Geburt nach erster Gebärmuttertransplantation in Deutschland

In Deutschland wurde 2016 am Universitätsklinikum Tübingen die erste erfolgreiche Gebärmuttertransplantation durchgeführt. Drei Jahre später die gute Nachricht: Zwei Transplantations-Empfängerinnen haben jetzt jeweils ein gesundes Kind zur Welt gebracht.

Babyfüße in einer Wiege im Krankenhaus
Durch eine Uterusspende ihrer Mütter konnten sich zwei Frauen den Kinderwunsch erfüllen © Bigstock/ christening

Gebärmuttertransplantation: Neue Hoffnung auf leibliche Kinder?

„Zwischen 60 und 80 Mädchen werden in Deutschland ohne Gebärmutter und Scheide geboren“, so Sabine Brucker, ärztliche Direktorin am Forschungsinstitut für Frauengesundheit des Universitätsklinikums Tübingen. Allein in Deutschland gibt es bis zu 8.000 Frauen, die von Geburt an keinen Uterus haben.

Diese Frauen haben das sogenannte Mayer-Rokitansky-Küster-Hauser-Syndrom (MRKHS). Sie werden kommen ohne Scheide und Gebärmutter auf die Welt. Schamlippen, Klitoris und Eierstöcke sind aber normal ausgebildet. Kinder können sie also keine bekommen. Auch Frauen, bei denen die Gebärmutter wegen einer Geburtskomplikation oder Krebserkrankung entnommen werden musste, haben beim Kinderwunsch eingeschränkte Optionen.

Diese Frauen „können biologisch kein eigenes Kind bekommen – hier in Deutschland“, erklärt Brucker in einer Pressekonferenz am 23. Mai 2019. Genetisch eigene Kinder könnten diese Frauen nur über eine Leihmutterschaft bekommen – die ist in Deutschland aber verboten.

Die erste Gebärmuttertransplantation in Deutschland

2016 gelang den Ärzten des Universitätsklinikums Tübingen, die erste Gebärmuttertransplantation in Deutschland erfolgreich durchzuführen. Die damals 23-jährige Empfängerin überstand die Operation ohne Komplikationen – eine Hoffnung für Frauen ohne Gebärmutter? Bis sich das zeigt, muss aber erst noch Zeit vergehen, in der die Gebärmutter verheilen und anwachsen muss. Außerdem muss die Frau erstmal ihre Periode bekommen, bevor an eine Schwangerschaft gedacht werden kann. Das dauert laut den Experten der Frauenklinik Tübingen rund sechs Wochen.

Babyglück nach Transplantation

Am 23. Mai 2019 verkündet das Ärzteteam in einer Pressekonferenz die guten Nachricht: Die Frau, bei der Mitte Oktober 2016 transplantiert wurde, hat im Mai 2019 ein gesundes Baby zur Welt gebracht.

Mitte 2018 wurde ihr laut einer Pressemeldung der Frauenklinik eine eigene, zuvor mit den Spermien des Ehemanns befruchtete, Eizelle eingesetzt. Die Schwangerschaft der jetzt 26-Jährigen verlief normal. In der 36. SSW kam durch einen Kaiserschnitt ein gesunder Junge zur Welt. 2,2 Kilo und 45 Zentimeter. „Unser sehnlichster Wunsch ist in Erfüllung gegangen“, so die frischgebackene Mutter.

Sie ist aber nicht allein mit ihrem neuen Familienglück. Auch eine zweiten Gebärmutter-Empfängerin hat durch die Transplantation schon im März ein gesundes Kind zur Welt gebracht.

Diese beiden Kinder sind die ersten Kinder in Deutschland, die nach einer Gebärmuttertransplantation geboren wurden – weltweit gibt es 17 Kinder.

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So funktioniert die Transplantation

Die Gebärmuttertransplantation ist eine Lebendspende. Das heißt: das Organ wird einer lebenden Spenderin entnommen und der Empfängerin direkt eingesetzt. Laut dem Ärzteteam funktioniert die Organspende am besten mit einer Verwandten – also einer Schwester oder der Mutter. Bei den beiden Frauen war die Spenderin jeweils die Mutter.

Es ist laut den Experten nicht schlimm, wenn die Spenderin schon zwei bis drei Jahre in der Menopause ist. Innerhalb von sechs Wochen baut sich die Schleimhaut durch die Hormone der Empfängerin nämlich wieder auf. Die Spenderin muss nur schon einmal schwanger gewesen sein und einen normalen Schwangerschaftsverlauf gehabt haben.

Wie bei anderen Organspenden ist auch hier die Operation kompliziert. Die Ärzte müssen hier im Millimeterbereich arbeiten – eine echte Sisyphus-Aufgabe also.

Keine dauerhafte Transplantation

Laut Brucker sind zwei Schwangerschaften möglich. Die Gebärmuttertransplantation ist also keine dauerhafte Transplantation wie es in den meisten anderen Organen der Fall ist. Wenn die erste Schwangerschaft ohne Komplikationen verlaufen ist, steht einer zweiten nichts mehr im Weg. Danach wird die Gebärmutter wieder entnommen. So kann es später nicht noch zu Abstoßreaktionen kommen und die Frauen müssen keine Medikamente – sogenannte Immunsuppressiva – für das Transplantat einnehmen.

Für ihren Sohn wird sie mit 61 nochmal schwanger

In Amerika hat eine 61-Jährige Frau ein gesundes Mädchen zur Welt gebracht. Erstaunlicher als das Alter der Frau ist aber die Tatsache, dass das Baby ihre eigene Enkelin ist. Die ganze Story erfährst du im Video.

 

 

 

Die 61-Jährige Cecile Eledge hat ihrem Sohn den Kinderwunsch erfüllt: Sie brachte seine Tochter zur Welt. Die Leihmutterschaft verlief ohne Komplikationen, obwohl Eledge längst in der Menopause gewesen ist. Im Video erfährst du mehr über die unglaubliche Geschichte.

Geburtspositionen im Überblick: Finde deine ideale Stellung

Bei der Entbindung können Frauen verschiedene Geburtspositionen einnehmen. Die Position soll den Geburtsvorgang erleichtern. Du kannst im Liegen, im Sitzen, im Knien oder im Stehen gebären. Hier findest du Vor- und Nachteile der jeweiligen Geburtsstellungen im Überblick.

Frau in einer der knienden Geburtspositionen
Es gibt unterschiedliche Geburtspositionen, die Schwangere einnehmen können © Bigstock/ ITLPhoto

Geburtspositionen im Überblick

Grundsätzlich wird zwischen waagerechten – also liegenden – Positionen und aufrechten Positionen wie Sitzen, Knien und Hocken unterschieden. Für welche der Geburtsstellungen du dich entscheidest, das bleibt am Ende natürlich dir überlassen. Ohnehin kannst du auch zwischen verschiedenen Stellungen wechseln – je nachdem, was dir gerade angenehm ist.

Waagrechte Geburtspositionen

Zu den klassischen Geburtspositionen gehören immer noch Stellungen im Liegen: entweder in Rückenlage oder auf der Seite. Beide Positionen haben gute Vorteile, aber eben auch Nachteile. So kann zum Beispiel die Scherkraft bei der Geburt nicht unterstützend mitwirken. Ein Kritikpunkt, den auch Hebammen immer wieder anbringen.

#1 Rückenlage:

In dieser Geburtsstellung liegt die werdende Mutter in der Rückenlage auf dem Bett. In der Austreibungsphase werden die Beine angezogen. Dabei umfasst die Schwangere oft ihre Knie.

Vorteile:

  • Die meisten Kreissäle sind für liegende Geburten ausgelegt.
  • Die Schwangere kann sich zwischen den Wehen gut entspannen.
  • Der Geburtshelfer hat einen guten Blick auf den Geburtsverlauf.
  • Im Gegensatz zu aufrechten Geburtspositionen ist der Geburtskanal bei der Rückenlage enger. Gegenüber dem Apothekenmagazin Baby und Familie erklärt Hebamme Christiane Schwarz, dass deswegen die Geburt so länger dauern kann.
  • Bei einer zu schnellen Geburt wird so die Geburt verlangsamt.
  • Bei der Notwendigkeit von medizinischen Maßnahmen (Kaiserschnitt, Saugglocke oder Zange) liegt die Frau schon in der richtigen Position.

#2 Seitenlage:

Eine Seitenlage wird zum Beispiel bei einer PDA eingenommen. Auch, wenn die Frau sehr erschöpft ist, kann die Seitenlage hilfreich sein.

Vorteile:

  • In der Seitenlage wird die Rückenvene entlastet.
  • Seitliche Geburtspositionen entlasten das Becken.
  • In manchen Fällen kann durch eine seitliche Lage das Baby dazu gebracht werden, sich in eine andere Position zu drehen.
  • Manche Frauen finden eine Seitenlage vor allem in Wehenpausen sehr entspannend.

Nachteile:

  • Im Liegen kommt die Schwerkraft nicht zur Hilfe – deswegen dauert die Pressphase meistens länger als bei aufrechten Geburtspositionen
  • Bei liegenden Positionen (vor allem der Rückenlage) drückt der Kopf des Kindes ungleichmäßig auf die Scheidenwand.

In der Rückenlage drückt die Gebärmutter auf die Rückenvene. Das kann die Sauerstoffversorgung von Mutter und Kind beeinträchtigen à Vena-Cava-Syndrom – mehr dazu hier.

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Aufrechte Geburtspositionen

Eine Geburt im Stehen kann einige physikalische Vorteile mit sich bringen. Hier kann die Schwerkraft besser wirken und es gibt ein verringertes Risiko für das Vena-Cava-Syndrom. Laut der Untersuchung Maternal positions and mobility during first stage labour können aufrechte Geburtsstellungen in der Eröffnungsphase die Geburtsdauer, sowie die Notwendigkeit eines Kaiserschnitts und einer Periduralanästhesie verringern.

#3 Stehende Geburtspositionen:

Vor allem in der Anfangsphase wird oft geraten, eine aufrechte Position einzunehmen. Viele Kreisssäle sind auf eine Geburt im Stehen vorbereitet und es gibt dafür Hilfsmittel – zum Beispiel Seile oder Bänder, an denen sich Schwangere festhalten können.

Vorteile:

  • Der Beckenausgang weitet sich besser.
  • Eine Geburt im Stehen verläuft schneller.
  • Frauen können aktiv mitarbeiten und sich freier bewegen.
  • Die Wehen durch mehr Atemfreiheit besser zu ertragen.

Nachteile:

  • Lange zu stehen kann sehr anstrengend seit und mitunter zu Kreislaufproblemen führen.
  • Manche Frauen fühlen sich ‚komisch‘ – sie fühlen sich liegend wohler.

#4 Geburt in der Hocke oder im Sitzen:

Bei hockenden Geburtspositionen halten sich Schwangere an Wänden, Seilen oder am eigenen Partner fest. Auch sogenannte Gebärhocker oder ein Pezziball kommen hier oft zum Einsatz.

Vorteile:

  • Die Schwerkraft wird gut genützt und das Pressen wird erleichtert.
  • Die Geburt kann schneller ablaufen als bei liegenden
  • Bei einer Geburt im Hocken wird der Beckenaufgang geweitet – das heißt, dass die Geburt selbst leichter sein kann.
  • Wenn du dich beim Sitzen nach vorne lehnst, entlastet das den Rücken und entspannt den Beckenboden und Damm. Das hilft, Geburtsverletzungen vorzubeugen.
  • Ein Pezziball hat im Vergleich zum Gebärhocker noch den weiteren Vorteil, dass Schwangere ihr Becken gut bewegen können – Kreisen und Schaukeln – , das wirkt entspannend.

Nachteile:

  • Die Hocke ist einer der anstrengenderen Geburtspositionen
  • In einer sitzenden Position ist die Frau beweglich mehr eingeschränkt als beim Stehen (vor allem Bein- und Beckengelenke)
  • Im Hocken wird der Damm stärker belastet – aber nicht so stark wie bei liegenden

#5 Vierfüßlerstand: Geburt auf allen Vieren oder im Knien

Hier knien Frauen auf dem Bett oder dem Boden (mit einer weichen Unterlage) und stützen sich eventuell mit den Händen ab. Dabei kann der Oberkörper durch Kissen oder einen Pezziball abgestützt werden.

Vorteile:

  • Solche Geburtspositionen entlasten die Wirbelsäule und den Rücken. Sie bieten sich also bei Rückenschmerzen an.
  • Im Vierfüßlerstand lassen sich Wehen besser veratmen als im Liegen.
  • Auf dem Damm wird weniger Druck ausgelöst. Also ist das Risiko für Geburtsverletzungen geringer.
  • Die Schwerkraft wirkt besser als bei liegenden Geburtsstellungen. Das erleichtert die Wehen und verschnellert die Geburt.
  • Frauen haben mehr Beweglichkeit. Das Becken kann in der Stellung gekreist werden.

Nachteile:

  • Geburtspositionen wie der Vierfüßlerstand sind anstrengend für die Arme und Knie.
  • Die Schwerkraft wird nicht so gut genutzt wie im Stehen, Sitzen oder einer Geburt in der Hocke.

Sonderfall: Geburtspositionen bei einer Wassergeburt

Bei einer Wassergeburt können Frauen auch einige der oben genannten Geburtspositionen einnehmen. Außerdem hat das warme Wasser einen entspannenden Effekt auf die Mutter. Ein Nachteil hier ist jedoch die potenzielle eingeschränkte Reaktionsfähigkeit. Sollte das Kind einen Sauerstoffmangel haben, muss die Schwangere erst ins Bett umgelagert werden – das kann Zeit kosten.

Gibt es „die beste“ Geburtsposition?

„In welcher Position verläuft meine Geburt am einfachsten und schmerzfreisten?“ Diese Frage stellen sich viele werdende Mütter. Die Frage ist aber so pauschal nicht beantwortbar. Jede Geburt verläuft anders – deswegen gibt es auch nicht „die beste“ Geburtsposition. Außerdem sind einige Stellungen für bestimmte Entbindungsphasen besser geeignet. Verschiedene Geburtspositionen werden deswegen oft miteinander kombiniert und die meisten Gebärenden wechseln zwischendurch immer wieder die Stellung.

So ist am Anfang der Wehen oft eine stehende oder knieende Geburtsstellung angenehm, am Ende der Geburt sind Frauen dann oft erschöpft und wollen eher liegen. Die Lage des Kindes sowie der Verlauf der Geburt kann die Geburtsposition außerdem beeinflussen.

So findest du deine ideale Geburtsposition

Die meisten Frauen spüren intuitiv, welche Position für sie am angenehmsten ist. Deshalb solltest du dich nicht vorher schon auf bestimmte Geburtsposition versteifen. Außerdem unterstützen Geburtshelfer und Hebammen dich dabei, die Position zu finden, die für die Geburt am hilfreichsten ist und gleichzeitig für dich am angenehmsten ist.


Quellen

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Geburtspositionen (Stand 2019). Auf: familienplanung.de https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/geburtsschmerz/geburtspositionen/ (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • ‌Birgit Gebauer-Sesterhenn: Schwangerschaft Und Geburt (2013) Gräfe Und Unzer, München S. 196-209.
  • Julia Jung: Welche Positionen sind bei der Geburt günstig? (2016). Auf: Baby und Familie. https://www.baby-und-familie.de/Geburt/Welche-Positionen-sind-bei-der-Geburt-guenstig-436803.html (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • European Workgroup of Independet Midwives: Betreuung während einer normalen Geburt. Ein praktischer Leitfaden. (1996) In: Hebammengeburtshilfe, Band 1. S. 50ff.
  • Franz Kainer et. Al: Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche (2018). Gräfe Und Unzer, München
  • Annemarie Lawrence et. Al.: Maternal positions and mobility during first stage labour (Review) (2013). In: Cochrane Database of Systematic Reviews, 10. http://file.vibwife.com/Lawrence_et_al-2013-The_Cochrane_Library.pdf. (Letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Michael Krause: Der Vierfüßlerstand – eine optimale Gebärhaltung bei Beckenendlage (2007) In: Fachzeitschrift „Die Hebamme“ 3/2007.

“Ich finde, Väter sollten bei der Geburt dabei sein – außer in diesem einen Fall!”

Für Papa Markus Noldes war es selbstverständlich, bei der Geburt dabei zu sein. Viele altbekannte Ausreden kann er daher nicht nachvollziehen – außer eine ganz bestimmte.

Der Vater soll bei der Geburt dabei sein
Es gibt nur einen guten Grund, nicht dabei zu sein! Unsplash / Janko Ferlič

Der Kreißsaal ist kein schöner Ort

Keine Frage: Die Erlebnisse in einem Kreißsaal vor der Geburt, sind nicht das schönste, was man in seinem Leben erlebt. Aber das gilt sicher nicht nur für Männer, sondern auch für Frauen. Denn so sehr man sich im Anschluss über den kleinen Krümel freut: Der Weg dahin ist ein Kampf.

Wir saßen die ganze Nacht zusammen

Aber ich finde, diesen Kampf sollte man zusammen bestreiten. Gerade bei der ersten Geburt wissen beide Seiten nicht, was auf sie zukommen wird. Es gibt dafür keinen Masterplan. Allein die Dauer der Wehen sind schon nicht vorhersehbar. Meine Frau und ich saßen zum Beispiel die ganze Nacht zusammen, ehe es wirklich losging. Auch wenn ich zwischendurch (gefühlt) nicht helfen konnte, konnte ich spüren, dass es wichtig war, dass ich dabei bin, um sie zu unterstützen.

Frauen sind danach nicht mehr sexy?! Was für ein Quatsch!

Und wenn unsere Frauen schon die ganze Schwangerschaft und die Schmerzen aushalten müssen, dann ist es aus meiner Sicht das Mindeste, sie in dieser Phase zu begleiten. Wenn ich da Argumente lese, dass Männer ihre Frauen danach nicht mehr sexuell anziehend finden, kann ich nur den Kopf schütteln. Was meine Frau in dieser Nacht geleistet hat, verdient größten Respekt und hat mich tief beeindruckt. Ich fühle mich seitdem meiner Frau auf jeden Fall noch mehr verbunden.

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Du kannst kein Blut sehen? Dann schau nicht hin!

Auch das Argument „Ich kann halt kein Blut sehen!“, ist für mich kein Grund. Jeder Mann kann selbst bestimmen, wo er bei der Geburt hinsieht. Bei uns wollte mir auch die Hebamme zeigen, wie das Köpfchen schon leicht herausschaut. Da bin ich ehrlich: Das wollte ich nicht sehen. Muss auch niemand. Wer kein Blut sehen will, der schaut seine Frau an – oder notfalls die weiße Wand, während er die Hand seiner Dame hält. Es ist auch nicht verboten, sich mal kurz eine Pause zu nehmen. Nach rund 12 Stunden bin ich nach Absprache mit meiner Frau und den Hebammen mal für 5 Minuten an die frische Luft gegangen.

Es gibt nur einen Grund nicht dabei zu sein

Der einzige für mich akzeptable Grund, warum der Mann nicht mit in den Kreißsaal geht: Die Frau möchte es nicht. Ich bin wirklich gut darin, schlau daherzureden und gebe vermutlich auch oft Tipps, bei denen meine Frau nur mit den Augen rollt. Rund um die Geburt habe ich aber einfach meine Klappe gehalten, beziehungsweise nur gefragt, was meine Frau möchte. Denn wenn wir Männer wohl eines nicht können, dann ist es uns in diese Situation zu versetzen.

Bei der Geburt steht die Mutter an erster Stelle

Deswegen sollten wir unseren Frauen das Leben erleichtern, wo es nur geht. Und wenn die werdende Mutter dann auf uns im Kreißsaal verzichten möchte, dann ist das so. Hätte mir vermutlich das Herz gebrochen und ich hätte es nicht verstanden, aber während der Geburt steht aus meiner Sicht das Wohlbefinden der Mutter an erster Stelle.

Zum Weiterlesen: 

Scheidenriss bei der Geburt: Häufigkeit, Ursachen, Behandlung

Bei einer Geburt kann es zu verschiedenen Geburtenverletzungen kommen – ein Scheidenriss ist wohl eine der Komplikationen, die viele Frauen am meisten fürchten. Erfahre hier, wie es dazu kommen kann, wie häufig die Verletzung auftritt und wie du einem Riss schon vor der Geburt vorbeugen kannst.

Frau mit Schwangerscftverletzung - Scheidenriss
Ein Scheidenriss kann während der Geburt entstehen und unterschiedlich schmerzhaft sein © Bigstock/ Nutlegal

Was ist ein Scheidenriss?

Ein Scheidenriss ist eine Verletzung der Scheide (Vagina). Wie viele andere Geburtsverletzungen kann der Scheidenriss bei einer vaginalen Geburt auftreten und ist erst einmal relativ unbedenklich, wie die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung (BZgA) erklärt: Bei den meisten Geburten entstehen „ganz natürlich kleine Risse in und um die Scheide, die meist schnell und problemlos heilen.“

Ein normaler Scheidenriss entsteht meist im seitlichen oder hinteren Teil der Scheide – kann aber auch an anderen Abschnitten der Vagina auftreten. Ein Scheidenriss kann beispielsweise direkt am Scheideneingang entstehen. Auch umliegende Körperstellen können verletzt werden, zum Beispiel an den Schamlippen – hier spricht man von einem Labienriss. Der Bereich zwischen Scheide und Anus kann bei einem sogenannten Dammriss verletzt werden.

Kleinere Einrisse treten bei vielen Geburten auf. Sie sind außerdem meist kaum schmerzhaft und müssen nicht behandelt werden. Tiefere Scheidenrisse können auch bis in das Scheidengewölbe hineinreichen. Diese Scheidenrisse sind mit stärkeren Blutungen und eventuellen Schmerzen verbunden. Je nach Tiefe des Risses kann es nötig sein, die Verletzung zu nähen.

Ursachen für einen Scheidenriss

Das Risiko für einen Scheidenriss steigt bei Geburten mit einer Saugglocke oder einer Geburtszange. Jedoch können sämtliche Geburtsverletzungen bei der natürlichen Geburt entstehen. Es gibt einige weitere Faktoren, die Geburtsverletzungen wie Scheidenriss oder Dammriss begünstigen können:

  • Das Kind (vor allem der Kopf) ist sehr groß
  • Das Kind liegt falsch – z.B. Beckenendlage oder Hand neben dem Kopf
  • Die Mutter fängt bei der Geburt sehr schnell an zu pressen
  • Die Geburt dauert sehr lange
  • Die Mutter verkrampft sich bei der Geburt (das ist vor allem bei ängstlichen Erstgebärenden der Fall)
  • Auch ein tiefer Dammriss oder ein zu kleiner Dammschnitt in einer vorherigen Geburt kann einen Scheidenriss begünstigen.

Geburtsverletzungen wie Scheidenriss und Dammriss: Häufigkeit

Laut dem OP-Manual der Gynäkologie und Geburtshilfe treten bei etwa zwei Dritteln aller Geburten Geburtsverletzungen auf. „80 % der Erstgebärenden und 50 % der Mehrgebärenden [sind] mit einer versorgungspflichtigen Geburtsverletzung nach vaginaler Geburt konfrontiert“, schreiben Sara Kindberg und Peggy Seehafer im Buch „Geburtsverletzungen – vermeiden, erkennen, versorgen.“

Die häufigste Geburtsverletzung ist demnach die Episiotomie (Dammschnitt), allerdings wird dieser inzwischen nicht mehr so häufig gesetzt. Genaue Daten gibt es zu den Häufigkeiten nicht – je nach Studie liegt der Wert zwischen 20 und 30 Prozent. Ein Dammriss kommt deutlich seltener vor, da der Dammschnitt einen Dammriss vorbeugen kann.

Am zweithäufigsten tritt der Labienriss, Zervixriss und Scheidenriss auf. Die Häufigkeit eines natürlichen Scheiden-, Labien- und Zervixriss ist nicht mit genauen Zahlen belegt. Das kommt daher, dass viele Scheidenrisse nicht groß behandelt werden müssen und von allein verheilen.

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Symptome Scheidenriss

Symptome bei einem Scheidenriss sind sehr unterschiedlich. Zum Beispiel kann eine Mutter stark aus der Scheide bluten, das kann aber auch von der Gebärmutter kommen. Im Bereich des Risses können große Schmerzen auftreten. Ein Scheidenriss kann auch weniger schmerzhaft sein und als Geburtsschmerzen wahrgenommen werden. Ein Labienriss schmerzt dagegen in der Regel sehr stark, weil die in den Schamlippen viele Nervenenden sind.

Mit etwas zeitlichem Abstand zur Geburt erkennt man einen Scheidenriss daran, dass die Mutter immer noch aus der Scheide blutet. Zusätzlich kann ein Brennen oder Jucken, sowie Schmerzen, dazukommen.

Weil die Symptome für einen Scheidenriss so unspezifisch sind, wird nach der Geburt oft die Scheide auf potenzielle Geburtsverletzungen untersucht.

Scheidenriss: Behandlung und Möglichkeiten

Die Behandlung eines Scheidenrisses unterscheidet sich je nach Tiefe des Risses. Hier gibt es drei verschiedene Schweregrade:

#1 Kleine Einrisse
Ein kleiner Scheidenriss verheilt in der Regel schnell und gut. Die meisten Frauen müssen nicht genäht werden, weil die Schleimhaut der Scheide ausreichend durchblutet ist, um sich selbst zu heilen. Unterstützend können Salben und Cremes vom Arzt schmerzlindernd sein.

#2 Tiefe Scheidenrisse
Ein tiefer Scheidenriss ist so tief, dass er genäht werden muss. Das passiert meist noch im Kreissaal unter örtlicher Betäubung. Wenn Geburtsverletzungen genäht werden müssen, wird ein resorbierender Faden verwendet, also ein Faden, der sich selbst auflöst und nicht gezogen werden muss. Auch hier werden Salben gegen Schmerzen und zur Pflege verschrieben.

#3 Vollständiger Abriss (Kolporrhexis)
Ein Kolperrhexis ist die schwerste Form eines Scheidenrisses. Hier löst sich die Scheide von der Gebärmutter ab. Der Scheidenabriss ist ein gynäkologischer Notfall und bedarf einer chirurgischen Behandlung unter Vollnarkose.

Wie kann man die Heilung unterstützen und Schmerzen lindern?

Es gibt einige Tipps, die beim Heilungsprozess von Geburtsverletzungen helfen oder die Schmerzen abmildern können:

  • Schonung und Entlastung des Wundbereichs
    also liegen, nicht schwer heben oder viel rumlaufen
  • Halte die Wunde sauber und trocken
    Achte auf deine Intimhygiene und spüle nach dem Stuhlgang mit klarem Wasser nach
  • Beine wenn möglich geschlossen halten
    Etwa eine breitbeinige Stillposition sollte vermieden werden, das entlastet die Wunde
  • Kein Sex
    Vermeide Geschlechtsverkehr bis die Wunde gut verheilt ist
  • Verschriebe Medikamente nehmen
    Denke auch daran, die Cremes aufzutragen!
  • Bei Schmerzen die Stelle mit Ice-Packs kühlen
    Das ist schmerzlindernd und fördert die Heilung
  • Sitzbäder können wohltuend und schmerzlindernd wirken
    Aber keine Badezusätze verwenden
  • Kontakt mit parfümhaltigen Seifen und Cremes vermeiden
    Das kann die Wunde zusätzlich reizen

Grundsätzlich gilt: Gib der Heilung Zeit – alle Geburtsverletzungen brauchen eine Weile, bis sie verheilt sind. Sollten die Schmerzen schlimmer werden oder andere Komplikationen auftreten, solltest du deinen Arzt um Rat fragen.

Wie kann man einen Scheidenriss vorbeugen?

Schwangere können sowohl vor der Geburt, als auch während der Geburt Schritte unternehmen, um Geburtsverletzungen wie einen Scheidenriss oder einen Dammriss vorzubeugen.

Vor der Geburt

Um das Risiko für einen Scheidenriss zu senken, können Schwangere ihre Beckenbodenmuskulatur trainieren. Dafür hat die BZgA eine einfache Übung: „Stellen Sie sich einen kleinen Schwamm in Ihrer Scheide vor. Beim ausatmen drücken Sie ihn aus, beim Einatmen lassen Sie ihn wieder locker.“

Eine Massage des Damms in den letzten drei bis fünf Wochen vor der Geburt kann auch helfen, das Gewebe der Scheide zu lockern. Dazu wird der Damm täglich mit etwas Öl in kreisenden Bewegungen massiert. Es kann auch der Zeigefinger in die Scheide eingeführt werden und dann Richtung Anus gedehnt werden

Während der Geburt

Während der Geburt ist es wichtig, dass die Mutter entspannt ist. Denn ein Verkrampfen erhöht das Risiko für einen Scheidenriss enorm. Schwangere können sich über Atemtechniken informieren oder zum Beispiel Yoga praktizieren.

Wenn die Scheide während der Geburt immer wieder mit warmen, feuchten Tüchern bedeckt wird, kann auch das einen Scheidenriss vorbeugen.


Quellen

  • Anke Erath, Sonja Siegert: Rundum – Schwangerschaft und Geburt. (2017) Auf: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). https://www.bzga.de/infomaterialien/familienplanung/schwangerschaft/rundum-schwangerschaft-und-geburt/ (Letzter Aufruf 24. April 2019)
  • Andrea Stiefel: Hebammenkunde: Lehrbuch für Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Beruf. (2012) 5. Auflage, Hippokrates Verlag, S. 311-321
  • Bernhard Uhl: OP-Manual der Gynäkologie und Geburtshilfe: Alles für den OP und die Station Kirschbaum. (2013) 2. Auflage, Georg Thieme Verlag, S. 349-352
  • Sara Kindberg, Peggy Seehafer: Geburtsverletzungen – vermeiden, erkennen, versorgen. (2017) Schwarz, Christiane; Stahl, Katja (Hrsg.) 2. Auflage, Elwin Staude Verlag GmbH, Hannover S. 10-18
  • Techniker Krankenkasse: Geburtenreport: Eine Routinedatenanalyse zu Kaiserschnitt und Frühgeburt. (2017) Unter: https://www.tk.de/resource/blob/2042902/8f202ed022e06f90a205e3fd8fe53633/geburtenreport-2017-data.pdf (Letzter Zugriff: 24. April 2019)
  • Mark Buchta et. Al.: Das zweite StEx: Basiswissen klinische Medizin für Examen und Praxis. (2004) 2. Auflage, Springer, S. 988
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Verletzungen durch die Geburt. (2010) Auf: https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/geburt/geburtsverlauf/verletzungen/ (Letzter Aufruf: 25. April 2019)

Eizellenspende – Ablauf, Rechtliches und Kosten

Wenn der Kinderwunsch lange unerfüllt bleibt, ist eine Eizellenspende manchmal die letzte Möglichkeit, wie Frauen schwanger werden können. Hier findest du alles, was du zum Thema Eizellenspende wissen musst.

Ein Paar bei einer ärztlichen Beratung für eine Eizellenspende
Bei einem lange unerfüllten Kinderwunsch kann eine Eizellenspende die letzte Chance für eine Schwangerschaft sein © Bigstock/ Chinnapong

Eizellenspende: Ablauf

Die Eizellenspende fällt in den Bereich der Reproduktionsmedizin. Bei einer Eizellenspende unterzieht sich eine Spenderin einer hormonellen Therapie mit dem Ziel, dass in ihren Eierstöcken mehrere Eizellen gleichzeitig reifen. Normalerweise wird pro Zyklus nämlich nur eine Eizelle fruchtbar. Durch eine Punktion werden der Spenderin dann reife Eizellen entnommen und künstlich mit den Spermien des Wunschvaters oder Spermienspenders befruchtet. Diese künstliche Befruchtung findet meistens mit einer In-vitro-Fertilisation (IVF) oder einer Intrazytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI) statt.

Die befruchteten Eizellen werden dann in die Gebärmutter der Empfängerin, also der Frau eingesetzt, die das Kind austragen wird. Die Empfängerin muss davor außerdem eine spezielle hormonale Behandlung erhalten, die zum Beispiel die Durchblutung der Gebärmutterschleimhaut anregt, um optimal auf die Eizellenspende vorbereitet zu sein.

Für wen ist eine Eizellenspende sinnvoll?

Eine Eizellenspende wird meist dann genutzt, wenn eine Frau selbst keine oder keine gesunden Eizellen produzieren kann. Das kann zum Beispiel aufgrund einer Erkrankung oder wegen hohem Alter der Fall sein. Damit eine Eizellenspende auch erfolgreich sein kann, braucht die Frau allerdings eine gesunde Gebärmutter.

Die rechtliche Situation in Deutschland

In Deutschland ist die Eizellenspende durch das Embryonenschutzgesetz (ESchG § 1 Abs. 1) verboten. Ein Verstoß wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft. Auch in Ländern wie Norwegen, Schweden, Österreich und der Schweiz ist eine Eizellspende verboten.

Oft wird das durch ethische Gründe erklärt. In der ZDF-Reportage „Das Kind der Anderen – Tabu der Eizellenspende“, die 2013 lief, äußerte Rechtsanwältin und Mitglied im deutschen Ethikrat Ulrike Riedel bedenken. Eine Eizellspende sei immer noch ein hormoneller und chirurgischer Eingriff, der im Extremfall sogar zur Unfruchtbarkeit bei der Spenderin führen könne. Außerdem denkt Riedl, dass die Eizellenspende sehr an Ausbeutung grenzt. Denn viele Frauen würden nur aus Geldnot ihre Eizellen verkaufen.

Die Eizellenspende im Ausland

Prof. Dr. Jochen Taupitz, der Vorsitzende der Zentralen Ethikkommission bei der Bundes­ärzte­kammer (ZEKO), erklärt, dass deutsche Frauen dieses Verbot allerdings leicht umgehen können, indem sie die künstliche Befruchtung durch Eizellenspende im Ausland durchführen lassen.

In Ländern wie Großbritannien, Tschechien, Polen, Belgien und Spanien ist die Eizellenspende nämlich erlaubt. Paare mit Kinderwusch können die künstliche Befruchtung mit Eizellspende also im Ausland durchführen lassen. Taupitz merkt jedoch auch an, dass die Beihilfe und Anstiftung zu einer Eizellenspende im Ausland auch strafbar ist: „(…) Wenn ein Fortpflanzungsmediziner in Deutschland seiner Patientin den konkreten Rat gibt, eine bestimmte Klinik im Ausland zum Zweck der Eizellspende aufzusuchen“ oder „wenn er vorbereitende medizinische Untersuchungen vornimmt“, mache er sich strafbar.

Eizellenspende Ausland: Bedingungen

In den meisten Ländern gibt es außerdem eine gewisse Altersgrenze. Wenn dieses Alter überschritten wird – meistens ist das Mitte Vierzig – darf keine gespendete Eizelle mehr eingesetzt werden. Außerdem ist in vielen europäischen Ländern eine künstliche Befruchtung durch eine Eizellenspende nur heterosexuellen Paaren erlaubt. Früher mussten diese Paare außerdem verheiratet sein. In Spanien, Großbritannien und Belgien können jedoch auch alleinstehende Frauen eine künstliche Befruchtung mit einer Eizellenspende durchführen lassen. Gleichgeschlechtliche Paare sind immer noch ziemlich benachteiligt.

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Wie viel kostet eine künstliche Befruchtung durch Eizellenspende?

Die Kosten für eine Eizellenspende variieren je nach Land, in dem die künstliche Befruchtung durchgeführt wird. In den meisten Ländern kostet der Eingriff aber zwischen 4.000 und 9.000 Euro. Dazu kommen dann auch noch eventuelle Reise-, Wohn, und Verpflegungskosten.

Wie wird eine Eizellenspenderin ausgewählt?

Grundsätzlich können Frauen zwischen 18 und 35 Jahren ihre Eizellen spenden. Bevor eine Eizellenspende jedoch durchgeführt wird, muss die Frau ein langes Auswahlverfahren durchlaufen. Dieses wird meist auf der Seite der jeweiligen Klinik im Detail beschrieben. Normalerweise wird jedoch durch Tests dafür gesorgt, dass die potentielle Spenderin gesund ist. Sie werden zum Beispiel auf sexuell übertragbare Krankheiten, Erbkrankheiten, psychische Erkrankungen und Infektionskrankheiten untersucht. Neben diesen Grundvoraussetzungen wird meist noch auf die maximale Eignung zur späteren Empfängerin der Eizellenspende geachtet: Haar- und Augenfarbe, Größe oder Statur.

Je nach Land, in dem die künstliche Befruchtung durchgeführt wird, erfolgt die Eizellenspende entweder anonym oder nicht-anonym. In Ländern, in denen eine Eizellspende anonym ist, sucht die jeweilige Klinik nach der passenden Spenderin. Bei einer offenen Eizellenspende darf das Paar meist mitentscheiden.

Risiken bei einer Schwangerschaft durch eine Eizellenspende

Eine künstliche Befruchtung mit einer Eizellenspende ist immer mit Risiken verbunden. Diese sind mittlerweile ausgiebig untersucht. Hier findest du einen Überblick:

Risiken für die Empfängerin der Eizellenspende

Eine Studie hat Frauen untersucht, die als Leihmutter mit einer Eizellenspende im Rahmen einer IVF schwanger wurden, aber selbst schon Kinder auf natürlichen Wege geboren haben. Das Ergebnis: Diese Frauen hatten ein höheres Risiko für eine Fehllage des Mutterkuchens (Placenta previa). Außerdem litten diese Frauen eher an Bluthochdruck und Schwangerschaftsdiabetes. Laut einem multidisziplinären Forscherteam verdoppelt eine Eizellenspende im Rahmen einer künstlichen Befruchtung das Risiko für hypertensive Schwangerschaftserkrankungen wie Bluthochdruck oder Leberfunktionsstörungen. Bei Zwillingen oder Mehrlingen, die bei einer Schwangerschaft durch Eizellspende oft vorkommen, verdreifacht sich dieses sogar.

Risiken für das Kind

Die Studie lieferte auch Ergebnisse für Kinder, die aus einer Eizellenspende geboren wurden. Die Kinder hatten erheblich höhere gesundheitliche Risiken im Vergleich zu denen, die die Leihmutter auf natürlichem Weg empfangen hat. Sie waren bei der Geburt zum Beispiel rund 105 Gramm leichter, die Frühgeburtsrate war auf 10,7 Prozent erhöht (normal: 3,1 Prozent) und es traten allgemein häufiger Geburtskomplikationen auf.

Risiken für die Eizellenspenderin

Für die Frauen, die ihre Eizellen spenden, gibt es die üblichen Risiken, die bei jedem chirurgischen Eingriff mit Narkose bestehen. Die Hormonbehandlung vor der Eizellenspende kann außerdem körperlich und psychisch sehr belastend sein.

Schwangerschaft durch Eizellspende: Erfolgsquote

Ob eine künstliche Befruchtung durch eine Eizellenspende erfolgreich ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Das Alter der Spenderin und Empfängerin, die Zahl der eingesetzten Embryos, der Zustand vom Uterus der Mutter können alle ausschlaggebend sein. Letztendlich spielt aber manchmal auch einfach Glück eine große Rolle.

Laut dem Fertility Clinic Success Rates Report lag die Geburtenrate bei einer Schwangerschaft durch eine Eizellenspende für Amerika im Jahr 2016 beispielsweise bei 51 Prozent. In Großbritannien lag die Erfolgsquote für die Jahre 2014-2016 laut der Human Fertilisation and Embryology Authority bei rund 31 Prozent.

Da die Eizellspende in Deutschland verboten ist, lassen sich hierzulande keine konkreten und umfassenden Erfolgsquoten finden.

Wer ist nach der Eizellenspende die Mutter?

Der Gedanke liegt nahe, dass ein Kind, das durch eine Eizellenspende entstanden ist, quasi zwei Mütter hat. Die Spenderin, mit der das Kind genetisch verwandt ist, und die Mutter, die das Kind ausgetragen hat und sich um es sorgen wird.

Oft fragen sich Frauen, die eine künstliche Befruchtung durch eine offene Eizellenspende in Betracht ziehen, deshalb, ob die Spenderin auch Rechte als Mutter geltend machen oder ein Treffen mit dem Kind verlangen kann. Hier ist das Gesetz in Deutschland klar: „Mutter eines Kindes ist die Frau, die es geboren hat.“ (§ 1591 BGB: Mutterschaft). Das heißt, dass die Frau, die das Kind austrägt, im juristischen Sinne auch die alleinige Mutter ist.

Außerdem macht die jeweilige Klinik den Spenderinnen schon vor der Eizellenspende klar, dass sie keinen Anspruch auf das Kind haben. Ob das Kind die Spenderin jemals treffen wird, liegt also im Ermessen der Eltern.


Quellen:

  • Sigrid Graumann: Eizellspende und Eizellhandel – Risiken und Belastungen für die betroffenen Frauen. (2008) In:  Bockenheimer-Lucius, Gisela; Thorn, Petra; Wendehorst, Christiane (Hrsg.):  Umwege zum eigenen Kind.  Ethische und rechtliche Herausforderungen an die Reproduktionsmedizin 30 Jahre nach Louise Brown.  Göttinger Schriften zum Medizinrecht Band 3: Universitätsverlag Göttingen, S. 175 – 183
  • Eva Richter-Kuhlmann: Reproduktionsmedizin: Ein Kind auf Bestellung (2017) In: Archiv des Deutschen Ärzteblatts: https://www.aerzteblatt.de/archiv/187002/Reproduktionsmedizin-Ein-Kind-auf-Bestellung (Letzter Zugriff: April 2019)
  • ZDFinfo: Ein Kind durch Eizellspende im Ausland/ ZDFinfo begleitet deutsches Paar nach Spanien. (2013) In: Presseportal https://www.presseportal.de/pm/105413/2400485 (Letzter Zugriff: April 2019)
  • Werner Bartens: Die Last der späten Mutterschaft (19.05.2010) In: Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/wissen/mutter-mit-jahren-die-last-der-spaeten-mutterschaft-1.889182 (Letzter Zugriff: April 2019)
  • Irene Woo, et al.: Perinatal outcomes after natural conception versus in vitro fertilization (IVF) in gestational surrogates: a model to evaluate IVF treatment versus maternal effects. (2017) Auf: Fertility and Sterility. https://www.fertstert.org/article/S0015-0282(17)31941-6/fulltext (Letzter Zugriff: April 2019)
  • Storgaard M., et. al.: Obstetric and neonatal complications in pregnancies conceived after oocyte donation: a systematic review and meta‐analysis. (2017) Auf: BJOG – An International Journal of Obstetrics and Gynaecology. https://obgyn.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1111/1471-0528.14257 (Letzter Zugriff: April 2019)
  • National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion (CDC): Assisted Reproductive Technology – Fertility Clinic Success Rates Report (2016) Unter: ftp://ftp.cdc.gov/pub/Publications/art/ART-2016-Clinic-Report-Full.pdf (Letzter Zugriff: April 2019)
  • Human Fertilisation and Embryology Authority: Fertility treatment 2014 –2016   Trends and figures (2018) Unter: https://www.hfea.gov.uk/media/2563/hfea-fertility-trends-and-figures-2017-v2.pdf (Letzter Zugriff: April 2019)
  • Karin Truscheit: Eizellenspende in Europa. Spanische Gene, deutsche Mutter (04.12.2007) In: Onlineausgabe der Frankfurter Allgemeinen. https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/familie/eizellenspende-in-europa-spanische-gene-deutsche-mutter-1485877.html (Letzter Zugriff: April 2019)
  • Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): § 1591 BGB: Mutterschaft. Unter: http://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1591.html (Letzter Zugriff: April 2019)

Eizellen einfrieren: Überblick über Kosten, Verfahren und Erfolgschancen einer Kryokonservierung

“Social freezing” ist in den letzten Jahren ein regelrechtes Buzzword geworden. Immer öfter wollen junge Frauen aus verschiedenen Gründen selbst über den Zeitpunkt ihres Kinderwunsches entscheiden und ihre Eizellen einfrieren lassen. Hier findest du einen Überblick über die unterschiedlichen Verfahrensweisesn, die Kosten und die Erfolgschancen von Kryokonservierung.

Schneeflocken schwarz weiß
Um sich einen späten Kinderwunsch erfüllen zu können, können Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen © Unsplash/ Jessica Fadel

Warum lassen Frauen ihre Eizellen einfrieren?

Bei der sogenannten Kryokonservierung können Frauen ihre befruchteten oder unbefruchteten Eizellen einfrieren lassen und später für eine künstliche Befruchtung verwenden. Beweggründe dafür sind unterschiedlich. Krebspatientinnen entscheiden sich zum Beispiel oft dafür, vor einer Chemotherapie ihre Eizellen einfrieren zu lassen, da sie nachher nicht mehr fruchtbar sein könnten.

In den letzten Jahren wird auch das sogenannte “Social Freezing” immer beliebter. Dabei lassen Frauen aus nicht-medizinischen Gründen ihre Eizellen einfrieren, um später einen potenziellen Kinderwunsch erfüllen zu können, etwa weil zum Beispiel die Karriere erstmal erste Priorität haben soll oder der richtige Partner noch nicht gefunden ist.

Eizellen einfrieren: Alter und Zeitpunkt sind entscheidend

Da mit dem Alter einer Frau die Anzahl und Qualität ihrer Eizellen abnimmt, raten Experten, im Alter zwischen 20 und 30 Jahren Eizellen einfrieren zu lassen. Denn bei über 40-Jährigen sinken die Chancen, dass eine Kryokonservierung erfolgreich ist.

Die Reproduktionsmedizinerin Professor Katharina Hancke vom Uniklinikum Ulm rät laut der Ärztezeitung zu einer frühen Entscheidung, ob eine Frau ihre Eizellen einfrieren lassen will. So liege die Wahrscheinlichkeit, ohne medizinische Maßnahme schwanger zu werden, bei einer 25-Jährigen pro Zyklus bei 23 Prozent, bei einer bei 35-Jährigen Frauen sei diese Wahrscheinlichkeit bereits auf 16 Prozent gesunken. Auch das Risiko von Fehlbildungen, auch bei einer künstlichen Befruchtung steigt mit dem Alter.

Eizellen einfrieren: Verfahren

Ähnlich wie vor einer künstlichen Befruchtung muss eine Frau Hormonpräparate nehmen, wenn sie ihre Eizellen einfrieren lassen will. Um die Anzahl der Eizellen zu erhöhen, muss der Körper deswegen bis zu zwei Wochen hormonell stimuliert werden. Dabei erhalten Frauen niedrig dosierte Hormonpräparate, die das Reifen der Eizellen anregen sollen.

Nach der Stimulation werden die Eizellen der Frau über die Scheide entnommen – unter Vollnarkose. Dann können Ärzte die Eizellen einfrieren. Wenn sich die Frau dann später dazu entscheidet, eine künstliche Befruchtung haben zu wollen, werden die Eizellen aufgetaut und mit Spermien befruchtet. Dann werden sie in die Gebärmutter eingesetzt.

 

Wie werden die Eizellen von Ärzten eingefroren?

Schon seit den 90er Jahren können Ärzte Eizellen einfrieren. Es gibt zwei Möglichkeiten wie die Kryokonservierung ablaufen kann – wobei heute nur noch die zweite Version genutzt wird:

#1 Slow Freezing

Beim Slow Freezing werden die Eizellen sehr langsam abgekühlt – nur um 0,3°C pro Minute. Das heißt, dass es länger dauert, bis die Eizellen einfrieren. Dieser Prozess funktionierte gut, um überschüssige befruchtete Eizellen einzufrieren. Da unbefruchtete Eizellen empfindlicher sind, war diese Methode dafür weniger erfolgreich.

Laut einem Report aus dem Magazin Human Reproduction konnten sich beim Slow Freezing nur aus zwei von 100 eingefrorenen Eizellen ein Fetus entwickeln. Daher wird inzwischen vor allem folgende Methode angewandt:

#2 Flash Freezing

Heute findet die Kryokonservierung vor allem durch Flash Freezing statt. Seit 2007 können Ärzte mit Flash Freezing Eizellen einfrieren. Hier werden die Zellen in flüssigen Stickstoff mit einer Temperatur von -196°C getaucht. Die Zellen werden also quasi schockgefrostet. Das dauert etwa 20 Minuten und ist auch bei unbefruchteten Eizellen öfter erfolgreich als beim Slow Freezing.

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Eizellen einfrieren lassen: Erfolgschancen

In einem Interview mit Focus Online erklärt der Münchner Reproduktionsmediziner Jörg Puchta, dass die Überlebensrate einer Eizelle beim Einfrieren bei 95 Prozent liege. Das heißt, dass fast alle gefrorenen Eizellen das Auftauen auch überleben. Die Befruchtungsquote schätzt er auf 60-70 Prozent. Frauen, die ihre Eizellen einfrieren lassen, haben dann eine 10 prozentige Chance auf eine erfolgreiche Schwangerschaft und Lebendgeburt.

Grundsätzlich seien die Chancen für eine erfolgreiche künstliche Befruchtung immer abhängig vom Alter, in dem Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen. „Ich gehe aber davon aus, dass im Schnitt die Hälfte der konservierten Eizellen gute Embryonen werden können“, so Puchta.

Eizellen einfrieren: Risiken

Wenn eine Frau ihre Eizellen einfrieren lässt, heißt das nicht zwingend, dass diese Eizellen später auch wieder aufgetaut werden. Die Zahl von Kindern, die durch eingefrorene Eizellen gezeugt wurden, ist noch relativ gering. Deshalb gibt es nur wenige Studien, die mögliche Einflüsse von einer Kryokonservierung untersucht haben.

Wenn Frauen ihre Eizellen einfrieren lassen, erhöht das die Gefahr von Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen aber nicht wesentlich. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung, die auf Fertility and Sterility veröffentlicht wurde.

Bei der Entnahme der Eizellen kann es zu Komplikationen kommen – wie bei jedem anderen chirurgischem Eingriff. Durch die Hormonpräparate, die vor dem Eingriff genommen werden müssen, können Nebenwirkungen wie Bauchscherzen und Übelkeit auftreten.

Unabhängig davon, ob eine Schwangerschaft durch eine Kryokonservierung oder natürlich zustande gekommen ist, ist zu beachten, dass Schwangerschaften im höheren Alter grundsätzlich öfter mit Komplikationen einhergehen. Zum Beispiel steigt mit dem Alter die Chance für Präeklampsie oder Schwangerschaftsdiabetes. Frauen, die ihre Eizellen einfrieren lassen, haben außerdem keine Garantie, dass sie dadurch sicher schwanger werden können.

Eizellen einfrieren: Kosten

Frauen sollten sich gut überlegen, ob sie ihre Eizellen einfrieren lassen wollen. Denn eine Kryokonservierung ist nicht billig! Laut dem Kinderwunschzentrum an der Oper kostet das Entnehmen und Einfrieren von Eizellen für einen Zyklus rund 2.500€. Da meist bis zu 20 Eizellen eingefroren werden müssen, um höhere Chancen zu garantieren, sind in Normalfall mehrere Zyklen nötig.

Außerdem kosten die Medikamente je nach Verbrauch zirka 1.000€. Je nach Anbieter werden dann noch ungefähr 20€ monatlich für die Lagerung fällig. Wenn die Eizellen später genutzt werden sollen, kommen dann die Kosten für eine künstliche Befruchtung in Höhe von rund 2.000€ dazu.

Krebspatientinnen können seit Mai 2019 ihre Eizellen einfrieren lassen – Kosten tragen ab da die gesetzlichen Krankenkassen. Ob in der Zukunft Krankenkassen auch für das Social Freezing Kosten tragen werden, ist nicht bekannt.


Quellen:

  • Anne Bäurle: Bis später, Baby! (27.02.2017) In: Ärzte Zeitung online. https://www.aerztezeitung.de/medizin/fachbereiche/gynaekologie/article/930580/social-freezing-bis-spaeter-baby.html (Letzter Zugriff: April 2019)
  • Frauenärzte im Netz: Unfruchtbarkeit: Therapie (Stand: 2018). Unter: https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/unfruchtbarkeit/therapie/ (letzter Zugriff: April 2019)
  • Magdalena Balcerek et. Al.: Perspektive Fertilität: Indikation und Durchführung fertilitätsprotektiver Massnahmen bei onkologischen und nicht-onkologischen Erkrankungen (2016). Wolff, Michael von (Hrg.) Schmidt & Klaunig, S. 122-129.
  • Lilia Kuleshova: Birth following vitrification of a small number of human oocytes: Case Report (1999). In: Human Reproduction, Volume 14, Issue 12. https://academic.oup.com/humrep/article/14/12/3077/2913093 (Letzter Zugriff: April 2019)
  • Elisabeth Hussendörfer: Reproduktionsmediziner erklärt: „Social Freezing ist eine aktive Lebensentscheidung“ (12.11.2018) Auf: Focus Online. https://www.focus.de/gesundheit/baby/eizellen-einfrieren-mediziner-klaert-wichtige-fragen-zu-social-freezing_id_9883993.html (letzter Zugriff: April 2019)
  • Helga Seyler: Kryokonservierung von Eizellen aus sozialen Gründen: „Social Freezing“ (2014). In: Pro Familia Medizin. Der Familienplanungsrundbrief. https://www.profamilia.de/fileadmin/dateien/fachpersonal/familienplanungsrundbrief/pro_familia_medizin-2014-3-WEB.pdf (letzter Zugriff: April 2019)
  • Michael von Wolff et Al.: Fertility Preservation for Non-Medical Reasons (2015). In: Deutsches Ärzteblatt. https://www.aerzteblatt.de/int/archive/article?id=167247 (letzter Zugriff: April 2019)
  • The Practice Committees of the American Society for Reproductive Medicine and the Society for Assisted Reproductive Technology: Mature oocyte cryopreservation: a guideline (2013). Auf: Fertility and Sterility. https://www.fertstert.org/article/S0015-0282(12)02247-9/fulltext (letzter Zugriff: April 2019)
  • Kinderwunschzentrum an der Oper: Social Freezing: So erhalten Sie Ihre Fruchtbarkeit. (Stand 2019) Unter: https://www.kinderwunschzentrum-an-der-oper.de/files/content/Broschueren/Social-Freezing-Kinderwunschzentrum-an-der-Oper.pdf (Letzter Zugriff: April 2019)
  • IKK Classic: Kinderwunsch-Studie: Große Offenheit gegenüber künstlicher Befruchtung und „Social Freezing“. (2019) Unter: https://www.ikk-classic.de/information/presse/studien/kinderwunsch (Letzter Zugriff: April 2019)

Hitzewallungen: Schwangerschaft verändert den Hormonhaushalt

Dir ist normalerweise immer kalt? Nicht so in der Schwangerschaft: Hitzewallungen gehören für viele Frauen dazu. Schuld daran sind deine Hormone. Alles zum Thema und hilfreiche Tipps findest du hier.

Schwangere Frau mit ausgebreiteten Armen
Deswegen ist dir ständig heiß ©Unsplash/Chayene Rafaela

In diesen Artikel:

Hitzewallungen Schwangerschaft: Wie entstehen sie?

Während der Schwangerschaft verändert sich dein Hormonhaushalt. Das kann einige Vorteile haben: Beispielsweise lagert sich durch den erhöhten Östrogenspiegel mehr Wasser im Gewebe ab. Fältchen im Gesicht verschwinden, die Haut wirkt glatter und rosiger.

Allerdings ist in der Schwangerschaft nicht alles so rosig wie deine Haut. Die „Schattenseite“ der Hormonveränderung sind typische Schwangerschaftsbeschwerden wie Schwangerschaftsübelkeit, Haarausfall oder eben auch Hitzewallungen. Neben der hormonellen Umstellung haben diesen auch eine andere Ursache: Je weiter die Schwangerschaft fortgeschritten ist, desto höher dein Energieaufwand. Dein Stoffwechsel beschleunigt sich, zudem sind deine Blutgefäße erweitert und geben mehr Wärme nach außen ab.

Die Folge: Es kommt zu Schweißausbrüchen, Hitzewallungen und dem Gefühl heißer Füße. Zusätzliche Begleiterscheinungen Rötungen oder rötlichen Flecken an den Armen und am Dekolleté sein

Wie fühlt sich eine Hitzewallung an?

Die Wärmeschübe beginnen meistens im Brust- und Halsbereich, breitet sich über den Kopf und den Haarwurzeln bis in die Oberarme aus. Wie oft sie auftreten, wie stark sie ausfallen und wie lange sie dauern, ist von Frau zu Frau unterschiedlich und kann sich von Tag zu Tag ändern.

Hitzewallungen in der Schwangerschaft: Normal oder Grund zur Sorge?

Das veränderte Temperaturempfinden tritt vor allem in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft auf – also ab der 20. Schwangerschaftswoche. Während dir also in der Frühschwangerschaft eher zu kalt ist, wird dir in der Spätschwangerschaft eher zu heiß sein. Für gewöhnlich verschwinden die Hitzewallungen nach der Geburt. Allerdings leiden auch manche Frauen im Wochenbett oder während der Stillzeit weiterhin an den unangenehmen Hitzewellen.

Ein kleiner Trost: Hitzewallungen sind zwar lästig, aber völlig normal. In den aller meisten Fällen steckt kein ernster medizinischer Grund dahinter. Von Selbsttherapie solltest du aber die Finger lassen, denn das „Einnehmen von Medikamenten – auch pflanzlichen Mitteln – ohne ärztlichen Rat ist in der Schwangerschaft tabu“, so die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in ihren Artikel „Schwangerschaftsbeschwerden“.

Wenn du also sehr unter der zusätzlichen Wärme leiden solltest, sprich auf jeden Fall zuerst mit deinem Frauenarzt über das Thema „Hitzewallungen in der Schwangerschaft“.

Video-Empfehlung

Hitzewallungen Schwangerschaft: Tipps für werdende Mamas

Hitzewallungen in der Schwangerschaft sind normal und lassen sich nur selten ganz vermeiden. Hier sind sechs Tipps, wie du die Beschwerden zumindest lindern kannst.

#1 Trinke genug
Wenn du viel schwitzt, solltest du darauf achten, dass du deinen Flüssigkeits- und Nährstoffverlust wieder ausgleichst. Wasser und ungesüßte Tees eignen sich hervorragend. Welche Teesorten erlaubt sind erfährst du hier: „Tee in der Schwangerschaft: Welche Sorten sind erlaubt?

#2 Vermeide synthetische Kleidung
Vor allem in Sommer solltest du darauf achten, Stoffe zu tragen, die deine Haut atmen lassen. Besonders gut eignen sich hier Naturfasern wie Baumwolle und Leinen.

#3 Zwiebelprinzip anwenden
Für kühlere Tage ist das Zwiebelprinzip praktisch. Trage mehrere Schichten übereinander, so kannst du einzelne Kleidungsstücke bei Bedarf aus- und wieder anziehen.

#4 Äußere Auslöser vermeiden
Versuche, Kaffee, Tee oder scharfes Essen erstmal von deinem Speiseplan zu streichen oder zumindest zu reduzieren.

#5 Ventilatoren und Sprühflaschen
Ventilatoren oder Sprühflaschen können ebenfalls für Abkühlung sorgen. Allerdings solltest du bei Klimaanlagen vorsichtig sein – sie trocknen die Luft aus und verschlechtern so das Raumklima.

#6 Nicht zu kalt duschen
Auch wenn die Versuchung vielleicht hoch ist, zu kaltes Duschen ist bei Hitzewallungen eher kontraproduktiv. Kurzfristig hat eine kalte Dusche zwar einen kühlenden Effekt, im Nachhinein reagiert der Körper aber mit noch stärkerem Schwitzen. Für zwischendurch: Handgelenke unter kaltes Wasser halten und heiße Füße mit einem kalten Fußbad abkühlen.

Weitere Artikel zum Thema:

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Quellen:

  • Laue, Birgit (2012): 300 Fragen zum Baby, Gräfe Und Unzer
  • Prof. Dr. med Kainer, Franz; Nolden, Annette (2018): Das große Buch zur Schwangerschaft: Umfassender Rat für jede Woche, S. 38
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Schwangerschaftsbeschwerden,
    https://www.familienplanung.de/schwangerschaft/beschwerden-und-krankheiten/beschwerden/ (letzter Zugriff: Mai 2019)

Schwanger mit 40: Spätes Mutterglück mit Risiken?

Lange Zeit waren Kinder kein Thema für dich, doch jetzt ist der Kinderwunsch da. Schwanger mit 40. Ist das nicht zu spät? Nicht unbedingt. Hier erfährst du alles über die Risiken und warum Vorsorge bei Schwangeren ab 40 besonders wichtig ist.

Schwangere Frau steht auf einem Feld. Partner zeigt auf Babybach
Schwanger mit 40? Keine Seltenheit mehr. ©Unsplash/Randy Rooibaatjie

In diesem Artikel:

„Späte Mutterschaft“ keine Seltenheit mehr

Schwanger mit (über) 40? Da bist du nicht allein. Eine späte Schwangerschaft ist in Deutschland längst keine Seltenheit mehr. Immer mehr Frauen treffen bewusst die Entscheidung, erst mit Anfang 40 ihr erstes Kind zu bekommen. Die Gründe dafür sind verschieden: Viele Frauen stellen ihren Kinderwunsch erstmal hinten an, um ihre Ausbildung abzuschließen. Gleichzeitig wollen sie beruflich Fuß zu fassen und finanziell unabhängig sein. Last but not least – es fehlt ganz einfach der richtige Partner.

Laut dem statistischem Bundesamt lag das Durchschnittsalter bei der Geburt des ersten Kindes 2017 bei 32 Jahren. Auch wenn Frauen das erste Kind immer später bekommen, sind Schwangerschaften mit/über 40 trotzdem noch in der Unterzahl.

„In Deutschland hatten im Jahr 2016 rund 2,4 % der Erstgeborenen eine Mutter, die zum Zeitpunkt der Geburt mindestens 40 Jahre alt war“, so das statistische Bundesamt in einer Pressemitteilung 2017. Deutschland liegt damit im EU-Vergleich übrigens auf Platz vier. Italien hat die meisten späten Mütter.

Schwanger mit 40: Wieso Risikoschwangerschaft?

Schwangerschaften, bei denen Erstgebärende 35 Jahre oder älter sind oder werdende Mütter ab 40 gelten in Deutschland bereits als Risikoschwangerschaften. Denn: Die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen während der Schwangerschaft nimmt mit dem Alter potenziell zu. Eine Risikoschwangerschaft wird als solche auch im Mutterpass vermerkt.

„Risikoschwangerschaft“ verunsichert

Dieses kleine Kreuzchen ist für viele Schwangere ein kleiner Schock und sie wissen nicht genau wie sie ihre „Risikoschwangerschaft“ einordnen sollen. Obwohl Frauen in einer späten Schwangerschaft als Risikoschwangere eingestuft werden, kommt es nicht zwangsläufig zu Komplikationen. Dein Alter zeigt deinem Frauenarzt, auf welche Werte und Befunde er besonders achten muss. Auch Frauen jenseits der 40 können fast immer mit einer ganz „normalen“ Schwangerschaft rechnen. Der Berufsverband der Frauenärzte beruhigt in seinem Artikel „Schwangerschaft ab dem Alter von 35“:

„Frauen, die gesund in ihre Schwangerschaft starten und sich entsprechend verhalten, können einen absolut normalen Schwangerschaftsverlauf haben.“

Allgemein gilt also: Je später eine Schwangerschaft geplant ist, desto wichtiger ist deine körperliche Gesundheit und dein Lebensstil. Frauen, die auf eine gesunde Ernährung achten und im gesunden Maß Sport machen, können so, unabhängig vom Alter, schwanger werden. Außerdem wichtig: Verzichte auf Nikotin. So kannst du auch mit 40 noch ein gesundes Kind auf die Welt bringen.

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Tatsächliche Risiken für „Spätgebärende“

Trotzdem gibt es manche Risiken, die tatsächlich auf das Alter zurückzuführen sind, denen sich „Spätgebärende“ bewusst sein sollten. Der Grund für die altersabhängig intensivere Betreuung der Schwangeren ist die höhere Wahrscheinlichkeit für das Risiko einer Chromosomenstörung beim Kind. Mit einer Fruchtwasseruntersuchung oder einer Chorionzottenbiopsie kann ein möglicher Gendefekt beim Ungeborenen festgestellt werden. Die häufigste Chromosomenstörung ist die Trisomie 21, auch Down-Syndrom genannt.

Beschwerden wie Bluthochdruck, Bandscheibenvorfälle oder chronische Erkrankungen sind im „höheren“ Alter häufiger, deswegen leiden auch späte Mütter potenziell häufiger daran. Aber auch hier eine kleine Entwarnung: Selbst dies führt in den seltensten Fällen zu größeren Komplikationen.

Das Bindegewebe verliert schon ab 30 Jahren an Elastizität. Dadurch ist es durchaus möglich, dass Bänder, Sehnen und Muskulatur schneller nachgeben, wenn das Gewicht deines Babys in den späteren Schwangerschaftsmonaten nach unten drückt. Die Folge: Frühzeitige Wehen oder eine Wehenschwäche während der Geburt. Auch Wadenkrämpfe, Hämorrhoiden oder Scheidenkrampfadern kommt bei Spätgebärenden potenziell häufiger vor.

In einer späten Schwangerschaft ist das Risiko einer Myombildung – also gutartige Geschwulste in oder an der Gebärmutter – erhöht. Je nach Lage und Größe können sie zu Komplikationen wie Schmerzen oder sogar einer Frühgeburt führen. Häufig verursachen sie aber auch gar keine Beschwerden. Die Art der Therapie hängt von den Symptomen, der Größe und Lage des Myoms ab.

Schwanger mit 40: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit

Je älter du wirst, desto länger kann es dauern, bis du schwanger wirst. Unsere Eierstöcke altern mit uns mit und sind mit 40 nicht mehr so funktionstüchtig wie mit 20. Zusätzlich nimmt die Anzahl der Eizellen mit dem Alter ab. Zyklen ohne Eisprung sind keine Seltenheit und auch eine befruchtete Eizelle nistet sich nicht immer zuverlässig in der Gebärmutter ein.

„Nicht jeder Geschlechtsverkehr am Eisprung führt zu einer Schwangerschaft: eine 25-jährigen Frau hat eine Chance von 25 %, eine 30-jährige Frau hat eine Chance von 15%“, so die Experten der Frauenärzte im Netz.

Zusätzlich kann sich Stress im Beruf negativ auf deine Fruchtbarkeit und die deines Partners auswirken. Schwanger werden mit 40 ist also nicht unmöglich, du musst nur unter Umständen etwas Geduld haben, wenn es nicht gleich in den ersten Monaten klappen sollte.

Kind mit 40? Zwillinge sind keine Seltenheit

Stimmt es, dass Frauen über 35 häufiger Zwillinge bekommen als jüngere Frauen? Die Antwort: Ja. Tatsächlich steigt die Wahrscheinlichkeit, (zweieiige) Zwillinge zu bekommen mit dem Alter an. Denn obwohl es nicht mehr in jedem Zyklus zu einem Eisprung kommt, reifen in manchen Zyklen gleich zwei Eizellen heran. Damit erhöhen sich während dieses Zyklus natürlich auch die Chancen auf eine Befruchtung und es kommt häufiger zu einer Mehrlingsschwangerschaft.

Zum Weiterlesen:

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Quellen:

  • Dr. med Kainer, Franz; Nolden Annette: Das große Buch zur Schwangerschaft. Umfassender Rat für jede Woche, Gräfe Und Unzer Verlag, S. 76-79
  • Berufsverband der Frauenärzte e.V.: Schwangerschaft ab dem Alter von 35, https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/schwangerenvorsorge/schwanger-ab-35/#c92 (letzter Zugriff: Mai 2019)
  • Croon Mariel: Schwanger werden: Den richtigen Zeitpunkt finden So steigern Sie Ihre Fruchtbarkeit, Georg Thieme Verlag
  • Berufsverband der Frauenärzte e.V.: Myom/Myome/Uterus Myomatosus, https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/myome/ (letzter Zugriff: Mai 2019)