Meine Kinder müssen alleine spielen!

Kinder brauchen Aufmerksamkeit! So weit, so klar! Doch wie viel davon ist wirklich notwendig? Und wie viel ist genug? Warum der Nachwuchs unserer Mama Daniela Kirschbaum alleine spielen muss und weshalb sie sich dabei nicht als Rabenmutter fühlt, verrät sie uns hier.

Kleines Mädchen spielt auf der Straße mit einem Auto
Müssen sich Kinder auch alleine beschäftigen können? Mama Daniela sagt: Ja! © Unsplash / Cengizhan Konus

Von Kindern, die nicht gerne allein spielen – und ihren Eltern…

Immer wieder stoße ich auf Kinder, die nicht alleine spielen. Ob sie es nicht können oder nicht wollen, mag ich nicht beurteilen. Ich sehe mich da mehr in der Rolle der stillen Beobachterin, wenn Kindern von Freunden oder Bekannten „sooo laaangweilig“ ist und sie zum Lego bauen, malen oder basteln zwingend Mama oder Papa brauchen. Und das, obwohl Mama oder Papa gerade alles andere als Lego bauen, malen oder basteln möchten. Doch leise seufzend und Schultern zuckend beugen sie sich der Brut. Dabei blicken sie entschuldigend drein und lassen mich mit den Worten: „Er/Sie spielt halt nicht gerne allein!“ fassungslos zurück.

Ich spiele auch gerne mit meinen Kindern – wenn ICH es möchte!

Versteht mich bitte nicht falsch, auch ich beschäftige mich gerne mit meinem Nachwuchs. Liebend gerne sogar! Aber eben nur dann, wenn ich es wirklich möchte und ebenfalls Spaß daran habe. Ich lese gerne vor, gehe mit Töchterchen ins Theater, spiele mit Sohn Badminton oder Fußball und so manches Gesellschaftsspiel finde ich ganz grandios. Dafür habe ich noch nie mit ihnen Lego gebaut, hasse es, zu basteln, kann Puppen nicht ausstehen und die meisten Hörspiele ertrage ich kaum. Das ist aber überhaupt kein Problem, denn für ihre Spiele brauchen mich meine Kinder nicht zwingend.

Meine Kinder DÜRFEN alleine spielen

Dabei ist es so, dass die beiden sich zwar durchaus freuen, wenn ich ihnen beim Spielen Gesellschaft leiste, aber so richtig notwendig bin ich eben nicht! Sicherlich, man könnte jetzt denken: Die Armen, sie MÜSSEN alleine spielen! Oder aber man denkt: Die Glücklichen, sie DÜRFEN alleine spielen und KÖNNEN das auch! Und nicht nur das! Sie tun es sogar gerne! Dann weilen sie nämlich ganz in ihrer eigenen Welt. Dort sind große Menschen mit ihrer Erwachsenen-Fantasie und den mühsamen Erwachsenen-Spielregeln manchmal eben schlicht und ergreifend fehl am Platz. Und so fragen sie nicht ständig „Was machen wir heute?„, sondern spielen einfach das, auf was sie Lust haben.

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Zusammen oder alleine spielen? Die richtige Mischung macht’s!

Manchmal frage ich mich bei solchen Kindern, die nicht alleine spielen, nach Ursache und Wirkung. Können sie sich wirklich nicht alleine beschäftigen? Oder sind es eher die Eltern, die ihnen zu wenig Möglichkeiten dazu geben?

Auch, wenn es hart klingt: (Meine) Kinder müssen sich durchaus auch ab und zu langweilen! Langweile macht kreativ, sagt man doch, und ich denke, dass das wichtig für ihre Entwicklung ist. Ich für meinen Teil möchte durchaus nicht als Allround-Animateur meines Nachwuchses herhalten müssen. Das würde mir einfach keinen Spaß machen und wäre deshalb auch nicht sonderlich authentisch. Ein harmonisches Familienleben – so meine Meinung – besteht stets aus der richtigen Mischung von zusammen und alleine. Und genau aus diesem Grund müssen meine Kinder eben ALLEINE spielen! Damit das ZUSAMMEN spielen lustiger und echter ist!

„Der Junge, der überlebte“: Mutter teilt ihr persönliches, kleines Wunder

„Der Junge, der überlebte“: Viele Harry Potter Fans werden dieses Zitat kennen. Doch für Nadine Shelley aus den USA haben diese vier Worte noch eine ganz andere, persönliche Bedeutung.

Junge mit blauen Augen
Er hatte so gut wie keine Überlebenschancen. ©Unsplash/Sharon McCutcheon

Ärzte gaben dem Baby kaum eine Überlebenschance

Bis zur verlief die Schwangerschaft von Nadine Shelley völlig normal. Doch dann kam der Schock: Bei einer Routine-Ultraschalluntersuchung stellte der Arzt fest, dass sie zu wenig Fruchtwasser hatte. Da ihr Baby zu diesem Zeitpunkt noch nicht lebensfähig war, konnten die Ärzte nichts tun. Ihr wurde gesagt, sie solle versuchen bis zur 23. Schwangerschaftswoche durchzuhalten. Bei der nächsten Untersuchung bestätigte sich: Sie habe einen frühzeitigen Blasensprung gehabt und würde seit Wochen Fruchtwasser verlieren.

Die Ärzte rieten Shelley zu einem Schwangerschaftsabbruch, weil das Kind vermutlich mit schweren geistigen und körperlichen Behinderungen zur Welt kommen würde. Er hätte kaum Überlebenschancen, die Ärzte sprachen von unter 15 Prozent. Wenn überhaupt, hätte er ein schmerzerfülltes kurzes Leben vor sich.

Doch als großer Harry Potter Fan ging Shelley das Zitat „Der Junge, der überlebte“ nicht aus dem Kopf.

„Ich fühlte, dass es nicht meine Entscheidung war“

Shelly ist Krankenschwester, war sich der Risiken bewusst und verstand auch, warum ihr ein Abbruch empfohlen wurde. Trotzdem entschloss sie sich dagegen, wie sie auf ihrer Facebook-Seite schreibt:

„Ich fühlte, dass es nicht meine Entscheidung war, ob Brayden [An.d.Red. der Name ihres Kindes] stark genug wäre, um zu überleben. Brayden würde das selbst entscheiden. Alles, was ich tun konnte, war, ihm die beste Voraussetzung dafür zu geben, und ihn so lange wie möglich in mir zu tragen.“

The Boy Who Lived.I want to start off by saying, I respect that everyone has their opinion, I have very close friends…

Gepostet von Nadine Shelley am Freitag, 28. Oktober 2016

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In der 28. Schwangerschaftswoche wurde der Kleine als Frühchen geboren. Doch bereits seine ersten Minuten waren kritisch. Einer seiner Lungenflügel platzte, was sein Herz kurzfristig zum Stillstand brachte. Was folgte waren mehrere Wochen auf der Säuglingsintensivstation. Obwohl sein Leben von zahlreichen Schläuchen und Maschinen abhing – Brayden überlebte.

Zwei Wochen später konnten Nadine und ihr Ehemann ihr Baby das erste Mal halten. Er sei damals so winzig gewesen, dass er gerade mal in ihre Handfläche passte, erinnert sich Shelley. Obwohl die Ärzte ihm kaum Überlebenschancen gaben, durfte Brayden nach 76 Tagen das Krankenhaus verlassen und mit seinen Eltern nach Hause.

Dieses Jahr feiert Brayden seinen dritten Geburtstag

Das war im Mai 2016. Zu kämpfen sei die richtige Entscheidung gewesen, so Shelley. Dieses Jahr feiert Brayden seinen dritten Geburtstag.

Aber Shelley sagt ganz klar, die ersten Monate seien sehr anstrengend gewesen, ihr Kind wäre lange Zeit unterentwickelt gewesen. Und wahrscheinlich werde er über Jahre hinweg Physiotherapie brauchen. Aber Brayden sei ein Kämpfer.

Ein besseres Happy-End hätte sich auch J.K. Rowling nicht ausdenken können. Was für eine zauberhafte Geschichte.

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Meine Kinder hatten Windpocken: Hätte ich sie doch impfen lassen sollen?

Keine Frage: Impfen schützt und ist unheimlich wichtig! Doch wie ist das mit den empfohlenen Impfungen wie FSME oder Varizellen? Hier scheiden sich die Geister und viele Eltern wägen Vorteile und Risiken sorgsam gegeneinander ab. So auch unsere Autoren Daniela und Markus Kirschbaum. Deren Kinder sind nach (österreichischem) Impfplan durchgeimpft. Doch die Varizellen-Impfung haben sie ausgelassen. Dann bekamen ihre Kinder die Windpocken. Hier erzählt Mama Daniela, ob sie ihre Entscheidung bereut hat.

Kind hat Windpocken
Hätte ich das meinem Kind ersparen sollen? Die Entscheidung ist Mama Daniela nicht leicht gefallen. © Bigstock / HalfPoint

Impfen? Aber klar doch!

Ob wir unsere Kinder impfen lassen oder nicht, das war für uns eine leichte Entscheidung. Beide Kinder sind laut österreichischem Impfplan durchgeimpft. Dass das unbestreitbar wichtig ist, steht für uns nämlich außer Frage. Wichtig, nicht nur für die eigene Gesundheit, sondern auch für die sogenannte Herdenimmunität – Stichwort Masern. Doch zwei Impfungen gibt es, da haben wir durchaus überlegt: die Varizellen-Impfung, also die Impfung gegen Windpocken – oder Feuchtblattern, wie man bei uns sagt – und die FSME-Impfung.

Wie ist das mit den empfohlenen Impfungen?

Nachdem wir viel in der Natur unterwegs sind und Zecken bei uns an der Tagesordnung, war die Entscheidung pro FSME-Impfung rasch getroffen. Besser kein unnötiges Risiko eingehen!

Anders sah das bei der Varizellen-Impfung aus. Wir haben uns gründlich informiert und zwei Aspekte waren es, die unsere Entscheidung schließlich beeinflusst haben: So bietet die Impfung keinen garantierten Schutz vor einer Infektion. Was für unsere Entscheidung letztendlich aber ausschlaggebender war: Der Impfschutz gegen Varizellen lässt im Laufe des Lebens nach. Treten die Windpocken folgend bei einem erwachsenen Menschen auf, verläuft die Erkrankung ungleich schwerer als im Kindesalter. So zumindest medizinische Studien. Wir haben unsere Kinder schlussendlich nicht impfen lassen.

Und dann waren da die Windpocken

Die ersten Jahre waren Windpocken bei uns kein Thema. Zwar gab es ab und zu einen Aushang im Kindergarten, dass Fälle von Windpocken aufgetreten wären, aber unsere Kinder hat es nicht erwischt. Bis eben vor zwei Jahren! Da brachte unsere Tochter die Windpocken schließlich aus dem Kindergarten mit heim. Ziemlich genau zwei Wochen später bekam ihr Bruder sie dann ebenfalls.

Obwohl wir unsere Entscheidung bewusst getroffen haben, war das damals ein durchaus bescheidenes Gefühl. Unsere Kinder sind davor noch nie richtig schlimm krank gewesen, außer vielleicht mal Fieber oder ähnliches. Natürlich gingen mir auch all die Horrormeldungen über Komplikationen durch den Kopf, von der Narbenbildung bis hin zum Schlaganfall.

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In den Wochen, in denen die Kinder die Windpocken durchmachten, waren unsere Nerven zum Zerreißen gespannt. Wir ließen sie kaum aus den Augen und überwachten ihren Gesundheitszustand pausenlos. Dabei gingen wir ihnen vermutlich ziemlich auf die Nerven, denn sie waren quietschfidel. Trotzdem: Das schlechte Gewissen ließ uns lange Zeit nicht los. Immerhin hätten wir es ja verhindern können! Hatten wir aber nicht…

Alles ging glimpflich aus – zum Glück!

Die Wochen zogen ins Land und die Windpocken vorüber. Bald waren alle Verkrustungen abgefallen und der Alltag kehrte wieder ein. Heute ist die Sache nur noch eine blasse Erinnerung. Die Windpocken sind ausgestanden, unsere Kinder sollten nun also ihr Leben lang dagegen immun sein. Zum Glück ging alles glimpflich aus! Allerdings ist mir sehr wohl bewusst, dass es auch Fälle gibt, wo das anders aussieht. Müsste ich die Entscheidung heute nochmal treffen, ganz ehrlich: Ich glaube, sie fiele mir nicht mehr ganz so leicht!

Abtreibung bis zum 9. Monat? Jusos verwirren mit Kongressbeschluss

Der Antrag der SPD-Jugendorganisation (Jusos) zur Streichung der Paragrafen 218-219b aus dem Strafgesetzbuch hat für viel Aufregung und Verwirrung gesorgt. Aber wollen die Jusos wirklich Schwangerschaftsabbrüche bis zum 9. Monat legalisieren, wie ihnen jetzt unterstellt wird? Und wie ist deine Meinung zu dem Thema? Stimme unter dem Artikel ab!

Frau hält positiven Schwangerschaftstest in den Händen
Nicht immer ist eine Schwangerschaft gewollt: Jusos fordern mehr Recht auf Selbstbestimmung © Unsplash/ rawpixel

In diesem Artikel:

„Babymörderfraktion“ – mit diesem polemischen Vorwurf, für den die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Fraktion, Beatrix von Storch, in einer aktuellen Stunde im Bundestag gerügt wurde, sieht sich die SPD-Jugendorganisation (Jusos) derzeit konfrontiert. Kritik hagelt es auch von anderen Parteien. Grund dafür ist ein Antrag der Jusos zur Streichung der Paragrafen 218-219b aus dem Strafgesetzbuch. In diesen Paragrafen sind die gesetzlichen Regelungen zu Abtreibungen in Deutschland festgelegt. Eine ersatzlose Streichung ohne Folgeregelungen würde theoretisch einen straffreien Schwangerschaftsabbruch bis zum 9. Monat möglich machen.

Jusos fordern Streichung der §218-219b

Seit eine Ärztin aus Gießen zu einer Geldstrafe verurteilt wurde, weil sie auf ihrer Internetseite Schwangerschaftsabbrüche als Leistung angeboten hatte, ist die Regierungsdebatte um den Paragrafen 219a, der die „Werbung für Schwangerschaftsabbrüche“ regelt, angespannt wie nie.

Der SPD-Jugendorganisation würde aber selbst eine mögliche Abschaffung des §219a nicht weit genug gehen. Auf dem Juso-Bundeskongress vom 30. November bis zum 2. Dezember in Düsseldorf hat sie daher einen Antrag zur Streichung der Paragrafen 218-219b aus dem Strafgesetzbuch gefordert. Wollen die Jusos wirklich Schwangerschaftsabbrüche bis zum 9. Monat legalisieren, wie ihnen jetzt unterstellt wird?

„Am wichtigsten ist uns Jusos, das Selbstbestimmungsrecht der Frau zu stärken und erst im zweiten Schritt über eine Fristenlösung nachzudenken.“

Als erstes gilt es zu klären, warum die Jusos die Paragrafen 218 und 219a streichen wollen. In ihrem Antrag an den SPD-Bundesparteitag begründen sie ihre Entscheidung mit dem Recht auf Selbstbestimmung der Frau: „Das Recht auf körperliche und reproduktive Selbstbestimmung stellt für uns ein zentrales Menschenrecht dar. Die momentane Gesetzlage in Deutschland schränkt dieses Recht massiv ein. (…) Letztlich führt die aktuelle gesetzliche Regelung in den §§218ff. und §§ 219ff. zu rechtlicher Unsicherheit, Kriminalisierung und gesellschaftlicher Stigmatisierung nicht nur für (ungewollt) Schwangere, sondern eben auch für Ärzt*innen.“

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Die stellvertretende Juso-Chefin Katharina Andres beantwortet diese Frage in einem Interview mit der „Welt“ so: „Abtreibungen sind derzeit leider eben per Gesetz illegal und nur unter bestimmten Bedingungen straffrei. Wir wollen aber, dass Abtreibungen – übrigens als einziger medizinischer Eingriff – nicht mehr im Strafgesetzbuch geregelt sind.“

Es geht den Jungsozialisten also in erster Linie um Entkriminalisierung von Abbrüchen, eine Stärkung des Rechts zur Selbstbestimmung von Frauen und die Stärkung von Ärzten, die diesen Eingriff durchführen. Doch ist dafür die ersatzlose Streichung der umstrittenen Paragrafen der richtige Weg?

Ablehnung der Fristenlösung – und dann?

Gegner des Antrags kritisieren vor allem die von den Jusos geforderte Aufhebung der Fristenlösung. In ihrem Antrag schreiben die Jungsozialisten: „Die sogenannte Fristenlösung (…), dass nur bis zur zwölften Woche nach der Empfängnis ausnahmsweise der Schwangerschaftsabbruch straffrei erfolgen kann, lehnen wir ab.“ Einen einheitlichen Vorschlag zur Neuregelung gibt es allerdings nicht – und genau hier liegt das Problem.

Durch den Wegfall der Fristenlösung wäre also ein Abbruch bis zum neunten Monat möglich. Die stellvertretende Juso-Chefin Katharina Andres nennt diese Option allerdings im Welt-Interview „absurd“ und spricht sich für eine Neuregelung der Fristenlösung aus, die Betroffenen mehr Zeit einräumt, etwa bis zur 22. Schwangerschaftswoche wie in den Niederlanden. Doch es gibt auch andere Stimmen aus der SPD-Jugendorganisation: Die Rednerin Sabrina Simmons (Jusos Berlin) äußerte sich auf dem Kongress deutlich radikaler und erntete für ihre Rede reichlich Applaus: „Wir müssen für etwas einstehen. (…) Für die Lebenden. Für die Frauen. Für ihre Selbstbestimmung. Und nicht für irgendwelche Ungeborenen. (…) Die haben davor einfach kein Recht. Und die Grundrechte, das Menschenrecht, gilt zuerst einmal für die Frau. Und dann für alles andere.“

Der Antrag wurde von den Mitgliedern angenommen. Der Pressesprecher der Jusos wehrt sich allerdings  in einer Stellungnahme bei dem Recherchezentrum Correctiv gegen die Vorwürfe, die Jugendorganisation hätte damit eine Regelung zur Abtreibung bis zum neunten Schwangerschaftsmonat beschlossen: „Wer das behauptet verdreht mutwillig die Tatsachen.“

„Es mag naiv gewesen sein.“

Kevin Kühnert, der Vorsitzende der Jusos, sieht den Fehler vor allem in der fehlenden Ersatzlösung für die Streichung der Paragrafen: „Es mag naiv von uns gewesen sein zu glauben, man könne die Zurücknahme der geltenden Regeln fordern, ohne gleichzeitig einen konkreten Vorschlag zu unterbreiten, wie diese künftig aussehen sollen. Diesen Vorwurf lasse ich gelten. Uns ging es darum, in einer sensiblen ethischen Frage klar Position zu beziehen und gleichzeitig Raum für die notwendige Diskussion zu bieten.“

Dass sich die Forderungen der Jusos nach Streichung der Paragrafen 218-219b durchsetzen, gilt als so gut wie ausgeschlossen.

Einen Kommentar zum Thema liest du hier: „Ihr seid so dumm“ – Radikale Sprache zerstört jeglichen Dialog“

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Quellen:

Schmüser, Caroline (14.12.2018): Nein, die Jusos haben keine Regelung für Schwangerschaftsabbrüche bis zum neunten Monat beschlossen. In: Correctiv – Recherchen für die Gesellschaft. URL: https://correctiv.org/faktencheck/politik/2018/12/14/nein-die-jusos-haben-keine-regelung-fuer-schwangerschaftsabbrueche-bis-zum-neunten-monat-beschlossen (Abrufdatum: 20.12.2018)

Heimbach, Tobias (06.12.2018): „Ungeborenes Leben sollte nicht schwerer wiegen als der Schutz der Frau“. In: Welt. URL: https://www.welt.de/politik/deutschland/article185090042/Abtreibungen-Juso-Vize-Katharina-Andres-fordert-mehr-Rechte-fuer-Frauen.html (Abrufdatum: 20.12.2018)

Kühnert, Kevin (11.12.2018): Schwangere Frauen werden in Deutschland kriminalisiert – warum dulden wir das?, In: Handelsblatt. URL: https://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/expertenrat/kuehnert/expertenrat-kevin-kuehnert-schwangere-frauen-werden-in-deutschland-kriminalisiert-warum-dulden-wir-das/23748248.html (Abrufdatum: 20.12.2018)

Trippo, Julia (13.12.2018): Kontroverse Bundestagsdebatte zu Jusos-Beschluss, die Paragrafen 218 und 219a zu streichen. In: zwd Politikmagazin. URL: http://www.zwd.info/hitzige-bundestagsdebatte-zu-jusos-beschluss.html (Abrufdatum: 20.12.2018)

Juso-Bundeskongress, 30. November – 2. Dezember 2018, Beschluss G1 „Für ein Recht auf reproduktive Selbstbestimmung: „Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen“, URL: https://www.jusos.de/content/uploads/2018/12/g1_fuer-ein-recht-auf-reproduktive-selbstbestimmung-legalisierung-von-schwangerschaftsabbruechen.pdf (Abrufdatum: 20.12.2018)

„Ihr seid so dumm“ – Radikale Sprache zerstört jeglichen Dialog

Es gibt Themen, die sind einfach von Natur aus nicht einfach mit Ja oder Nein zu beantworten. Das Thema Schwangerschaftsabbruch gehört mit Sicherheit dazu. Die Debatte beim Juso-Bundeskongress über die Streichung der Paragrafen 218-219b zeigt aber vor allem eines: Radikale Sprache zerstört jeglichen Dialog.

Frau in gelbem Puli schreit in Megafon
Radikale Sprache zerstört jeglichen Dialog © Bigstock/ Aaron Amat

Die Hintergründe zur Debatte über die Streichung der Paragrafen 218-219b auf dem Juso-Bundeskongress vom 30. November bis zum 2. Dezember in Düsseldorf liest du hier: „Abtreibung bis zum 9. Monat? Jusos verwirren mit Kongressbeschluss“

 

Ein Kommentar

Frauen, die in Deutschland einen Schwangerschaftsabbruch wollen, haben es nicht einfach. Informationen im Netz sind vergleichsweise dünn gesät und die soziale Stigmatisierung ist hoch. Faktisch ist der Eingriff in Deutschland illegal – mit bestimmten Ausnahmeregelungen und einer Fristenlösung, nämlich der 12. Schwangerschaftswoche (SSW). Ob eine Anhebung der Frist auf die 22. SSW Frauen helfen könnte, ihre Entscheidung besser treffen zu können, kann man diskutieren. Auch ob die Aufhebung des sogenannten „Werbeverbots“ Ärzten und Ärztinnen helfen könnte, Patientinnen besser zu informieren, kann man diskutieren. Und all das sollte man diskutieren! Was man aber in dieser Diskussion nicht sollte: In einem radikalen Rundumschlag alle Nicht-Gleichgesinnten komplett niederzubügeln.

„Ihr seid so unfassbar dumm!“

Auf dem Juso Bundeskongress wurde viel diskutiert. Es wurden Argumente und Ethik abgewogen, gefragt, ab wann Leben beginnt und wie man schützenswertes Leben und die Selbstbestimmung der Frau vereinen kann. Und dann wurde geschossen. Sabrina Simmons (Jusos Berlin) hatte eine Meinung, aber nicht irgendeine! Sie hatte DIE RICHTIGE EINZIGE Meinung. Wie hat sie es geschafft ins Auge der unantastbaren Wahrheit zu schauen? Ganz einfach: Sie hat jeden, der nicht ihrer Meinung war, diffamiert und niedergebrüllt.

Ihren Wirbelsturm an Wahrheitsgesang beginnt sie daher gleich mit einem Beschuss auf ihre Parteifreunde: „Ich hab‘ mich grade bei den letzten paar Beiträgen gefragt, ob wir bei den Jusos oder auf dem Deutschlandtag sind.“ Zweifel an ihrer Meinung? Rechter Stempel! Es macht sich im Zuhörer eine ähnliche Ratlosigkeit breit, wie wenn Rechte von „linksversifften Gutmenschen“ sprechen. Das sind keine Argumente. Beleidigung ist kein angemessenes Rhetorikelement in einer Demokratie.

Wo fängt Leben an?

Ihre Wut geht weiter und so appelliert Simmons mit dramatischer Mine, dass es doch nicht der Ernst ihrer Genossen sein könne, bei diesem Thema „so eine pathetische Rhetorik an den Tag zu legen.“ Pathetik, das ist für sie die Frage „Wo fängt Leben an?“, die ihre Vorredner gestellt haben. Sie zu beantworten, kein Leichtes und überhaupt, wie kann man eine Frage, die von Philosophie, Religion, Ethik und Medizin immer wieder diskutiert wird, „unpathetisch“ stellen? Simmons hat darauf eine Antwort: Man stellt sie einfach gar nicht. Statt dessen brüllt sie in den Raum: „Ihr seid so dumm, dass ihr da den CDU-Leuten so Argumentationen gebt, das ist unfassbar.“

Klar ist: Es ist ein kompliziertes Thema, dass hier diskutiert wird. Und so ist es durchaus möglich, dass sich auch innerhalb der Jusos mancher im Kern eher einer konservativen Meinung anschließt, die man eher aus Reihen der CDU kennt.

 

 

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Dass sie das Menschenrecht der Frau über das eines Fötus stellt – da kann und sollte man anderer Meinung sein dürfen.

Die Jusos haben den Antrag auf ersatzlose Streichung der Paragrafen 218-219b angenommen. Und was ist passiert? Der rechte Wirbelsturm an Wahrheitsgesang brach über Sabrina Simmons nieder. Beatrix von Storch nennt die Jusos eine „Babymörderfraktion“. Im Internet bekommt Simmons Morddrohungen und der ganze Parteitag wird auf einen Satz verkürzt: „Die Jusos wollen Babys töten.“ Dass das natürlich Quatsch ist, und dass auch Frau Simmons nicht im Kreissaal mit einem Messer wüten will, ist eigentlich klar. Doch darum geht es schon lang nicht mehr. Und daran ist auch (aber natürlich nicht nur) Simmons selbst schuld, weil sie Meinungsgegner als „unfassbar dumm“ bezeichnet. Dass sie das Menschenrecht der Frau über das eines Fötus stellt – da kann und sollte man vielleicht anderer Meinung sein. Und dann sollte man auch seine Meinung sagen dürfen. Und zwar ohne als „lächerlich“ beschimpft zu werden.

„Es mag naiv gewesen sein.“

Kevin Kühnert, der Vorsitzende der Jusos, bezieht im Handelsblatt zu der Kritik an dem Antrag Stellung: „Es mag naiv von uns gewesen sein zu glauben, man könne die Zurücknahme der geltenden Regeln fordern, ohne gleichzeitig einen konkreten Vorschlag zu unterbreiten, wie diese künftig aussehen sollen. Diesen Vorwurf lasse ich gelten. Uns ging es darum, in einer sensiblen ethischen Frage klar Position zu beziehen und gleichzeitig Raum für die notwendige Diskussion zu bieten. Das ist gescheitert, weil die politische Rechte mit widerlichsten Methoden reagiert hat. Desinformation wurde betrieben, private Telefonnummern wurden zur Einschüchterung veröffentlicht, vereinzelte Morddrohungen liefen auf. Das sind also die Methoden von Leuten, die vorgeben, den Schutz des Lebens im Sinn zu haben. Es ist ein erbärmlicher Offenbarungseid.“

Er mag Recht haben. Ein Gesetz zu streichen, ohne einen Plan B zu haben – das kann man mit Fug und Recht als naiv bezeichnen. Dass eine wichtige Debatte über Frauen und ihre Selbstbestimmung und Ungeborene und ihr Recht auf Leben von vielen reißerisch auf „Jusos wollen Babys töten!“ reduziert wurde, ist nicht nur dem naiven Versäumnis nach einer Regelung der Fristenlösung zuzuschreiben. Es ist auch Menschen wie Simmons zuzuschreiben, die keine Diskussion zulassen. Dadurch wird weder das Thema einfacher, noch können ethische Fragen besser geklärt werden. Wir brauchen Platz für Diskussionen. Denn die Paragraphen 218 und 219 werden nicht die letzten Fragen sein, die man nicht einfach mit Ja oder Nein beantworten kann.

Interview mit Katharina und Lisa von „Stadt Land Mama“

Wir haben Katharina und Lisa von dem Blog-Magazin „Stadt Land Mama“ über die Vor- und Nachteile von Stadt und Land ausgefragt, wie Vereinbarkeit funktionieren kann und warum ihr Blog die beste „Selbsthilfegruppe ever“ ist.

Stadtmama Katharina und Landmama Lisa
Über Alltagsprobleme, Kitas und Mom-Shaming © Christoph Michaelis

Stadt Land Mama im Interview

Stadt Land Mama: So heißt das Herzensprojekt von Stadtmama Katharina und Landmama Lisa. Katharina lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in der Großstadt Berlin, Katharina hat mit ihrer Familie – ein Mann, drei Kinder und etliche Tiere – eine neue Heimat im Bergischen bei Köln gefunden. Auf ihrem gemeinsamen Blog erzählen die Journalistinnen erfrischend ehrlich vom Mama-Alltag, in dem Versagen und Glück manchmal nahe beieinander liegen.

Hallo:Eltern: Als „Stadt Land Mama“ kennt ihr die Vor- und Nachteile eines Lebens auf dem Land und in der Stadt besser als andere. Katharina, was vermisst du als Stadtmama manchmal? Und Lisa du als Landmama, in welchen Situationen fehlt dir die Großstadt besonders?

Katharina: Meine Mutter wohnt auf dem Land und wenn ich dort spazieren gehe, treffe ich oft gar keinen Menschen. Das wäre hier undenkbar und diese Ruhe vermisse ich.

Lisa: Oh, wir haben ja bis vor sechs Jahren mit den Kindern mitten in Berlin gewohnt, nun wohnen wir so richtig auf dem Land, im Bergischen. Anfangs vermisste ich vor allem das Auf-die-Straße-gehen und spontan Leute treffen. Das Quatschen auf dem Spielplatz, die vielen verschiedenen und interessanten Lebensläufe der anderen. Auf dem Land hat hingegen jeder seinen eigenen Spielplatz im Garten. Was ich sonst noch vermisse: Einfach mal zu Fuß oder mit dem Rad oder mit der Bahn irgendwo hin zu können. Das sich ständig wandelnde Stadtbild mit neuen Cafés.

Vereinbarkeit“ ist bei euch auf dem Blog immer wieder ein Thema. Ihr habt mit einigen Müttern darüber gesprochen oder ihre Geschichten erzählt. Aus ihren Erfahrungen und aus eurer eigenen: Warum ist diese Vereinbarkeit oft so schwer?

Katharina: Weil sich die meisten Paare nicht VOR der Geburt zusammensetzen und über ihre Erwartungen und Wünsche sprechen. Und so bleibt der Hauptteil der Care Arbeit immer noch an der Mutter hängen. Ist sie dann auch noch berufstätig, reibt sie sich eigentlich automatisch ständig auf.

Lisa: Hm, ich glaube, selbst wenn man sich vor der Geburt mit dem Partner zusammensetzt: Es bleibt ein Drahtseilakt. Ich jedenfalls konnte mir vor der Geburt nicht im Geringsten vorstellen, was es wirklich bedeutet. Die Aufgaben werden ja nicht weniger. Mit Kindern und Job und Haushalt und Freunden und Ehrenamt und Reisen und Hobbys und Ausflügen und allem, was dazu gehört. Der Tag hat halt nur 24 Stunden. Wann macht wer was wie und warum? Das ist eine tagtägliche Mammutaufgabe aus dem höheren Management, die wir da alle bewältigen – und dafür können wir uns alle wirklich auch mal regelmäßig auf die Schulter klopfen.

Ihr steht durch euren Blog als Mütter im Fokus – auch von Kritik. Manchmal hat man das Gefühl, unter Mütter herrscht oft gar kein Zusammenhalt mehr und es wird nur noch aufeinander rumgehackt – vor allem im Internet. Wie geht ihr damit um, wenn andere euren Erziehungsstil kritisieren oder verurteilen?

Katharina: Wir versuchen uns da rauszuhalten. Es ist uns wichtig, dass wir auf dem Blog möglichst bunt sind und zeigen: Es gibt nicht nur den einen Weg, es gibt nicht nur die eine Familie. Jede Mutter ist die beste für ihr Kind.

Wir stehen immer wieder für Zusammenhalt und Solidarität unter Müttern ein und dafür, dass viele Wege nach Rom führen und jede ihren eigenen Weg finden muss, mit dem sie glücklich wird.

Lisa: Manchmal glaube ich auch, da wird ein virtuelles Monster erschaffen, dass es in dieser beschriebenen Heftigkeit vielleicht gar nicht so gibt, wie es immer dargestellt wird. Wir haben jedenfalls an den meisten Tagen einen sehr fairen Umgang unter unseren Leserinnen festgestellt, das mag aber auch vielleicht an dem Klima liegen, dass wir bei uns im Blog erschaffen. Wir stehen immer wieder für Zusammenhalt und Solidarität unter Müttern ein und dafür, dass viele Wege nach Rom führen und jede ihren eigenen Weg finden muss, mit dem sie glücklich wird. Dass gar kein Zusammenhalt mehr unter Müttern besteht, kann ich jedenfalls weder für mein Privatleben noch für Stadt Land Mama bestätigen.

Ihr seid beide seit über zehn Jahren Mütter: Ist das Mama-Leben so, wie ihr es euch es vorgestellt habt?

Katharina: Nein, gar nicht. Ich hätte nie damit gerechnet, wie einnehmend die Mutterschaft ist. Ich dachte, Kinder würden viel mehr so nebenbei laufen.

Lisa: Ich weiß noch, wie ich irgendwann am Mittagstisch saß und die Kinder ihre Rucksäcke in die Ecke warfen und wir uns zusammensetzten. Da dachten ich: Wow, genau so hatte ich mir das Muttersein vorgestellt. Wie im Film halt. Ein kurzer Moment der Selbstverständlichkeit und familiären Harmonie. Bis dahin waren Jahre vergangen 😉 Aber ehrlich gesagt: Ich war 23 als ich schwanger wurde, ich habe mich wahnsinnig auf dieses erste Kind gefreut und mir – vielleicht einfach jung, vielleicht auch etwas naiv – gar nicht so viele Gedanken gemacht, wie das werden würde. Schön, dachte ich. Und dann wurde ich müde. Und überfordert. Und glücklich. Alles sehr intensiv. Mit dieser mütterlichen Gefühls-Achterbahn hatte ich so jedenfalls nicht gerechnet.
Aber immerhin war das so toll, dass ich bald darauf wieder schwanger wurde. Dass das dann Zwillinge werden würden, konnte ich ja nicht ahnen. Aber ich bin eh keine Person, die 5- oder 10-Jahres-Pläne aufstellt. Ich lass mich gern vom Leben überraschen. Und deswegen passte es damals und passt es heute irgendwie alles so wie es ist.

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Lisa, ein Kleinkind und dazu dann gleich Zwillinge: Wie hast du das geschafft? Welchen Überlebens-Tipp hast du für andere Zwillings-Mamas?

Lisa: Danke für diese Frage! Denn die „Boah, das hätte ich nicht geschafft mit drei Kindern innerhalb von zwei Jahren“-Bekundungen bekomme ich natürlich immer noch. Dabei ist das ja Quatsch: Natürlich schafft man das. Jeder schafft das, denn was bleibt uns denn anderes übrig? Ich konnte ja nicht ein Kind einfach zurückgeben. Aber Spaß beiseite. Es war unfassbar. Meine langjährige Schulfreundin beichtete mir neulich, dass sie mich einmal besucht hatte, da hatte ich einen Zwilling zum Stillen an der Brust, den anderen schubste ich mit meinem Fuß in seiner Wippe an, damit er nicht weint und der Zweijährigen half ich gleichzeitig beim Ausschneiden. Da sei sie nach Hause gefahren, habe sich auf die Couch gesetzt, ne Pizza bestellt, die Ruhe genossen und erstmal geheult. Sowas kann man doch nicht schaffen, dachte sie. Nicht 24 Stunden am Tag, denn irgendwie war in dieser Zeit ja immer jemand wach.

Für mich und meinen Seelenfrieden gut war vermutlich auch, dass andere Freunde noch keine Kinder hatten und ich mich also nicht ständig vergleichen musste.

Was mir in dieser Zeit geholfen hat? Mich ab und zu auszuheulen bei Freundinnen oder Partner. Mir helfen lassen von einer Mütterpflegerin und meiner Mama, die leider 600 Kilometer entfernt wohnte, aber manchmal einfach zur Hilfe kam. Viel rausgehen, unter Leuten sein, um nicht ganz zu vereinsamen. Schlafen, wann immer es irgendwie möglich ist.. Und die Hoffnung und den Optimismus nicht aufgeben, dass es irgendwann besser wird. Für mich und meinen Seelenfrieden gut war vermutlich auch, dass andere Freunde noch keine Kinder hatten und ich mich also nicht ständig vergleichen musste. Und dass ich zu dieser Zeit noch kein Smartphone hatte, um zu sehen, wie gut andere das mit ihren Babys und Kleinkindern hinkriegen – oder wie sie gerade um die Welt reisen, während ich zu Hause sitze und 90 Windeln pro Woche wechsle. Wir haben halt einfach gemacht und versucht, uns da alle irgendwie unbeschadet durch den Alltag zu bringen. Hat geklappt. Auch wenn man die Fotos von damals keinem zeigen kann.

Aber auch, wenn die Kinder nacheinander kommen, macht es das nicht weniger aufregend und anstrengend. Katharina, wie schafft man es, all seinen Kindern gerecht zu werden? In einem deiner letzten Blog-Artikeln hast du von euren „Ein-Kind-Wochenenden“ geschrieben: Ist das eine Möglichkeit?

Katharina: Ich finde, das ist eine ganz wunderbare Möglichkeit. Im Alltag kommt diese Qualitätszeit oft zu kurz. So ein Ein-Kind-Wochenende tut nicht nur dem Kind gut, sondern auch den Eltern. Endlich können sie ihr Kind mal wieder in Ruhe beobachten und einfach nur genießen.

Stichwort „KiTa“: Wo ist die Kinderbetreuung besser zu organisieren: Stadt oder Land? Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Katharina: Ich hatte in Berlin bisher immer großes Glück und habe für meine drei Kinder immer nach dem ersten Geburtstag eine Betreuung gehabt.

Lisa: Uh, wir waren in Berlin unzufrieden mit unserer Kita und haben dann zusammen mit anderen Eltern eine eigene gegründet. Das war ein Wahnsinns-Aufwand, puh und als dann alles fertig war und lief, zogen wir um. Die Große wurde dann eingeschult, die Zwillinge waren dreieihalb und hatten einen gesetzlichen Anspruch auf einen Kitaplatz. Wir fanden aber über fünf Monate keinen auf dem Land, ich studierte in dieser Zeit nochmal, musste meine Zwischenprüfung bestehen und schrieb mein erstes Buch. Ich musste also abends oder nachts arbeiten, das war wirklich kurz vor Burnout. Bis ich irgendwann das Jugendamt fragte, wohin ich die Babysitter-Rechnungen schicken darf. Am selben Tag bekamen wir zwei Plätze.

Abschlussfrage: Seit ich Mama bin kann ich nicht mehr ohne, _____ ? Und um es etwas schwieriger zu machen, beantwortet die Frage ohne die zwei K-Wörter: „Kinder“ & „Kaffee“.

Katharina: Sport. Ich muss regelmäßig meine Joggingschuhe anziehen, um mir im Wald den Kopf frei zu laufen – oder zum Yoga auf die Matte, um wieder bei mir selbst anzukommen.

Lisa: Darf ich trotzdem Kaffee sagen? Na gut, ich könnte nicht ohne meine Großfamilie, meine Freunde und die anderen tollen Mütter in meinem Umfeld. Und ohne meine Schreiberei ginge es vermutlich auch nicht. Unsere Community ist die beste Selbsthilfegruppe ever.

Dann hoffen wir, dass ihr noch lange mit eurer „Selbsthilfegruppe“ weitermacht. Unterstützung unter Müttern ist so wichtig, wir sitzen ja alle im selben Boot. Schön dass es auch bei euch eine Anlaufstelle für Mamas gibt! 

Mütter helfen Müttern: Diese Reisegeschichte klingt wie ein Weihnachtsmärchen

Die Schlange am Security-Check-In ist lang, der Reisepass ist weg, die Koffer sind sperrig und dann sind beide Kinder auch noch quengelig. Doch was einer jungen Mutter dann passiert ist, klingt nach einer modernen Weihnachtsgeschichte.

Frau steht am Bahnhof. Es schneit.
Das passiert, wenn Mamas zusammenhalten ©Unsplash/yns plt

Was passiert, wenn Mamas zusammenhalten

Mutter sein besteht sicher nicht nur aus Regenbogen und Zuckerwatte. Selbst dann nicht, wenn man gerade aus Disney World kommt. Diese Erfahrung hat auch Becca Kinsey vor Kurzem gemacht. Sie war mit ihren beiden Söhnen Wyatt (2) und James (5) allein verreist und auf dem Rückweg nach Hause. Und wie das an manchen Tagen so ist, geht so ziemlich alles schief.

Sie musste nämlich quer durch den Flughafen hetzen, weil sie ihren Reisepass verloren hatte. Als sich die Mutter mit ihren zwei Kinder schließlich mit schwerem Gepäck beim Security-Check-In anstellen, war die Schlange ewig lang. „Ich war den Tränen nahe, denn Wyatt hörte nicht auf zu schreien und James war völlig erschöpft.“, schreibt Kinsey auf Facebook.

So I thought it was a good idea to fly by myself with a 2 yr old and a 5 year old 😐 we were standing in line in…

Gepostet von Becca Kinsey am Freitag, 7. Dezember 2018

Doch die junge Mutter erhält unerwartete Hilfe. Aus heiterem Himmel hat eine andere Frau die Schlange an der Sicherheitskontrolle angehalten und sie nach vorne geholt. „Kommen Sie vor – ich weiß, wie das ist“, habe sie laut Kinsey gesagt. Dann sei eine andere Frau auf sie zugekommen und hat ihr das Gepäck abgenommen, sie sogar bis zum Gate begleitet.

Doch während des Flugs fängt Wyatt wieder an zu schreien. Eine dritte Frau spricht die Mutter an und nimmt ihr das Kind ab: „Sie sehen aus, als ob Sie eine Pause brauchen.“ Bis zum Gepäckband habe dieser „Engel“ sich um ihren Sohn gekümmert und ihn dann an mit den Worten „Frohe Weihnachten“ an Kinseys Ehemann übergeben.

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Die Geschichte ging viral

Auf Facebook erzählt Kinsey ihre Geschichte – und rührt damit gerade das Internet. Über 900.000 Mal (Stand: 13.12.2018) wurde das Foto bereits geliked und 130.000 Mal geteilt. Auch in den Kommentaren werden die drei hilfsbereiten Mütter gefeiert. Eine Userin schreibt:

„Ohh mein Herz. Das ist die beste Weihnachtsgeschichte, die ich dieses Jahr gehört habe.“

Eine andere Userin kommentiert:

„So etwas wie ‚Mom-Shaming‘ brauchen wir nicht. Wir sollten uns als Mütter nicht gegenseitig runterziehen, sondern uns helfen. Wir brauchen mehr von solchen Geschichten.“

Sehen wir genauso. Also, wie wäre es damit: Das nächste Mal, wenn wir eine Mutter sehen, die versucht ihr Baby zu beruhigen, damit sich die umstehenden Leute nicht gestört fühlen, fragen wir ob wir ihr helfen können. Wir sind schließlich alle Mütter und manchmal sind es diese kleinen, unerwarteten Gesten, die einem wieder Kraft geben.

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Mädchen wird von Flugbegleiterin wegen ihres Namens ausgelacht – viele sagen: Zu Recht!

Eine Texanische Mutter hat ihrem Kind einen äußerst ungewöhnlichen Namen gegeben – und muss nun gewaltig einstecken.

Frau sitzt mit ihrem Baby im Flugzeug
Dieses Kind trägt einen außergewöhnlichen Namen. © Unsplash / Paul Hanaoka

Flugbegleiterin postet Boardingpass im Netz

Traci Radford und ihre 5-jährige Tochter möchten von El Paso, Texas, nach Orange County, Kalifornien fliegen. Doch dieses Flug-Erlebnis wird den beiden nicht so gut in Erinnerung bleiben: Als sie mit ihrer kleinen Tochter die Maschine der amerikanischen Fluggesellschaft Southwest, betreten wollte, lachte die Flugbegleiterin über den Namen ihrer Tochter: „Abcde“ Später fand Traci durch eine Bekannte heraus, dass die Flugbegleiterin sogar ein Foto von dem Ticket ihrer Tochter auf Facebook postete. Das wollte Traci nicht auf sich sitzen lassen, beschwerte sich im Netz und forderte eine Entschuldigung von der Fluggesellschaft:

Kein Verständnis aus dem Netz

Traci erzählte, dass ihre Tochter sehr verletzt war und nicht verstand, warum sich jemand über ihren Namen lustig machte. Als die Fluggesellschaft sich bei der Mutter für das Verhalten ihrer Mitarbeiterin entschuldigte, zeigten Twitter-Nutzer allerdings wenig Verständnis. Die Texanerin hätte mit der Namenswahl eindeutig einen großen Fehler begangen und dürfe nichts anderes bei dem Namen erwarten.

Seit dem Jahr 1990 wurden 328 Babys geboren, die den Namen ‚Abcde‘ tragen. Der Name wird “Ab-city“ ausgesprochen.

 

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„Stillen ist ein emotionaler Kampf“ – Mutter teilt ehrliches Stillfoto

Ihr Baby zu stillen, ist nicht für alle Mütter einfach – kaum eine aber traut sich, das zuzugeben. Diese Mama bricht mit dem Tabu und zeigt ganz offen wie schwierig Stillen für sie wirklich ist.

Eine Frau weint
Wenn stillen zum Kampf wird Unsplash/Kat J

Expections vs. Reality: Viele Frauen haben Probleme beim Stillen

Auch wenn es eines der natürlichsten Dinge auf der Welt ist und Muttermilch für das Kind die gesündeste Nahrung ist, fällt es manchen Müttern sehr schwer, ihr Kind zu stillen. Das kann die verschiedensten Gründe haben, Schmerzen durch wunde Brustwarzen zum Beispiel.

„Ich liebe es, all diese Bilder der schönen Frauen in ihrer Stillkleidung zu sehen, die lächelnd auf ihr Baby blicken (…) Das entspricht aber nicht meiner Realität.“

Angela Burzo wirkt auf dem Bild alles andere als glücklich. Sie sieht erschöpft aus, hat verquollene Augen und weint. Sie will damit zeigen: Auch so kann der Still-Alltag für Mamas aussehen. Unter dem Bild schreibt sie:

„Ganz egal, ob sie nicht richtig andockt, ob ich nicht genug Milch produziere, ob meine Nippel vielleicht nicht passend sind oder ob wir sie damit verwirrt haben, dass wir ihr auch die Flasche geben mussten … Was auch immer es ist, Stillen ist bisher ein emotionaler und schmerzhafter Kampf.“

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Vielen Mütter geht es ähnlich

Erst wenn sich jemand traut, das Tabuthema anzusprechen, wird klar, wie vielen Frauen es ähnlich geht. Die Kommentare unter dem Bild sind voll mit aufmunternden Worten, Zuspruch und Berichten von ähnlichen Erfahrungen.

Eine Userin schreibt:

„Dieses Foto hat mich zum weinen gebracht. Mit meiner Tochter ging es mir vor drei Jahres genauso. Danke! […]“

Eine andere Mama kommentierte:

„Ich erinnere mich an meine ersten Tage mit Kind. Ich habe Nächte lang geheult. Du bist nicht allein. […].“