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Kolostrum – Darum ist die Vormilch so wichtig für dein Baby

vonPhiline Matzen

Das Kolostrum, auch „flüssiges Gold“ und Vormilch genannt, ist die erste Milch, die ein Säugling aufnimmt. Was es mit dieser besonderen Milch auf sich hat, erfährst du im Artikel.

vonPhiline Matzen
Kolostrum - die erste Impfung für den Säugling über die Brust der Mutter
Kolostrum - die erste Impfung für den Säugling über die Brust der Mutter
© Bigstock/Kseniiavladimir

Was ist Kolostrum?

In den ersten Stillwochen verändert sich die Muttermilch ständig und passt sich den wechselnden Bedürfnissen des Säuglings an. Kolostrum ist die erste Milch, die du produzierst und die dein Baby nach der Geburt trinkt.

Der Körper erzeugt in etwas so viel Milch, wie der kleine Magen des Säuglings aufnehmen kann, also in etwas 40-50 ml pro Tag. Kolostrum ist dickflüssig, cremig und besitzt eine gelbliche Farbe. Die Farbe verleiht der Vormilch auch den besonderen Namen „flüssiges Gold“.

In der Vormilch befindet sich nur ein geringer Anteil an Laktose und Fett, damit der empfindliche Magen des Säuglings geschont wird. Im Vergleich zur späteren Muttermilch besteht die Neugeborenenmilch aus geringeren Mengen an Kohlenhydraten, Lipiden und Kalium. Dafür ist sie reich an Eiweiß, Vitamin A, Enyzmen, Aminosäuren und Immonglobulin A (IgA). IgA ist ein Antikörper, der den Körper vor Krankheitserregern, Viren und Bakterien schützt.

Kolostrum Wirkung: Deshalb ist sie so wichtig für dein Kind

Aufgrund des hohen Anteils an IgA ist die Vormilch nahrhaft und wird oft als „erste Impfung“ bezeichnet. Über die Milch erhält das Kind alle Antikörper, die auch die Mutter besitzt und ist so – ganz ohne Spritze – bestens vor Krankheiten geschützt. Diese Antikörper und weißen Blutkörperchen sind für die Stärkung des Immunsystems zuständig. Hier findest du Gründe, weshalb Kolostrum so wichtig für dein Baby ist:

  • Hilft die Schleimhaut des Darms zu schützen
  • Bekämpft Infektionen
  • Senkt das Risiko für Neugeborenen-Gelbsucht 
  • Schützt vor Bauchweh und wirkt abführend
  • Besitzt wichtige Vitamine, wie Vitamin A, was essenziell für das Sehvermögen ist
  • Unterstützt Herz und Knochen durch seine reichhaltigen Mineralstoffe, wie Magnesium, Eisen, Zink und Kupfer
  • Unterstützt das Wachstum und die Entwicklung
  • Reifung und Erhalt eines ausgewogenen Immunsystems

Wie lange trinkt mein Kind die Vormilch?

Nur in den ersten Tagen nach der Geburt wird dein Baby das Kolostrum trinken. Obwohl in dieser Zeit sehr wenig Kolostrum produziert wird, reicht dies dem Säugling vollkommen aus. Sein Magen fasst pro Mahlzeit nach der Geburt nur 10 ml. Innerhalb von 18 bis 36 Stunden verändert sich die Zusammensetzung der Milch, bis sie dann in die gewöhnliche Muttermilch übergeht.

Kolostrum ausstreichen

Um Kolostrum zu gewinnen, ist das Ausstreichen der Brust per Hand in den ersten 24 bis 48 Stunden sinnvoll. Dafür brauchst du nur deine Hände und einen sterilen Behälter für das Sammeln der Milch:

  • Vor dem Ausstreichen unbedingt die Hände gründlich waschen, damit keine Keime oder Bakterien in die Muttermilch kommen.
  • Die Fingernägel sollten kurz geschnitten sein, um Verletzungsgefahren vorzubeugen.
  • Um die Durchblutung zu verbessern, kannst du eine warme Kompresse auf die Brust legen. Das kann auch den Milchspendereflex anregen.
  • Am Anfang beginnst du mit einer Brustmassage, indem du deine Brust mit deinen Fingern sanfte, kreisartigen Bewegungen von außen nach innen massierst. Sobald der Milchspendereflex ausgelöst wird, streichst du mit deiner Handfläche vom Ansatz bis zur Brustwarze.
  • Mit den Fingern beginnst du dann mit dem Ausstreichen des Kolostrums. Dafür platzierst du deinen Daumen auf die Brustwarze und die restlichen Finger 2 cm unterhalb der Brustwarze.
  • Mit rhythmischen Bewegungen streichst du die Vormilch aus.
  • Die Position der Finger sollte gewechselt werden, damit sich auch alle Milchgänge entleeren.
  • Zum Sammeln der Muttermilch kannst du einen Behälter frei von BPA benutzen.

Wichtig ist, dass das Kolostrum-Ausstreichen keine Schmerzen verursacht. Dafür sollte das Ziehen, Quetschen der Brust oder das Verschieben der Haut an der Brust vermieden werden.

Vormilch abpumpen

Das Gute ist, dass du nicht in Eile geraten musst, wenn es um das Abpumpen geht. Wenn das Stillen keine Probleme darstellt und dein Baby gesund ist, brauchst du noch keine Milchpumpe zu benutzen. In den ersten vier Wochen geht es darum, dass die Milchproduktion durch dich und dein Baby aufgebaut wird.

Natürlich gibt es Ausnahmen, indem eine Milchpumpe auch in den ersten Wochen wichtig ist. Zum Beispiel, wenn du von deinem Baby getrennt bist. Ansonsten gilt, dass der Körper nicht direkt an die Pumpe gewöhnt werden musst. Es wird auch später noch funktionieren!

Damit das Pumpen klappt, muss deine Brust sich erstmal an das Abpumpen gewöhnen. Deshalb ist Geduld sehr wichtig. Es kann am Anfang sein, dass noch nicht so viel Milch rauskommt, wie du es dir vorgestellt hast. Die Milchpumpe will den natürlichen Milchspendereflex, wie beim Stillen anregen. Mit der Zeit lernt dein Körper, dass beim Abpumpen der Milchspendereflex ausgelöst werden soll.

Durch längeres Pumpen kann die Milchmenge aber nicht gesteigert werden. Die Milchmenge steigt also nur durch häufigeres Ansetzen der Milchpumpe. Je nach Milchspendereflex muss ungefähr 15 Minuten oder länger abgepumpt werden bis die Brust vollständig entleert wurde.

Vom Kolostrum zur reifen Milch

Die Muttermilch verändert sich stark in den ersten Lebenswochen deines Babys und auch die Menge wird mehr. Dies ist deutlich spürbar, denn deine Brüste werden praller und fester. Das ist der Milcheinschuss!

Auch während der Stillmahlzeiten passt sich die Muttermilch den Bedürfnissen des Babys an. Die ersten Still-Schlucke sind eher dünnflüssig und haben eine wässrige Konsistenz, da es hauptsächlich dafür da ist, den Durst des Säuglings zu stillen. Erst nach einigen Tagen entwickelt sich die Vormilch zu einer fettreicheren Milch, die das Baby weiterhin sättigen wird. Deshalb ist es wichtig, dass das Baby ausreichend gestillt und an beide Brüste gleichmäßig angelegt wird.

Vormilch

© Bigstock/ negmardesign

Übergangsmilch

Die Übergangsmilch entsteht, wenn sich das Kolostrum zur reifen Muttermilch entwickelt. Nicht nur die Struktur verändert sich dadurch, dass die Muttermilch cremiger wird, sondern auch die Inhaltsstoffe. Sie hat einen hohen Fett-, Kalorien- und Laktosegehalt.

Die Milch passt sich automatisch an das Trinkbedürfnis deines Babys an. Ab dem dritten Tag produziert der Köper 300-400 ml und ab dem fünften Tag bereits um die 500-800 ml pro Tag.

Reife Muttermilch

Die Muttermilch verändert sich stark innerhalb der ersten vier Wochen. Danach bleiben der Nährstoffgehalt und die Inhaltsstoffe ungefähr gleich. Sie wird dann „reife Muttermilch“ genannt.

Sie enthält eine hohe Konzentration an Protein, Zucker, Vitaminen und Mineralstoffen, die wachstumsfördernd sind und die Entwicklung deines Babys unterstützen. Wenn dein Baby krank ist verändert sich die Konzentration der Inhaltsstoffe in der Milch, aber auch wenn die Mutter krank ist, werden Antikörper produziert, die gegen die Krankheit kämpfen.

Quellen

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