Bluthochdruck bei Kindern: Unterschätztes Risiko

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
Krankes Kind liegt auf dem Sofa
Übelkeit und Kopfweh können zwei Symptome sein, die auf Bluthochdruck hindeuten
© Bigstock / Kaspars Grinvalds

Bluthochdruck ist eine Erkrankung, die die meisten von uns vermutlich mit älteren Menschen in Verbindung bringen. Tatsächlich haben nach Informationen der Deutschen Hochdruckliga aber bereits 2 bis 3 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland einen zu hohen Blutdruck. Um schwerwiegende gesundheitliche Folgen zu vermeiden, sollte der Blutdruck bei Kindern regelmäßig überprüft werden.

Was ist eigentlich Bluthochdruck?

Mit jedem Herzschlag wird Blut in die Blutgefäße gepumpt, um den Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen zu versorgen. Dabei wird ein gewisser Druck auf die Arterien ausgeübt, der Blutdruck. Ist der Druck auf die Gefäßwände dauerhaft zu hoch, sprechen Ärzte von Bluthochdruck oder (arterieller) Hypertonie.

Ein zu hoher Blutdruck kann schwere Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems hervorrufen und erhöht das Schlaganfallrisiko. Zu den möglichen Folgen gehören auch chronische Nierenerkrankungen und Schäden an den Augen.

Woher kommt Bluthochdruck bei Kindern?

Mediziner unterscheiden je nach Ursache zwei Arten von arteriellem Bluthochdruck:

  • Bei der sogenannten primären oder essentiellen Hypertonie liegt keine erkennbare organische Ursache zugrunde. Sie kommt häufig bei Jugendlichen und Erwachsenen vor, ist bei Kindern jedoch seltener.
  • Die sekundäre Hypertonie wird durch verschiedene Erkrankungen verursacht. Häufig spielen Nierenerkrankungen eine Rolle, der Bluthochdruck kann jedoch auch auf Herz-, Hormon- und Stoffwechselerkrankungen zurückgehen.

Je jünger das Kind ist, desto häufiger ist von einer organischen Ursache auszugehen. Bei Säuglingen handelt es sich grundsätzlich um eine sekundäre Hypertonie.

Übergewichtige Kinder haben erhöhtes Hypertonie-Risiko

Primärer Bluthochdruck wird vor allem durch Übergewicht begünstigt. Während nur etwa 2 % der normalgewichtigen Kinder von Bluthochdruck betroffen sind, liegen bei fast 25 % der Kinder mit starkem Übergewicht (Adipositas) erhöhte Blutdruckwerte vor. Ein erhöhtes Risiko besteht zudem, wenn die Eltern an Bluthochdruck leiden oder übergewichtig sind.

Mit welchen Symptomen kann sich Bluthochdruck bei Kindern bemerkbar machen?

Bluthochdruck ist eine „stille“ Krankheit. In der Mehrzahl der Fälle verursacht sie keine Symptome und wird deshalb von Betroffenen nicht bemerkt.

Treten dennoch Beschwerden auf, sind das meistens:

  • häufige oder anhaltende Kopfschmerzen
  • Nasenbluten
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Herzklopfen und Schmerzen in der Brustgegend
  • neurologische Beschwerden wie Taubheitsgefühle oder Bewegungsstörungen
  • verschwommenes Sehen

Treten derartige Symptome bei deinem Kind häufiger oder in Kombination auf, sollte umgehend der Kinderarzt aufgesucht werden.

Wie lässt sich Bluthochdruck bei Kindern feststellen?

Experten empfehlen, den Blutdruck ab einem Alter von 3 Jahren im Rahmen der ärztlichen Vorsorgeuntersuchungen messen zu lassen. Bei einem erhöhten Hypertonie-Risiko, z.B. bei Frühgeborenen oder Kindern mit chronischen Erkrankungen, sollten regelmäßige Kontrollen schon früher beginnen.

Gemessen werden immer zwei Werte:

  • Der systolische (obere) Wert gibt den Blutdruck in den Gefäßen beim Herzschlag an,
  • der diastolische (untere) Wert misst den Druck, wenn der Herzmuskel erschlafft. Er ist niedriger als der obere Wert.

Blutdruck-Grenzwerte bei Kindern

Während die Grenzwerte bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 16 Jahren einheitlich bei 140/90 mm Hg festgelegt wurden, gibt es bei Kindern keine allgemeingültigen Blutdruck-Grenzwerte. Diese hängen von Alter, Geschlecht, Körpergröße und Gewicht des Kindes ab.

Die folgenden Angaben entsprechen den Grenzwerten für Kinder mit einer Körpergröße im mittleren Normbereich:

Alter des Kindes (in Jahren) Jungen Mädchen
3 110/70 109/71
4 110/70 110/71
5 111/71 111/72
6 111/71 112/72
7 113/72 114/73
8 114/73 115/74
9 116/74 117/74
10 118/75 119/75
11 120/76 122/76
12 124/77 124/76
13 127/78 126/78
14 132/80 127/79
15 136/82 128/80

Ob dein Kind normale Blutdruckwerte hat oder diese erhöht sind, kannst du auch mit einem Blutdruckrechner ermitteln. Der Rechner dient – ebenso wie die o.g. Angaben – lediglich zur groben Orientierung und ersetzt nicht den Besuch beim Kinderarzt.

Aufregung kann das Messergebnis verfälschen

Ergeben sich bei der Messung erhöhte Werte, muss das noch nichts heißen. Ist das Kind gestresst oder fürchtet sich vor der Untersuchung, kann das das Ergebnis beeinflussen.
Bei Verdacht auf Bluthochdruck oder zur Überprüfung einer Therapie erfolgt deshalb eine 24-Stunden-Langzeitblutdruckmessung.

Bei dieser ambulanten Blutdruckmessung (ABDM) wird dem Kind ein tragbares Gerät angelegt, das den Blutdruck zuhause alle 15 Minuten bzw. nachts im Abstand von 30 Minuten misst. Die Messungen verursachen keine Schmerzen, das Kind sollte in diesem Zeitraum nicht übermäßig toben oder Sport treiben.

Bluthochdruck bei Kindern behandeln

Die Therapie hängt von der Art der Hypertonie ab. Liegt dem Bluthochdruck eine Erkrankung zugrunde, steht deren Behandlung im Vordergrund der therapeutischen Maßnahmen.

Grundsätzlich empfehlen Experten bei allen Kindern und Jugendlichen mit erhöhtem Blutdruck eine nicht-medikamentöse Therapie.

Zur Blutdrucksenkung wird eine Umstellung des Lebensstils angeraten:

  • Täglich mehrere Stunden Bewegung in den Alltag integrieren: So viel wie möglich zu Fuß gehen und/oder mit dem Rad fahren, Bewegungsspiele, Klettern, Springen etc.
  • Anpassung der Ernährung: Empfehlenswert ist die mediterrane Kost mit viel frischem Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Fisch. Fleisch sollte selten verzehrt werden, auf fettreiche und zuckerhaltige Speisen bzw. Getränke ist zu verzichten. Da Kochsalz den Blutdruck erhöht, sollte das Essen nicht zu stark gesalzen werden.
  • Hilfreich ist, wenn die gesamte Familie ihre Ernährungsgewohnheiten umstellt und am Bewegungsprogramm teilnimmt.
  • Da auch Passivrauchen das Blutdruck-Risiko erhöht, sollten Eltern in der direkten Umgebung der Kinder nicht rauchen.

Ernährungsumstellung und tägliche Bewegung kommen vor allem übergewichtigen und adipösen Kindern mit Bluthochdruck zugute. Von strengen Diäten ist hingegen abzusehen. Nach deren Beendigung wird oftmals aufgrund des Jo-Jo-Effekts wieder schnell das alte Gewicht erreicht.

Sollten die genannten Maßnahmen nach sechs Monaten nicht zur gewünschten Senkung des Bluthochdrucks führen, erfolgt eine medikamentöse Therapie. Für Kinder stehen spezielle Arzneimittel zur Verfügung, die im Allgemeinen gut verträglich sind.

Wie oft sollte der Blutdruck bei Kindern gemessen werden?

Eine regelmäßige Überprüfung des Blutdrucks zuhause ist nur bei Kindern notwendig, die von Hypertonie betroffen sind oder ein erhöhtes Risiko aufweisen. Die Messungen sollten wöchentlich erfolgen: Einmal am Morgen sowie abends vor dem Schlafengehen.

Steht ein Arztbesuch an, sollte vorher etwa eine Woche lang morgens und abends gemessen und die Werte notiert werden. Eine solche Messreihe ist für den Arzt aussagekräftiger als ein einzelnes Ergebnis.

Tipps: Blutdruck bei Kindern messen

Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte der Blutdruck grundsätzlich vom Arzt gemessen werden. Für Kinder ab fünf Jahren gibt es spezielle vollautomatische (oszillometrische) Messgeräte, deren Manschette sich auf den Umfang des Oberarms anpassen lässt. Empfehlenswert ist die Anschaffung eines Geräts mit dem Prüfsiegel der DHL®. Das richtige Anlegen der Manschette und die Anwendung des Messgeräts wird in der jeweiligen Bedienungsanleitung beschrieben.

Um korrekte Werte zu ermitteln, ist folgendes zu beachten:

  • Eine halbe Stunde vor der Messung sollte nicht gegessen oder Sport getrieben werden. Drei bis fünf Minuten vorher sollte das Kind ruhig sitzen, während der Messung möglichst nicht sprechen.
  • Die Messung erfolgt aufrecht sitzend, der Rücken ist angelehnt, die Füße stehen flach am Boden.
  • Der rechte Arm liegt unbekleidet auf einem Tisch auf. Der Oberarm mit Manschette befindet sich etwa auf Höhe des Herzens.
  • Messung dreimal – im Abstand von ca. 1 Minute – wiederholen und den Mittelwert der beiden letzten Messungen notieren

Quellen

Alle Informationen in diesem Artikel stammen aus öffentlichen und zuverlässigen Fachquellen. Mehr über unsere redaktionellen Grundsätze, worauf wir bei der Quellenauswahl achten und wie wir unsere Inhalte regelmäßig prüfen, erfährst du hier.