Masern: In welchem Alter ist die Krankheit gefährlich?

Mutter fasst ihrem Baby auf die Stirn
Hat mein Baby Masern?
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Masern sind eine Virusinfektion, die in den meisten Fällen harmlos verläuft. Trotzdem dürfen sie nicht unterschätzt werden. Alles über die Ansteckung, Symptome und ob du dein Kind impfen lassen solltest, erfährst du hier.

Die Infektionszahlen von Masern steigen wieder

Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten beim Menschen. Sie zählen zwar zu den klassischen Kinderkrankheiten, sind aber auf keinen Fall harmlos. Masern können bei Kindern aber auch bei Erwachsenen zu schweren Komplikationen führen. Daher hat sich die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Ziel gesetzt, die Masern weltweit auszurotten. Aufgrund breit angelegter Impfkampagnen ist die Anzahl der Maserntoten weltweit kontinuierlich gesunken.

Doch derzeit steigen die Zahlen der gemeldeten Masern-Infektionen wieder: Innerhalb der EU vor allem in Rumänien, Frankreich und Österreich. In Deutschland wurden aktuell etwa 51 Fälle gemeldet. Das ist insofern kritisch, weil für es im gesamten Jahr 2023 nur 82 Fälle waren.

: gut zu wissen
Masern-Erreger

Die Masernerkrankung wird durch ein humanpathogenes RNA-Virus hervorgerufen. Es gehört zur Gattung der Morbilliviren, das wiederum der Familie der Paramyxoviren angehört. 

 

Masern können für ungeimpfte Erwachsene, Kleinkinder & Schwangere gefährlich werden

Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Das Risiko schwerwiegender Komplikationen ist bei Kindern unter fünf Jahren und Erwachsenen über 20 Jahren am höchsten. Auch schwangere Frauen haben ein erhöhtes Risiko für Komplikationen wie einer Früh- oder Fehlgeburt. Den besten Schutz bietet eine Impfung. Wer geimpft ist, oder bereits eine Masern-Erkrankung durchgemacht hat, bleibt ein Leben lang immun gegen das Virus. Schwangere geben dann auch die Antikörper an ihr Baby weiter. Durch diesen sogenannten Nestschutz ist dein Baby etwa bis zum vierten Lebensmonat vor einer Maserninfektion geschützt.

Wie kann man sich mit Masern anstecken?

Masern werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, zum Beispiel durch Husten, Niesen oder Sprechen. Das Virus gelangt über die Schleimhäute der Atemwege und die Bindehaut in den Körper. Dabei reicht schon ein kurzer Kontakt mit dem Virus aus, um sich anzustecken. Tückisch: In der Luft kann der Erreger bis zu zwei Stunden überleben.

Zwischen Infektion und Ausbruch der Erkrankung (Inkubationszeit) vergehen etwa zehn bis vierzehn Tage. Masern sind aber bereits mehrere Tage vor dem Auftreten der ersten Krankheitszeichen ansteckend.

Je nach Krankheitsphase gibt verschiedene Masern-Symptome

Masern verlaufen typischerweise in zwei Phasen:

  1. Das grippeähnliche Vorstadium
  2. Das Hauptstadium mit dem typischen Hautausschlag

Diese beiden Krankheitsphasen werden von jeweils einem Fieberschub begleitet.

So äußert sich das Anfangsstadium von Masern

  • Müdigkeit
  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • laufende Nase
  • trockener Husten
  • Halsschmerzen
  • Bauchschmerzen
  • Bindehautentzündung

Typisch für Masern im Anfangsstadium sind grippeähnliche Symptome. Dazu kann sich die Krankheit durch eine Bindehautentzündung bemerkbar machen, mit tränenden Augen. Nach dem zweiten oder dritten Tag sind in der Regel auch weißliche Flecken an der Mundschleimhaut (Koplik-Flecken) sichtbar. Danach steigt das Fieber zum ersten Mal stark an. Gegen Ende des Vorstadiums, das bis zu fünf Tage dauern kann, sinkt das Fieber wieder.

Typischer Hautausschlag bei Masern kommt im Hauptstadium

Wie sieht die Haut bei Masern aus? Typischen bei Masern ist ein Hautauschlag, mit großen, zunächst hellroten Flecken, die ineinanderfließen. der Tritt in der zweiteb Krankheitsphase auf. Das Fieber steigt ein zweites Mal stark an. Die Masern-Symptome des Vorstadiums werden stärker. Auch können die Lymphknoten im Halsbereich anschwellen.

„Der Ausschlag erscheint zuerst hinter den Ohren. Von dort breitet er sich über das Gesicht und den ganzen Körper aus. Nur Handflächen und Fußsohlen bleiben verschont“, so die Experten des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte.

Nach einigen Tagen färben sich die Flecken dunkler und verblassen nach vier bis sieben Tagen schließlich. Gleichzeitig kann sich die Haut abschuppen.

Wie verhalte ich mich bei einem Verdacht auf Masern richtig?

Hast du den Verdacht, dass dein Baby an Masern erkrankt ist, solltest du so schnell wie möglich deinen Kinderarzt aufsuchen. Anhand des charakteristischen Hautausschlags und des typischen Krankheitsverlaufs mit zweimalig hohem Fieber sind Masern dann naheliegend. Ist die Diagnose trotzdem nicht eindeutig, kann zusätzlich das Blut im Labor untersucht werden. Da das Immunsystem bei einer Masern-Erkrankung Antikörper bildet, lassen sich diese im Blut nachweisen.

Wichtig: Du solltest dich vor dem Besuch beim Arzt anmelden, um zu vermeiden, dass dein Kind andere Anwesende ansteckt!

Therapie bei Masern

Eine spezifische Therapie gegen Masern gibt es nicht. Man kann aber die Symptome lindern und den Heilungsprozess unterstützen. Soweit dein erkranktes Kind es zulässt, sollte es strikte Bettruhe bei absoluter Schonung einhalten.

Auch wenn Masern in den meisten Fällen problemlos ausheilen, dürfen sie nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Das Problematische bei Masern: Babys haben durch die Infektion für etwa sechs Wochen ein geschwächtes Immunsystem, deswegen treten bei Säuglingen deutlich häufiger Komplikationen auf als bei älteren Kindern. Am häufigsten treten Mittelohrentzündungen, Bronchitis, Lungenentzündungen und Durchfallerkrankungen auf.

Nur in sehr seltenen Fällen ist eine Gehirnhautentzündung die Folge von Masern. Babys bekommen dann Fieberkrämpfe, eine starke Augenentzündung, Atembeschwerden, starke Kopfschmerzen, Erbrechen, Bewusstseinsstörungen oder einen steifen Nacken. Dann gilt: Sofort den Notarzt rufen!

Seit 2020 ist eine Masern-Impfung für Kinder verpflichtend

Seit März 2020 gilt in Deutschland quasi eine Masernimpfpflicht. Kinder, die in die Kita, in den Kindergarten oder in die Schule gehen, müssen einen vollständigen Impfschutz gegen Masern im Impfpass vorweisen können. Zumindest vom Kitabesuch können Ungeimpfte auch ausgeschlossen werden.

Üblicherweise wird die erste Masern-Impfung nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Instituts zwischen dem elften bis zum vierzehnten Lebensmonat durchgeführt. Die empfohlene Zweitimpfung sollte im Alter von 15 bis 23 Monaten erfolgen und kann bereits vier bis sechs Wochen nach der ersten Impfung gegeben werden. Die Masern-Impfung wird normalerweise in Kombination mit den Impfstoffen gegen Röteln und Mumps verabreicht. Daher spricht man auch von der MMR-Impfung beziehungsweise der Mumps-Masern-Röteln-Impfung. Die Masern-Impfung steht allerdings auch als Einzelimpfung zur Verfügung, wird aber von der STIKO weniger empfohlen.

„Ein Kombinationsimpfstoff ist grundsätzlich nicht schlechter verträglich als ein Einzelimpfstoff, er reduziert jedoch Impfungen und die damit verbundenen möglichen Nebenwirkungen“, so  das Robert Koch-Institut.

In der Regel können Babys die MMR-Impfungen auch dann bekommen, wenn sie gegen Hühnereiweiß allergisch sind. Die MMR-Impfung enthält nämlich Spuren von Hühnereiweiß. Daher gibt es gelegentlich das Gerücht, Allergiker sollten sich nicht impfen lassen. Das Eiweiß im Impfstoff ist allerdings nicht das gleiche Eiweiß wie in einem Hühnerei und im MMR-Impfstoff nur in geringen Mengen vorhanden. Lass dich bei Unsicherheiten am besten von deinem Arzt beraten.

Europaweit sind die Impfquoten in den letzten Jahren bereits stark zurückgegangen. Um die Krankheit auszurotten braucht es eine Durchimpfung von 95 Prozent. Das erreicht in Europa derzeit nur noch jedes zweite Land. Deutschland gehört dazu. Vor allem währemd der letzten Pandemie-Jahre verpassten in den Jahren 2020 bis 2022 über 1,8 Mio. Säuglinge in der Europäischen Region ihre Masernimpfung.

Hat die Masern-Impfung Nebenwirkungen?

Die MMR-Impfung ist normalerweise gut verträglich. Bei etwa fünf von 100 Geimpften kommt es in den ersten drei Tagen nach der Impfung zu einer Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, die auch schmerzen kann. Auch leichtes Fieber, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden können auftreten.

Da es sich um eine Lebendimpfung handelt, können ein bis vier Wochen nach der Impfung leichte „Impf-Masern“ beobachtet werden: Fieber verbunden mit einem schwachen masernähnlichen Ausschlag. Diese „Impf-Masern“ sind allerdings nicht ansteckend. Diese Impfreaktionen klingen in der Regel ohne weitere Folgen wieder ab.

SSPE: Seltene aber gefährliche Spätfolge von Masern

Kinder, die sich im ersten Lebensjahr mit Masern infizieren, haben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ein höheres Risiko für eine SSPE als Kinder, die sich später anstecken. Meist tritt die SSPE erst Jahre nach einer Infektion auf. Dabei greifen Masernviren ungefähr fünf bis zehn Jahre nach den vermeintlich überstandenen Masern Nervenzellen im Gehirn an.

SSPE ist nicht heilbar. Ärzte empfehlen daher als einzige präventive Maßnahme eine Impfung gegen Masern.

Quellen