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Schreibaby – Tipps & Hilfe für verzweifelte Eltern

vonBarbara Schniebel

Dein Baby schreit – ohne erkennbaren Grund? Wie du dein Schreibaby beruhigen kannst, und wie lange das exzessive Schreien dauert, liest du hier.

vonBarbara Schniebel
Wenn ein Baby schreit, dann fehlt ihm etwas. Bei einem Schreibaby ist das aber nicht immer so.
Wenn ein Baby schreit, dann fehlt ihm etwas. Bei einem Schreibaby ist das aber nicht immer so.
© Bigstock/ HalfPoint

Wann spricht man von einem Schreibaby?

Laut dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. ist ein Schreibaby „ein Säugling, der täglich mehr als drei Stunden an mindestens drei Tagen der Woche über mehr als drei Wochen aus unerklärlichen Gründen schreit.“ Das ist die sogenannte Dreier-Regel:

3 Stunden – 3 Tage – 3 Wochen!

 

Wann fängt das Schreien an?

Meistens fängt ein Schreikind im Alter von zwei Wochen mit dem langen Schreien an. Und das passiert dann auch plötzlich – ganz ohne Vorwarnung: Eine Sekunde vorher war noch alles okay war und plötzlich lässt sich das Baby kaum mehr beruhigen.

Typischerweise beginnen hier die Schreiphasen meist am späten Nachmittag oder in den frühen Nachtstunden. Dabei ballen Babys ihre Fäuste zusammen und ziehen die Beine an.

Außerdem hat ein Schreikind oft einen aufgeblähten Bauch, weil durch das Schreien viel Luft in den Bauch kommt.

Welche Ursachen hat das exzessive Schreien?

Früher wurde oft angenommen, dass die Luft im Bauch der Grund für das Schreien ist. Sie führt zu Bauchschmerzen und Blähungen weswegen das Baby schreit.

Heute wissen Ärzte, dass diese Babys einfach noch nicht gelernt haben, wie sie sich selbst beruhigen können. Deswegen spricht man hier von einer sogenannten Regulationsstörung. Andere Beispiele davon sind Schlafprobleme, Essstörungen oder starke Trennungsängste.

 

Wieso hat mein Baby eine Regulationsstörung?

Wieso ein Kind ein Schreibaby ist, versteht man bis heute nicht vollständig. Es gibt jedoch verschiedene Erklärungsversuche für das exzessive Schreien:

Laut dem deutschen Ärzteblatt können beispielsweise Infektionen, Verletzungen oder bestimmte Unverträglichkeiten auch Gründe sein, wieso das Baby so viel schreit.

Die genauen Ursachen können nur durch eine medizinische Untersuchung beim Kinderarzt geklärt werden.

Was können Eltern selbst für ihr Schreibaby tun?

Die meisten Eltern versuchen, ihr Schreikind durch Schaukeln, Wippen, auf und ab Laufen, Singen und Ähnliches zu beruhigen. Meist macht es zunächst auch den Eindruck, als würden diese Maßnahmen helfen. Das Baby schreit nicht mehr!

Aber die Ruhe ist meist nicht von langer Dauer und das Geschrei geht bald wieder los. Hier sind einige Tipps, die du ausprobieren kannst.

Lege dir ein Schreibaby-Tagebuch zu

  • Notiere die Zeiten, in denen dein Baby schreit, schläft und ruhig ist. Diese Daten helfen dabei, den Tagesrhythmus deines Kindes zu verstehen. Sie sind aber auch für einen Arzt oder Berater interessant.

Sorge für die richtige Umgebung

  • In einem Interview erklärt die Kinderpsychologin Silvia Schneider: „Kinder mit Regulationsproblemen brauchen vor allem sehr regelmäßige Tagesabläufe, eine reizarme Umgebung aber auch viel Körperkontakt und positive Zuwendung.“

Lass ein Schreikind nicht alleine

  • Schreibabys sind oft sehr anhänglich und wollen immer bei den Eltern sein. Es kann für dein Kind schwer zu verkraften sein, wenn es länger allein gelassen wird bzw. die Eltern nicht da sein.

Schirme dein Baby von Reizen ab

  • Gerüche, Geräusche und die vielen neuen Eindrücke können zu einer Reizüberflutung bei deinem Baby führen. Wenn das der Fall ist, gibt es Techniken, mit denen du Reize abschirmen kannst. Du kannst dich beispielsweise mit deinem Baby auf die Seite legen und seinen Blick zu deinem Bauch lenken.

Kühle das Schreibaby ab

  • Langes Schreien kann dazu führen, dass die Körperwärme deines Kindes steigt. Dadurch fühlt sich dein Baby unwohl und schreit noch mehr. Ein echter Teufelskreis. Hier wirken feuchte, kühle Kompressen beruhigend.

Dein Baby pucken

  • Nach der Geburt fehlt manchen Babys die Enge aus dem Mutterleib. Das Pucken eine Wickeltechnik, die dem entgegenwirken soll. Manche Babys mögen es, gepuckt zu werden – andere dagegen gar nicht. Hier heißt es: Ausprobieren!

Steige ins Auto

  • Das mag jetzt umwelttechnisch  nicht so ratsam sein, aber viele Eltern von Schreibabys schwören auf die Wirkung einer Autofahrt. Alternativ kannst du es mit einen Spaziergang im Kinderwagen versuchen.

Bad oder Babymassage

  • Ein warmes Bad oder eine Massage können helfen, dein Baby zur Ruhe zu bringen. Du solltest dabei nur darauf achten, dass dein Baby nicht friert und du keine sehr geruchsintensiven Öle verwendest, die können dein Schreikind zusätzlich irritieren.

Wenn möglich: Ruhig bleiben

  • Dein Kind bemerkt, wenn du frustriert bist und nervös wirst. Dadurch können diese Gefühle auf dein Schreibaby übertragen werden.

Hol dir Hilfe, wenn du sie brauchst

  • Wenn dein Baby exzessiv schreit, heißt das nicht, dass du eine schlechte Mutter bist! Habe also keine Angst, um Hilfe zu bitten. Familie und Freunde können dir beistehen und dich tatkräftig unterstützen. Hilfe für dich und dein Schreikind erhältst du auch bei Beratungsstellen.

Mama Danielas Sohn war auch ein Schreibaby. Wie sie diese Zeit erlebt hat, erzählt sie hier:

: Mein Kind war ein Schreibaby

Soll ich ein Schreibaby schreien lassen?

Es wird oft behauptet, dass es einem Kind hilft, wenn es man es einfach mal schreien lässt. „Es kräftigt die Lungen“ und „so lernt das Baby, sich selbst zu beruhigen“ heißt es dann. Das ist falsch!

In Wirklichkeit lernt dein Baby nur,  dass seine Bedürfnisse nur gestillt werden, wenn es weint. – Außerdem werden mehr Stresshormone produziert, die dein Kind belasten können.

: Die Ferber-Methode

„Ich schaff das nicht“ – Schreiambulanzen unterstützen dich

Wenn Kinder stundenlang und scheinbar grundlos schreien und nicht zu beruhigen sind, hat das Auswirkungen auf die ganze Familie. Eltern von einem Schreibaby haben oft einen großen Schlafmangel.

Schlimmer aber: Viele Elternteile sind niedergeschlagen, sie sind verunsichert und fühlen sich, das hätten sie in ihrer Elternrolle versagt.

Verzweifelte Eltern können sich beim Kinderarzt, Hebammen oder bei sogenannten Schreiambulanzen beraten lassen und Hilfe bekommen. Hier wirst du auch schnell feststellen, dass du als Elternteil absolut nicht versagt hast. Mut der richtigen Beratung und Behandlung kann sowohl dir wie auch deinem Schreikind effektiv geholfen werden.

Wenn es trotzdem mal zu viel wird: Mach eine Pause!

Wenn dein Kind absolut nicht aufhören will zu schreien und du schon merkst, dass du deine Schmerzgrenze erreichst, dann nimm eine kurze Auszeit.

Wichtig: Schüttele dein Baby niemals, egal wie sehr es schreit. Damit schadest du ihm – im Zweifel sogar langfristig. schütteln, können Sie ihm lebenslang schaden!“

Also: Das Schreibaby sicher im Kinderbett ablegen und einen Moment aus dem Zimmer gehen und tief durchatmen.

Zum Aufatmen: Das Schreien ist nur eine Phase

Wenn dein Kind ein Schreibaby ist, dann bist du damit nicht allein. Laut dem Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales schreit „etwa jeder 5. Säugling […] in den ersten Lebensmonaten übermäßig viel.“

Babys entwickeln sich jeden Tag weiter – und damit lässt auch das Schreien immer mehr nach. Laut dem deutschen Ärzteblatt schreien bis zum dritten Lebensmonat rund 16 Prozent der deutschen Babys sehr viel „zwischen dem 3. und 6. Lebensmonat sinkt die Rate auf 6% und nach dem 6. Lebensmonat schreien noch 2,5% der Babys ungewöhnlich viel.“  Ein Schreikind wird also nicht immer so viel schreien!

Quellen

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