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Teilzeit-Windelfrei – warum es mir ab Geburt einiges erleichterte

Windelfrei? Ein Baby ganz ohne Windel zu lassen, das klingt erst einmal komisch. Unsere Autorin berichtet von ihren Erfahrungen.

Teilzeit-Windelfrei - auf jeden Fall einen Versuch wert
Teilzeit-Windelfrei - auf jeden Fall einen Versuch wert
Unsplash / zelle duda

Die Theorie hinter dem Windelfrei-Ansatz: Anhand von Signalen wie Unruhe und Quengeln sollen Babys schon ab Geburt anzeigen, wenn sie mal müssen. Denn Babys sind keine „Nestbeschmutzer“ und wollen sich gar nicht dort erleichtern, wo sie schlafen.

Wie bei meinem Hund, dachte ich, und fand den Gedanken schon in der Schwangerschaft faszinierend. Ausprobieren wollte ich das auf jeden Fall. Als unser Sohn dann zwei Wochen alt war, hielt ich ihn das erste Mal über ein kleines Töpfchen. Die Beinchen jeweils in einer Hand, den Rücken an meine Brust gelehnt.

Ich staunte nicht schlecht, als er sich geräuschvoll erleichterte. Das war einfacher als gedacht! Ab diesem Zeitpunkt hielt ich ihn nach dem Schlafen oder Stillen über das Töpfchen. Manchmal ging etwas hinein, manchmal nicht.

Den Begriff Windelfrei finde ich irreführend

Zugegeben: Ganz Windelfrei waren wir nie unterwegs. Unser „Backup“, wie es von den Windelfrei-Anhängern genannt wird, hatte unser Baby fast immer an. Meist war es eine Stoffwindel, manchmal auch eine ganz normale Wegwerfwindel.

Den deutschen Begriff „Windelfrei“ oder „Teilzeit-Windelfrei“ finde ich in unserem Fall richtig irreführend. Den englischen Begriff finde ich da passender: Elimination Communication, also Ausscheidungs-Kommunikation heißt es bei den Amis. Ich habe einfach auf seine Signale geachtet und ihn dann bei Gelegenheit über ein Töpfchen abgehalten.

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Ich glaube, er muss mal!

Bei unserem Sohn habe ich schnell ein Gefühl dafür entwickelt, wann er musste. Unruhe beim Stillen? Ich glaube, er muss mal! Angestrengter Blick? Er drückt bestimmt. Gerade aufgewacht? Gleich kommt sicher was. Das galt allerdings nur für das große Geschäft. Pipi ging nur ins Töpfchen, wenn er zufällig gerade musste. Ansonsten ging es ohne für mich sichtbare Signale in die Windel oder auf den Boden.

Als der Kleine dann drei Monate alt war, machte ich Urlaub bei meiner Familie. Auch meine Schwester und meine Mutter konnten die Anzeichen nach kurzer Zeit erkennen. „Glaubst du, er muss mal?“, meinte meine Mutter und nahm ihn mit ins Badezimmer. Ein paar Minuten später kam sie begeistert zurück. Im Alter von drei bis sechs Monaten ging fast jedes große Geschäft ins Töpfchen.

Ausgerechnet nachts war Windelfrei eine echte Erleichterung

Ich bin eher die Sorte Mama, dessen Kind schon mal ein paar Minuten auf meinem Gesicht herumpatscht, bevor ich aufwache. Nur noch fünf Minuten, bitte! Aber ausgerechnet nachts war das Abhalten über dem Töpfchen eine echte Erleichterung für uns.

Wenn er nachts nach dem Stillen einfach nicht zur Ruhe kam, mal andockte, wieder abdockte, wieder andockte, dann dämmerte es mir im Halbschlaf nach einer Weile doch: Vielleicht muss er ja mal. Hielt ich ihn dann über das Töpfchen, konnte er endlich sein großes Geschäft verrichten und wir schliefen beide ungestört weiter. Ohne Windelfrei hätten wir uns wahrscheinlich noch länger gequält.

Selbst unterwegs half das Abhalten in der ein oder anderen Situation. Beispielsweise im Auto, als er einfach nicht aufhörte zu weinen und auch nach dem Stillen partout nicht in die Babyschale wollte. Als ich ihn dann umständlich auf der Rückbank über eine Tüte hielt, war die Erleichterung buchstäblich in sein Gesicht geschrieben. Es dauerte danach keine zwei Minuten, bis er in der Babyschale einschlief.

Windelfrei ist kein Alles-oder-Nichts-Prinzip

Wenn ich eins bei diesem Experiment gelernt habe: Windelfrei muss zum Baby und zu den Eltern passen. Es gibt auch Babys, die nicht oder zu spät signalisieren und Windelfrei ist nicht immer ohne Weiteres im Alltag integrierbar. Allerdings ist es auch kein Alles-oder-Nichts-Prinzip.

Nichts spricht dagegen, das Baby Zuhause gelegentlich über ein Töpfchen zu halten, unterwegs aber auf eine Windel zurückzugreifen. Ihn bei jedem möglichen Pipi auszuziehen, hätte uns beispielsweise viel mehr Stress als Nutzen gebracht.

Durch Windelfrei konnte ich meinem Sohn jedoch neben Stillen, Tragen und Windeln wechseln noch etwas anbieten, um ihn zu beruhigen. Uns hat das viel Unruhe und Geschrei erspart. Sogar meine Freundin hat es bei ihrem dritten Kind noch ausprobiert und es klappt mit ihrem wenige Wochen alten Baby noch besser als bei mir.

Mit Töpfchentraining darf man Windelfrei allerdings nicht verwechseln. Das Töpfchen ist nur ein Angebot, sich außerhalb des „Nests“ zu erleichtern. Das Kind wird durch Windelfrei nicht früher trocken. Seit unser kleiner Mann krabbeln kann, sträubt er sich oft gegen das Töpfchen. Er will lieber die Welt entdecken. Und das ist auch in Ordnung.

 

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