Saugverwirrung: Symptome, Gründe und Vorbeugung

Saugverwirrung: Hilfe, mein Baby trinkt nicht!

Das Auftreten einer Saugverwirrung beim Baby lässt die Wunschvorstellung einer harmonischen Stillbeziehung häufig platzen wie eine Seifenblase. Wenn das Baby die Brust anschreit fühlen sich viele Mamas frustriert und haben das Gefühl, „versagt“ zu haben. Lass dich nicht entmutigen! Woran du eine Saugverwirrung bei deinem Kind erkennst, was du dagegen tun kannst und wie du – allem voran – entsprechend vorbeugst, erfährst du folgend.

Schreiendes Baby mit Saugverwirrung
Hat mein Baby eine Saugverwirrung? Hier findest du Anzeichen und Hilfe! © Bigstock / Shutter2u

Was ist eine Saugverwirrung?

Die WHO empfiehlt, Säuglinge bis zur Vollendung des sechsten Lebensmonats ausschließlich zu stillen. Manches Mal ist das allerdings leichter gesagt als getan. Wenn dein Baby – vor allem in seinen ersten Lebenswochen – an einer Saugverwirrung leidet und das Stillen mehr Frust als Lust ist, ist die Verzweiflung groß. Doch was versteht man überhaupt unter einer Saugverwirrung?

Von einer Saugverwirrung beim Säugling spricht man dann, wenn das Saugen an der Mutterbrust dauerhaft falsch erfolgt. In weiterer Folge können betroffene Mütter ihr Kind nicht mehr sättigend an der Brust füttern. Eine Situation, die für Mama und Baby gleichermaßen belastend ist und nicht selten damit endet, dass die Mutter abstillen muss. Doch so weit muss es nicht kommen!

Hat mein Baby eine Saugverwirrung?

Dein Baby trinkt nicht? Die Symptome einer Saugverwirrung bei deinem Baby erkennst du recht deutlich. Hebamme Ursula Flagmeier fasst die gängigen Anzeichen eines gestörten Saugverhaltens wie folgt zusammen:

  • Statt einem kompletten Einsaugen der Brustwarze, kommt es lediglich zu einem Nuckeln. Dein Baby verliert die Brustwarze immer wieder oder stößt sie aus dem Mund.
  • Der Saugmechanismus ist schwach und nicht erfolgreich. Dein Baby erhält also keine beziehungsweise nur geringe Mengen Muttermilch – die Trinkmenge ist unterdurchschnittlich.
  • Die Brust wird immer wieder losgelassen, dein Baby ist unruhig und schreit die Brust an.
  • Die Brust wird von deinem Baby schlussendlich ganz verweigert.

Saugverwirrung: Gründe

Zu einer Saugverwirrung beim Baby kommt es meist dann, wenn – vor allem in den ersten Lebenswochen – zusätzlich zur mütterlichen Brust künstliche Sauger angeboten werden. Im Klartext bedeutet das: Fläschchensauger, Stillhütchen oder Schnuller können unter Umständen dann eine Saugverwirrung hervorrufen, wenn es deinem Baby schwer fällt, zwischen Brust und künstlichen Saugern zu wechseln.

 

Unabhängig davon kann eine Saugverwirrung ebenso auftreten, wenn dein Säugling sehr viel an seinen Fingern oder seiner Lippe saugt. Manche Babys reagieren auch bei falscher Anlegetechnik mit einem Stillstreik.

 

Der Grund für die Schwierigkeit beim Wechseln zwischen Brust und künstlichen Saugern ist leicht erklärt: Das Saugen an der Brust ist ein hochkomplexer Vorgang, der deinem Baby einiges an Technik abverlangt, während beim Trinken aus dem Fläschchen die Milch ohne große Anstrengung fließt. Wambach K, Riordan, Autor des Ratgebers “Breastfeeding and Human Lactation“, fasst die Unterschiede in seinem Buch in folgender Grafik zusammen:

 

 

Stillen Flaschenfütterung
Mundöffnung Weite Mundöffnung erforderlich Schmalere Mundöffnung
Lippen Die Lippen liegen nach außen gestülpt und entspannt auf der Brust und bilden einen „Dichtungsring“ für die Erzeugung des Vakuums. Die Lippen werden schmaler zusammengepresst, um den Kontakt zum Sauger herzustellen.
Kiefer Intensive Kieferbewegungen Minimale Kieferbewegung
Zunge Die Zunge legt sich von unten um die Brustwarze herum und bewegt sich peristaltisch von vorne nach hinten Die Zunge wird hochgehoben und gegen den Sauger geschoben, um den Milchfluss zu kontrollieren.
Saugen Stillen besteht aus nutritivem Saugen, bei dem Milch fließt und geschluckt wird (Saugfrequenz: 1-mal pro Sekunde) und nicht-nutritivem Saugen (Saugfrequenz: 2-mal /Sekunde) am Anfang des Stillens zum Auslösen des Milchspendereflex, zwischendurch, wenn der Milchfluss nachlässt, und am Ende der Stillmahlzeit. Nur nutritives Saugen, niedrigere Saugfrequenz als beim Stillen
Kontrolle Das Baby kontrolliert den Milchfluss, der durch die Saugbewegungen des Kindes ausgelöst wird. Wenn das Baby nicht mehr saugt, hört die Milch auf zu fließen. Die Milch läuft kontinuierlich ohne Zutun des Babys. Das Baby muss den Milchfluss durch Zudrücken des Saugers stoppen.
Quelle: Wambach K, Riordan J: Breastfeeding and Human Lactation, Jones & Bartlett Learning, 2016. S. 104.

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Mögliche Folgen einer Saugverwirrung

Für dich selbst sowie für dein Baby kann sich eine Saugverwirrung äußerst negativ auswirken:

  • Durch die stetig falsche Saugtechnik kommt es zu wunden und schmerzhaften Brustwarzen.
  • Die Milchproduktion wird nicht entsprechend angekurbelt.
  • Es kommt zum Milchstau, im schlimmsten Fall sogar zu einer Mastitis (Brustentzündung).
  • Das Gewicht deines Baby entwickelt sich nicht so, wie es sollte.
  • Meist unfreiwillig wird abgestillt.

Saugverwirrung vorbeugen

Einer Saugverwirrung bei deinem Baby beugst du am besten vor, indem du möglichst keine künstlichen Sauger wie Fläschchen oder Schnuller anbietest. Vor allem in den ersten Lebenswochen solltest du strikt darauf verzichten. Danach fällt Kindern der Wechsel zwischen der mütterlichen Brust und künstlichen Saugern meist leichter.

Auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)weist deutlich darauf hin, dass Sauger und Schnuller bei gestillten Kindern gerade in den ersten Lebenswochen möglichst vermieden werden sollen. Auf diese Weise könne man einer Saugverwirrung nachhaltig vorbeugen. Darüber hinaus bestehe keine Notwendigkeit, einem gesunden, vollgestillten Säugling Flüssigkeit oder Nahrung zuzufüttern. Sollte jedoch eine Indikation dazu vorhanden sein, ist es sinnvoll, dass du auf alternative Zufütterungsmethoden wie etwa die Becherfütterung setzt. Das BfR bezieht sich bei seinen Empfehlungen auf die Nationale Stillkommission.

Was kann ich bei einer Saugverwirrung tun?

Nachdem jedes Kind individuell ist, können weder das Auftreten einer Saugverwirrung, noch ihre Dauer vorhergesehen werden. Manchen Babys fällt es leicht, von der mütterlichen Brust auf künstliche Sauger und zurück zu wechseln, manche Babys reagieren darauf mit Irritation. Und manchmal kann eine Saugverwirrung sogar völlig unvermittelt bei älteren Babys auftreten, die künstliche Sauger gewohnt sind.

5 Tipps gegen eine Saugverwirrung

Wichtig ist in erster Linie, dass du bei einer Saugverwirrung so entspannt wie möglich bleibt. Geduld ist hier das Zauberwort. Keinesfalls darfst du eine Stillverweigerung persönlich nehmen. Folgende 5 Ansätze können helfen, den Stillstreik aufzulösen:

  1. Stillen im Halbschlaf
    Stille dein Baby, wenn es sich im Halbschlaf befindet. Die automatisierte Saugtechnik funktioniert dann am besten.
  2. Die richtige Atmosphäre
    Gestalte euch beiden die Atmosphäre beim Stillen so entspannt und ungestört wie möglich. Eine bequeme Stillposition, viel Körperkontakt und gedimmtes Licht sind sinnvoll.
  3. Anlegetechnik überprüfen
    Achte darauf, dass du dein Baby richtig anlegst. Sein Mündchen muss Brustwarze UND Warzenvorhof umschließen.
  4. Milchspendereflex anregen
    Wenn du bereits vor dem Stillen den Milchspendereflex durch entsprechende Streichbewegungen auslöst, erleichterst du deinem Baby die Arbeit und es schmeckt rasch Erfolg.
  5. Kein Fläschen oder Schnuller
    Bei bestehender Saugverwirrung solltest du zumindest vorübergehend Abstand von Fläschchen oder Schnuller nehmen. Ein Stillhütchen kann kurzfristig das Trinken an der Brust durchaus unterstützen. Es sollte aber nicht zu lange angewendet werden.

Verurteile dich aber auch nicht, wenn du es nicht schaffst, dein Kind wieder an deine Brust zu gewöhnen und du abstillen musst. Jede Stillbeziehung ist individuell und manche enden aus verschiedenen Gründen eher, als andere. Vielleicht hilft dir ja der Erfahrungsbericht einer Mutter, die genau diese problematische Phase durchgehen musste:

Körperlich am Ende, Stillprobleme, Brustschreiphase