Masern-Fälle erreichen in Europa neues Rekordhoch: WHO besorgt

Masern-Fälle erreichen in Europa neues Rekordhoch: WHO besorgt

Auch in beliebten Urlaubsregionen wurden viele Fälle gemeldet. WHO mahnt zum schnellen Handeln.

Baby wird von Arzt untersucht
Bei Babys können Masern besonders schwer verlaufen © Bigstock/ Siriwat.jr

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zieht ein trauriges Fazit: Die Zahl von Masern-Erkrankungen hat in Europa ein neues Rekordhoch erreicht. Allein im ersten Halbjahr 2018 haben sich 41.000 Menschen infiziert. Das sind in sechs Monaten fast schon doppelt so viele wie im gesamten Vorjahr 2017, in welchem rund 24.000 Fälle gemeldet wurden.

Bis Ende des Jahres könnte die Zahl der Erkrankungen also nochmals steigen. Die WHO zeigt sich angesichts dieser Entwicklung besorgt und mahnt, zu handeln.

„Wir fordern alle Länder dazu auf, unverzüglich umfassende (…) Maßnahmen zu ergreifen, um die weitere Ausbreitung dieser Krankheit zu stoppen. Gute Gesundheit für alle beginnt mit der Impfung.“

Das erklärt Zsuzsanna Jakab, die Regionaldirektorin der WHO in einem offiziellen Statement.

Noch im Jahr 2016 schien die ansteckende Infektionskrankheit eingedämmt: Die Masern-Fälle sanken auf ein Rekord-Tief von nur 5.273 Fällen. Dass sich diese Zahl innerhalb eines Jahres bis Ende 2017 fast verfünffacht hat, war laut WHO eine „Tragödie“. Das laufende Jahr wird diese jedoch nochmals übertreffen.

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Auch beliebte Urlaubsländer betroffen

Laut statista.de geht die steigende Infektionsrate in diesem Jahr vor allem auf die hohe Zahl an Masernfällen in der Ukraine zurück. Dort erkrankten rund 23.000 Menschen an dem Virus. Grund seien die Konflikte und Unruhen, welche die Impfroutinen und Überwachungen unterbrochen hätte.

Allerdings sind auch andere Länder von dem Anstieg der Masern-Fälle betroffen. Darunter beliebte Urlaubsländer wie Griechenland, Italien oder Frankreich. Ansteckungsgefahr besteht also auch im Urlaub. In Deutschland wurden bisher nur 387 Masern-Fälle gezählt.

 

Impfungen können Leben retten

Masern gehören zu den ansteckendsten Infektionskrankheiten. Sie werden leicht durch Tröpfcheninfektion weitergegeben, also zum Beispiel, wenn man spricht, hustet oder niest. Bei Kindern unter fünf Jahren, bei Erwachsenen über 20 Jahren sowie bei Menschen mit einer Immunschwäche kann die Infektion einen schweren Krankheitsverlauf nehmen – in manchen Fällen sogar tödlich verlaufen.

Effektiven Schutz kann nur eine Impfung bieten. Doch das Vertrauen in den Impfschutz ist durch viel Misinformation verloren gegangen. So hält sich nach wie vor die Meinung, MMR-Impfungen stünden mit Autismus in Verbindung. Diese Annahme beruht jedoch auf einer vor Jahrzehnten veröffentlichten Studie, die inzwischen wieder zurückgezogenen wurde.

WHO-Regionaldirektorin Jakab: „Wir können diese tödliche Krankheit stoppen. Aber es wird uns nicht gelingen, wenn nicht jeder seinen Teil dazu beiträgt: seine Kinder, sich selbst, ihre Patienten, ihre Bevölkerung zu immunisieren – und auch andere daran zu erinnern, dass die Impfung Leben rettet.“