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Hat mein Baby ein verkürztes Zungenbändchen?

Du denkst, dass dein Baby nicht statt wird, obwohl du es genug fütterst? Ein verkürztes Zungenbändchen kann daran schuld sein. Wie du es erkennst und, ob das Zungenband immer durchtrennt werden muss, liest du hier.

Hat mein Baby ein verkürztes Zungenbändchen?
Hat mein Baby ein verkürztes Zungenbändchen?
© Bigstock/ Roman Yanushevsky

Zungenbändchen: Was ist das und wozu ist es da?

Das Zungenband wird auch als Frenulum linguae bezeichnet. Es ist eine mit einer Schleimhaut überzogene Falte, die die Unterseite der Zunge mit dem Mund verbindet. Wenn du deinen Mund weit öffnest und deine Zunge gegen deinen Gaumen drückst, kannst du dein Zungenbändchen sehen.

Das Bändchen hat eine wichtige Aufgabe: Es gibt der Zunge halt, wird aber auch für Bewegung der Zunge gebraucht. Das Zungenband sichert also, dass der Mund seine Aufgaben wie Schlucken, Trinken und Essen optimal erfüllen kann.

Meistens wird das Band nicht zu einem Problem – ist bei Babys das Zungenbändchen aber zu kurz oder zu straff, kann das zu Problemen beim Stillen aber auch im Kindheits- und Erwachsenenalter führen. Die Zunge ist dann in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt – vor allem das Saugen an Mamas Brust kann da problematisch werden.

Verkürztes Zungenbändchen

Laut der La Leche Liga haben zwischen drei und zehn Prozent aller Babys ein zu kurzes Zungenbändchen. „Manche Stillberaterinnen […] vermuten, dass sogar noch mehr Babys betroffen sind.“ Ein verkürztes Zungenbändchen wird auch als Ankylogossie bezeichnet – hierbei handelt es sich um eine angeborene Fehlbildung, bei der das Zungenband zu kurz, zu dick, zu straff oder zu weit vorne an der Zunge ist. Das führt oft zu Stillproblemen und ratlosen Müttern.

Aber: Nicht bei jedem Baby mit einem verkürzten Zungenband kommt es zu Problemen und Beeinträchtigungen. Deswegen wird das zu kurze Zungenband oft auch nicht im Babyalter erkannt.

Verkürztes Zungenbändchen: Wie erkenne ich es?

Je nachdem, wie stark das Zungenband deines Kindes verkürzt ist, kannst du das verkürzte Bändchen vielleicht optisch einfach erkennen.

  • Die Zunge sieht flachrund oder quadratisch aus.
  • Beim Schreien kannst du das straffe Zungenband unter der Zunge sehen.
  • Die angehobene Zunge ist v-förmig oder herzförmig.

Wenn die Ankyloglossie nicht optisch zu erkennen ist, gibt es auch andere Anzeichen. Es können mehrere oder sogar alle dieser Zeichen vorkommen. Vorher solltest du aber immer ausschließen, dass andere Ursachen, wie ein falsches Anlegen, für die Probleme verantwortlich sind.

Dein Baby…

  • …hebt seine Zunge nicht zum Gaumen an.
  • …streckt seine Zunge nicht über die Unterlippe hinaus.
  • …macht beim Saugen Schnalzgeräusche, weil es die Brust verliert.
  • …kann seine Zunge nicht auf beide Seiten bewegen.
  • …schafft es nicht, lange an deiner Brust zu saugen
  • …scheint nicht genug Muttermilch zu bekommen (oft zeigt sich das durch Gewichtsverlust).
  • …ist angestrengt, unruhig und quengelig.

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Baby ein verkürztes Zungenbändchen haben könnte, solltest du mit deinem Kinderarzt darüber sprechen.

Das Murphy Manöver – kurzes Zungenband leicht erkennen

Kinderarzt Dr. James Murphy hat einen einfachen Trick für Eltern: Schiebe dafür deinen kleinen Finger in den Mund deines Kindes – an den Punkt, wo die Zunge und der Gaumen verbinden sind. Streiche dann sanft unter der Zunge von der einen Seite auf die andere Seite und beobachte, was du fühlst:

  • Wenn du auf keinen oder nur sehr wenig Widerstand stößt, gibt es mit ziemlicher Sicherheit kein Problem.
  • Wenn du auf Widerstand stößt oder gar nicht von einer Seite zur anderen streichen kannst, ohne deinen Finger leicht aus dem Mund zu ziehen, dann ist das ein Anzeichen für ein kurzes Zungenband – sprich darüber mit deinem Kinderarzt.

Zu kurzes Zungenbändchen – was kann ich tun?

Stillprobleme, die durch das kurze Zungenband ausgelöst werden, kannst du vielleicht durch eine andere Stillposition kurzfristig lösen. Versuche zum Beispiel mal das Stillen in der zurückgelegten Position. Dabei liegst du und dein Baby liegt auf deinen Bauch und robbt selbst zu deiner Brustwarze.

Wenn du aber nach einer langfristigen Lösung suchst, solltest du dich mit der Durchtrennung des Zungenbands beschäftigen.

Zungenband durchtrennen? Pro und Contra

Das kurze Zungenband festzustellen, ist der erste Erfolg. Die Diagnose dauert manchmal einige Wochen oder Monate. Wenn dann endlich feststeht, dass dein Baby wirklich ein zu kurzes Zungenbändchen hat, steht dir die nächste Schwierigkeit bevor. Die Frage, ob eine sogenannte Frenotomie – also das Durchtrennen des Zungenbändchens – durchgeführt werden soll.

Ärzte, Stillexperten und Stillberater sind sich nicht einig, ob ein kurzes Zungenband behandelt werden muss. Wenn dein Kind ein zu kurzes Zungenbändchen hat, solltest du dir deswegen auf jeden Fall mehrere Fachmeinungen einholen und deine Entscheidung genau abwägen.

Eine Großzahl an Kinderärzten halten das Durchtrennen eines verkürzten Bändchens oft nicht für notwendig, sie sehen hier einen unnötigen operativen Eingriff. Denn das Zungenband könnte sich auch von allein dehnen oder reißen.

Viele Stillberaterinnen raten aber ganz klar zu dem Eingriff – zum Beispiel erklärt die La Leche Liga:

„Ein unbehandeltes zu straffes Zungenbändchen kann später zu Schwierigkeiten mit den Zähnen, dem Sprechen, dem Putzen der Zähne mit der Zunge, dem Schlucken von Tabletten, dem Lecken von Eistüten und dem Küssen führen.“

Hier einige Vorteile, die eine Frenotomie im Babyalter (also etwa ab dem 4. Lebensmonat) haben kann:

  • Das Saugverhalten des Kindes normalisiert sich meist unmittelbar: Probleme wie schlechte Gewichtszunahme werden dadurch gelöst.
  • Der Eingriff ist einfach, schnell und recht komplikationslos möglich: Der Eingriff dauert nur einige Sekunden und kann ohne Narkose durchgeführt werden. Da das Zungenband kaum durchblutet ist, blutet dein Baby auch nicht stark.
  • Der Eingriff traumatisiert dein Baby nicht: Laut der La Lache Liga ist der Eingriff in etwa mit einer Impfung zu vergleichen.
  • Durch ein frühes Durchtrennen kann ein größerer Eingriff im Kindesalter verhindert werden: Bei älteren Kindern wird ein kurzes Zungenbändchen von einem Mund- oder Kieferchirurgen durchgeführt. Hier ist eine Betäubung notwendig.

Viele Mamas haben sehr positive Erfahrungen mit der OP gemacht. Eine Schweizer Studie hat ergeben, dass ein Großteil der Mamas eine Besserung bemerkt haben und den Eingriff nochmals bei ihrem Kind durchführen lassen würden.

Das Kind von unserer Mama Jenn hatte auch ein zu kurzes Zungenbändchen. Sie entschied sich dafür, eine Frenotomie durchführen zu lassen. Wie die Mutter das erlebt hat und, ob es ihrem Baby dadurch besser ging, kannst du in unserem Artikel nachlesen.

Quellen