Kaum noch Mineralöl-Verunreinigung in Säuglingsmilch: Öko-Test zieht positives Fazit

Mutter macht Säuglingsnahrung für ihr Kind
© Bigstock/ igor stevanovic

Vor drei Jahren testete Öko-Test Säuglingsmilch und Pre-Nahrung – mit schockierenden Ergebnissen. Mehrere Produkte waren damals mit schädlichen Mineralölen verunreinigt gewesen. Sogar foodwatch fordere die Test-Verlierer wie Nestlé, Novalac und Rossmann dazu auf, ihre Produkte vom Markt zu nehmen. Jetzt wurde Säuglingsmilch erneut getestet. Und laut Öko-Test sieht es besser aus, „viel besser“. Hersteller scheinen die Verunreinigungen im Griff zu haben – trotzdem fallen vier Produkte auch beim aktuellen Test durch. Hier die Ergebnisse im Detail.

Das Wichtigste in Kürze:

  • 2019 wurden in 14 Säuglingsmilch-Produkten gefährliche Mineralöle gefunden
  • In einer Petition forderte foodwatch Hersteller auf, Produkte mit Mineralölrückständen zurückzurufen
  • Aktuelle Testergebnisse zeigen deutliche Verbesserungen bei Pre- und Anfangsmilch
  • Nestlé und Aptamil gehören zu den großen Gewinnern
  • Bei der Pre-Milch wurden in weniger Produkten die bedenklichen Stoffe gefunden – bei der Anfangsmilch in keinem

Säuglingsnahrung durch Mineralöle verunreinigt: Verbraucherschützer forderten Hersteller zum Handeln auf

Im Oktober 2019 wurden schockierende Testergebnisse veröffentlicht.

Eine Untersuchung des CVUA Münster entdeckte in 14 Proben von Säuglingsmilch-Produkten besonders gefährliche, aromatische Mineralöle (MOAH). Nach Einschätzungen der europäischen Lebensmittelbehörde können diese sogar Krebs verursachen und das Erbgut schädigen.

In allen 50 untersuchten Proben fand das CVUA Münster gesättigte Mineralöle (MOSH). Da diese die Gesundheit stark beeinträchtigen können, sollten sie nicht einmal in kleinen Mengen in Nahrung vorkommen.

Betroffen waren unter anderem Produkte von Nestlé, Novalac, Humana und Rossmann.

Foodwatch forderte damals in der Petition „Mineralöl raus aus der Babymilch!“ die Hersteller Nestlé und Novalac auf, die Produkte mit Mineralöl-Rückständen zurückzurufen und Eltern zu warnen.

Die enthaltenen aromatischen Mineralöle […] haben gerade in Lebensmitteln für Neugeborene nichts zu suchen! Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass diese Produkte gesundheitlich absolut unbedenklich sind.

Aktuelle Testergebnisse zeigen deutliche Verbesserungen bei Pre- und Anfangsmilch

Die Mahnungen von Öko-Test und foodwatch scheinen gewirkt zu haben. Denn: Nach ihrem aktuellen Produkttest von Pre-Nahrung und Anfangsmilch kann Öko-Test ein sehr erfreuliches Fazit ziehen: „Das wurde Zeit! Endlich ein Anfangsnahrungstest ohne die besonders problematischen Mineralölbestandteile MOAH.“, sagt Hanh Friedrich, ÖKO-TEST-Projektleiterin für den Anfangsmilch-Test.

Die Ergebnisse bei der Pre-Anfangsmilch:

Nach den erschreckenden Testergebnissen vor drei Jahren scheinen viele Hersteller die Verunreinigungen in den Griff bekommen zu haben. Wie Öko-Test mitteilt, wurden in vielen Produkten die Mineralölbestandteile gesenkt. Im Test schnitten zwei Produkte mit ’sehr gut‘ ab. Acht weiter bekamen das Urteil ‚gut‘. Unter den Testsiegern lässt sich auch ein Produkt von Nestlé finden – seit dem letzten Test wurde hier also wohl einiges verändert.

Zu den Gewinnern des Tests gehören:

  • Aptamil Profutura Duo Advance Pre – ’sehr gut‘
  • Nestlé Beba Pre – ’sehr gut‘

Bei den Bio-Produkten gehört unter anderem die Dm Bio Anfangsmilch Pre und die Holle Bio Anfangsmilch Pre, Demeter, mit einer ‚guten‘ Gesamtnote zu den Testsiegern.

: Linktipp

Alle Testergebnisse kannst du übrigens im Spezial-Heft ‚Baby 2023‘ bei Öko-Test nachlesen.

Bei diesen Produkten besteht laut Öko-Test noch Handlungsbedarf

Trotzdem wurde im Test noch MOAH und MOSH in einigen Produkten gefunden. MOAH fanden die Forscher zum Beispiel in Bebivita Anfangsmilch Pre und Töpfer Lactana Bio Anfangsmilch Pre. Beide Hersteller legten allerdings Gegengutachten vor, welche das widerlegen. Ein sehr hoher MOSH-Gehalt wurde außerdem in der Milasan Anfangsmilch Pre nachgewiesen. Die Pre-Milch von Milasan fällt mit der Note ‚ungenügend‘ im Test durch.

Ergebnisse bei der Säuglingsmilch

Auch Säuglingsmilch hat Öko-Test aktuell wieder getestet. Hier fielen die Ergebnisse sogar noch positiver aus, als bei der Pre-Milch. So schreibt Öko-Test im Test-Bericht:

„Dies ist der erste größere Test von Anfangsmilch, in dem das beauftragte Labor in keinem einzigen der Pulver MOAH gefunden hat.“

Auch die Fettschadstoffe 3-MCPD- und Glycidyl-Fettsäureester sowie Chlorat und Perchlorat wurden nur in geringen Mengen gefunden. Das finden die Forscher erfreulich.

Trotzdem wurde in sechs getesteten Produkten noch erhöhte MOSH-Gehalte nachgewiesen – in weiteren vier wurden leicht erhöhte Gehalte festgestellt. MOSH sind weniger problematisch als MOAH. Da die gesundheitlichen Folgen allerdings noch nicht abschließend geklärt sind, empfehlen Experten, dass Eltern zu Produkten mit einem geringen Gehalt greifen sollten.

Die zwei Testsieger mit der Note ’sehr gut‘ sind:

  • Aptamil Profuture Duo Advance Anfangsmilch 1
  • Nestlé Beba Anfangsmilch 1

Lediglich die Lebenswert Bio Anfangsmilch 1 von Bioland wurde mit ‚ausreichend‘ bewertet. Alle anderen getesteten Produkte bekamen die Noten ‚gut‘ oder ‚befriedigend‘.

Mineralölvereinigungen in Lebensmitteln – endlich gibt es EU-Richtwerte

Die Gefahren von Mineralölverunreinigungen in Lebensmitteln sind seit Jahren bekannt. Und obwohl auch die europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) die aromatischen Mineralöle selbst in kleinsten Mengen als potenziell krebserregend einstuft, gibt es erst seit 2022 in der EU Richtwerte für MOAH. Ab einer Überschreitung dieser Werte muss ein Lebensmittel vom Markt genommen werden.

Laut foodwatch sollte (vor allem bei Babynahrung) allerdings sowieso Null-Toleranz gelten.

Quellen