“Ihr seid die schlechtesten Eltern der Welt!”: Warum mich dieser Satz so trifft

Schreiender Junge hat Wutanfall
Bei Wutanfällen rutschen Kindern schon mal blöde Sätze heraus
© Bigstock / Talita Nicolielo

Im Wutanfall sagen kleine Kinder schon mal blöde Sachen. Da steht man als Vater natürlich souverän drüber. Ein Satz meines Fünfjährigen hat mich aber dennoch getroffen – obwohl er nicht so gemeint war.

Was mein Sohn in einem Wutanfall so alles sagt

Ich habe einen kleinen Mann daheim, der oft der liebenswürdigste Kerl der Welt ist. Witzig, wissbegierig, kuschelig. Bestimmt ist er der schlaueste Fast-Sechsjährige im ganzen Land, und auch wenn er vielleicht nicht alles perfekt kann, bin ich unsagbar stolz auf ihn.

Manchmal ist dieser kleine Mann aber auch äußerst schlecht gelaunt – meistens, wenn er etwas nicht darf – und dann hat er eine Zündschnur, die kürzer ist als das Wort “Zündschnur”.

Wenn mein Sohn einen Wutanfall hat, dann aber richtig. Dann wird nicht nur geschrien und geweint. Kleinste Dinge werden zu Dramen aufgeblasen, gegen die jede griechische Tragödie lächerlich wirkt. Und dann fallen auch Sätze wie dieser hier neulich: “Ihr seid die schlechtesten Eltern der Welt!”

Unbedachte Worte, die mich trotzdem treffen

Nun ist mir natürlich klar, dass er das nicht wortwörtlich so meint. Er kennt außer uns nicht viele Eltern, seine Vergleichsmöglichkeiten sind also sehr beschränkt. Und ja, er hat mich lieb und seine Mama natürlich auch.

Das war also nur ein unbedachter, dummer Satz, den er in der Wut herausgeschleudert hat. Wem das noch nie passiert ist, der werfe den ersten Stein.

Trotzdem haben mich seine Worte getroffen. Und zum Nachdenken gebracht. Denn wollen wir nicht alle perfekte Eltern sein – zumindest in der Theorie? Natürlich schaffen wir das nicht. Aber wir geben uns Mühe. Wollen alles richtig machen. Und dann bringt mir so ein wütender Satz meines Fünfjährigen wieder ins Bewusstsein, dass ich ganz bestimmt kein perfekter Vater bin.

Ist “nicht perfekt” gleich ganz schlecht?

Ich vergesse manchmal wichtige Dinge. Mein Geduldsfaden ist nicht immer der dickste, und ich werde öfter laut, als es mir lieb ist. Vermutlich war ich zu beiden meiner Kinder auch schon öfter als einmal in irgendeiner Form ungerecht. Aber machen mich diese Verstöße gegen das “Perfekte-Eltern-Gebot” von Instagram und TikTok gleich zum – Zitat – schlechtesten Vater der Welt?

Bestimmt nicht. Denn für jedes Minus steht eben auch ein großes Plus auf der Tafel. Ich kann behaupten, dass ich Vorzüge habe, die andere Väter so vielleicht nicht haben. Erst recht nicht in der Welt der sozialen Medien, wo genormte “Super-Daddys” genormte Supersachen mit ihren stets gut gelaunten und dankbaren Superkindern tun.

Ganz ohne Reibung ist doch langweilig

In diesen Sphären gibt es keine Wutanfälle mit Sätzen wie “Ihr seid die schlechtesten Eltern der Welt!”. Kinder werden nie laut und Eltern sowieso nicht. Alles greift ineinander wie in einer perfekt geölten Maschine.

Aber ist das nicht auch furchtbar langweilig? So nervig die Dramen vor dem Zubettgehen auch sind und so anstrengend die Wutanfälle von trotzigen Kindern: seit ich Vater geworden bin, erlebe ich ständig wunderschöne und intensive Augenblicke. Eine innigere Beziehung als die zu meinen Kindern kann ich mir gar nicht vorstellen. Dazu muss ich nicht perfekt sein.

Es tut gut, sich das immer mal wieder zu vergegenwärtigen. Und wenn es dazu cholerische Anfälle eines kleinen Mannes braucht – dann sei es so.