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Darf ich mein Baby auch mal quengeln lassen?

© Pexels / Anna Shvets

Kann ich mein Baby, auch wenn es etwas quengelt, mal kurze Zeit alleine lassen oder muss ich immer sofort reagieren? Diese Tipps helfen dir, dein Baby zu ein wenig früher Selbstständigkeit zu erziehen.

Quengeln ist nicht gleich Schreien

Wenn man mehrere Kinder hat, wenn man mal unter der Dusche steht, Essen kocht oder aus einem von unzähligen anderen Gründen gerade nicht verfügbar ist, kann man nicht immer prompt reagieren, wenn das Baby quengelt. Ist das schlimm?

Dein Kind wird sich deshalb immer wieder auch damit zufriedengeben müssen, nur deine Stimme zu hören, dich zu sehen oder zur Ablenkung ein Spielzeug in die Hand gedrückt zu bekommen. Je älter dein Kind wird, desto mehr kann es sich mit diesen Alternativen zufriedengeben, sofern bereits das Vertrauen und die Erfahrung vorhanden sind, dass die Trennung zur Bezugsperson nur vorübergehend ist.

wichtiger Unterschied

Zwischen Quengeln und Schreien gibt es einen großen Unterschied. Auch frisch gebackene Eltern haben den sehr schnell erkannt. Sie erkennen an der Art und Weise, wie ihr Baby sich meldet, was los ist.

Wenn dein Baby schreit, hat es ein akutes Bedürfnis, um das du dich kümmern musst. Es braucht dich jetzt und wird sich erst beruhigen, wenn ihm geholfen wird. In diesem Fall solltest du nie zögern.

Was bedeutet es, wenn ein Baby quengelt?

Mit Quengeln meldet dein Baby dagegen kein akutes Problem. Es ist aber mit der Situation gerade nicht zufrieden. Das kann verschiedene Gründe haben: Vielleicht ist dem Baby gerade etwas langweilig.

: gegen Langeweile

Bereits ab der sechsten Lebenswoche können Babys sich langweilen.

Es wird dir im Alltag nicht immer möglich sein, sofort bei deinem Baby zu sein, wenn es anfängt zu quengeln. Solange sich das Quengeln nicht zu einem ernsten Schreien hochschaukelt, ist das auch vollkommen in Ordnung.

Die mentale Checkliste

Am besten gehst du immer eine mentale Checkliste durch, ob es deinem Baby an etwas fehlen könnte.

Diese Fragen solltest du mit Nein beantworten können, um dein Baby quengeln zu lassen:

  • Ist mein Baby hungrig?
  • Ist mein Baby durstig?
  • Hat mein Baby Schmerzen (Zahnen/Bauchweh/etc.)?
  • Ist mein Baby krank?
  • Ist mein Baby müde?
  • Ist meinem Baby zu kalt/zu warm?
  • Ist die Windel voll?
  • Ist mein Baby überreizt?

Wenn du all diese Fragen mit „Nein“ beantworten kannst, ist es ok dein Baby für einen Moment quengeln zu lassen.

Auch die Erfahrung, sich kurze Zeit allein beschäftigen zu können, ist ein Meilenstein in der Entwicklung deines Babys, den du fördern kannst.

Wenn sich die Situation für dein Baby akut verändert, wird es anfangen zu schreien, um auf sich aufmerksam zu machen.

Urvertrauen als Basis

In den ersten Lebenswochen entwickeln Babys das sogenannte Urvertrauen zu den Eltern. Dein Baby lernt, dass Mama und Papa da sind, wenn es weint und sich um seine Bedürfnisse gekümmert wird.

Dieses Urvertrauen ist die Basis, wenn du dein Baby quengeln lassen musst. Es weiß trotzdem noch, dass du da bist und dich kümmern wirst. Das zeigt auch eine neue Studie.

Studie: Warum es ok ist, dein Baby quengeln zu lassen

In der Studie von Dr. Ayten Bilgin und Dr. Dieter Wolke untersuchten die Wissenschaftler 178 Neugeborene und deren Eltern über einen Zeitraum von 18 Monaten.

Sie kamen zu folgendem Ergebnis:

Eltern reagierten in den ersten drei Lebensmonaten sehr schnell auf die Bedürfnisse ihrer Babys und danach immer zögerlicher auf die Quengelei. Die Folge: Ihre Babys waren im Alter von 18 Monaten ruhiger als die anderen.

Häufig wird befürchtet, dass es die Eltern-Kind-Bindung negativ beeinflussen könnte, ein Baby quengeln zu lassen. Doch auch hier können Bilgin und ihr Team beruhigen: Es gab keinerlei Anzeichen, dass das Urvertrauen darunter gelitten hätte.

Eltern müssen sich mehr vertrauen

Dr. Bilgin und Dr. Wolke fordern im Anschluss an die Studie Eltern dazu auf, sich wieder mehr auf ihre Intuition zu verlassen.

“Die Ergebnisse zeigen, dass Eltern intuitiv wissen, wie sie auf ihr Baby reagieren müssen und beide, sie und ihr Baby passen sich mit der Zeit aneinander an.”, so Dr. Dieter Wolke in The Guardian.

Eine individuelle Entscheidung

Es ist letztlich einfach eine Frage der eigenen Toleranz und Geduld, wie weit man sich auf die Bedürfnisse des Babys einlassen möchte. Diese Einstellung bringt aber auch eine große Abhängigkeit mit sich. In Ausnahmesituationen, beispielsweise wenn die Bezugsperson ins Krankenhaus muss, kann das zu großen Problemen führen.

Wird diese Art der Beziehung auf mehrere Personen (beide Eltern und die Großeltern) verteilt, ist es einfacher, flexibel zu bleiben.

Nicht immer sind es die Eltern, die sich für diesen Weg entscheiden. Oft ist es das Baby, das durch seine starken Bedürfnisse nach besonders viel Nähe verlangt. Schon hier kann man feststellen, dass jedes Kind anders ist: Manche Babys sind recht unabhängig und zufrieden, andere sind sehr fordernd und brauchen viel Aufmerksamkeit.

Quellen

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