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Das Monster unter dem Bett – Alpträume meiner Kinder

vonSaskia Wöhler

Mama Saskias kennt sich mit den Alpträumen ihrer Kinder und deren Bewältigung gut aus. Doch diesmal helfen ihre Söhne mit. Wie kreativ sie die nächtliche Angst ihrer kleinen Schwester überwunden haben, erfährst du hier.

vonSaskia Wöhler
Saskias Tochter hat Angst vor bösen Monstern
Saskias Tochter hat Angst vor bösen Monstern
© Bigstock/ StoryTime Studio

Mit viel Fantasie gehen viele Nebenerscheinungen einher. Viele lustige Rollenspiele, die tollsten Geschichten und manchmal biegt die Fantasie in eine andere Richtung ab. Dann gibt es Alpträume, aber wenn man große Brüder hat, muss man keine große Angst haben. Denn die lassen sich zur Not etwas einfallen.

Der Grüffelo ist da

Mit dem Grüffelo ging das Fürchten bei Tochter 1 eines Tages los. Dieser war manchmal bei uns im Haus unterwegs und wollte immer zu ihr ins Zimmer. Wir versuchten es mit Argumenten:

  • „Der Grüffelo lebt im Wald und kommt gar nicht in die Stadt zu uns.“
    „Doch mit dem Bus schon.“
  • „Der Grüffelo passt gar nicht durch unsere Tür.“
    „Dann macht er sie kaputt. Das ist ihm nun wirklich egal.“
  • „Die riesigen Füße vom Grüffelo passen nicht auf unsere Treppenstufen.“
    „Hmmm.“
  • „Bevor er ganz oben im Haus angekommen wäre, wäre bestimmt unsere alte Treppe   unter ihm zusammengebrochen.“

Tochter 1 durchdachte das Argument mit der Treppe gründlich. Sie sprang einmal kurz auf der Treppe herum. Als die Treppe mit lautem Knarzen reagierte, war sie überzeugt, dass der Grüffelo vielleicht ins Haus kommen würde, aber auf keinen Fall zu ihrem Zimmer.

: "Papa, da ist ein Monster!"

Die Monster sind los

Mit einem Mal tauchten jedoch mitten in der Nacht die Monster im Zimmer unserer Tochter auf. Wie sie dort hingeraten waren, weiß niemand so genau. Aber sie waren da und sorgten für häufiges Aufwachen in der Nacht. Unabhängig davon ob sie schlafen oder nicht, in der Nacht wirken meine Kinder für mich alle wieder sehr klein. Wenn sie wegen Alpträumen weinen oder schreien, sowieso noch mehr.

Tochter 1 ließ sich in der Nacht nicht mehr beruhigen und erinnerte mich in ihrer Panik sehr an die schreckliche Nachtschreckphase bei Sohn 1. Immerhin war sie mehr oder weniger ansprechbar und beruhigte sich mit einem Elternteil neben sich auch schnell. Aber die Monster verbreiteten sich immer mehr in unserem Alltag.

Der Spaß am Gruseln

Es war den ganzen Tag gruselig. Aber während der Schrecken am Tag nicht so schlimm ist, wird er in der Nacht gruseliger. Oder wie Tochter 1 es sagte: „Am Tag kann ich das Monster sehen, aber in der Nacht sieht es ganz anders aus. Und es ist überhaupt nicht mehr nett.“

Bei all unseren Kindern gab es irgendwann diesen Moment, wo ein bisschen Gruseln auch einen Spaßfaktor hatte. Die Jungen versteckten und erschreckten sich in der Zeit besonders gerne. Hörbücher mit Detektiven standen hoch im Kurs und komplizierte Alarmanlagen wurden gebaut. Außerdem waren Gespenster ein ganz großes Thema. Für mich waren die einhergehenden Beulen und blauen Flecken ein größeres Thema, denn unter Decken oder Laken ist die Sicht doch meistens etwas behindert. Aber da uns keine größeren Unfälle als Gespenster passiert sind, darf ich wohl nicht meckern.

: Mein Kind hat Angst im Dunkeln

Die Brüder regeln das

Als nun aber die kleine Schwester von den Monstern anfing, die nachts in ihrem Zimmer waren, gaben sich die großen Brüder zunächst sehr aufgeklärt. Es könne keine Monster in ihrem Zimmer geben. Von wo sollten sie denn kommen? Als ihre Schwester erwiderte: „Die kommen aus den ganzen Ecken, das weiß doch jeder.“, wollten die Brüder auch nicht dumm aussehen. Schließlich begannen sie eine Alarmanlage zu planen.

Vielleicht haben wir ein wenig oft Feuerwerk für den Fuchs aus der Reihe Pettersson und Findus gelesen. Petterssons Nachbar Gustavsson warnt vor einem Fuchs, der bei ihm Hühner gerissen hätte. Er würde ihm nun in der Nacht auflauern und ihn erschießen. Findus ist entrüstet, denn Füchse soll man nicht erschießen, sondern ihnen lieber einen Schreck einjagen. Deswegen erfinden Pettersson und Findus eine Huhn-Attrappe inklusive eines Feuerwerks, um dem Fuchs klar zu machen: Unsere Hühner lässt du mal lieber in Ruhe, wenn du nicht einen riesigen Schrecken bekommen möchtest.

: Anti-Monsterspray selbst gemacht

Kugelbahn statt Feuerwerk

Da ich ein Feuerwerk verboten habe, bauten die Brüder eine komplizierte Kugelbahn durch das Zimmer. „Das ist die Alarmanlage. Wenn ein Monster aus der Ecke kriecht, geht die Kugelbahn los.“ Die kleine Schwester war ganz begeistert, dass die Brüder bei ihr im Zimmer waren und für sie etwas bauten. Mit Holzbauklötzen wurde in einer zweiten Ecke ein sehr hoher Turm aufgebaut. „Wenn sie von dort kommen, fällt der Turm um. Aber du darfst dort jetzt nicht mehr spielen, versprochen?“ Tochter 1 hätte in diesem Moment wahrscheinlich allem zugestimmt. Denn bis dahin war sie immer relativ schnell aus den Zimmern der Brüder geworfen worden und in ihr Zimmer wollte nie einer mitkommen zum Spielen.

Die Monster zogen aus

Die Kugelbahn und der Turm blieben einige Tage und Nächte stehen. Die Monster trauten sich offensichtlich nicht mehr aus ihren Ecken heraus. Mein Mann stieß sich lediglich den Zeh als er den Heizkörper kontrollieren wollte. Beim Gepoltere – mitten am Tag – standen alle Kinder relativ schnell oben und waren etwas enttäuscht, dass das Monster gar kein Monster, sondern nur der eigene Papa war.

Und nach zwei Wochen durften die Abwehranlagen abgebaut werden. „Die Monster sind jetzt ausgezogen. Und ich brauche die Ecken zum Spielen.“ Gesunder Pragmatismus ist offensichtlich der beste Monsterschreck.

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