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Welche besonderen Herausforderungen erwarten mich bei einer Mehrlingsgeburt?

Ein Baby zu bekommen und großzuziehen, stellt die werdenden Eltern vor große Herausforderungen. Wenn sich aber Zwillinge oder sogar noch mehr Babys auf einen Streich ankündigen, grenzt das Ganze schon an eine Mammutaufgabe. Um jedes Baby optimal zu versorgen, ist zunächst der Körper der Mutter und nach der Geburt jede helfende Hand gefordert. Doch das Füttern und Windeln wechseln von zwei oder mehr Babys ist leider nicht die einzige Herausforderung, die es mit Mehrlingen zu meistern gilt.

Ohne Unterstützung ist der Alltag mit Mehrlingen kaum zu schaffen.
Ohne Unterstützung ist der Alltag mit Mehrlingen kaum zu schaffen.
©Fotolia.com/pirotehnik

Risiken während der Schwangerschaft

Obwohl die Zahl der Mehrlingsschwangerschaften in den letzten Jahren gestiegen ist, kommt es immer noch recht selten vor, dass eine Frau zwei oder mehr Babys erwartet.

Grundsätzlich ist eine Mehrlingsschwangerschaft eine besondere Herausforderung für die werdende Mutter. Zum einen, weil ihr Körper einer viel stärkeren Belastung ausgesetzt ist als bei nur einem Kind. Zum anderen, weil der Verlauf größere Gefahren birgt. Deswegen werden Mehrlingsschwangerschaften immer als Risikoschwangerschaft eingestuft.

Eine Frau, die Mehrlinge erwartet, hat häufiger mit Beschwerden zu kämpfen wie Schwangerschaftsübelkeit, Rückenschmerzen, Bluthochdruck, Luftnot, Wassereinlagerungen und Krampfadern. Die Wirbelsäule, Beine, generell das Bindegewebe und die Muskulatur, sind einer enormen Belastung ausgesetzt. Dazu können eine Gebärmutterhalsschwäche und vorzeitige Wehen kommen.

Auch für die Babys bestehen Risiken: Es kann durch den geringen Platz im Bauch zu Verzögerungen bei der Entwicklung oder zur Unterversorgung kommen, zu Nabelschnurkomplikationen sowie zu Fehl- oder Frühgeburten. Je mehr Babys unterwegs sind, desto kürzer fällt in der Regel die Schwangerschaft aus.

Die Geburt von Mehrlingen

Die Geburt von Mehrlingen ist die zweite große Herausforderung, die es zu meistern gilt. Solange keine Komplikationen erwartet werden und die Babys günstig liegen, können Zwillinge problemlos vaginal geboren werden. Allerdings kann es sein, dass auch nur eines der Kinder auf natürlichem Weg entbunden werden kann, und bei dem anderen Kind ein Kaiserschnitt vorgenommen werden muss. Der Grund dafür können Komplikationen oder eine ungünstige Lage des Kindes sein. Bei drei und mehr Kindern wird grundsätzlich ein Kaiserschnitt durchgeführt, um Komplikationen zu vermeiden.

©Fotolia.com/RioPatuca Images
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Da der Körper der Mutter durch die Mehrlingsschwangerschaft ziemliche Strapazen hinter sich hat, braucht er unter Umständen länger, um sich nach der Geburt wieder zurückzubilden.

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Mehr Platzbedarf

Ein Kind kann bis zum zweiten Lebensjahr problemlos im gleichen Zimmer wie die Eltern schlafen. Bei Mehrlingen ist das platztechnisch schon schwieriger. Die Wohnung sollte also mindestens ein weiteres Zimmer für die Kinder haben. Meistens schlafen Mehrlinge gerne nah beieinander und teilen sich oft noch in der Schulzeit bereitwillig ein Zimmer.

Schwieriger wird es, wenn die Babys unterschiedliche Schlafrhythmen haben. Damit jedes in Ruhe schlafen kann, sind eigene Zimmer sinnvoller. Spätestens aber, wenn die Kinder größer werden, brauchen sie mehr Platz zum Spielen und Toben sowie einen Rückzugsort, in dem jedes Kind auch mal für sich sein kann. Außerdem benötigen sie im Schulalter je einen Schreibtisch, um die Hausaufgaben erledigen zu können.

Somit steht früher oder später ein Umzug in ein größeres Zuhause an. Bei mehr als zwei Kindern ist ein Haus die bessere Wahl. Am besten eines mit Garten, damit die Kinder auch draußen spielen können. Wer sich dazu entschließt, ein Haus zu bauen, sollte sich gründlich mit dem Thema auseinandersetzen. Denn bis so ein Eigenheim fertig ist, gibt es einiges zu erledigen und zu regeln: Zunächst muss ein passendes Grundstück gefunden werden. Dann geht es unter anderem darum, das Bauvorhaben zu finanzieren und zu klären, wie genau das spätere Haus aussehen soll. Das teilt sich wiederum in mehrere Einzelschritte auf.

Finanzielle Herausforderungen und Möglichkeiten

Jedes Kind kostet bis zu seinem 18. Lebensjahr rund 130.000 Euro – davon werden etwa 6.000 Euro allein bis zur Einschulung fällig. Und das sind nur die Konsumkosten. Dazu kommen noch die Ausgaben für die Erstausstattung, Versicherungen, Betreuung und andere Kostenpunkte.

Bei Mehrlingen fallen die Kosten noch heftiger aus. Vor allem, wenn es kein größeres Geschwisterchen gibt, von dem noch manche brauchbaren Sachen für die Babys vorhanden sind. Im schlimmsten Fall muss in Sachen alles neu angeschafft werden – und das gleich in doppelter oder sogar dreifacher Ausführung: Hochstühle, Bettchen, Kleidung, Autositze, Windeln und was noch alles dazu gehört. Auch der Kinderwagen muss auf Mehrlinge ausgerichtet sein.

© Fotolia.com/pirotehnik
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Manches kann man sich zur Geburt der Kinder schenken lassen, anderes kann man gebraucht kaufen oder ausleihen. Doch auch dann bleibt immer noch ein riesiger Kostenberg übrig.

Mit welcher finanziellen Unterstützung können Mehrlingseltern rechnen?

  • Elterngeld

In Sachen Elterngeld gibt leider nicht für jedes Kind den vollen Betrag. Stattdessen haben Eltern nur Anspruch auf den einfachen Elterngeldsatz wie bei einem Einling und bekommen dazu für jedes weitere Kind einen Mehrlingszuschlagvon 300 Euro.

Allerdings liegt die gesetzlich vorgeschriebene Bezugsdauer auch mehr Mehrlingen bei 12 Monaten, sodass die finanzielle Stütze nicht die gesamte verfügbare Elternzeit abdeckt. Bei ElterngeldPlus ist die Bezugsdauer doppelt so lange, doch die Beträge sind dann nur halb so hoch. Sinnvoll ist diese Variante also nur, wenn der Elternteil in Teilzeit arbeiten kann.

  • Kindergeld

Für jedes Kind haben Eltern Anspruch auf Kindergeld, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Dieses wird bis zum 18. Lebensjahr, unter Umständen auch darüber hinaus gezahlt. Für das erste und zweite Kind sind es jeweils 194 Euro (ab Juli 2019 204 Euro), für das dritte Kind 200 Euro (210 Euro) und für jedes weitere Kind 225 Euro (235 Euro) im Monat.

  • Kinderzuschlag

Familien mit einem kleinen Einkommen haben Anspruch auf den Kinderzuschlag. Voraussetzung ist, dass die Eltern für sich selbst genügend Einkommen haben, das aber nicht ausreicht, um den Bedarf der ganzen Familie zu decken. Pro Kind sind maximal 170 Euro monatlich möglich.

Den Alltag mit den Babys bewältigen

Ein Baby allein reicht schon aus, um den Alltag der Eltern komplett auf den Kopf zu stellen. Noch extremer fällt das entsprechend bei Mehrlingen aus.
Mit zwei oder gar drei Babys gibt es vor allem im ersten Jahr keinen Leerlauf und erst recht keine Langeweile. Eins der Babys braucht immer irgendwas oder eben gleich alle auf einmal. Füttern, wickeln, schlafen legen – viel mehr Programm lässt der Alltag mit Mehrlingen in der ersten Zeit nicht zu.

©Fotolia.com/fotofrank
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Welche Unterstützung gibt es für Mehrlingseltern?

  • Mutterschutz und Elternzeit

Wie bei jeder Schwangerschaft, beginnt auch bei einer Mehrlingsschwangerschaft die Mutterschutzfrist laut Gesetzgebung sechs Wochen vor der Geburt, endet aber 12 statt acht Wochen nach der Entbindung.

Eltern stehen für jedes Kind bis zur Vollendung seines dritten Lebensjahres drei Jahre Elternzeit zu, wovon sie mindestens 12 Monate pro Kind nehmen müssen. Die restlichen Monate können bis zum achten Lebensjahr der Kinder beansprucht werden. Dadurch können Eltern sozusagen zweimal in Elternzeit gehen und länger zuhause bei den Kindern bleiben.

  • Unterstützung für zuhause

Wegen der großen Belastung, die der vielfache Kindersegen so mit sich bringt, ist es ratsam, sich frühzeitig um Helfer aus dem Familien- und Freundeskreis zu kümmern, damit sie gewisse Aufgaben übernehmen und die Eltern bei der Haushaltsarbeit und der Versorgung der Kinder entlasten. Doch auch, wenn es um Unternehmungen oder Babykurse geht, lässt sich das bei Mehrlingen nur mit einer Begleitperson regeln.

In den ersten zehn Tagen nach der Geburt kommt die Hebamme zur Nachsorge und Unterstützung– so oft, wie es erforderlich ist, meistens einmal täglich, später dann in größeren Abständen. Nach den zehn Tagen können die Mütter bis acht Wochen nach der Geburt 16 weitere Beratungstermine in Anspruch nehmen. Diese Leistungen übernimmt die Krankenkasse.

In manchen Fällen zahlt die gesetzliche Krankenkasse auch eine Haushaltshilfe. Ob sie auch schon während der Schwangerschaft kommen kann und wie viele Stunden sie pro Woche Unterstützung leisten soll, hängt vom gesundheitlichen Zustand der Schwangeren und der Bewilligung der Krankenkasse ab.

  • Das hilft gegen Stress und Müdigkeit

Wichtig ist, dass sich die Elternteile bei der Versorgung der Kinder unterstützen und sich gegenseitig Freiraum schaffen. So kann der eine neue Kraft tanken, während sich der andere um die Kinder kümmert.

Um das Problem Schlafmangel zumindest ein bisschen zu verringern, sollten die Eltern nicht schon beim kleinsten Geräusch nach den Kindern sehen. Wenn die Kinder nicht richtig schlafen können, weil sie sich gegenseitig wecken, sollten sie in getrennten Zimmern schlafen.

Unter Umständen kann es sich auch lohnen, den Lieferdienst von Supermärkten oder ähnliche Möglichkeiten in Anspruch zu nehmen. So bleibt Eltern der ein oder andere Gang in den Supermarkt erspart und sie können die gewonnene Zeit anders nutzen.

Ansonsten hilft es Mehrlingseltern sehr, sich mit anderen Eltern von Zwillingen oder Drillingen über den Alltag mit Mehrlingen auszutauschen.