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Moro-Reflex: Wie lange hält er an?

Viele Eltern erschrecken sich, wenn sie den Moro-Reflex das erste Mal bei ihrem Baby beobachten. Wieso versteift sich der Körper des Kleinen plötzlich so und ist diese Reaktion gefährlich? Wir klären dich auf was es mit dem Moro-Reflex auf sich hat und wann ihr besser zum Arzt solltet.

Der Moro-Reflex wird bereits in der 9. SSW gebildet.
Der Moro-Reflex wird bereits in der 9. SSW gebildet.
© Bigstock/ inarik

Was ist der Moro-Reflex? Definition

Geprägt wurde der Begriff von dem Kinderarzt Moro Ernst. Bei dem Moro-Reflex handelt es sich um einen frühkindlichen Überlebensreflex. Wenn das Neugeborene unerwartet rücklings nach hinten fällt oder ohne Vorahnung hingelegt wird, schreckt es auf. Dieser Reflex dient dazu, dass sich ein Baby in einer Notsituation an die Mutter festklammern kann und nicht runterfällt. Dabei streckt es die Arme, Beine und Finger aus und atmete tief ein. Beim Ausatmen werden die Arme wieder an den Körper angelegt und die Hände zu Fäusten geballt. Es kann auch sein, dass sich Beine und Hüfte beugen und sich der Herzschlag erhöht. Bei jedem Moro-Reflex werden auch die Stresshormone Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet.

Da dieser Reflex so wichtig ist, testet ihn der Kinderarzt auch bei der ersten Vorsorgeuntersuchung.

 

Ist der Moro-Reflex gefährlich?

Zwar wirkt der Moro-Reflex erschreckend auf Eltern, doch er ist an sich nicht gefährlich. Er gilt sogar als erste biologische Schreckreaktion und ist als einziger Reflex mit allen Sinnessystemen verbunden. Daher bildet er eine wichtige Basis für die spätere Körpersprache.

Wann wird der Moro-Reflex ausgelöst?

Der Moro-Reflex wird nicht nur ausgelöst, wenn man das Baby unerwartet hinlegt, auch folgende Situationen können die Reaktion hervorrufen.

  • Baden
  • Schlafen
  • Unerwarteter Lichtwechsel
  • Laute Geräusche
  • Im Kinderwagen
  • Während des Stillens
  • Beim Wickeln

Wie lange hält der Moro-Reflex an?

Gebildet wird der Moro-Reflex in der 9. Schwangerschaftswoche. Er entwickelt sich während der kompletten Schwangerschaft und ist beim Zeitpunkt der Geburt ausgereift. Zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat lässt der Moro-Reflex nach oder verschwindet komplett. Solltest du nach dem vierten Monat merken, dass der Reflex nicht verschwindet, dann ist es ratsam einen Termin beim Kinderarzt zu vereinbaren. Da sich jedes Kind unterschiedlich schnell entwickelt, gibt es nicht gleich Grund zur Sorge. Wenn der Moro-Reflex noch im 7. Lebensmonat stark ausgeprägt ist, solltest du das spätestens bei der nächsten Vorsorgeuntersuchung ansprechen.

Es gibt auch Menschen, die den Moro-Reflex mit ins Erwachsenenalter nehmen. Das nennt man dann einen persistierenden Moro-Reflex. Babys und Kinder, die diesen aufzeigen, können möglicherweise unter einer Entwicklungsstörung leiden.

 

Persistierender Moro-Reflex

In der Regel wird der Moro-Reflex ab dem 4. Lebensmonat durch den erwachsenen Schreckreflex ersetzt. Tritt der nicht auf, spricht man von einem persistierenden Moro-Reflex. Babys zeigen diesen beispielsweise nachts. Betroffene Kinder sind sehr schreckhaft und werden dadurch aus dem Schlaf gerissen.

Aber nicht nur der Schlaf leidet darunter. Ein persistierender Moro Reflex hat für das Kind häufig eine ganze Reihe unangenehmer Folgen. Es ist sehr ängstlich und empfindet Veränderungen als unwohl. Außerdem kann es zu Störungen wie ADS, ADHS, KISS-Syndrom und KIDD kommen. Andere Folgen sind auch:

  • Gleichgewichtsprobleme
  • Überempfindlichkeit bei Licht und Lärm
  • Koordinationsstörungen
  • Schnelle Ermüdung der Augen

Persistierender Moro-Reflex Behandlung

Wurde bei deinem Kind ein persistierender Moro-Reflex von einem Facharzt diagnostiziert, dann solltet ihr so früh wie möglich mit der Behandlung anfangen.

Eine häufig angewandte Methode ist die Neuro-Reflextherapie. Durch gezielte Übungen wird die Grob- und Feinmotorik, der Gleichgewichtssinn und die Wahrnehmung getestet. Dadurch können die Reflexe ganz oder größtenteils verschwinden.

Moro Reflex: Kiss-Syndrom

Tritt das Kiss-Syndrom auf, kann es vorkommen, dass der Moro-Reflex bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt. Es ist möglich, dass die neurale Entwicklung gestört wird, da Kopfgelenke blockiert und verspannt sind. Die Folge ist, dass der Moro-Reflex nicht durch den erwachsenen Schreckreflex abgelöst werden kann.

Verwechslungsgefahr West-Syndrom

Das West-Syndrom und der Moro-Reflex werden häufig verwechselt, da sie sich auf den ersten Blick ähneln. Beim West-Syndrom handelt es sich jedoch um eine Serie von Krampfanfällen. Diese äußern sich, indem das Baby häufig nickt sowie Beine und Arme ausstreckt. Im Gegensatz zum Moro-Reflex sind die Ausmaße des West-Syndroms intensiver. Ursache der Krampfanfälle, ist meist die vererbte Stoffwechselerkrankung Phenylketonurie.

Dauerhafter Moro-Reflex: Folgen

Wenn dein Kind mit einem persistierender Moro-Reflex diagnostiziert wird, kann das unterschiedliche Lebensbereiche beeinflussen. In der Kita beispielswiese, fühlen sich Kinder mit einem Moro-Reflex schnell überfordert und weinen oft. Sie empfinden Reize stärker und spielen daher gerne allein und ziehen sich zurück. Da Gleichgewichtsstörrungen auftreten können, sollten Kinder mit einem Moro-Reflex aufpassen, wenn sie draußen klettern oder balancieren. Der erhöhte Ausschuss an Stresshormonen schwächt das Immunsystem und kann dafür sorgen, dass dein Kind häufiger krank wird.

Schulkinder mit einem Moro-Reflex haben häufig Schulangst. Sie leiden an Konzentrationsproblemen und lassen sich leicht ablenken. Dadurch sind sie aufgedreht und zappeln oft herum. Dies kann schulische Leistungen beeinflussen und für ein geringes Selbstwertgefühl führen.

Was tun bei Moro Reflex?

Je nachdem wie ausgeprägt der Moro-Reflex ist und in welchem Alter er auftritt, kannst du mit unterschiedlichen Methoden deinem Kind helfen.

Wie lange kann man ein Kind pucken?

Obwohl der Moro-Reflex in den ersten vier Monaten eine natürliche Reaktion ist, fragen sich viele Eltern, ob sie ihrem Baby helfen können. Da der Reflex häufig nachts im Schlaf auftritt, wachen die meisten Babys davon auf und kommen nicht mehr richtig zur Ruhe. Deshalb ist eine beliebte Methode das Pucken. Es hat für viele Neugeborene eine beruhigende Wirkung und lindert dadurch den Moro-Reflex. Babys, die beginnen sich zu drehen, sollten jedoch nicht mehr gepuckt werden.

In unserer Video-Anleitung siehst du Schritt-für-Schritt, wie du dein Baby richtig pucken kannst.

Wenn dein Kind älter ist, kann es auch helfen feste Tagesstrukturen zu kreieren. Das versichert deinem Kleinen Sicherheit. Auch entspannende Tätigkeiten wie Kinder-Yoga, Lesen und Singen können die Auswirkungen des Moro-Reflexes lindern.

Quellen