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Tipps fürs Stillen mit Flachwarzen, Hohlwarzen und Schlupfwarzen

Es gibt viele verschiedenen Gründe für Stillprobleme – ein möglicher Grund ist beispielsweise deine Brust. Bei einigen Brustwarzenformen kann es nämlich eher zu Problemen kommen. Hier liest du, wie das Stillen mit Flachwarzen, Hohlwarzen und Schlupfwarzen gelingt.

Stillprobleme durch die Brustwarzenform: Was tun?
Stillprobleme durch die Brustwarzenform: Was tun?
© Bigstock/ Milkos

In diesem Artikel:

Schätzungen zufolge haben bis zu zehn Prozent aller Frauen Flach- oder Hohlwarzen. Diese beiden Brustwarzenformen, sowie Schlupfwarzen, sind ganz normal und müssen auch nicht unbedingt zu Stillproblemen führen. Jedoch ist ein korrektes Anlegen sowie das Benutzen einiger Hilfsmittel für einen Stillerfolg in manchen Fällen sehr wichtig.

Flachwarzen, Hohlwarzen & Schlupfwarzen: Welche Form habe ich?

In der Regel werden vier verschiedene Brustwarzenformen unterschieden – es kann übrigens auch vorkommen, dass du zwei unterschiedliche Brustwarzen hast.

  1. ‚normale‘ Brustwarze: Der Warzenhof ist leicht angehoben – bei Stimulation richtet sich die Brustwarze weiter auf.
  2. Schlupfwarze: Im Ruhezustand steht die Brustwarze hervor – bei Stimulation zieht sie sich aber zurück
  3. Flachwarze: Die Brustwarze hat einen eher kurzen Stiel – bei Stimulation bleibt sie oft unverändert.
  4. Hohlwarze: Der Warzenhof hat eine Wölbung außen, innen ist eine Vertiefung – bei Stimulation zieht sich die Brustwarze noch mehr zurück.

Welche Brustwarzenform du hast, kannst du meist durch das Anschauen oder bei Stimulation erkennen. Flach- und Hohlwarzen sind meistens angeboren oder entstehen in der Pubertät.

Übrigens: Mit der Zeit können sich die Brustwarzenformen auch leicht ändern. Vielleicht hast du bei deinem ersten Kind noch Stillprobleme wegen einer Flachwarze – beim zweiten Kind ist deine Brustwarze dann aber schon elastischer und das Stillen ist viel einfacher.

Weil das Stillen mit Flachwarzen oder Hohlwarzen manchmal zu Problemen führt, versuchen viele Frauen schon in der Schwangerschaft, ihre Brustwarzen auf das spätere Stillen vorzubereiten.

Brustwarzen in der Schwangerschaft formen

Ob es sich lohnt, Schlupf- und Hohlwarzen schon in der Schwangerschaft zu formen, um spätere Stillprobleme zu verhindern, wird stark diskutiert. Früher galt das Formen als wirkungslos oder sogar gefährlich, da es zu Verletzungen kommen kann. In den letzten Jahren empfehlen einige Hebammen, dass Frauen in der Schwangerschaft ihre flachen oder eingezogenen Brustwarzen durch verschiedene Methoden sanft und vorsichtig formen.

So kannst du deine Brustwarzen schon in der Schwangerschaft formen:

  • Brustwarzenformer: Die flachen Plastikscheiben haben ein Loch in der Mitte für die Brustwarze und eine Wölbung darüber. Der Former wird in den BH gelegt, so baut sich Druck auf den Warzenhof auf und die Brustwarze wird herausgedrückt. Das soll die Brustwarzen verlängern. Es gibt auch Studien, die positive Effekte bei Flach- und Hohlwarzen feststellen konnten – bei Schlupfwarzen gibt es keine klaren Effekte.
  • Hoffmann-Technik: Hier werden die Brustwarzen zwischen Daumen und Finger gedehnt. Heute wird diese Technik allerdings nicht mehr empfohlen, da keine Verbesserung der Stillfähigkeit nachgewiesen werden konnte.
  • Niplette: In den ersten sechs Schwangerschaftsmonaten kannst du die Niplette täglich acht Stunden tragen. Es entsteht ein Vakuum, dass Schlupfwarzen hervorhohlen soll. Es gibt aktuell keine großen Studien über die spätere Wirksamkeit – einige Mütter haben jedoch gute Erfahrungen damit gemacht.
  • Operation: In sehr schweren Fällen können die Brustwarzen mit einer Operation aufgerichtet werden. Da hier jedoch Risiken, zum Beispiel eine Verletzung der Milchkanäle, bestehen, sollte dieser Eingriff gut bedacht und eine letzte Option sein.

Vorsicht in den letzten Schwangerschaftswochen!

Einige Hebammen und Experten raten Schwangeren in den letzten Schwangerschaftsmonaten davon ab, die Brustwarzen zu formen. So könnte nämlich eine Frühgeburt begünstigt werden – Studien zu dem Thema gibt es allerdings nicht.

In ihrem Buch „Counseling the Nursing Mother“ schreiben Judith Lauwers und Anna Swisher jedoch, dass die Brustwarzen im letzten Schwangerschaftsdrittel am besten auf die Verformung reagieren.

Es gilt hier: Sprich mit deinem Arzt oder deine Hebamme, bevor du deine Brustwarzen formen willst!

Stillen mit Flachwarzen & Hohlwarzen: Tipps

Stillprobleme durch besondere Brustwarzenformen entstehen meistens dadurch, dass das Baby die Brustwarze nicht richtig greifen oder finden kann. Es gibt hier einige Methoden, wie du deine Brustwarzen vor dem Stillen formen kannst. Außerdem kannst du deinem Baby das Anlegen durch andere Maßnahmen erleichtern.

Schlupfwarzen & Hohlwarzen vor dem Stillen formen

Auch direkt vor dem Stillen kannst du mit einigen Methoden deine Brustwarzen formen – ob und welche dieser Methoden bei dir funktioniert, musst du selbst ausprobieren:

  1. Brustwarzen sanft zwischen den Fingern zusammendrücken
  2. Kalte Kompresse auf die Brustwarze legen
  3. Brustwarzen-Sandwich: Hier formst du nicht deinen Brustwarzen, sondern deine Brust, indem du sie zwischen den Daumen und die restlichen Finger legst und leicht zusammenpresst. Die Brust ist dann nicht mehr rund, sondern eher länglich. Wenn du dann deine Brust gegen den Brustkorb drückst, steht die Brustwarze mehr hervor.
  4. Latch Assistent: Die speziellen Geräte werden vor dem Stillen angewendet. Durch ein Vakuum wir die Brustwarze hervorgeholt.
  5. Milchpumpen: Ähnlich wie bei einem Latch Assistent entsteht auch hier ein Vakuum – jedoch ist es hier auf eine größere Fläche verteilt – dass kann beispielsweise Ödeme verstärken. Die Milchpumpe sollte also nur benutzt werden, wenn es keine anderen Hilfsmittel gibt.
  6. Brustwarzenformer nach der Geburt: Nach dem Milcheinschuss kannst du Brustwarzenformer oder die Niplette weiterhin tragen. Jedoch kann durch das Eindrücken der Brustwarzen auch ein Milchstau entstehen. Auch hier gibt es risikoärmere Techniken.

Stilltipps für Hohlwarzen und Flachwarzen

  • Verzichte auf Schnuller bei deinem Baby – hier entwickelt sich eher eine Saugverwirrung.
  • Drücke vor dem Anlegen ein paar Tropfen Muttermilch aus deiner Brust. Das kann es deinem Baby leichter machen, die Brust zu finden und anzusaugen.
  • Stille in einer zurückgelegten Position – das steigert auch beim Stillen mit Hohlwarzen die Erfolgschancen.
  • Lege dein Baby asymmetrisch an: Dein Baby hat dann vom unteren Warzenhof mehr im Mund als vom oberen. Dazu hältst du die Brustwarze direkt unter die Nase deines Babys, es öffnet den Mund weit und nähert sich mit dem Kinn voran der Brust.
  • Nimm dir vor allem für die ersten Stilleinheiten Zeit und sei geduldig. In dieser Zeit können du und dein Baby das richtige Anlegen gut üben.

Unter Stillberatern ist der Nutzen von sogenannten Stillhütchen als Hilfsmittel bei Hohl- und Schlupfwarzen immer noch umstritten.

Kann ein Stillhütchen helfen?

Oft fragen sich Frauen, bei denen es zu Stillproblemen durch eine Flach- oder Hohlwarze gekommen ist, ob ein Stillhütchen helfen könnte. Grundsätzlich sehen viele Stillexperten und Autoren die Stillhütchen eher negativ, da sie eine Reihe von Nachteilen haben können. Beispielsweise stehen sie unter Verdacht, die Milchbildung hindern zu können. Außerdem gewöhnt sich das Baby irgendwann an das Hütchen und trinkt dann ohne Stillhütchen schlechter.

Andere Experten halten das Stillhütchen für ein hilfreiches Mittel bei Stillproblemen, vor allem, wenn das Stillen auf natürlichem Wege einfach nicht funktionieren will.

Hier gilt: Es ist immer sinnvoll, das Stillen ohne Hütchen zu probieren. Sollte es trotzdem zu Stillproblemen kommen, kannst du mit einem Stillberater andere Alternativen und auch das Stillhütchen besprechen. Lass dich ausreichend beraten.

Die richtige Pflege von Flach-, Hohl- und Schlupfwarzen

Weil sich die Brustwarzen meist nach dem Stillen wieder zurückziehen, gibt es bei besonderen Brustwarzenformen einige Pflege-Tipps.

Achte darauf, dass deine Brustwarze nach dem Stillen immer trocken ist. Sonst kann es zu Entzündungen kommen – das gleiche gilt übrigens auch nach dem Baden oder Duschen. Mit einem sanften Tuch kannst du deine Brustwarzen trocken tupfen, bevor sie sich zurückziehen. Oder du versuchst, das Zurückziehen für einige Minuten herauszögen, damit deine Brustwarze an der Luft trocknen kann.

Wechsle Stilleinlagen außerdem, sobald sie feucht sind. Sonst können sich Bakterien leicht vermehren und ausbreiten – auch hier können sonst leicht Infektionen entstehen.

Quellen