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Corona-Impfung: Kinder werden vorerst nicht geimpft!

vonSonja Hagl

Bald könnte es eine wirksame Impfung gegen das Coronavirus geben. Ob sich die Impfung auch für Kinder eignet & Antworten auf alle deine Fragen.

vonSonja Hagl
© Bigstock/ Ira Lichi

Seit Beginn der Corona-Pandemie werden weltweit zahlreiche Impfstoffe entwickelt. Die Zulassung von ersten wirksamen und sicheren Impfstoffen scheint aktuell nicht mehr weit entfernt. Das stellt Eltern vor einige Fragen: Soll ich mein Kind impfen lassen? Dürfen Kinder überhaupt geimpft werden? Und was, wenn mein Kind der Risikogruppe angehört?

Impfbereitschaft: Viele Eltern würden Kinder impfen lassen

Laut einer Umfrage der Barmer Krankenkasse würde sich mehr als die Hälfte der Deutschen (53 Prozent) gegen das Coronavirus impfen lassen. Ganze 42 Prozent der befragten Eltern würden auch ihre eigenen Kinder impfen lassen.

Doch daraus wird wohl erstmal nichts. Denn: Wann es eine Corona-Impfung für Kinder geben wird, ist noch unklar.

Warum es zunächst keinen Impfstoff für Kinder geben wird

Impfstoffe für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren konnten aktuell noch nicht ausreichend auf Wirkung und Sicherheit untersucht werden.

Das Robert-Koch-Institut erklärt, wieso der Impfstoff zunächst nur für Erwachsene zur Verfügung stehen wird:

  • Aus ethischen Gründen können Impfstoffe nicht an Kindern getestet werden. Zuerst muss sichergestellt werden, dass bei Erwachsenen keine schwerwiegenden Nebenwirkungen auftreten.
  • Es sollen zuerst die Personen geschützt werden, bei denen die schwersten Covid-Verläufe vorkommen (also ältere Menschen und Risikogruppen)
  • Wenn genug Erwachsene geimpft sind, geht das Infektionsgeschehen insgesamt zurück. Die Impfung von Erwachsenen schützt also auch nicht-geimpfte Kinder (Herdenimmunität)
  • Aktuell gelten Kitas und Grundschulen nicht als Orte mit hohem Infektionsrisiko. Kinder sind auch keine Corona-Infektionstreiber. Das heißt – sie erkranken eher weniger und meist nicht so stark wie Erwachsene.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat die offiziellen Empfehlungen für die Corona-Impfung herausgegeben. Darin steht auch, dass es “derzeit keine COVID-19-Impfempfehlung für Kinder gibt.”

Warum brauchen Kinder einen anderen Impfstoff?

Das Immunsystem von Kindern reagiert anders auf Impfstoffe als das von Erwachsenen. Viele bestehende Impfstoffe werden bei Kindern in einer geringeren Dosis oder einer anderen Zusammensetzung geimpft.

Im Wissenschaftspodcast “Synapsen” des NDR erklärt Florian Krammer, Forscher und Professor für Impfstoffforschung an der Icahn School of Medicine at Mount Sinai (New York City), dass die aktuell getesteten Corona-Impfstoffe (RNA- und Vektor-Impfstoffe) bei Kindern beispielsweise stärkere Nebenwirkungen hervorrufen könnten.

Erst, wenn Daten aus Test für Kinder und Jugendliche vorliegen kann ein Impfstoff auch für bestimmte Altersgruppen zugelassen werden. Bis das der Fall ist, kann es aber noch dauern.

Wie lange wird es dauern, bis Kinder geimpft werden?

Einige Biotechunternehmen planen schon Studien zur Verträglichkeit und Sicherheit von Corona-Impfstoffen bei Kindern. Bis diese Studien wirklich durchgeführt werden können und erste Ergebnisse zeigen, wird es jedoch noch Jahre dauern.

Moderna Impfstoff-Studie mit Kindern

Das US-Biotechunternehmen Moderna hat beispielsweise im Dezember angekündigt, dass ihr Impfstoff (mRNA-1273) bald auch für Kinder und Jugendliche entwickelt werden soll. Der Impfstoff soll dann an 3.000 Kindern und Jugendlichen zwischen zwölf und 17 Jahren getestet werden.

Das Entwicklungsprojekt soll etwas eineinhalb Jahre dauern. Der letzte Studienteilnehmer würde also Ende Juni 2022 geimpft sein.

Was gilt bei Kindern, die zur Risikogruppe gehören?

Kinder mit mehreren Behinderungen oder schweren chronischen Erkrankungen gehören der Risikogruppe an und benötigen daher eigentlich mehr Schutz. Da es aber keinen Impfstoff für Kinder gibt, können sie selbst nicht geimpft werden.

Eine Option ist es hier, alle erwachsene Personen im Umfeld des Kindes impfen zu lassen. Natürlich können aber auch andere Kinder hier ein Risiko darstellen.

Manchmal ist diesbezüglich die Rede von einem sogenannten Off-Label-Use.

Was bedeutet Off Label Use?

Das bedeutet, dass Kinder ein Medikament (also auch einen Impfstoff) bekommen, der eigentlich für Erwachsene zugelassen ist. Da es für viele Medikamente aus ethischen Gründen keine Zulassungsstudien gibt, wird in manchen Fällen eine Off-Label-Behandlung eingesetzt.

Ob ein Off-Label-Use in bestimmten Fällen und unter strenger Risikoabwägung auch beim Corona-Impfstoff möglich wäre, ist noch nicht geklärt.

Wird es eine Impfpflicht geben?

Zwei Drittel der Befragten in der Barmer-Umfrage lehnten eine Impfpflicht ab. Und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel betont:

„Niemand wird gezwungen werden, sich impfen zu lassen, sondern es ist eine freiwillige Entscheidung.“

Mit Ausnahme der Masern-Impfung, die seit März 2020 bei Kindern vor dem Kindergarten- bzw. Schulstart vorgewiesen werden muss, gibt es in Deutschland keine Impfpflicht.

Weitere Informationen zur Impfung gegen das Coronavirus findest du auch hier:

Allgemeine Fragen zur Covid-Impfung

Wann wird es einen Impfstoff geben?

Wie sicher wird der Impfstoff sein?

Gibt es Nebenwirkungen?

Wer bekommt den Impfstoff zuerst?

Wie viele Menschen müssten sich für eine Herdimmunität impfen lassen?

Quellen

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