Bookmark

Hört auf zu sagen, Muttermilch sei kostenlos

vonMarisa Dathe

Muttermilch kostet nichts: Warum Aussagen wie diese falsch und eigentlich abwertend sind, zeigt diese einfach Rechnung.

vonMarisa Dathe
©Wendy Wei/Pexels

Stillen hat 4866 Stunden gekostet

Rund um das Thema Stillen und Muttermilch gibt es viele Ansichten und Meinungen. Bei den Diskussionen häufig unterschätzt wird, welche Arbeit für Frauen tatsächlich dahinter steckt. „Jemand hat mir gerade erzählt, dass sie circa 4866 Stunden ihres Lebens mit Stillen verbracht hat”, schreibt die US-amerikanischen Geschichtsprofessorin Kera Lovell auf Twitter.

Damit tritt sie eine spannende Diskussion los. Denn sie ergänzt: Nur wer diese Zeit stillender Mütter als wertlos erachtet, könne behaupten Muttermilch sei kostenlos.

Den Kern der Diskussion fasst ein Artikel des amerikanischen Online-Magazin “SLATE” perfekt zusammen. Darin erklärt die Autorin Zuzana Boehmová, einer der häufigsten Irrtümer, der frischgebackenen Müttern mitgegeben wird, sei, dass Muttermilch nicht nur die gesündeste Option für das Baby, sondern auch die günstigste sei – denn Stillen sei ja im Gegensatz zu Milchpulver kostenlos. Boehmová sagt dazu: „Stillen ist nur dann kostenlos, wenn deine Zeit wertlos ist. Und selbst dann ist es nur kostenlos, wenn wir unseren Augen vor einigen offensichtlichen ökonomischen Wahrheiten verschließen.“

Wer jetzt denkt, die 4866 Stunden, die im Tweet erwähnt wurden, sei eine utopisch hohe Zahl, der hat wohl den gleichen Gedanken wie Twitter-Nutzerin und Mutter Cecily Bull. Sie kommentierte Lovells Tweet und schrieb: „Ich dachte: „Wow, diese Frau muss aber viele Kinder haben oder bis ins Kleinkindalter gestillt haben!“ Doch dann führte ich eine kurze Schätzung für meine beiden Kinder durch, die ich jeweils 12 Monate gestillt habe. Ich kam auf 4380 Stunden. Mir war gar nicht bewusst, wie stark ich meine eigene Zeit unterschätz habe!“

Bull fügte noch hinzu: „Mein erstgeborenes Kind war als Neugeborenes wirklich langsam. Eine durchschnittliche Runde Stillen dauerte ca. 1 Stunde. Das hochgerechnet auf 10 bis 12 Stillmahlzeiten am Tag, bedeutet dass das mehr als einen Vollzeitjob war.

Wenn mein Mann von der Arbeit zurückkehrte, fühlte ich mich schuldig, dass ich den ganzen Tag nichts erledigen konnte. Doch dann fiel mir ein, dass mein Job ja das Füttern meines Kindes war.“

Denn sie selbst schätzen ihre Leistungen oft zu wenig.

Boehmová, Lovell und Bull berühren mit ihren Aussagen einen wunden Punkt: Schuldgefühle sind unter Müttern leider ein weitverbreitetes Phänomen. Denn vielen ist selbst gar nicht bewusst, wieviel Zeit sie wirklich in die Pflege und das Füttern – egal ob mit Muttermilch oder Säuglingsnahrung –  ihres Kindes investieren. Zeit, die dann an anderer Stelle fehlt. Und das ist okay!

Was nicht okay ist, ist wenn Müttern – direkt oder indirekt wie im Falle des Stillens –  gesagt wird, ihre Zeit sei nichts wert. Denn Frauen verdienen für die viele unbezahlte Arbeit, die sie leisten, eine Menge Respekt. Aus diesem Grund fordert Zuzana Boehmová auch:“Hört auf, zu sagen, Muttermilch sei kostenlos!“

Top