Nein, Eltern müssen nicht immer ein gutes Vorbild sein!

Man kann nicht immer Vorbild sein
©Bigstock/Wavebreak Media

Müssen Eltern wirklich stets ein gutes Vorbild sein? Nein, findet unser Autor und Papa Markus Kirschbaum. Allein schon deshalb, weil das gar nicht immer funktioniert. Ob es reicht, meistens ein gutes Vorbild zu sein und wo seine Vorbildfunktion manchmal etwas wackelt, erzählt er uns heute.

Die Sache mit der Vorbildfunktion

Ein gutes Vorbild zu sein ist wichtig – stimmt! Schließlich orientiert sich der Nachwuchs zumindest die ersten Jahre stark an uns Eltern und macht uns alles nach. Ob Manieren, der Umgang mit anderen Menschen oder eine gesunde Ernährung, da lohnt es sich sicherlich, wenn man mit gutem Beispiel vorangeht. Nur was ist, wenn man das beim besten Willen nicht kann? Wenn man in manch ungünstigen Verhaltensweisen so feststeckt, dass man es einfach nicht ändern kann, selbst, wenn man das gerne möchte?

Ich bin nicht so gut im Verstellen, denn das finde ich nicht authentisch. Also bin ich in manchen Dingen, wie ich bin: Sicher nicht das beste Vorbild für meine Kinder! Leider! Ob es ihnen schadet? Das hoffe und denke ich nicht. Schließlich erziehe ich sie zum eigenständigen Denken. Sie dürfen meine Verhaltensweisen also gerne reflektieren, bewerten und es gegebenenfalls besser machen. Das klappt zum Teil übrigens ganz gut!

Ein gutes Vorbild? Bin ich bei manchen Dingen sicherlich!

Bevor wir zu den Dingen kommen, bei denen ich in meiner Vorbildwirkung leider versage, möchte ich nur anmerken: Ich habe tatsächlich auch die eine oder andere gute Eigenschaft! Spaß beiseite: Natürlich vermittle ich meinen Kindern so manche Werte, aber  weil es mir eben leicht fällt. Da ist das irgendwie keine Kunst! Ich bin kein aggressiver Mensch, schreie kaum jemals, rauche nicht, gehe höflich und freundlich mit meinen Mitmenschen um, bin halbwegs umweltbewusst und behandle alle Menschen unabhängig von ihrem Status gleich – ab und zu profitiert mein Nachwuchs also doch davon, wenn er mich zum Vorbild hat. Aber naja, eben nicht immer!

Man kann nicht immer Vorbild sein

Wie sehr ich mich auch bemühe, bei manchen Dingen lasse ich mich einfach gehen und bin meinen Kindern alles andere als ein gutes Vorbild. Aber ja, wie gesagt: Man kann nicht immer ein gutes Vorbild sein – und muss es auch nicht. Es ist ja nicht so, als würde der Nachwuchs daraus gar nichts lernen. So bekommt er wenigstens einen Eindruck davon, wie man es besser nicht macht. Damit ist dann doch ein bisschen ein Lerneffekt gegeben.

Meine Top 3, bei denen ich als Vorbild leider versage

Folgend also jene Dinge, in denen ich als Vorbild leider kläglich versage.

Gesunde Ernährung

Gesunde Ernährung ist wichtig, keine Frage! Es gibt da ja diesen Spruch mit dem gesunden Körper, dem ein gesunder Geist innewohnt. Insofern kann man bei mir von Glück sagen, dass ich mich noch bewegen und geradeaus denken kann. Mit der Ernährung ist es bei mir nämlich so: Gesund schmeckt mir die meiste Zeit einfach nicht! Was für andere Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Vollkorn ist, ist für mich Fleisch, Schokolade und Frittiertes. Nicht nur, aber doch häufig! Im Sinne einer gesunden Ernährung ist es also besser, die Kinder nehmen sich ihre Mama zum Vorbild. Das klappt übrigens die meiste Zeit recht gut, denn in der Familie Kirschbaum bin ich eigentlich der Einzige, der mit einer ausgewogenen Ernährung so seine liebe Not hat.

Work-Life-Balance

Eine gute Balance zwischen Arbeit und Freizeit zu finden, ist sicher etwas, das man seinen Kindern vorleben sollte. Ich kann das nicht immer, denn ich bin selbständig. Das bedeutet, ich arbeite selbst und ständig. Privatleben und Arbeiten fließen bei mir oftmals ineinander. So klappt das mit der Work-Life-Balance nur mäßig gut. Ich muss dazu aber sagen: Es stört mich nicht wirklich, so ist halt mein Leben. Nur Vorbild bin ich dahingehend halt eher keines…

Struktur

Ein gewisse Struktur ist wichtig für ein Kind, keine Frage. Eine solche sucht man bei mir aber oft vergebens. Ich bin eine echte Nachteule, komme morgens schwer aus dem Bett, mein Tag ist aufgrund meines Jobs selten so richtig planbar und über die mangelhafte Work-Life-Balance haben wir ja schon gesprochen. Wie man sich den Tag gut durchstrukturiert, schauen sich meine Kinder also besser nicht bei mir ab. Dafür sehen sie tagtäglich, wie hilfreich Spontanität, Zwanglosigkeit und Improvisationstalent sein können – auch nicht schlecht!