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Windelfrei – können Kinder ohne Windeln trocken werden?

Immer mehr Eltern schließen sich dieser Bewegung an, die zum Ziel hat, dass das Baby von Anfang an keine Windeln braucht. Windelfrei – so nennt sich das Ganze. Aber kann das Trocken werden ohne Windeln in der Praxis wirklich funktionieren? Hier liest du, was windelfreie Erziehung ausmacht. Im Video findest du außerdem die 5 besten Tipps, wie dein Kind trocken wird.

So kannst du dein Kind windelfrei erziehen!
So kannst du dein Kind windelfrei erziehen!
© Bigstock/ Ivan Zhdan

Das Prinzip der windelfreien Erziehung

Wenn du willst, dass dein Baby windelfrei aufwächst, musst du erkennen können, wenn dein Baby aufs Klo muss. Das erkennst du durch bestimmte Signale, die dein Kind dir sendet. Diese Signale geben alle Babys von Geburt an von sich. Sie Zappeln, sie Quengeln und verziehen das Gesicht. Diese Signale werden auch „Ausscheidungskommunikation“ genannt.

Wenn Eltern nicht auf diese Signale reagieren – weil sie keine windelfreie Erziehung gewählt haben – werden die Signale mit der Zeit weniger oder gar nicht mehr gesendet.

Wenn dein Baby windelfrei sein soll, musst du die Signale erkennen und dann dein Kind rechtzeitig über das Töpfchen oder die Toilette halten.

Trocken werden ganz ohne Windel – geht das überhaupt?

Laut dem Nationalen Institut für Kindergesundheit und menschliche Entwicklung von Eunice Kennedy Shriver können Babys einmal pro Stunde, aber auch einmal alle sechs Stunden urinieren. Wenn dein Kind windelfrei ist, kann das bedeuten, dass du es 20 Mal zum Töpfchen bringen musst. Das mag sich vielleicht unmöglich anhören. Im eigenen Zuhause mit ausreichend Zeit und Aufmerksamkeit ist es aber grundsätzlich möglich, dass dein Baby auch ganz ohne Windeln trocken wird.

Unterwegs sieht es da meistens anders aus.

Windelfrei bedeutet nicht immer ohne Windel

In der Realität kommt windelfreie Erziehung manchmal auch nicht ohne eine Windel aus. Aber das muss es auch gar nicht, denn windelfrei bedeutet „nur, dass man [dem Baby] bei Anzeichen, dass es muss, ermöglicht gleich frei zu pinkeln“, schreibt Hebamme Jana Friedrich in einem Blogpost.

Windelfreie Erziehung bedeutet auch nicht, dass Eltern den ganzen Tag auf die Ausscheidungskommunikation ihrer Kinder achten. Manche Eltern lassen ihre Kinder zum Beispiel nur nachmittags windelfrei herumlaufen, wenn sie aus der Kinderbetreuung heimkommen. Auch in der Nacht bevorzugen viele Eltern es, wenn ihr Kind eine Windel trägt.

Video-Empfehlung

Wieso überhaupt windelfrei?

Es gibt einige Gründe, die für eine windelfreie Erziehung sprechen können. Einige Eltern entscheiden sich wegen einem oder mehreren dieser Gründe für die Sauberkeitserziehung ohne Windeln.

#1 Ohne Windeln können Babys schneller trocken werden

Die windelfreie Sauberkeitserziehung soll in erster Linie dazu führen, dass Kinder schneller eigenständig trocken bleiben. In der Theorie wird angenommen, dass Kinder, die windelfrei aufwachsen, schneller lernen, ihre Bedürfnisse zu verstehen und zu kontrollieren. Viele Köpfchentrainings-Ratgeber raten Eltern beispielsweise, die Kinder beim Töpfchentraining oft nackt rumlaufen zu lassen.

#2 Stärkung der Eltern-Kind-Beziehung

Dadurch, dass Eltern, die ihre Kinder windelfrei erziehen, sehr auf die Signale ihrer Kinder achten müssen, findet eine intensive Kommunikation statt. Denn Eltern müssen ihrer Kleinen ja quasi intuitiv verstehen, bevor die Kinder selbst sprechen können.

#3 Windelfrei bedeutet auch weniger Hautprobleme

In einer vollen Windel sammeln sich Urin und Kot um den Po und Intimbereich des Kindes – meistens nicht über eine längere Zeit. Aber trotzdem lange genug, um Hautirritationen oder Windeldermatitis auszulösen. Windelfreie Kinder können natürlich auch Ausschläge und Hautirritationen bekommen. Weil die Ausschläge dann aber trocken und an der Luft sind, verbessert sich die Haut auch schneller.

#4 Windelfrei ist günstiger und umweltfreundlicher

Laut dem Nachrichtenmagazin Welt verbrauchen Wickelkinder etwa 5.000 Windeln, bis sie trocken sind. Bis dahin entsteht jede Menge Müll. Windelfreie Erziehung ist also umweltfreundlich – Eltern können so auch ein bisschen Geld sparen, das sie sonst in Windeln investiert hätten.

Tipps für eine windelfreie Erziehung

Früh übt sich, wer ohne Windel trocken werden will

Achte darauf, dass du die windelfreie Erziehung möglichst direkt ab der Geburt beginnst oder spätestens im dritten Monat einführst. Sonst wird es für dein Kind schwer, sich an den plötzlichen Wechsel zu gewöhnen und es wird vermutlich auch keine deutlichen Signale mehr äußern. Trotzdem kannst du auch später damit beginnen, dein Kind windelfrei zu erziehen. Dann kann es aber öfter noch zu Unfällen kommen.

 

Du brauchst viel Geduld, wenn dein Kind windelfrei sein soll!

Windelfreie Erziehung erfordert besonders zu Beginn jede Menge Geduld und Zeit. Beobachte dein Kind genau und versuche, Regelmäßigkeiten in seinem Verhalten, wie die bereits beschriebenen, zu erkennen. Manche Kinder halten auch plötzlich einen Moment inne, wenn sie merken, dass sich ‚da unten‘ etwas anbahnt.

Konditioniere dein Kind mit einem Geräusch oder einem Wort

Wenn dein Kind schon länger windelfrei ist, dann kann es seine Blase schon besser kontrollieren. Wenn du dann bemerkst, dass dein Baby mal muss, solltest du deinem Kind ein Zeichen geben, wenn es loslegen kann.

Sobald du dein Kind über das Töpfchen oder das Waschbecken hältst, kannst du ein bestimmtes Schlüsselwort verwenden – zum Beispiel ‚Pipi‘ zum Beispiel oder ‚Kaka‘. Auch ein imitiertes Pinkel-Geräusch eignet sich dafür. Der Sinn dahinter: Dein Kind soll lernen, seinen Drang so lang einzuhalten, bis es von dir das Schlüsselwort oder Geräusch hört.

So kann windelfrei funktionieren: Zwei Mamas erzählen

Soweit die Theorie der windelfreien Erziehung. In nachfolgendem Video erklären zwei Mamas, wie das bei ihnen im Alltag abläuft.

Im Artikel „Teilzeit-Windelfrei – warum es mir ab Geburt einiges erleichterte“ kannst du außerdem über die Erfahrungen unserer Autoren-Mama lesen.

Windelfrei in der Praxis: Zwei Mamas erzählen

Letztendlich können Eltern immer selbst entscheiden, welche Art der Sauberkeitserziehung die richtige Variante für sie selbst und das eigene Kind ist.  Und egal ob mit Windel oder windelfrei – das Trocken werden ist eine Geduldsübung.

Quellen


Quellen