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Zahnen beim Baby: Hilfe für die ersten Zähne

Kein Spaß für Eltern und fürs Baby: Zahnen. Die ersten Zähne brechen meist unter Schmerzen durch und das Baby wird weinerlich. Aber ab wann bekommen Babys Zähne eigentlich und was hilft beim Zahnen?

geprüft von Dr. Elisabeth von Graevenitz, Zahnärztin

Ab wann bekommen Babys Zähne?

Schon während der Schwangerschaft hat das Baby die Anlagen für die Milchzähne entwickelt. Sie müssen quasi nur noch durchbrechen. Ab wann Babys zahnen ist allerdings sehr unterschiedlich.

Für gewöhnlich zahnen Babys etwa mit einem halben Jahr. Die ersten Zähne – die mittleren Schneidezähen im Unterkiefer – zeigen sich, wenn das Baby zwischen 6 Monate und 8 Monate alt ist.

In welcher Reihenfolge kommen die Zähne?

  • 6. – 8. Monat: mittlere Schneidezähne im Unterkiefer
  • 8. – 10. Monat: mittlere Schneidezähne im Oberkiefer
  • 10. – 14. Monat: seitliche Schneidezähne im Ober- und Unterkiefer
  • 14. – 18. Monat: vordere Backenzähne/ Milchmalzähne im Ober- und Unterkiefer
  • 18. – 24. Monat: Milcheckzähne brechen oben und unten durch
  • 24. – 30. Monat: hintere Backenzähne/ Milchmalzähne im Ober- und Unterkiefer

Die ersten Zähne des Babys sind in der Regel die mittleren Schneidezähne im Unterkiefer. Kurz darauf kommen die mittleren und seitlichen Schneidezähne im Oberkiefer. Um den 1. Geburtstag brechen die ersten der sogenannten Milchmahlzähne durch. Sie sind etwas breiter als die Schneidezähne und helfen dem Baby beim Kauen. Danach kommen die Eckzähne. Um den zweiten Geburtstag brechen nach und nach auch das dritte und vierte Paar Milchmahlzähne durch.

Grafik: Milchgebiss von Kindern - Reihenfolge des Zahndurchbruchs

© Bisgtsock/ EstherQueen999

Diese Aufzählung entspricht allgemeinen ärztlichen Richtlinien. Allerdings kann es von Kind zu Kind natürlich verschieden sein, wann genau die Zähne durchbrechen. In unserem Zahnkalender – du kannst ihn dir hier gratis herunterladen – kannst du dokumentieren, in welcher Reihenfolge dein Baby zahnt.

Zahnkalender herunterladen

Wie lange dauert Zahnen?

Babys zahnen auf Etappen. Erst mit zweieinhalb bis drei Jahren ist das kindliche Milchgebiss mit insgesamt 20 Zähnen vollständig. Bis dahin stehen dir, aber vor allem dem Baby immer wieder anstrengende Phasen bevor. Denn Zahnen kann durchaus schmerzhaft sein.

Symptome & Anzeichen: Wie erkenne ich, dass Babys zahnen?

Schiebt sich ein neuer Zahn durch das Zahnfleisch, ist das unangenehm für dein Baby. Zahnen erkennen Eltern also häufig an der schlechten Laune ihrer Kleinen. Deutlich zu sehen ist meist, dass das Zahnfleisch gerötet und geschwollen ist. Rote Wangen können ebenfalls ein Anzeichen für ein neues Zähnchen sein. Vielleicht bemerkst du auch, dass dein Baby beim Zahnen mehr sabbert als sonst und sich alles in den Mund steckt und daran nagt.

Dr. Lutz Spanka, Master of Science für Implantologie und Dentalchirurgie sowie Kieferorthopädie im ZahnZentrum NordWest in Hude,  fasst die typischen Symptome beim Zahnen wie folgt zusammen:

Dein Baby hat einen stärkeren Speichelfluss und sabbert mehr als sonst
Dein Baby steckt sich alles in den Mund und kaut darauf herum
Das Zahnfleisch ist gerötet und geschwollen
Dein Baby wirkt gereizt und ist vielleicht anhänglicher als sonst
Dein Baby schläft unruhig
Die Wangen des Babys wirken dicker und gerötet, vor allem auf einer Seite

Wichtig: Eine leicht erhöhte Körpertemperatur ist nicht ungewöhnlich, wenn ein neuer Zahn durchbricht. Zahnfieber – also eine Körpertemperatur von über 38,5°C – ist ein Mythos. Fieber oder Durchfall sind keine typischen oder normalen Symptome beim Zahnen. Kontaktiere in diesem Fall bitte den Kinderarzt oder die Kinderärztin.

Tipps & Tricks: Die Schmerzen beim Zahnen lindern

Du kannst das Zahnen leider nicht beschleunigen aber immerhin etwas tun, um die Zahnungsschmerzen etwas zu lindern. Unsere Tipps: Was hilft beim Zahnen?

: Achtung
Das kann Schmerzen verschlimmern

Laut Dr. Spanka können Zugluft sowie warme Getränke die Schmerzen beim Zahnen noch verschlimmern. Er rät: Eltern sollten darauf verzichten, mit offenem Fenster Auto zu fahren, und darauf achten, Babys in den Wintermonaten immer eine Kopfbedeckung aufzusetzen.

Wirksame Hilfen bei Zahnungsschmerzen

#1 Kuscheln
Kuscheln kann jetzt helfen. Dein Baby braucht vielleicht mehr Aufmerksamkeit und Zuneigung. Auch ein Spaziergang kann es etwas von seinen Schmerzen ablenken.

#1 Kühlen
„Kälte lindert Zahnungsschmerzen, deswegen bieten sich gekühlte Löffel und Waschlappen als Hausmittel an. Beides können Babys unbesorgt in den Mund nehmen.“, rät Dr. Spanka. Du kannst den Waschlappen zusätzlich mit entzündungshemmenden und schmerzlindernden Tees, wie Kamillen- oder Salbeitee, tränken. Auch Beißringe lassen sich gut kühlen.

#3 Massagen
Massiere Babys Zahnfleisch vorsichtig mit einem sauberen Finger, um den Schmerz zu lindern. Zusätzlich kannst du einen Silikonfingerling benutzen.

#4 Beißringe
Wenn Babys zahnen, hilft etwas, auf dem sie herumkauen können – zum Beispiel ein gekühlter Beißring. „Beißringe tun Babys in der Zahnungsphase gut, denn sie helfen den Druck im Kiefer abzubauen und die Schmerzen zu verringern“, erklärt uns Dr. Spanka. Wichtig ist hier, dass Eltern die Beißringe zum Kühlen nur in das Kühlfach und nicht in das Gefrierfach legen. Ansonsten kann das der Mundschleimhaut des Babys schaden. Hat dein Baby schon das Beikostalter erreicht, kannst du ihm auch feste Gemüse- und Obststückchen anbieten.

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#5 Veilchenwurzel
Von Hebammen wird häufig die Veilchenwurzel empfohlen. Die enthaltenen ätherischen Öle sollen eine schmerzstillende Wirkung haben. Achte hier aber bitte besonders auf die Hygiene, da das Stück Holz aufweicht und rissig werden kann.

Wann sind Zahnungsmittel und Salben sinnvoll?

Hast du das Gefühl dein Baby leidet sehr unter seinen ersten Zähnen, kannst du gelegentlich zu schmerzstillenden und entzündungshemmenden Zahnungsgels greifen. Lass dich hier von deinem Kinderarzt beraten.

Schmerzlindernde Zahnungsgels erleichtern die Zeit des Zahnens, können aber Überempfindlichkeit und Allergien hervorrufen. „Erkennen Eltern eine Allergie, müssen sie das Gel sofort absetzen“, erklärt uns Dr. Spanka. Außerdem weist er darauf hin, dass schmerzlindernde Zahnungsgels oder -salben aus der Drogerie oft viel Zucker enthalten würden, der die eben erst durchgebrochenen Zähne schädigen kann.

Helfen homöopathische Mittel gegen Zahnungsschmerzen?

In der Apotheke gibt es Zahnungsmittel auf homöopathischer Basis (Osanit® Globuli, Viburcol-Zäpfchen®) die Babys das Zahnen erleichtern sollen.

Hier merkt Dr. Spanka jedoch an: Dass es für homöopathischen Heilungsmethoden keine wissenschaftlichen Belege der Wirkbarkeit gibt. „Bei Benutzung sollten Eltern auf jeden Fall darauf achten, dass die Trägersubstanz nicht aus Laktose besteht, da sonst Kariesgefahr besteht.“

Bernsteinkette als Alternative zum Beißring?

Viele Mütter schwören auch auf die Kraft von Bernsteinketten, wenn Babys zahnen. Durch längeren Kontakt auf nackter Haut sollen ätherische Öle freigesetzt werden und die Schmerzen lindern. Außerdem soll die Bernsteinkette die Wundheilung beschleunigen und für Erholung und einen gesunden Schlaf sorgen.

Wissenschaftlich bewiesen ist diese Wirkung nicht. Dr. Spanka merkt auch an: „Bei Bernsteinketten, die für viele Eltern noch ein beliebtes Hausmittel darstellen, besteht Verletzungs- und Strangulierungsgefahr.“

: mehr zu dem Thema

Argumente für und gegen die die Bernsteinkette und wichtige Sicherheitsmaßnahmen.

Was kann ich tun, wenn das Baby nachts zahnt?

Im Grunde kannst du nichts anderes tun, als tagsüber auch. Begleite dein Kind durch diese anstrengende Phase, kuschelt viel und bleib geduldig. Sollte dein Kind jedoch starke Schmerzen haben und findet gar nicht mehr zu Ruhe, kannst du nach Rücksprache mit dem Kinderarzt, ein schmerzstillendes Zäpfchen geben. Das sollte aber eher die Ausnahme bleiben.

Baby zahnt nicht: Wann sollte ich besorgt sein?

Wie bereits erwähnt, gibt es keinen vorgeschriebenen Fix-Termin ab wann ein Baby zahnen muss. Bei Frühgeborenen kann das Zahnen eventuell ein paar Monate später eintreten. Wie bei jedem Wachstumsschub, den dein Kind macht, sind die angegebenen Zeiträume nur Richtwerte und gehen auf statistische Auswertungen zurück.

„Natürlich zahnt jedes Baby zu einem anderen Zeitpunkt, gibt es aber nach 18 Monaten immer noch kein Anzeichen für die ersten Zähne, sollten Eltern einen Zahnarzt aufsuchen“, erklärt Dr. Spanka.

Ebenso solltest du mit einem Arzt sprechen, wenn die Schmerzen beim Zahnen ungewöhnlich stark sind. Ein guter Anhaltspunkt dafür ist ein Kind, das sich nicht trösten und beruhigen lässt. Es kann nicht aufhören zu schreien.

Wenn Babys zahnen: Deine Fragen

Wie lange dauert der Zahndurchbruch?

Kann ein Baby mit 3 Monaten schon zahnen?

Warum haben Babys beim Zahnen Fieber?

Wie können die ersten Zähnchen gepflegt werden?

Sobald Babys erstes Zähnchen zu sehen ist, solltest du auch mit dem Zähneputzen beginnen. Bringe deinem Kind so früh wie möglich spielerisch diese wichtige Routine bei. Putze deinem Baby zwei Mal täglich die Zähne: am besten mit einer Zahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 500 ppm. Dafür gibt es extra Baby-Zahnbürsten. Oder du verwendest eine Fingerzahnbürste.

Ausführlich kannst du dich hier über das Zähneputzen mit Baby & Kleinkind informieren.

Quellen

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