Schmelzflocken » Nahrung für Babys oder Gefahr für die Gesundheit?

Schmelzflocken: Ergänzungsnahrung für Babys oder Gefahr für die Gesundheit?

Wenn das eigene Baby durch reine Mutter- oder Flaschenmilch nicht satt wird, überlegen Mütter, der Milch Schmelzflocken hinzuzufügen. Doch wie gefährlich kann das für die Gesundheit des Babys sein?

Ein Baby wird mit der Flasche gefüttert
Schmelzflocken - Wie gut sind sie wirklich für Babys? © Bigstock / romrodinka

Was sind Schmelzflocken?

Der Name „Schmelzflocken“ ist ein eingetragener Name der Marke Kölln. Bei anderen Herstellern findest du sie eher unter dem Begriff „lösliche Haferflocken“. Im Gegensatz zu Haferflocken werden Schmelzflocken aus einem gemahlenen Getreidekorn hergestellt.

Sie lösen sich deshalb besonders einfach in Flüssigkeiten auf und sind besonders leicht zu kauen und schlucken. Mittlerweile werden Schmelzflocken sogar extra für Kinder beworben. Manche Marken tun das beispielsweise mit dem Zusatz „Ab dem 4. Monat bis ins Kinderalter“.

Warum geben Eltern Schmelzflocken?

„Muttermilch alleine macht nicht satt! Gib ein paar Schmelzflocken in die Milch am Abend, dann ist dein Kind lange satt und schläft besser durch!“ Dieser Großeltern Tipp ist genauso veraltet und falsch wie „Babys muss man auch mal schreien lassen!“ und „Kinder müssen ihren Teller immer aufessen!“. Trotzdem hält sich das Gerücht hartnäckig, dass die Mutter- oder Flaschenmilch angedickt werden sollte, damit das Kind alle Nährstoffe bekommt und satt wird.

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Experten warnen vor Schmelzflocken für Säuglinge

Doch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. warnt vor einer zusätzlichen Gabe von Schmelzflocken oder anderen Zusätzen: „Als Ersatz für Muttermilch eignen sich ausschließlich spezielle Säuglingsmilchnahrungen. Die „klassische“ Milchflasche, wie sie von manchen Müttern selbst hergestellt wird, mit Vollmilch und Zusatz von Kohlenhydraten, z. B. Haferflocken oder Grieß, ist als Ersatz für Muttermilch nicht geeignet. Die Zubereitungen weisen einen zu hohen Proteingehalt auf und zu wenig Vitamine und Spurenelemente. (…) Muttermilch ist die natürliche und optimale Nahrung für den Säugling. Sie enthält alle notwendigen Nährstoffe in der richtigen Zusammensetzung und passt sich den Bedürfnissen des Kindes an.“

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung warnt außerdem vor der Gabe von rohem Getreide, da auch das schwer verdauulich ist und gefährliche Keime enthalten kann.

Schmelzflocken auch im Beikostalter nicht bedenkenlos

Schmelzflocken kann man nicht nur der Milch hinzufügen um sie zu verdicken, man kann sie auch als eigenen Brei füttern. Doch auch dann sind die Flocken nicht unumstritten. Denn da das Verdauungssystem der Kinder noch nicht ausgereift genug ist, fällt es ihnen schwer, den Brei richtig zu verdauen – die wichtigen Kohelnhydrate können somit nicht vom Körper aufgenommen werden. Zwar sättigen sie dein Kind vorerst, doch es fehlt ihnen an wichtigen Nährstoffen wie Eisen und Kohlenhydraten.

Ärzte empfehlen die Flocken daher erst ab dem sechsten Monat. Studien, wie zum Beispiel eine aktuelle Studie des Instituts für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn empfehlen zum Getreide-Milch-Brei, der ab dem sechsten Monat Abends gegeben werden sollte, bei der Wahl von Getreide- oder Schmelzflocken Vollkornprodukte zu verwenden und den Brei selbst zuzubereiten. Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. warnt vor fertigen Getreidemilchbreien, da diese oft zusätzlich gesüßt sind und Fettsucht fördern können.

Alternative zu Schmelzflocken

Wird dein Kind vor dem sechsten Monat jedoch immer noch nicht satt und du auf Alternativen zu Schmelzflocken zurückgreifen willst, gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Beim Stillen
    Wenn du stillst, könntest du versuchen, die Trinkmenge deines Kindes zu erhöhen. Aber Vorsicht: Du solltest es nicht zwingen.Dreht dein Kind seinen Kopf eigenständig von deiner Brust weg, ist das ein klares Zeichen, dass es satt ist. Das solltest du respektieren.
  • Bei Flaschennahrung
    Wenn du dein Kind mit der Flasche fütterst, kannst du überlegen, auf die nächsthöhere Babynahrung umzusteigen. Wenn du unsicher bist, frag deine Hebamme, sie kann dir bestimmt weiterhelfen und gute Tipps geben.


Quellen:

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: Milch für die Säuglingsernährung
    https://www.dge.de/ernaehrungspraxis/bevoelkerungsgruppen/saeuglinge/milch-fuer-die-saeuglingsernaehrung/ (letzter Abruf: April 2019)
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Empfehlungen zur Säuglingsernährung
    https://www.kindergesundheit-info.de/themen/ernaehrung/0-12-monate/saeuglingsernaehrung/ (letzter Abruf: April 2019)
  • Ute Alexy; Annett Hilbig: Säuglingsernährung. Eine Publikation des Institut für Ernährungs- und Lebensmittelwissenschaften der Universität Bonn (2016)
    https://www.ernaehrungsepidemiologie.uni-bonn.de/forschung/donald-1/publikationen/eu12-2016-update-sauglingsernahrung.pdf (letzter Abruf: April 2019)
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V..: Säuglingsernährung (2014)
    https://www.kinderaerzte-im-netz.de/media/53eca0f133af614b73016a02/source/20140327105614_saeuglingsernaehrung2014-1.pdf (letzter Abruf: April 2019)