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Nabelbruch beim Baby: Wie gefährlich ist das wirklich?

Ein Loch in der Bauchwand ist Ursache für den Nabelbruch
Ein Loch in der Bauchwand ist Ursache für den Nabelbruch
© Bigstock/ Denis Kovaliov

Leicht zu erkennen an einer weichen Beule auf dem Bäuchlein: der Nabelbruch. Babys sind davon besonders häufig betroffen. Wie gefährlich ist das? Und wann ist eine Operation notwendig?

Inhalt geprüft von Dr. med. Ralf Brügel, Kinderarzt

Nabelbruch tritt bei Babys häufig auf

Unter einem Nabelbruch (Nabelhernie) versteht man generell das Austreten von Organteilen um den Bauchnabel herum durch eine Lücke in der Bauchwand. Das klingt zunächst schlimm, ist aber in den meisten Fällen ganz harmlos.

Bei Säuglingen tritt eine Nabelhernie relativ häufig auf. Schätzungen zufolge haben etwa 20 Prozent aller Babys einen Nabelbruch. Frühgeborene (vor allem mit einem Geburtsgewicht von unter 1,5 Kilo) trifft es noch häufiger. Hier bekommen etwa zwei von drei Babys einen Nabelbruch.

Übrigens neigen Mädchen eher zu Nabelbrüchen als Jungen.

Besorgte Eltern dürfen also aufatmen: Der Bruch sieht oftmals dramatischer aus als er ist. In den meisten Fällen muss er auch nicht behandelt werden und verwächst sich mit der Zeit von alleine.

Es gilt: Entdeckst du also eine ungewöhnliche Beule am Nabel deines Babys, solltest du das mit deinem Kinderarzt zunächst telefonisch abklären und gegebenenfalls einen Termin ausmachen, wenn du sehr verunsichert bist. Bei der nächsten U-Untersuchung wird der Arzt auf jeden Fall noch einmal einen Blick darauf werfen.

Woher kommt ein Nabelbruch beim Baby?

Ein Nabelbruch beim Baby kann zwei unterschiedliche Ursachen haben. Es kann sich um einen angeborenen oder einen erworbenen Nabelbruch handeln.

Angeborener Nabelbruch

Hierbleibt ein Nabelbruch, der während der Schwangerschaft (in der vierten bis fünften Schwangerschaftswoche) entsteht, nach der Geburt erhalten.

In der Regel bildet sich diese Form des Nabelbruchs bei Babys bis zur neunten Schwangerschaftswoche wieder zurück – jedoch kann der Bruch auch bis nach der Geburt erhalten bleiben.

Erworbener Nabelbruch

Die Hauptursache für einen erworbenen Nabelbruch ist die Babys durchlässige Bauchwand. Denn ein Kind wird immer mit einer kleinen Lücke darin geboren. Sie befindet sich dort, wo es durch die Nabelschnur mit der Mutter verbunden war. In vielen Fällen schließt sich diese Lücke spontan zum gleichen Zeitpunkt, wenn der Nabelschnurrest abfällt.

Ist das nicht der Fall und hat sich die Bauchdecke bis dahin noch nicht vollständig geschlossen, kann ein Nabelbruch entstehen. Schreit das Baby beispielsweise sehr viel, bevor sich eine Nabelnarbe bilden kann, kommt es oft zu einem erworbenen Nabelbruch. Durch den erhöhten Druck werden Dünndarm- oder Dickdarmschlingen durch die Lücke in der Bauchwand nach außen gedrückt.

Vom erworbenen Nabelbruch sind vor allem sehr leichte Frühgeborene und Babys mit besonderen Stoffwechsel- oder Erbkrankheiten (zum Beispiel Trisomien) betroffen.

Übrigens: Einem Nabelbruch beim Baby kannst du nicht vorbeugen!

Wie erkennt man einen Nabelbruch beim Baby?

Einen Nabelbruch macht sich meist deutlich durch diese Symptome bemerkbar:

  • Rund um den Bauchnabel tritt eine kleine Beule aus.
  • Die Beule ist weich und lässt sich zurück in den Bauchraum schieben.
  • Vor allem beim Pressen oder Schreien macht sich die Beule bemerkbar. Hier wird verstärkt Druck auf die Bauchdecke ausgeübt. Teile des Darms drücken sich in Folge durch die Lücke nach außen.

Sehr Wichtig: Schmerzen bereiten sollte der Nabelbruch nicht!

Falls dein Kind tatsächlich Schmerzen (meist krampfartig) haben sollte, gehe bitte umgehend zum Arzt. Es kann passieren, dass sich Darmschlingen in der Bruchlücke eingeklemmt haben. Ein eingeklemmter Nabelbruch ist ein medizinscher Notfall und kann gefährlich werden. Allerdings passiert das wirklich selten!

Wie sieht ein Nabelbruch beim Baby aus?

In dieser Grafik erkennst du direkt den Unterschied zwischen einem normalen Bauchnabel und einem Nabelbruch beim Baby. Natürlich kann die Größe der Hernie variieren.

Bild von einem Baby-Nabelbruch

© Bigstock/ Artemida-psy

 

Hinweis: Du kannst dir von deinem Kinderarzt zeigen lassen, wie du den Bruch wieder in den Bauchraum schieben kannst. Nach Rücksprache kannst du das selbst probieren, wenn du dir das zutraust. Dass der Bruch herausploppt, wird immer wieder passieren, wenn dein Baby intensiv Schreit oder Presst.

Kann ein Nabelbruch gefährlich werden?

Ein Nabelbruch beim Baby sieht zwar besorgniserregend aus, ist in den allermeisten Fällen aber kein Grund zur Sorge. Lediglich wenn der Nabelbruch Baby Probleme bereitet oder Komplikationen auftreten, sind Maßnahmen wie eine Operation notwendig.

Eingeklemmter Nabelbruch: Ein Notfall

Wenn sich Teile des Bauchorgane im Nabelbruch einklemmen, handelt es sich um einen Notfall. Ein eingeklemmter Nabelbruch muss dann operiert werden. Zum Glück kommt dieser Notfall aber sehr selten vor!

Du erkennst ihn so:

Die Beule färbt sich blau
Dein Baby hat starke Schmerzen
Der Bruch lässt sich nicht zurückschieben

Der Kinderarzt Dr. med. Ralf Brügel ergänzt: „Lässt sich das Baby über den Zeitraum einer Stunde nicht beruhigen und lässt sich der Bruch nicht zurückzuschieben, dann sollte ein Arzt aufgesucht werden!“

Nabelbruch: Baby zum Arzt bringen?

Ein Nabelbruch beim Baby ist zwar meist harmlos, dennoch solltest du zum Kinderarzt gehen, wenn du eine Beule am Nabel deines Babys bemerkst. Durch Abtasten und eine klassische Blickdiagnose kann er den Verdacht gegebenenfalls bestätigen.

Wenn die Hernie keine Beschwerden verursacht, schiebt der Arzt sie meist problemlos zurück. Solange keine Komplikationen bestehen, braucht nicht behandelt zu werden – sondern nur der Verlauf beobachtet.

Wie lange dauert ein Nabelbruch bei Babys?

In den meisten Fällen bildet sich der Nabelbruch von selbst zurück – sobald die Bauchdecke deines Babys stärker wird. Spezielle Nabelpflaster oder Bauchbandagen werden heutzutage nicht mehr benutzt – von ihnen wird oft sogar abgeraten.

In etwa 95 Prozent aller Fälle ist er bis zum dritten Lebensjahr nicht mehr vorhanden.

Wann muss ein Nabelbruch beim Baby operiert werden?

In Einzelfällen kann eine Nabelbruch-Operation notwendig werden.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Nabelbruch sehr groß ist. Denn bei großen Nabelbrüchen ist die Haut über dem Bruch sehr dünn und daher leicht verletzlich. Meist wird hier im Laufe des ersten Lebensjahres operiert. Hierbei handelt es sich um einen recht risikoarmen Eingriff, der in der Regel ambulant stattfindet. Das sind aber wie gesagt seltene Einzelfälle. Dr. med. Ralf Brügel kennt aus seiner beruflichen Praxis beispielsweise keinen solchen Fall.

Wenn sich die Nabelhernie im Laufe der Zeit nicht von selbst zurückbildet (auch wenn das Kind keine Beschwerden hat), raten Ärzte dazu, die Lücke in der Bauchdecke bis zur Einschulung zu schließen.

Denn laut dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte kann „jeder 4. nichtbehandelte Nabelbruch im Laufe des Lebens einklemmen“.  Und ein eingeklemmter Nabelbruch bei Babys ist ein Notfall – er muss sofort operiert werden.

Quellen

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