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Plötzlicher Kindstod – Diese Risiken solltest du unbedingt vermeiden

Der plötzliche Kindstod kommt ohne Vorwarnung. Ein schrecklicher Schicksalsschlag, dem man nur bedingt vorbeugen kann. Einige Risikofaktoren kannst du aber nachweislich gut ausschließlich. An diese Empfehlungen solltest du dich daher halten.

So schützt du dein Baby vor dem plötzlichen Kindstod
So schützt du dein Baby vor dem plötzlichen Kindstod
© Eight8 via bigstiock

In diesem Artikel:

Wie kommt es zum plötzlichen Kindstod

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit

Kann ich dem plötzlichen Kindstod vorbeugen?

Weitere Risikofaktoren

Streitthema Familienbett & Bauchschläfer

Quellen

Plötzlicher Kindstod: Ursachen

Für Eltern gibt es wohl kaum eine schlimmere Vorstellung als den plötzlichen Kindstod. Das sogenannte „sudden infant death syndrome“ – auch unter dem Kürzel SIDS bekannt – gehört immer noch zu den häufigsten Todesursachen von Kindern unter einem Jahr. Jungen sind davon etwas häufiger betroffen als Mädchen. Statistisch gesehen ist das Risiko zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat am größten. Nach ihrem 1. Geburtstag sterben kaum noch Kinder am SIDS.

Warum das so ist, das versuchen Wissenschaftler nach wie vor herauszufinden. Denn was die genaue Ursache für den plötzlichen Kindstod ist, bereitet ihnen immer noch Kopfzerbrechen. Bisher sind nur einige Risikofaktoren bekannt. Deshalb ist der plötzliche Kindstod für das einzelne Kind nicht vorhersagbar. In den meisten Fällen gehen die Experten von einer Atemstörung aus. Bekommt das Gehirn zu wenig Sauerstoff, steigt der CO²-Gehalt im Blut und das Kind erstickt im Schlaf.

Es gibt andere Forschungsansätze, welche die Ursachen im Gehirn vermuten. Ein Defekt im Stammhirn sorgt dafür, dass der Körper die CO²-Konzentration im Blut nicht richtig wahrnimmt und er folglich nicht merkt, dass ihm Sauerstoff fehlt. Aber auch ein plötzlicher Abfall des Blutdrucks könnte die Ursache sein. In diesem Fall werden lebenswichtige Organe nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt und stellen ihre Funktion ein.

Plötzlicher Kindstod: Häufigkeit

Die gute Nachricht: Der plötzliche Kindstod ist mittlerweile sehr selten geworden. Aber auch wenn die Todesfälle in den letzten zwanzig Jahres stetig zurückgegangen sind, starben laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2015 noch 127 Kinder am plötzlichen Kindstod.

Der Rückgang ist der guten Aufklärungsarbeit durch Ärzte, Hebammen und Krankenhäuser zu verdanken. Denn auch, wenn die Ursache nicht genau geklärt ist, lassen sich eindeutige Risikofaktoren für den plötzlichen Kindstod festmachen. Und das Gute ist, einige der Risiken kannst du ganz einfach umgehen – nämlich mit der richtigen Schlafumgebung.

Video-Empfehlung

So kannst du dem plötzlichen Kindstod vorbeugen

#1 Lass dein Baby nur auf dem Rücken schlafen
Die allgemeine ärztliche Empfehlung lautet, Kinder sollen nur auf dem Rücken schlafen. In Bauchlage funktioniert der Hustenreflex nicht optimal und es kann zu einem CO²-Stau zwischen Gesicht und Matratze kommen.

#2 Lass dein Kind in einem Schlafsack schlafen
Babys sind aus dem Mutterleib Begrenzungen gewöhnt. Daher schlafen sie auch in Schlafsäcken gut. Eine Decke könnten sie sich aus Versehen über den Kopf ziehen.

#3 Lass dein Kind auf einer festen und flachen Matratze schlafen
Auch das erhöht das Risiko des plötzlichen Kindstods: Die falsche Matratze. Wissenschaftler vermuten einen Zusammenhang zwischen einem erhöhten SIDS-Risiko und zu weichen Matratzen. Das Köpfchen könnte zu stark einsinken und die Atmung blockieren.

#4 Kissen und Kuscheltiere gehören nicht ins Bettchen
Kinder können sich Kissen und auch Kuscheltiere im Schlaf gegen das Gesicht drücken. Dadurch steigt das Risiko, dass sie zu viel Kohlendioxid einatmen und bewusstlos werden.

#5 Achte auf die richtige Raumtemperatur
Viele Eltern denken, wenn ihr Baby kalte Hände hat, könnte dies ein Vorbote für den plötzlichen Kindstod sein. Dem ist aber nicht so – fast alle Babys haben kalte Hände. Starkes Schwitzen im Schlaf hingegen ist eher ein Warnsignal. Auch zu große Wärme setzen Ärzte in Zusammenhang mit dem plötzlichen Kindstod. Die ideale Raumtemperatur sollte bei 16°C bis 18°C liegen.

#6 Lass das Rauchen sein
Schon in der Schwangerschaft sollte Rauchen absolut tabu sein. Aber auch nach der Geburt und nach dem Stillen solltest du die Finger von Zigaretten lassen. Achte für dein Kind auf eine rauchfreie Umgebung.

#7 Stille dein Baby, wenn es dir möglich ist
Eine Analyse mehrere Studien, die im britische Fachjournal „The Lancet“ veröffentlicht wurde, legt die Vermutung nahe, dass auch Stillen das Risiko des plötzlichen Kindstods verringern kann.

#8 Lass dein Flaschenkind mit Schnuller schlafen
Kannst du nicht stillen oder hast du dich bewusst dagegen entschieden, raten Ärzte dazu, dein Baby mit Schnuller schlafen zu lassen. Sie gehen davon aus, dass dieser verhindert, dass im Schlaf die Luftzufuhr blockiert

#9 Nimm die Vorsorgeuntersuchungen gewissenhaft wahr
Zwar lässt sich ein plötzlicher Kindstod nicht vorhersagen, doch eine regelmäßige Kontrolle beim Kinderarzt ist trotzdem sinnvoll.

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Weitere Risikofaktoren für das SIDS

Leider gibt es auch einige Risikofaktoren, die du nicht so leicht beeinflussen kannst. Dazu gehört zum Beispiel eine Frühgeburt. Babys, die vor der 33. SSW geboren werden, gelten als gefährdeter. Auch bei Zwillingen oder Mehrlingen ist das Risiko etwas höher als normal. Ist ein Geschwisterkind bereits am plötzlichen Kindstod gestorben, halten es Ärzte auch für möglich, dass es wieder passieren kann. Aber hier geht es nur um statistische Wahrscheinlichkeiten. Angesichts der niedrigen Gesamtzahl der Todesfälle stehen die Chancen gut, dass nichts passieren wird. Gehört dein Kind zu dieser Risikogruppe solltest du dennoch umso gewissenhafter auf die oben genannten Punkte achten

Streitthema Familienbett & Bauchschläfer

Das Thema bietet viel Diskussionsstoff. Auch deswegen, weil einige der ärztlichen Empfehlungen der Überzeugung vieler Eltern widersprechen. So halten Ärzte zum Beispiel wegen des plötzlichen Kindstods Familienbetten für riskant. Es gibt aber auch Untersuchungen, welche diese Einschätzung widerlegen und die Vorteile des Co-Sleepings für die Entwicklung des Babys hervorheben. Familienbett ja oder nein, sollte also eine persönliche Entscheidung bleiben.

Auch wenn das Baby nur auf dem Bauch schlafen will, bereitet dieser Umstand betroffenen Eltern Kopfzerbrechen. Riskiere ich so die Gesundheit meines Kindes? Spätestens wenn sich Babys selbstständig drehen können, sind einem die Hände gebunden. Beruhigend wirken da Geschichten von Eltern kerngesunder Bauchschläfer.

Deswegen möchten wir noch einmal betonen, dass keiner der genannten Risikofaktoren zwingend zum plötzlichen Kindstod führt. Ärzte halten es für viel wahrscheinlicher, dass viele Faktoren ungünstig zusammenspielen müssen, bevor es zum SIDS kommt. Trotzdem solltest du auf alle Fälle auf eine sichere Schlafumgebung achten und dich an so viele ärztliche Empfehlungen halten wie möglich.

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Quellen:

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Ein schmerzliches Thema: Der Plötzliche Kindstod,
    https://www.kindergesundheit-info.de/themen/risiken-vorbeugen/ploetzlicher-kindstod-sids/sids/, (letzter Zugriff: Juni 2019)
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: Plötzlicher Kindstod & anscheinend lebensbedrohliches Ereignis – Ursachen & Risikofaktoren
    https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/ploetzlicher-kindstod-anscheinend-lebensbedrohliches-ereignis/ursachen-risikofaktoren/, (letzter Zugriff: Juni 2019)
  • Sottong, Ursula: Das Kinder-Sicherheitsbuch. Zuhause und unterwegs: Gefahren erkennen und gezielt vorbeugen, Georg Thieme Verlag
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Plötzlicher Kindstod. Wirksame Vorbeugung ist möglich – Empfehlungen,
    https://www.kindergesundheit-info.de/themen/risiken-vorbeugen/ploetzlicher-kindstod-sids/vorbeugung-kindstod/, (letzter Zugriff: Juni 2019)