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Gelbsucht bei Babys erkennen und Neugeborenengelbsucht behandeln

Wird die Gelbsucht bei Babys früh erkannt, lässt sie sich gut behandeln und bleibt ohne Folgen. Achte in den ersten Tagen nach der Geburt daher auf folgende Anzeichen einer möglichen Neugeborenengelbsucht.

So erkennst du einen Neugeborenengelbsucht rechtzeitig
So erkennst du einen Neugeborenengelbsucht rechtzeitig
© Twenty20/ jsdaniel

Hilfe Gelbsucht: Baby hat gelbliche Haut

Gelbsucht bei Babys ist nicht ungewöhnlich. Etwa 60 Prozent aller Neugeborenen sind von der Neugeborenengelbsucht (Neugeborenenikterus) betroffen. Sie tritt in den ersten Lebenstagen auf und äußert sich durch eine gelbe Hautfärbung und einer Verfärbung der Schleimhäute.

Anzeichen von Gelbsucht bei Babys

  • Müdigkeit und wenig aktiv
  • wenig Durst
  • Gelbfärbung an der weißen Augenhaut
  • Gelbfärbung der Haut
  • schrilles Schreien
  • erhöhte Muskelspannung (durchgestreckter Rücken)
  • Atemnot und Krampfanfällen

Ist das eine Neugeborenengelbsucht: Wann zum Arzt?

Solltest du erste Anzeichen einer Neugeborenengelbsucht erkennen gilt zunächst: keine Panik. Du solltest aber trotzdem umgehend zum Arzt gehen. Er wird dein Baby untersuchen und den sogenannten Bilirubin-Wert im Blut messen. Nur er kann die genauen Bilirubin-Werte bestimmen, Entwarnung geben oder eine mögliche Behandlung verschrieben. Denn wenn der Bilirubinwert im Blut deutlich zu hoch ist, kann das, wenn nichts unternommen wird, auch eine dauerhafte Schädigung des Gehirns bewirken: Hör- und Sehstörungen, beeinträchtigte motorische Fähigkeiten und geistige Entwicklungsstörungen können als langfristige Folge auftreten. Eine Gelbsucht bei Neugeborenen gilt hingegen als harmlos, wenn die Bilriubinwerte einen Grenzwert nicht überschreiten.

Die gängige Behandlung bei einer Gelbsucht? Baby bekommt eine spezielle Lichttherapie. Mehr Infos dazu liest du in dem Artikel: „Phototherapie – So hilft das blaue Licht Neugeborenen“.

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Warum bekommt das Baby Gelbsucht?

Im Gegensatz zu einer richtigen Gelbsucht, wie sie auch Erwachsene bekommen können, ist die Gelbsucht bei Neugeborenen keine Infektionskrankheit, die durch Viren verursacht wird. Vereinfacht gesagt, ist das der Grund für die Gelbsucht: Baby muss sich erst an das Leben außerhalb des Babybauchs anpassen. Der kleine Körper durchläuft in den ersten Tagen nach der Geburt verschiedene Anpassungsprozesse. Dazu gehört, dass sich die Zusammensetzung des Blutes etwas verändert – das betrifft vor allem die roten Blutkörperchen. Bei diesem Prozess entsteht als Abfallprodukt der gelbe Gallenfarbstoff Bilirubin.

Weil Neugeborene meist noch keine voll funktionsfähige Leber haben, können sie diese zerfallenen roten Blutkörperchen (Bilirubin) nicht richtig abbauen. Dadurch lagert sich das Bilirubin im Körper ab und führt ab einer gewissen Menge zu der typischen Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten: Eine Neugeborenengelbsucht entsteht

Wie stellt man die Diagnose?

Betroffene Neugeborene fallen durch die gelbe Hautfärbung meist schon optisch auf. Beim Neugeborenenscreenig wird in der Regel aber auch eine Blutuntersuchung auf Bilirubin durchgeführt. Ein erhöhter Wert zeigt das Problem und die Höhe des Wertes das Ausmaß. Es ist also eher unwahrscheinlich, dass eine Neugeborenengelbsucht unentdeckt bleibt. Trotzdem solltet ihr als Eltern natürlich aufmerksam bleiben: zwischen dem dritten und fünften Lebenstag erreicht der Bilirubinwert in der Regel sein Maximum.

Gelbsucht Baby: Welche Therapie hilft?

Steigen die Werte des Bilirubins nicht über bestimmte Grenzwerte handelt es sich um eine typische Neugeborenengelbsucht, die keiner weiteren Behandlung bedarf. Meist pendeln sich die Werte innerhalb von zehn Tagen bis zwei Wochen von selbst wieder ein.

Sind die Blutwerte kritisch, wird der Arzt eine Lichttherapie empfehlen. Denn Neugeborene sind in der Lage, Bilirubin durch Licht über die Haut in Lumirubin abzubauen, welches dann über den Urin ausgeschieden wird. Darum wird das Baby nur mit einer Windel und einem Augenschutz bekleidet in ein Wärmebett unter ultraviolettes Licht (Wellenlänge 425 – 475 nm) gelegt. Manchmal wir das Kind auch zusätzlich von unten mit einer Lichtmatte bestrahlt. Im Abstand von sechs bis acht Stunden (bei sehr hohen Werten zwei bis vier Stunden) wird der Blutwert kontrolliert. Es kann auch ein Blutaustausch erforderlich sein, allerdings nur in schweren Fällen der Gelbsucht. Babys erhalten dann Spenderblut mit einem normalen Bilirubin-Wert. Doch das ist wirklich sehr selten.

Was kann unterstützend wirken?

Hat dein Baby Gelbsucht, dann sollte es möglichst oft zum Trinken angelegt werden. „Je öfter Sie Ihr Kind in den ersten Tagen anlegen (mindestens achtmal in 24 Stunden), umso mehr Vormilch (Kolostrum) bekommt es. Diese Vormilch wirkt abführend, und so wird möglichst viel Bilirubin ausgeschieden“, erklärt die freiberufliche Hebamme Katharina Kerlen-Petri aus Berlin in dem Artikel „Infos für Eltern zur Neugeborenengelbsucht“. Er ist in dem Fachmagazin Hebammenforum des deutschen Hebammenverbands erschienen. Müttern, die ihr Kind nicht stillen können oder wollen rät Kerlen-Petri, ausschließlich Pre-Milchnahrung zu füttern und keinen Tee oder Ähnliches. Nur durch diese Nahrung könne die Darmpassage beschleunigt und die Kalorienversorgung verbessert werden, was das Kind bei der Ausscheidung von Bilirubin unterstützten würde.

Außerdem hilft es bei einer leichten Gelbsucht, Babys direkt an ein Fenster zu stellen und viel mit ihm nach draußen zu gehen. Es sollte schon früh in einer tageshellen Umgebung liegen. Die Sonnenlichtbestrahlung wirkt ähnlich wie eine Lichttherapie. Viel Ruhe und Wärme hilft dem Kind außerdem, seinen Stoffwechsel – auch der Leber – anzukurbeln.

 Tipps: Gelbsucht bei Babys entgegenwirken

  • Stillen – Vormilch regt Verdauung an
  • Wärme – Babys können Wärmehaushalt nur schwer regulieren. Ist ihm kalt, wird auch der Leberstoffwechsel gebremst.
  • Ruhe – je weniger Stress dein Baby hat, desto schneller kann es seinen Stoffwechsel dem neuen Leben außerhalb vom Babybauch anpassen.
  • Licht – viel Tageslicht unterstützt den Körper dabei, Bilirubins schnell abzubauen.

Gute Prognose bei Gelbsucht: Baby gut behandelbar

Heute kann man bei rechtzeitiger und konsequenter Therapie davon ausgehen, dass das Baby nach ein paar Tagen wieder „rosig“ ist und keine weiteren Schäden davonträgt. Wichtig ist nur, dass – gerade bei Hausgeburten oder frühen Krankenhausentlassungen – eine Hebamme oder der Kinderarzt eine Neugeborenengelbsucht rechtzeitig erkennt und behandelt.



Quellen:

  • Kerlen-Petri, Katharina: Infos für Eltern zur Neugeborenengelbsucht, In: Hebammenforum 2015; Ausgaben 16, S. 15
  • Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin e.V. (GNPI): S2k-Leitlinie Hyperbilirubinämie des Neugeborenen – Diagnostik und Therapie, In: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften online
    https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/024-007l_S2k_Hyperbilirubinaemie_Neugeborenen_Diagnostik_Therapie_2015-08.pdf (letzter Abruf: Mai 2019)
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte; Prof. Dr. med. Nentwich, Hans-Jürgen: Neugeborenen-Gelbsucht (Neugeborenen-Ikterus), In: Kinder- & Jugendärzte im Netz
    https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/neugeborenen-gelbsucht-neugeborenen-ikterus/  (letzter Abruf: Mai 2019)
  • Keicher, Ursula: Kinderkrankheiten: Alles, was wichtig ist (GU Alles was wichtig ist), Gräfe und Unzer, München 2016, S. 39