Frühchen: Wenn das Leben zu früh beginnt. Welche Chancen haben sie?

Frühchen – Wenn das Leben zu früh beginnt

Frühchen haben keinen leichten Start ins Leben. Doch ihre Überlebenschancen sind nicht so schlecht, wie viele denken – sofern diese Schwangerschaftswoche vollendet wurde.

Frühchen liegt im Inkubator
Ein Inkubator hilft Frühchen beim Überleben © Bigstock/ Ondrooo

Frühchen: Ab wann überleben sie?

Als Frühchen bezeichnet man Babys, die noch vor der 37. SSW geboren werden – also mehr als drei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. In Deutschland kommen etwa rund neun Prozent der Babys als Frühgeburt zur Welt.

Doch auch wenn ihr Start ins Leben alles andere als leicht ist, sie haben bessere Überlebenschancen, als weitläufig angenommen. Selbst extreme Frühchen, die vor der 27. SSW entbunden werden, können dank modernster Perinatalzentren eine Chance aufs Leben bekommen.

Überlebenschance Frühchen

  • Frühchen 24. SSW vollendet: Überlebenschance mind. 67%
  • Frühchen 30. SSW vollendet: Überlebenschance mind. 96%
  • Frühchen 32. SSW vollendet: Überlebenschance mind. 98%

Die kritische Woche ist die 24. SSW. Kommt ein Kind zur Welt, wenn es diese Woche vollendet hat, dann liegen seine Überlebenschancen schon bei 67 Prozent – eine Woche vorher liegt sie noch bei lediglich 53 Prozent. Allerdings ist das Risiko einer dauerhaften geistigen und körperlichen Beeinträchtigung bei einer so frühen Geburt noch sehr hoch. Viele wichtige Organe wie das Gehirn, die Lunge, blutbildende Organe, das Immunsystem und der Verdauungstrakt sind nicht vollständig ausgereift und haben noch wichtige Entwicklungsschritte vor sich. Vor allem ihr unterentwickeltes Immunsystem macht die Kinder so anfällig für Infektionen. Eine strikte Abschirmung von Keimen kann daher für Frühchen überlebenswichtig sein.

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Mit jeder weiteren Woche in Mamas Bauch sinkt das Komplikationsrisiko dann deutlich. Kommen Babys nach der 30. SSW, ist nur noch in 15 Prozent der Fälle mit dauerhaften Beeinträchtigungen zu rechnen. Ist auch die 32. SSW verstrichen, ist das Risiko marginal. Natürlich ist jede Geburt individuell und es können unerwartete Komplikationen auftreten, nicht nur bei einer Frühgeburt.

Frühchen Spätfolgen

In wieweit bei Frühchen Spätfolgen zu erwarten sind, das wird immer noch ausführlich untersucht. Im Fokus der Forschung steht natürlich vor allem die Frage, ob auch bei Frühchen Entwicklung und Wachstum normal verlaufen.

Laut der Europäischen Stiftung für Neugeborene sind die häufigsten Folgen einer zu frühen Geburt zum Beispiel Entwicklungsdefizite oder -verzögerungen, sowohl bei der Motorik als auch im kognitiven Bereich. Auch ein Aufmerksamkeitsdefizit oder Lernstörungen sind möglich. Das wird meist erst im Kindergarten oder nach der Einschulung deutlich. Dabei gilt, je mehr wertvolle Entwicklungszeit dem Kind im Mutterleib fehlte, desto wahrscheinlicher sind diese Probleme.

Extrem-Frühchen Elias: Seine Überlebensgeschichte

Wichtig: An Lebensqualität mangelt es den meisten Frühchen deshalb nicht. Das haben Analysen der Stiftung Kindergesundheit ergeben. Demnach war bei zu früh geborenen Kindern der Jahrgänge 1987 bis 2004 im Alter von neun Jahren im Vergleich mit reifgeborenen Kindern kein Unterschied in der Lebensqualität nachzuweisen.