Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (Hasenscharte) bei Neugeborenen

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (Hasenscharte) bei Kindern und Neugeborenen

Fast jedes 500. Kind kommt mit einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (Hasenscharte) auf die Welt. Lies hier, welche verschiedenen Arten der Lippen- und Gaumenspalte es gibt, welche Ursachen die Fehlbildung hat und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Kind mit operierter Hasenscharte
Eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (Hasenscharte) kann dank heutiger Operationstechniken gut behandelt werden. © Bigstock / Fleckstone

Was ist eine „Hasenscharte“?

Die Bezeichnungen „Hasenscharte“ oder „Wolfsrachen“ empfinden viele Betroffenen als abwertend, sie werden jedoch im Volksmund noch oft als Sammelbegriff für die verschiedenen Arten der Lippen-Kiefer-Gaumenspalte verwendet.

Von dieser Fehlbildung sprechen Ärzte, wenn bei der Geburt Lippen, Oberkiefer und manchmal auch der Gaumen nicht vollständig zusammengewachsen sind. Die betroffenen Stellen sind bei der Geburt teilweise komplett von einem Spalt durchzogen. Die Fehlbildung kann ab der 14. Schwangerschaftswoche im Ultraschall erkannt werden.

Spaltformen einer „Hasenscharte“

Es gibt verschiedene Spaltformen, die abhängig davon sind, wann und wie schwer die Entwicklungsstörung im Mutterleib aufgetreten ist:

Lippenspalte

Spalt an der Oberlippe zwischen Mund und Nase bis zum Nasenloch

Lippen-Kieferspalte

Spalt an Oberlippe und dem zahntragende Teil Oberkiefer

Gaumenspalte (Wolfsrachen)

  • Spalt im Zäpfchen (geringer Schweregrad)
  • Spalt im weichen Gaumen (mittlerer Schweregrad)
  • Vollständige Trennung des weichen und des harten Gaumens (keine Trennung von Mund- und Nasenraum)

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKGS)

Mischform auf Lippen-Kieferspalte und Gaumenspalte

Arten der Hasenscharte behandeln

Ein Eingriff erfolgt meist operativ in spezialisierten Spaltzentren. Die Babys sind dabei meist zwischen drei und sechs Monaten alt. Die meisten Ärzte gehen davon aus, dass je früher die Behandlung beginnt, desto erfolgreicher die Ergebnisse sind. Die Therapie ist auf einen längeren Zeitraum ausgelegt und zieht sich meist über mehrere Jahre. In den ersten Operationen liegt der Fokus darauf, die Spalte zu schließen um die Entwicklung des Kindes zu „normalisieren“, später kommen meist noch kosmetische Eingriffe hinzu. Im Video siehst du einen Überblick über verschiedene Therapiearten der verschiedenen Formen einer Hasenscharte:

Möglichkeiten der Behandlung einer Gaumenspalte

Lippen-Kiefer-Gaumenspalte: Probleme für Betroffene

Je nach Art der Spaltform kann es zu verschiedenen Beeinträchtigungen für Kinder mit einer sogenannten Hasenscharte kommen:

  1. Atembeschwerden
    Bei einer einseitigen LKGS kann es zur Beeinträchtigung der Atmung durch die Nase kommen
  2. Sprachprobleme
    Da bei vielen Formen der Hasenscharte der Gaumen gespalten ist, neigen Betroffene zum Näseln und zu Problemen mancher Konsonanten. Eine Sprachtherapie ist meist ein begleitender Bestandteil zur Behandlung.
  3. Zahnfehlstellungen
    Gerade im Oberkiefer kann eine Fehlstellung der Zähne durch eine Spaltung entstehen. Hier empfiehlt sich ein Beratungsgespräch mit einem erfahrenen Kieferorthopäden.
  4. Nahrungsaufnahme
    Da bei vielen Formen der Hasenscharte und des Wolfsrachens keine Trennung zwischen Mund- und Nasenraum besteht, haben Neugeborene große Schwierigkeiten beim Schlucken. Gerade beim Stillen kann sich das als schwierig gestalten, ist aber mit der richtigen Technik nicht unmöglich. Im Video siehst du eine Anleitung, wie du dein Kind trotz Lippen-Kiefer-Gaumenspalte stillen kannst:

Mauro stillt: Persönlicher Bericht über das Stillen bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalte

Hasenscharte: Ursachen

Es gibt mehrere Faktoren, die die Bildung einer Lippen-Kiefer-Gaumenspalte begünstigen. Die häufigsten sind:

  • erhöhte Strahlung zum Beispiel durch Röntgen
  • Rauchen/ Alkohol während der Schwangerschaft (Fetale Alkoholsyndrom)
  • Mangel an Folsäure
  • Röteln in der Schwangerschaft
  • bestimmte Medikamente wie zum Beispiel das Antiepileptikum Hydantoin

Wenn du dir bei deinen Medikamenten unsicher bist, ob sie das Wohl deines Kindes gefährden könnten, suche am besten einen Arzt auf.