Neurodermitis Baby: erste Anzeichen erkennen und richtig behandeln

Neurodermitis Baby: erste Anzeichen erkennen und behandeln

Bekommt ein Baby Neurodermitis, stellt das Eltern vor eine große Herausforderung. Starker Juckreiz, entzündete Hautstellen und ein Baby, das vor Schmerz nicht zur Ruhe kommt – kein leichtes Los! Hier erfährst du, wie du bei einer Neurodermitis Baby das Leben erleichtern kannst und welche Ursachen die Hautkrankheit hat.

Baby mit Neurodermitis im Gesicht
Typisch für Neurodermitis: Baby hat rote, schuppige Haut im Gesicht © Bigstock/ leadenpork

Neurodermitis Baby: Erkrankung ab wenigen Monaten möglich

Eine Neurodermitis, auch atopische Dermatitis genannt, kann grundsätzlich in jedem Lebensalter auftreten. Häufig macht sich die Hautkrankheit aber schon bei Babys ab dem dritten Lebensmonat bemerkbar. Milchschorf kann ein erstes Anzeichen für eine beginnende Neurodermitis beim Baby sein.

In vielen Fällen bessert sich die Neurodermitis bei Kindern vor dem Schulalter oder bis zur Pubertät, manchmal bleibt sie aber bis ins Erwachsenenalter bestehen. Laut den aktuellen Daten aus der „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS), die vom Robert Koch-Institut durchgeführt wird, sind sieben Prozent der deutschen Mädchen und Jungen derzeit von Neurodermitis betroffen: Das sind etwa 900.000 Kinder und Jugendliche.

Was ist Neurodermitis?

Bei einer Neurodermitis ist die schützende Hautbarriere chronisch gestört. Die Hautzellen teilen sich zu schnell, ohne sich vollständig zu entwickeln. Dadurch bekommt die Haut feine Risse und verliert zu viel Feuchtigkeit. Gleichzeitig kann sie sich nicht mehr richtig gegen eindringende Krankheitserreger schützen. Weil Neurodermitiker zudem ein überempfindliches Immunsystem haben, reagiert die Haut zum Teil heftig auf äußere Einflüsse. Schübe, bei denen dein Kind besonders unter der Neurodermitis leidet, sind daher typisch. Oftmals gibt es konkrete Auslöser, die aber gar nicht so leicht auszumachen sind.

Eine atopische Dermatitis zeigt sich durch eine trockene, schuppige Haut, starke Rötungen, Nässen und Entzündungen von Hautarealen (Ekzeme). Dabei ist es jedoch stark vom Alter abhängig, wo genau die Hautkrankheit auftritt. Das heißt, eine Neurodermitis bei Babys kann sich durchaus von einer Erkrankung bei Jugendlichen oder Erwachsenen unterscheiden. Daher sollte sich im Zweifel immer ein Arzt die betroffenen Hautpartien anschauen.

Neurodermitis Baby: typische Symptome

Hat ein Baby Neurodermitis wird häufig beobachtet, dass sich der klassische Milchschorf vom Kopf ausgehend ausbreitet und in weiterer Folge die typischen Hautveränderungen entstehen. Die Neurodermitis zeigt sich beim Baby dann zunächst meist am Kopf, wandert ins Gesicht und ist dort vorwiegend an den Wangen und Ohren sichtbar.

Bei Krabbelkindern ist das atopische Ekzem in weiterer Folge auch häufig an den Streckseiten der Arme und Beine zu sehen. Ab dem Kleinkindalter breitet sich die Neurodermitis dann meist zusätzlich an den klassischen Stellen wie Ellenbogen, Knie, Handgelenken, Händen sowie Hals- und Nackenbereich aus.

  • Neurodermitis Baby: Gesicht, Kopf, Vorderseite von Armen und Beinen sind betroffen.
  • Neurodermitis Kinder: Oft sind Armvorder- und Beinrückseiten betroffen.

Die Veränderungen an der Haut deines Babys sind meist von starkem Juckreiz begleitet. Die Haut schuppt, spannt und nässt. Es ist kaum zu verhindern, dass sich die Kinder kratzen und so die Entzündungen noch begünstigen. Gerade bei Babys und Kleinkindern mit Neurodermitis stehen schlaflose Nächte bei akuten Schüben an der Tagesordnung.

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Warum hat mein Baby Neurodermitis? Ursachen

Die genauen Gründe warum eine Neurodermitis entsteht sind nach wie vor nicht ganz geklärt. Sicher ist jedoch, dass die Hautkrankheit vererbt wird. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass dein Baby an Neurodermitis leidet ist höher, wenn ein Elternteil ebenfalls betroffen ist. Sind sogar Mutter und Vater betroffen, liegt die Krankheitsrisiko sogar bei 67 Prozent.

Weitere Auslöser für Neurodermitisschübe können Umweltfaktoren, Kleidung, Waschmittel, Pflegeprodukte, Infekte, Impfungen, belastende Situationen sowie Allergene wie Pollen, Lebensmittel oder Tierhaare sein. Langes Stillen und ein Beikoststart nach dem vierten Monat sollen einer Neurodermitis beim Baby entgegenwirken können.

Neurodermitis beim Baby diagnostizieren

Vermutest du aufgrund von entzündlichen Hautveränderungen bei deinem Baby Neurodermitis, solltest du dies beim Kinderarzt oder Dermatologen abklären. Die Diagnose Neurodermitis wird gestellt, indem andere Hauterkrankungen wie etwa Allergien, toxische Ekzeme, Schuppenflechte oder Pilzerkrankungen ausgeschlossen werden.

Nachdem etwa jedes dritte Kind, das an Neurodermitis leidet, ebenfalls von einer Lebensmittelallergie betroffen ist, sollte eine entsprechende Testung nicht ausbleiben, um gegebenenfalls die Ernährung anpassen zu können.

Neurodermitis Baby: Behandlung

Hat dein Baby Neurodermitis ist eine individuelle Therapie notwendig, die ganz nach seinen Bedürfnissen ausgerichtet ist. Im Vordergrund stehen immer die Linderung von Beschwerden, das Erreichen von beschwerdefreien Phasen sowie eine entsprechende Stabilisierung. „Eine regelmäßige konsequente Basistherapie ist in jeder Krankheitsphase der Grundpfeiler der Neurodermitisbehandlung. Gemeint ist damit die tägliche Hautpflege. Ziel ist es, die gestörte Hautbarriere so zu stabilisieren, dass Krankheitsschübe hinausgezögert, abgemildert oder sogar verhindert werden“, erklärt die Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V. in ihrer Patienteninformation „Hautpflege – die Basistherapie bei Neurodermitis“.

Grundsätzlich wird Neurodermitis auf der Grundlage von drei Pfeilern behandelt. Die Therapie ist bei Babys, Kindern und Erwachsenen in der Regel dieselbe:

  • Basistherapie, um die natürliche Hautfunktion zu unterstützen (rückfettende Reinigungs- und Pflegeprodukte werden angewendet)
  • Bekannte Auslöser meiden (beispielsweise Allergene, zu enge Kleidung, Schwitzen, …)
  • Medikation gegen Entzündungen und Juckreiz (im Akutfall)

Neurodermitis bei Babys: Das kannst du tun

Um bei einer Neurodermitis Baby das Leben zu erleichtern, gibt es einige Dinge, die du tun kannst:

  • Die Basistherapie aus feuchtigkeitsspendenden und rückfettenden Pflegeprodukten muss sorgfältig angewendet werden.
  • Ab einem gewissen Alter solltest du dein Kind besser duschen statt baden, da so der Haut weniger Feuchtigkeit entzogen wird.
  • Zu enge Kleidung und Kleidung aus Wolle, Seide oder Kunstfasern solltest du lieber meiden. Besser ist weite Kleidung aus Baumwolle oder Leinen.
  • Die Kleidung deines Babys solltest du zudem vor dem ersten Tragen mehrmals gründlich waschen.
  • Du solltest hautschonende Waschmittel verwenden.
  • Sorge für gute und frische Luft. Vor allem sollte dein Kind keinem Zigarettenrauch ausgesetzt sein.
  • Die Fingernägel deines Kindes solltest du immer kurz schneiden, bei Babys helfen auch spezielle Fäustlinge, um das Kratzen zu verhindern.
  • Ablenkung gegen den Juckreiz und Alternativen zum Kratzen (zum Beispiel ein gekühlter Löffel) können schon bei ganz kleinen Kindern wirkungsvoll sein.
  • Du kannst ein Neurodermitis-Tagebuch führen und so möglichen Auslösern für die Schübe deines Babys auf die Schliche kommen.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass du auch als Elternteil entsprechende Unterstützung erfährst. Ein guter Kinderarzt oder Dermatologe ist bei einem Baby mit Neurodermitis Gold wert. Darüber hinaus können Selbsthilfegruppen oder Internetforen zum Austausch mit anderen betroffenen Eltern genutzt werden. Außerdem ist es wichtig, dass sich die Eltern durchwachte Nächte teilen, sodass ausreichend Kraft für den Alltag getankt werden kann.

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Quellen:

Thamm, Roman; Poethko-Müller, Christina; Hüther, Antje; Thamm, Michael (2018): Allergische Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends. IN: Journal of Health Monitoring 03/2018

Deutsche Dermatologische Gesellschaft (2015): S2k Leitlinie „Neurodermitis“ [atopisches Ekzem; atopische Dermatitis]

Hellstern, Gerald; Bald, Martin; Blattmann, Claudia; Boss, Hans Martin (2012): Kurzlehrbuch Pädiatrie. Thieme. S. 488-489

Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V. (2018): Patienteninformation Hautpflege – die Basistherapie bei Neurodermitis

Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. (2017): Neurodermitis (Atopisches Ekzem). In: Kinder- & Jugendärzte im Netz. https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/neurodermitis-atopisches-ekzem/was-ist-eine-neurodermitis/ (letzter Zugriff: Februar 2019)