Wenn das Baby nicht aufhört zu schreien – Prävention gegen Schütteltrauma

Mama und Baby
© Unsplash/ Jimmy Conover

„Schüttle dein Baby nie“ – jedes Elternteil kennt diese Regel eigentlich. Trotzdem erleiden jährlich hunderte Babys in Deutschland ein gefährliches Schütteltrauma. Untersuchungen zeigen, dass ein deutlicher Aufklärungsbedarf besteht. Spezielle Puppen sollen dabei helfen.

Schütteltrauma – Was bedeutet das eigentlich?

Bei einem Schütteltrauma handelt es sich um eine Hirnverletzung, die bei Babys und Kleinkindern durch heftiges Schütteln entsteht.

Denn: Säuglinge können wegen ihrer schwachen Nackenmuskulatur ihren Kopf noch nicht allein halten. Durch gewaltsames Schütteln wird das Gehirn im Schädel vor- und zurückgeworfen. Dadurch können Blutgefäße oder Nervenbahnen reißen.

Ein Schütteltrauma – oder auch Schütteltrauma-Syndrom – kann für Kinder schwerwiegende Folgen haben.

Lebenslange Behinderungen bis hin zum Tod

Laut dem Nationalen Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) sind die Folgen eines Schütteltraumas bei Babys gravierend. In einem Info-Blatt zeigen sie die lebenslangen Folgen auf:

  • „10 bis 30 Prozent der geschüttelten Kinder, die in eine Klinik gebracht werden, sterben!“
  • Bei zwei Dritteln der Babys, die überleben, kommt es unter anderem zu Schäden wie Krampfanfällen, Entwicklungsverzögerungen oder Sprachstörungen.
  • Nur etwa zehn bis 20 Prozent der Babys mit einem Schütteltrauma überleben ohne bleibende Schäden.

Tatsächlich sind misshandlungsbedingte Kopfverletzungen, zu denen auch das Schütteltrauma gehört, bei Kleinkindern und Säuglingen die häufigste nicht natürliche Todesursache.

: Info
Vorkommen in Deutschland

Laut Schätzungen werden pro Jahr in Deutschland zwischen 100 und 200 Babys mit einem Schütteltrauma in Krankenhäuser gebracht. Jedoch vermuten Experten eine weitaus größere Dunkelziffer: Entwicklungsstörungen sowie körperliche Beeinträchtigungen bei Kleinkindern könnten auf ein unbekanntes Schütteln im Babyalter zurückzuführen sein.

Das Gefährliche: Symptome sind schwer erkennbar

In den meisten Fällen kommt das Schütteltrauma-Syndrom ganz ohne Symptome vor – Anzeichen können auch nur leicht oder unspezifisch sein.

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen schreibt:

„Nach heftigem Schütteln können die Kinder Symptome zeigen, die von Blässe und Reizbarkeit über Apathie und Erbrechen bis hin zu Krampfanfällen und Atemstillstand reichen.“

Babyschreien ist ein häufiger Auslöser für das Schütteln

Mehrere Studien und Untersuchungen konnten bereits zeigen, dass Babygeschrei der klare Hauptauslöser für das Schütteln sind. Das NZFH erklärt:

„Gerade in den ersten Monaten scheinen viele Schreianfälle unvorhersehbar. In bis zu 10 Prozent der Schreianfälle ist das Baby untröstlich. Alle Versuche der Eltern, das Kind zu beruhigen, bleiben erfolglos. Dies kann bei den Eltern Gefühle der Hilflosigkeit, Frustration und Wut auslösen und schließlich zum Schütteln des Kindes im Affekt führen.“

Tatsächlich überlappt sich der Zeitraum, in dem Kinder besonders viel schreien, mit dem Zeitpunkt, an dem es am ehesten zu einem Schütteltrauma kommt. Deutsche und internationale Studien kamen außerdem zu dem Ergebnis, dass Schütteln oft nicht vereinzelt, sondern mehrfach vorkommt und dass Väter oder Lebensgefährten der Mutter häufig die Verursacher sind.

Prävention gegen Schütteltrauma

Obwohl die gravierenden Folgen des Schüttelns bekannt sind, beklagen Experten immer wieder den mangelnden Wissensstand der Bevölkerung zum Thema. Eine bundesweite Befragung des NZFH im Jahr 2017 kam zu dem Ergebnis, dass:

  • 42 Prozent der Befragten noch nie von Schütteltrauma gehört hat.
  • 24 Prozent von ihnen denken, dass Schütteln für ein Baby »vielleicht nicht so schön sei, ihm aber auch nicht schade«.
  • zwei Drittel der Befragten nicht weiß, dass es im ersten Lebensjahr eine Schreiphase gibt.
  • 21 Prozent von ihnen meinen, dass Eltern etwas falsch machen, wenn Babys sehr viel schreien.

Es besteht also klar ein Aufklärungsbedarf in der Bevölkerung.

: Was ist normal?

‚Shaken Baby‘-Puppen sollen die Gefahren aufzeigen

Um die Gefahren des Schüttelns aufzuzeigen, werden immer öfter sogenannte ‚Shaken Baby‘-Puppen verwendet. Diese speziellen Baby-Puppen haben einen durchsichtigen Kopf und können dadurch anschaulich zeigen, wie schnell das Baby-Hirn Schaden tragen kann.

Wird die Puppe aktiviert, beginnt sie zu schreien – erst, wenn das Kind geschüttelt wird, stoppt auch das Geschrei. LED-Lampen im Kopf zeigen gleichzeitig an, welche Teile des Gehirns durch das Schütteln Schaden getragen haben. Symbole an der jeweiligen Stelle, an der das Licht leuchtet, erklären, welche Funktionen dadurch beeinträchtigt sein können.

Im Zuge der Initiative #SchüttelMichNicht der Babylotsen der Charité – Universitätsmedizin Berlin und dem German Council of Shopping Places (GCSP) wurden ‚Shaken Baby‘-Puppen an verschiedene Krankenhäuser und Experten gespendet, damit diese Eltern verdeutlichen können, dass sie ihr Kind auf keinen Fall schütteln sollten.

Hilfe für Eltern – Schreiambulanzen und weitere Tipps

Wenn das Baby nicht aufhören will zu schreien, dann bringt das die Eltern schnell an ihre Grenzen. Wenn dir mal alles zu viel wird, solltest du dir immer eine Pause nehmen. Lege dein Baby sicher in seinem Bett ab und gehe einen Moment aus dem Zimmer, um dich zu beruhigen.

Das Baby ein paar Minuten schreien zu lassen ist allemal besser, als es zu schütteln.

Außerdem musst du dich absolut nicht schämen, wenn du professionelle Hilfe – zum Beispiel in Form einer Schreiambulanz – benötigst. Schreiambulanzen können Eltern mit Schreibabys effektiv helfen.

Hier findest du Hilfe:

Ich habe mein Kind geschüttelt, was jetzt?

Wenn du dein Kind geschüttelt hast oder es von jemand anderem geschüttelt wurde, gilt: Sofort den Rettungsdienst rufen. Schnelle Hilfe steigert die Chancen für das Baby.

Gibt es rechtliche Konsequenzen vom Schütteln?

Tatsächlich gilt das Schütteln eines Kindes als eine Form der Kindesmisshandlung. Je nach Land und Gericht variieren die genauen rechtlichen Konsequenzen. Von Klagen wegen Körperverletzung und Kindesmisshandlung über Entzug des Sorgerechts bis hin zu Schadensersatzklagen (bei fremden Babys).

Die rechtlichen Konsequenzen sollten in keinem Fall davon abhalten, Hilfe zu rufen – damit setzen alle Beteiligten das Leben des Babys aufs Spiel.

Quellen