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Adoption auf dem Laufsteg? In Brasilien ist das normal

Kinderhilfsorganisationen in Brasilien haben in einem Einkaufszentrum die Show „Adoption auf dem Laufsteg“ veranstaltet, um Kinder aus dem Waisenhaus zu vermitteln. Weltweiter Aufruhr folgte schnell – aber die Verbände verteidigen die Aktion und sind sich keine Schuld bewusst.

Die Laufsteg-Show mit Adoptionskindern erntete heftige Kritik weltweit
Die Laufsteg-Show mit Adoptionskindern erntete heftige Kritik weltweit
© Unsplash/ Joseph Chan

Schaulauf mit Adoptionskindern

Eine Veranstaltung in Brasilien hat für internationales Aufstehen gesorgt. „Adoption auf dem Laufsteg“ nannte sich das Event. In dieser Show wurden Kinder zwischen vier und 17 Jahren zur Schau gestellt. Im wahrsten Sinne des Wortes. In einem Einkaufszentrum in der brasilianischen Stadt Cuiabá liefen die Kinder auf einem Laufsteg auf und ab.

Veranstaltet wurde die Aktion vom örtlichen Ableger der Kinder- und Jugendkommission des Anwaltsverbandes (CYC) und dem Verband für Adoptionsforschung und -förderung (Ampara). Das Ziel: „zur Adoption stehende Kinder und Jugendliche sichtbar zu machen“, hieß es in einem Statement der Organisatoren.

Fragwürdige „Kinderschau“

Die Kinder wurden für die Show extra schick gemacht, um die adoptionswilligen Menschen zu überzeugen: Frisieren, Schminken, neue Klamotten – wie bei einer richtigen Modenschau. Nur, dass hier keine Kleider vorgestellt werden, sondern die Jungen und Mädchen selbst. Unter den Waisen waren Kinder im Alter von vier bis 17 Jahren. Sie alle mussten sich auf einem Laufsteg vor den Zuschauern präsentieren.

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Shitstorm in den sozialen Medien

„Ich habe keine Worte“, schreibt eine Twitter Nutzerin. Die Veranstaltung löst im Internet einen Riesen Aufruhr aus und wurde stark kritisiert. Einige Internetnutzer verglichen sie sogar mit Sklaven- oder Viehauktionen. „Werden hier Tiere oder Sklaven verkauft?“, fragte ein User.

Die Veranstalter verteidigen die Aktion

Laut dem britischen Nachrichtenmagazin DailyMail hätten die Veranstalter die Aktion in einem Statement verteidigt. Laut dem Statement sei bei allen Kindern und Jugendlichen in der Show das Risiko groß, nicht adoptiert zu werden. „Das kann starke Frustration auslösen, das Selbstbewusstsein zerstören und langwierige psychologische Effekte haben.“, heißt es weiter.

Die Organisatoren betonen außerdem, dass die Show eine viele Kinder unterstützen würde, die in Brasilien ohne ihre Eltern aufwachsen müssen. Laut dem Spiegel warten in Brasilien über 9500 Waisen auf eine Adoption.

Die Veranstalter erklären auch, dass sie die Sklavenhandel-Vergleiche ablehnen und sie sich von „den dunklen Kapiteln unserer Geschichte“ distanzieren wollen.

Es finden sich auch User, die die Aktion verteidigen

Neben den vielen Kritikern finden sich auch einige Menschen, die die Aktion verteidigen oder zumindest etwas Positives daran sehen. Ihr Argument dabei ist, dass die Modenschauen das Leben von zahlreichen Kindern und Jugendlichen verändern kann.

Ein Twitter-User schreibt zum Beispiel: „Das wichtigste ist, dass diese Kinder ein neues Zuhause finden…um das zu tun ist vielleicht ein unkonventioneller Ansatz dabei hilfreich. Ich hoffe, dass sie alle glücklich werden und eine großartige Familie finden.“