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Zwiemilch: Ist Zufüttern eine gute Alternative?

Die Kombination aus Stillen und Zufüttern von Zwiemilch genießt leider keinen guten Ruf. Aber warum eigentlich? Wir zeigen dir, auf was du bei der Zwiemilchernährung achten musst und warum die Methode kein Grund zum Schämen ist.

Zwiemilchernährung wird oft eher kritisch gesehen
Zwiemilchernährung wird oft eher kritisch gesehen
© Unsplash/ Nathan Dumlao

Was bedeutet Zufüttern/Zwiemilch?

Zwiemilch bezeichnet eine Fütterungskombination aus Muttermilch und industriell hergestellter Milch, also eine Mischung aus Stillen und Fläschchen geben. Das wird dann auch als Zufüttern bezeichnet. Häufig wird Zwiemilchernährung dann angewendet, wenn es mit dem Stillen nicht richtig klappt (z.B. die Menge der Muttermilch nicht ausreicht) oder die Mutter Medikamente nimmt.

Zufüttern: Ab wann soll ich anfangen?

In der Regel kannst du ab der Geburt immer zufüttern, wenn du das möchtest. Bedenke aber, dass gerade das Kolostrum sich positiv auf dein Kind auswirkt. Deshalb wird empfohlen besonders am Anfang möglichst ausschließlich zu stillen.
Wie du den Rhythmus zwischen Muttermilch und Fläschchen gestalten willst, bleibt dir überlassen. Zum Beispiel falls du tagsüber arbeiten bist, du nachts durchschlafen möchtest oder es dir unangenehm ist, in der Öffentlichkeit zu stillen.
Notwendig kann es werden, wenn dein Kind nicht zunimmt oder sogar an Gewicht verliert, da die Muttermilch nicht ausreicht.

: Kann man sein Baby überfüttern?

Welche Pre-Nahrung eignet sich zum Zufüttern?

Pre, Ha-Nahrung, 1,2,3, und Co. hört sich alles sehr kompliziert an und führt im ersten Moment zu Verwirrung. Aber keine Panik! wir haben dir die Zwiemilcharten einmal übersichtlich aufgelistet:

Pre-Nahrung

  • Anfangsmilch
  • Ab Geburt
  • Ist der Muttermilch am ähnlichsten
  • kannst du beliebig lang füttern

1er Milch

  • Anfangsmilch
  • Ab Geburt
  • Enthält mehr Stärke als Pre-Nahrung
  • Geeignet, wenn dein Kind von Pre-Nahrung nicht mehr satt wird
  • Erhöhtes Risiko für Bauchschmerzen

2er Milch

  • Folgemilch
  • Ab 6. Monat
  • Sehr sättigend
  • Unterscheidet sich stark von Muttermilch durch höheren Eiweißgehalt und andere zusätzliche Nährstoffe

3er Milch

  • Ab Ende des ersten Jahres
  • Alternative zu Kuhmilch

Ha-Nahrung (hypoallergene Säuglingsnahrung)

  • Bei allergieanfälligen Babys
  • Milcheiweiß ist aufgespalten-> entspricht einer Art Vorverdauung

Wie Zufüttern beim Stillen?

Beim Zufüttern solltest du einige Dinge beachten, damit es nicht zu möglichen Risiken kommt

  • Brustähnliche Flasche: Achte auf einen kleinen und weichen Sauger , damit das Mundgefühl möglichst ähnlich zur Brustwarze ist. Um eine Saugverwirrung zu vermeiden, gilt: Je kleiner die Öffnung, desto besser. Denn dann wird dein Kind, wie an der Brust auch, gefordert. So vermeidest du, dass es die Flasche deiner Brust vorzieht oder deine Brust sogar ganz ablehnt.
  • Beim Anrühren der Milch Schütteln vermeiden: Die Luftbläschen, die beim Schütteln entstehen, sind nicht besonders wohltuend für dein Baby. Durch die erhöhte Menge an Luft im Bauch, kann es leicht zu Blähungen kommen.
  • Wasser abkochen in den ersten 6 Monaten: Leitungswasser kann immer winzige Mengen an Keimen enthalten. Für Erwachsene unproblematisch, Babys reagieren jedoch oft mit Durchfall. Mit dem Abkochen bist du also immer auf der sicheren Seite. Extra Babywasser musst du dir jedoch nicht zulegen.
  • Erst Brust, dann Zwiemilch: Damit sich dein Baby nicht zu sehr an den Komfort der Flasche gewöhnt, solltest du versuchen immer zuerst die Brust zu geben. Außerdem solltest du auf jeden Fall immer beides am Tag geben, also Muttermilch und Industriemilch. So verhinderst du unfreiwilliges Abstillen.
  • Kleine Mengen: Gib lieber öfter kleinere Mengen, da das dein Baby besser verträgt und sein Magen noch nicht so groß ist.

Neben der klassischen Flasche, kannst du auch mit Becher oder Pipette füttern. Hierbei eignet sich auch die Fingerfeeding Methode.

Übrigens: Es kann durchaus sein, dass dein Baby die Flasche von der Mutter nicht annimmt, da es hier gewohnt ist die Milch direkt von der Brust zu bekommen. Dafür nimmt es die Flasche jedoch vielleicht von anderen. Also nicht verzagen, wenn es beim ersten Versuch nicht klappt.

Weitere Tipps  

  • Gib ein paar Tropfen Muttermilch auf den Sauger deines Fläschchens um dein Baby „anzulocken“.
  • Zwischendurch solltest du immer wieder Abpumpen, um die Milchbildung zu fördern.
  • Auch nach dem Fläschchen sollte dein Baby ein Bäuerchen machen.

Ist Pre-Milch schädlich?

Pre-Nahrung hat einen schlechten Ruf. Hier kann jedoch Entwarnung gegeben werden. Heutzutage sind die Pre-Nahrungsangebote so hochwertig konzipiert und ausgiebig geprüft, dass sie deinem Baby sicher nicht schaden. Du brauchst also kein schlechtes Gewissen zu haben. Zufüttern ist nicht verwerflich und macht dich nicht zu einer schlechten Mutter.

Stuhlgang verändert sich

Doch wundere dich nicht über ein paar kleine Veränderungen bei deinem Baby, wenn es Zwiemilch bekommt. So kann es besonders am Anfang z.B. zu Bauchschmerzen kommen. Auch wird dein Kind jetzt öfter Stuhlgang haben als sonst. Die Konsistenz und Farbe des Stuhls kann sich außerdem stark verändern. Dies alles sind jedoch gewöhnliche Körperreaktionen und kein Grund zur Panik!

Wenn dein Baby jedoch längerfristig Beschwerden hat, kann es sein, dass es die Milch nicht verträgt. Hier solltest du dann einfach zu einem anderen Hersteller greifen. In den meisten Fällen hat sich das Problem damit gelöst. Falls weiterhin Beschwerden auftreten, solltest du deinen Arzt oder deine Hebamme kontaktieren. Auch eine Still- oder Lakationsberaterin kann dich unterstützen.

Ab wann Zufüttern beenden?

Du kannst das Zufüttern dann beenden, wenn du merkst, dass dein Kind die zusätzliche Milch immer weniger braucht. In diesem Fall solltest du Schritt für Schritt mit dem Zufüttern aufhören. Lasse es auf jeden Fall langsam angehen und achte hier besonders auf Gewichtsveränderungen deines Babys.

Quellen