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„Schreien lassen stärkt die Lunge!“ – und andere Ratschläge für die Tonne

Es gibt Sprüche, die hängen Eltern irgendwann einfach zu den Ohren raus. Seine persönlichen Spitzenreiter stellt uns Papa und Autor Markus Kirschbaum heute vor.

Schreien stärkt die Lunge? So ein Unsinn!
Schreien stärkt die Lunge? So ein Unsinn!
BigStock / troyanphoto

Wenn Kinder kommen, kommen auch die Ratschläge

Eltern kennen es: Sobald Kinder kommen, kommen auch die Ratschläge! Die guten, die weniger guten – und eben jene, die lediglich für die Tonne taugen. Meine persönlichen Top 6 aus all den Jahren des Papa-Daseins will ich euch nicht vorenthalten!

# 1: „Schreien lassen stärkt die Lunge!“

Gerade Neo-Eltern bekommen diesen Spruch verdammt oft zu hören. Meist von der schon etwas betagteren Generation (schwarze Pädagogik lässt grüßen…). Gerne wird er lautstark im Brustton der Überzeugung verkündet. Damit eben auch wirklich jeder weiß, welche Erziehungsmaxime die einzig Wahre ist. Tja, meistens habe ich in solchen Augenblicken mit den Schultern gezuckt und ebenfalls im Brustton der Überzeugung entgegnet, dass mein armes Kind dann wohl mit einer schwachen Lunge leben wird müssen…

Interessante Feststellung am Rande: Diejenigen, die das Schreien zur Lungenstärkung besonders gerne propagierten, waren meist auch diejenigen, die beim kleinsten Mucks des Babys unruhig wurden und rieten: „Er/Sie weint! Nimm ihn/sie besser schnell hoch!“

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# 2: „Was hat er/sie denn?“

Frühe Erkenntnis eines Papas: Wenn man ein schreiendes Bündel Mensch am Arm hat, kommt häufig die äußerst sinnvolle Frage: „Was hat er/sie denn?“ Tja, hätte ich das gewusst, hätte ich das Schreikonzert wohl beizeiten abgestellt!

# 3: „Kriegt das Baby da drin überhaupt Luft?“

Mein absoluter Favorit ist diese Frage! Über all die Jahre des Babytragens ist sie meiner Frau und mir gefühlte drei Millionen Mal gestellt worden. Wenn ich gerade lustig drauf war, meinte ich dazu nur: „Wissen Sie, wenn es keine Luft kriegt, kann es auch nicht schreien. Aber das ist wiederum schlecht für die Lunge!“ Tja, wie man es macht, macht man es falsch…

# 4: „Wenn ihr ihn/sie immer tragt, wird er/sie nie laufen!“

Hat man ein Kind auf dem Arm, dem Rücken, der Hüfte oder sonst wo, kommt unweigerlich irgendwann irgendjemand mit dieser Weisheit an. Also merke: Tragen verzögert – aus welchen Gründen auch immer – die motorische Entwicklung! Meine beiden Nachwüchse gehören dann wohl in die Kategorie „wissenschaftliche Ausnahmen“. Sie bewegen sich nämlich ganz passabel fort…

# 5: „Schläft er/sie denn schon durch?“

Die idiotischste Frage, die man jungen Eltern stellen kann, ist wohl diese. Augenringe, Gähnanfälle und ein absolut bemitleidenswertes Erscheinungsbild lassen doch ohnehin nur einen Rückschluss zu. Wer also nachtaktiven Eltern die Gretchenfrage stellt, darf sich über Reaktionen in Form von verbalen Rundumschlägen nicht wundern. Zu wenig Schlaf macht eben emotional. Sehr emotional!

# 6: „Gebt ihm/ihr doch endlich etwas Richtiges zu essen!“

Genau! Milch ist nämlich nun wirklich nichts für das Baby von heute! Man bringe ihm also schleunigst einen Schweinsbraten mit Knödeln und Saft und den Spritzwein! Eine ausgewogene Ernährung ist schließlich das A&O. Und das weiß eben niemand besser als das gesamte Umfeld!