, so lautet das Ergebnis des WHO-Forschungsberichts. Die WHO spricht sich somit gegen eine räumliche Trennung von Baby und infizierter Mutter aus.

Deutsche Fachgesellschaften für Geburtsmedizin stimmen der WHO zu. Auch sie sprechen sich gegen eine Trennung von Neugeborenen und infizierten Müttern aus. Einschränkungen muss lediglich der Vater des Babys hinnehmen. Während der Pandemie ist Vätern in Deutschland nicht mehr so viel Känguru-Kuscheln erlaubt.

 

Quellen

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