Bachblüten für Kinder: Sind Rescue-Tropfen und Co. eine gute Wahl?

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
Bachblüten in einer Pipette
Hilft das wirklich?
© Pexels / Karolina Grabowska

Wenn Kinder ängstlich oder unruhig sind und schlecht schlafen, Probleme haben, sich in der Schule und beim Lernen zu konzentrieren, sind Eltern zuweilen überfordert. Unterstützung in diesen und ähnlichen Situationen verspricht die Bachblütentherapie. Aber können die Blütenessenzen tatsächlich helfen und sind sie überhaupt für Babys und Kinder geeignet?

Was ist die Bachblütentherapie?

Vermutlich denkt man beim Begriff Bachblüten zuerst an blühende Pflanzen, die am Ufer eines gurgelnden Wasserlaufs sanft im Wind wehen. Tatsächlich geht der Name auf ihren Erfinder zurück, den britischen Arzt und Homöopathen Edward Bach (1886 – 1936).

Bach ging davon aus, dass alle körperlichen Beschwerden auf eine Charakterschwäche zurückzuführen seien. Jedem der insgesamt 38 von ihm definierten negativen Seelenzustände ordnete er eine bestimmte Pflanze zu, deren Extrakt die „gestörten Schwingungen zwischen Körper und Seele“ harmonisieren und so zur Gesundung führen soll.

Im Gegensatz zu anderen pflanzlichen Heilmitteln werden keine Substanzen aus den Blüten extrahiert. Erzeugt werden die Original Bachblüten-Essenzen bis heute, indem die Pflanzen nach einem speziellen Verfahren in Wasser eingelegt oder gekocht werden. Das behandelte Wasser wird zur Konservierung mit Alkohol versetzt und diese Urtinktur dann ein weiteres Mal mit Alkohol verdünnt. Bach-Blütenessenzen können einzeln eingesetzt, aber auch selbst oder auf Wunsch in der Apotheke gemischt werden.

Rescue-Tropfen für akute Notfälle

Ergänzend zu den 38 Extrakten führte Bach mit Rescue Remedy eine 39. Essenz ein. Original Rescue-Tropfen sind aus den fünf Bach-Blütenessenzen Rock Rose, Impatiens, Cherry Plum, Star of Bethlehem und Clematis zusammengesetzt. Die Notfall-Tropfen sollen in akuten Stress- und Belastungssituationen helfen, wieder einen Zustand der emotionalen Ausgeglichenheit zu erreichen.

Bachs Notfall-Mixtur ist mittlerweile auch in Form von Spray, Creme, Pastillen und Lutschbonbons erhältlich. Für Kinder gibt es Rescue-Tropfen ohne Alkohol.

Typische Anwendungsgebiete von Bachblüten bei Kindern

Die Liste möglicher Anwendungsgebiete für Kinder ist lang und reicht von Antriebslosigkeit, Angstzuständen, Konzentrations- und Lernstörungen über Ungehorsamkeit, Wutanfällen bis zu Alpträumen und Schlafproblemen.

So sollen Bachblüten beispielsweise überreizte, unruhige und ungeduldige Babys beruhigen, beim Einschlafen und Durchschlafen helfen und selbst bei Koliken wirksam sein.

Es gibt nur ein Problem: Diese Wirkversprechen konnten bislang in keiner Studie nachgewiesen werden.

Für etwas größere Kinder wird eine Bach-Blütentherapie zum Teil bei ADHS empfohlen. Mithilfe bestimmter Essenzen sollen die Kinder ruhiger und konzentrierter werden. In einer wissenschaftlichen Studie über drei Monate wurde dies näher untersucht. Ein Teil der Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren mit diagnostiziertem ADHS erhielt ein Placebo, die anderen Bachblüten. Die Therapie zeigte im Vergleich zum Placebo keinen zusätzlichen Nutzen.

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Auch bei emotional fordernden Situationen und Prüfungsangst sollen Bachblüten helfen. Zwei wissenschaftliche Studien haben diesbezüglich Prüfungsangst bei Studenten untersucht, für Schüler gibt es keine Forschungsergebnisse. Beide Studien fanden heraus, dass Bachblüten die Prüfungsangst nicht besser bekämpfen können als ein Placebo.

Ab welchem Alter kann man Kindern Bachblüten geben?

Auf verschiedenen Portalen, die ausführlich über Bachblüten informieren und über die man einzelne Essenzen und Sets erwerben kann, ist zwar zu lesen, dass Bachblüten für Babys und Kinder geeignet sind – eine konkrete Altersangabe sucht man hier aber vergeblich.

Alkoholhaltige Lösungen, wie sie für Erwachsene angeboten werden, sind für Säuglinge und Kinder ohnehin tabu. Hier sollte – wenn man seinem Kind Rescue-Tropfen oder sonstige Bach-Blütenessenzen verabreichen will – unbedingt auf alkoholfreie Lösungen zurückgegriffen werden.

Zudem empfiehlt es sich, die Anwendung jeglicher Mittel grundsätzlich vorab mit dem behandelnden Kinderarzt oder der Kinderärztin abzusprechen.

Welche Nebenwirkungen können Bachblüten haben?

Die natürlichen Inhaltsstoffe der Bachblüten sind hoch verdünnt, es sind daher im Allgemeinen keine Nebenwirkungen aufgrund der pflanzlichen Inhaltsstoffe zu erwarten. Kinder können in den ersten Lebensjahren allerdings empfindlicher auf verschiedene Substanzen reagieren.

Bachblüten können den Arzt nicht ersetzen

Bachblüten wirken laut wissenschaftlicher Analysen nicht über den Placeboeffekt hinaus. Sie sind gemäß § 1 Abs. 1 Arzneimittelgesetz kein Arzneimittel, sondern werden als Lebensmittel bzw. Kosmetikum eingestuft. Wer Bachblüten bei Kindern einsetzt, darf daher nicht erwarten, dass sich eine nachhaltige therapeutische Wirkung zeigt.

Legt ein Kind ein ungewöhnliches Verhalten an den Tag, gilt es den Problemen auf den Grund zu gehen. Ist das Baby eventuell unruhig, weil es zahnt oder Bauchschmerzen hat? Dann können andere – ebenfalls sanfte Methoden – wie Babymassagen oder speziell gegen die Beschwerden entwickelte pflanzliche Mittel eine wirksame Unterstützung darstellen.

Auch bei Problemen wie z.B. Angst vor dem Schulbesuch ist zunächst die genaue Ursache herauszufinden und gezielte Hilfe – ggfs. durch die Unterstützung eines Therapeuten oder einer Therapeutin – anzubieten.

Bei körperlichen Beschwerden und ernsthaften psychischen Problemen ist grundsätzlich die Kinderarztpraxis aufzusuchen. Der Arzt oder die Ärztin wird nach einer gründlichen Untersuchung entscheiden, welche Therapie bei deinem Kind angebracht ist. So besteht auch nicht die Gefahr, dass behandlungsbedürftige Erkrankungen verschleppt werden, die sich ohne adäquate Therapie verschlimmern können.

Quellen