Wasserkopf beim Baby: Wenn der Kopfumfang zu groß ist

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
Babys Kopf wird gemessen
© Bigstock/ naumoid

Nicht jeder große Kopf ist ein Wasserkopf. Schätzungen zufolge kommt etwa eines von 1.000 Babys mit einem Hydrocephalus zur Welt. Die Erkrankung ist nicht heilbar. Frühzeitig erkannt, lässt sie sich jedoch gut behandeln.

Hydrocephalus: Was ist ein Wasserkopf?

Ein Hydrocephalus entsteht, wenn sich im Gehirn zu viel Flüssigkeit ansammelt. Das sogenannte Hirnwasser (Liquor cerebrospinalis) wird kontinuierlich in den Hirnkammern (Ventrikel) produziert mit dem Zweck, das Gehirn zu reinigen, zu nähren und vor Stößen zu schützen. Normalerweise befinden sich Produktion, Abtransport und die Aufnahme des Liquors ins Blut im Gleichgewicht. Beim Hydrocephalus ist dieser Kreislauf gestört und die Flüssigkeit in den Ventrikeln kann nicht abfließen. Die Ventrikel vergrößern sich und üben damit Druck auf das Gehirn aus.

Um den ansteigenden Druck auszugleichen, vergrößert sich bei Babys als Folge der Kopfumfang. Das ist möglich, weil die Fontanellen in den ersten Lebensmonaten noch nicht zusammengewachsen sind und sich der Schädel ausdehnen kann.

Ein großer Kopfumfang als Anzeichen für Hydrocephalus?

Wie der Wasserkopf beim Baby aussieht, hängt vom Einzelfall ab – je nachdem, welche Ursache zugrunde liegt und wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist:

stark vorgewölbte Fontanelle
dünne, glänzende Kopfhaut
hervortretende Schädelvenen
ausgeprägte Stirn

Ein großer Kopf alleine ist aber noch kein eindeutiges Anzeichen für einen Hydrocephalus. Der Kopfumfang muss immer im Verhältnis zur Körpergröße betrachtet werden! Auch wichtig ist, dass der Kopf nicht plötzlich an Umfang zunimmt. Er sollte bei Säuglingen kontinuierlich und im Rahmen gewisser Normwerte wachsen.

Zusätzlich kann sich der Hydrocephalus mit Symptomen wie Trinkschwäche, Erbrechen bei Nüchternheit, übermäßiger Müdigkeit und Reizbarkeit, heftigem Schreien und Krampfanfällen bemerkbar machen.

Diagnose: So stellen Ärzte den Hydrocephalus bei Kindern fest

Eine Messung des Kopfumfangs wird bereits nach der Geburt vorgenommen. Sie gehört zu den wichtigen Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt. Steht der Kopf nicht in Relation zu Körpergröße und Gewicht, wird der Arzt das Kind vermutlich zu einem Spezialisten für Neurochirurgie überweisen.

Die Diagnose des Hydrocephalus erfolgt mittels bildgebender Verfahren. Bei Säuglingen mit noch offener Fontanelle handelt es sich in der Regel um eine Ultraschalluntersuchung. Um die Ursache besser einschätzen zu können, kann sich eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes anschließen.

Entsteht die Erkrankung vor der Geburt, wird sie oftmals schon beim Ultraschall im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge festgestellt.

Was verursacht einen Hydrocephalus beim Säugling?

Einem Hydrocephalus bei Babys und Kindern können verschiedene Faktoren zugrunde liegen. Im Wesentlichen unterscheidet man in der Medizin zwischen angeborenen und erworbenen Ursachen des Wasserkopfs.

Bei einem angeborenen Wasserkopf entsteht die Erkrankung bereits im Mutterleib. Gründe können z. B. Infektionen in der Schwangerschaft, Zystenbildungen oder ein Sauerstoffmangel des kindlichen Gehirns sein. Liegt eine Spina Bifida vor, tritt in etwa 80 % der Fälle ein Wasserkopf als Begleiterscheinung auf.

Ein erhöhtes Risiko für einen Hydrocephalus besteht für Frühchen, vor allem bei einem Geburtsgewicht unter 1.500 Gramm. Aufgrund des noch nicht ausgereiften Gehirns lassen sich Hirnblutungen mitunter nicht vermeiden, wodurch der Liquor nicht gleichmäßig abfließen kann und sich in den Ventrikeln staut.

Ein Wasserkopf kann auch später im Kindes- und Erwachsenenalter entstehen. Verantwortlich dafür sind häufig Kopfverletzungen, Hirntumore und Infektionen von Gehirn und Rückenmark, wie z. B. eine Meningitis.

Wie wird der Wasserkopf beim Baby behandelt?

Ein Hydrocephalus muss unbedingt behandelt werden, um schwerwiegende Hirnschäden und sonstige Komplikationen zu vermeiden. Es gibt keine Medikamente zur Therapie des Wasserkopfs, daher ist grundsätzlich ein chirurgischer Eingriff erforderlich. Welches operative Verfahren infrage kommt, hängt von der Ursache der Erkrankung ab.

Im Vordergrund der Maßnahmen steht immer, den Druck auf das Gehirn abzubauen. In den meisten Fällen geschieht dies über einen sogenannten Liquorshunt. Dabei handelt es sich um einen dünnen Silikonschlauch, der von einem Ventrikel unter der Haut in den Bauchraum führt. Dadurch wird das Hirnwasser abgeleitet und kann in der Bauchhöhle wieder ins Blut aufgenommen werden.

Geht der Hydrocephalus auf eine frische Infektion oder Blutung zurück, kann ggfs. eine externe Ventrikeldrainage erforderlich sein, bei der das Hirnwasser vorübergehend aus dem Körper geleitet wird. In seltenen Fällen, z. B. bei Hydrocephalus aufgrund von Fehlbildungen, kann mittels einer minimal-invasiven endoskopischen Operation ein neuer innerer Abflussweg angelegt werden. Bei Kleinkindern wird vorwiegend im weiteren Verlauf dennoch eine Shunt-Implantation notwendig.

Prognose bei Hydrocephalus

Wie die Erkrankung verläuft, lässt sich nicht pauschal beantworten, sondern hängt wesentlich von Ursache und Ausmaß des Hydrocephalus ab. In der Regel besteht bei Kindern, die erst nach der Geburt einen Wasserkopf entwickeln, eine bessere Prognose. Bei einer frühzeitigen Diagnose und Behandlung kann sich das Kind – abhängig von der Grunderkrankung –  normal entwickeln und ein Leben ohne größere Beeinträchtigungen führen. Auch der vergrößerte Kopfumfang kann sich durch die Versorgung mit einem Shunt wieder zurückbilden.

Wichtig ist, dass nach der Operation regelmäßig ärztliche Kontrollen wahrgenommen werden, um die Entwicklung des Kindes im Blick zu behalten und den Shunt zu überprüfen. Das Material ist anfällig für Verschleiß. Da Kinder schnell wachsen, wird zudem der Kunststoffschlauch irgendwann zu kurz und reicht nicht mehr bis zum Bauchraum. Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass der Shunt mehrmals in einem operativen Eingriff ausgetauscht werden muss.

Quellen