Hüftdysplasie: Braucht mein Baby eine Spreizhose?

Hüftdysplasie: Braucht mein Baby eine Spreizhose?

Eine Hüftdysplasie gehört bei Babys zu den häufigsten Skelettfehlbildungen. Mögliche Ursachen, was du dagegen tun kannst und wann eine Spreizhose notwendig wird, erfährst du hier.

Babyfüße
Hüftdysplasie: Darauf solltest du achten ©bigstock/ Suriyawut Suriya

Hüftdysplasie: Fehlbildung des Hüftgelenks

Eine Hüftdysplasie gehört zu den häufigsten Skelettfehlbildungen bei Kindern: Zwei bis drei Prozent aller Neugeborenen kommen damit auf die Welt. Interessant ist hier, dass Mädchen häufiger davon betroffen sind als Jungs. Warum das so ist, ist nicht eindeutig geklärt. Jedoch gehen Ärzte davon aus, dass hormonelle Faktoren dafür verantwortlich sind.

Bei einer Hüftdysplasie ist die Hüftgelenkspfanne des Babys zu flach ausgebildet. Dadurch findet der Oberschenkelknochen keinen stabilen Halt im Gelenk und kann im schwersten Fall ganz aus der Gelenkpfanne rutschen. Dies bezeichnet man dann als Hüftluxation. Das passiert aber zum Glück selten: Nur bei 0,2 Prozent aller Neugeborenen renkt sich der Hüftkopf immer wieder aus.

Hüftdysplasie: Ursachen

Eine Hüftdysplasie ist in den meisten Fällen erblich bedingt, aber es gibt bestimmte Faktoren, welche diese Fehlbildung begünstigen können. Diese sind:

#1 Fehllage im Mutterleib
Eine ungünstige Lage des Babys gegen Ende der Schwangerschaft kann eine Fehlbildung begünstigen. So sind Kinder, die in Steiß- oder Beckenendlage geboren werden 25-mal häufiger von einer Hüftdysplasie betroffen.

#2 Mehrlingsschwangerschaften
Durch den Platzmangel im Mutterleib kann es zu Fehllagen der Babys kommen.

#3 hormonelle Faktoren
Das Schwangerschaftshormon Progesteron lockert bei der Mutter den Beckenring als Vorbereitung auf die Geburt auf. Allerdings wirkt sich dieses Hormon auch auf weibliche Feten aus, was zu einer stärkeren Lockerung der Hüftgelenkskapsel führt.

#4 Genetik
Hüftdysplasie ist vererbbar. Hatten bereits andere Familienmitglieder eine Hüftdysplasie?

#5 Fehlhaltung nach der Geburt
Das Tragen in der Streckhaltung kann der Hüfte des Kindes schaden. Lieber dein Baby in der Anhock-Spreizstellung tragen. Hier werden die Beine des Babys auseinandergespreizt und die Knie angewinkelt. „Eine gesunde Hüfte im Kindesalter ist die Grundlage für ein schmerzfreies Leben im Alter“, so Prof. Dr. Werner Siebert, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie.

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Hüftdysplasie: Symptome

Schmerzen bereitet eine Hüftdysplasie dem Baby nicht. Allerdings schränkt die Fehlbildung die Beweglichkeit der Beine ein. Das Kind kann seine Beine nicht richtig abspreizen und es entwickelt eine sogenannte Spreizhemmung. Für Mamas und Papas ist es also gar nicht so einfach, eine Hüftdysplasie frühzeitig zu erkennen. Genau deswegen ist eine genaue Untersuchung des Hüftgelenks auch Teil der U2 und U3.

Eine Hüftluxation hingegen, also wenn das Gelenk schon aus der Pfanne gerutscht ist, lässt sich leichter erkennen. Das betroffene Bein wirkt kürzer und auch die hinteren Oberschenkelfalten sind nicht mehr symmetrisch.

Aber Achtung: bei beidseitiger Hüftluxation ist dies nicht der Fall.

Hüftdysplasie: Wann ist eine Spreizhose notwendig?

Ob und wie eine Hüftdysplasie behandelt werden muss hängt davon ab, wie schwerwiegend die Fehlbildung ist und wann sie entdeckt wurde. Wird sie schon in den ersten Lebenswochen diagnostiziert und ist das Hüftgelenk nur geringfügig fehlgebildet, ist meist keine Therapie notwendig. Zur Unterstützung der Hüftreifung ist es empfehlenswert:

  • dein Kind im Tragetuch zu tragen. Hier unbedingt auf eine korrekte Anhock-Spreizstellung achten.
  • Alles vermeiden, was die Hüfte zu sehr streckt. In diesem Fall ist also auch vom Pucken eher abzuraten.
  • Baby so wickeln, dass die Hüftgelenke gebeugt sind.
  • Baby nicht zu früh und zu oft auf den Bauch legen.

Handelt es sich aber um eine schwerere Fehlbildung, oder wird sie erst zwischen der 2. und 4. Lebenswoche erkannt, muss die Hüftdysplasie mit einer Spreizhose behandelt werden. Wird diese konsequent getragen, entwickelt sich die Hüftdysplasie in nur wenigen Wochen zurück.

Ist das Gelenk bereits aus der Pfanne gerutscht, ist ein spezieller Gipsverband für mehrere Wochen oder sogar eine Operation erforderlich.

Spreizhose für das Baby

Eine Spreizhose ist eine gepolsterte Kunststoffschale, die zwischen den Beinen des Kindes angebracht und bei jedem Kind individuell angepasst wird. Die Spreizhose wird Tag und Nacht über der Kleidung getragen und nur zum Wickeln oder zum Baden abgenommen.

Durch diese orthopädische Hilfe ist es möglich, dass die Beine des Kindes im gewünschten Winkel gespreizt werden und so der Hüftkopf wieder in der Hüftpfanne fixiert wird. Die Therapie wird natürlich regelmäßig kontrolliert. Durch eine Ultraschalluntersuchung nach etwa vier bis fünf Monaten, lässt sich feststellen ob die Spreizhose die erwünschten Erfolge erzielt hat.

Quellen:

Informationen der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und orthopädische Chirurgie:
https://dgooc.de/ (Abrufdatum 20.09.2018)

Informationen der Kinder- und Jugendärzte im Netz:
https://www.kinderaerzte-im-netz.de/ (Abrufdatum 20.09.2018)

Hellstern, G., Bald, M., Blattmann, C., Bosse, H.M., Engelmann, G., et al.: Kurzlehrbuch Pädiatrie. Thieme, Stuttgart 2012