Das richtige Hobby für mein Kind: Wie weit darf man eingreifen?

Das richtige Hobby für mein Kind

Es ist eine der zentralen Fragen für Eltern: Welchen Hobbies sollte mein Kind nachgehen? Wann ist der richtige Zeitpunkt für welche Beschäftigung? Wie sollte ich mein Kind an bestimmte Freizeitbeschäftigungen heranführen? Welche Hobbies sollte man seinem Kind überhaupt erlauben – und welche nicht? All diese verschiedenen Aspekte des Themas beschäftigen Eltern völlig zu Recht in unserer Welt, die immer komplizierter wird. Aus diesen Gründen geben wir einen Überblick zu diesen Fragen.

Kleiner Junge auf Baustelle
Kleiner Bastler oder Musiker: Welches Hobby ist das richtige Fotolia/ Maria Sbytova

Was das Thema Hobbies so kompliziert macht

Doch zunächst: Warum ist die Frage nach der optimalen Freizeitbeschäftigung für die Kinder überhaupt eine so schwierige? Nun, einerseits liegt es natürlich daran, dass nicht jedes Hobby zu jedem Zeitpunkt gut für den Nachwuchs geeignet ist. Schließlich durchlaufen die Kinder in ihrer Entwicklung verschiedene Entwicklungsstufen, die bedeutsam dafür sind, welche Hobbies sie überhaupt ausüben können. Schließlich müssen erst einmal die richtig entwickelten Fähigkeiten vorhanden sein, damit die Kinder auch entsprechenden Spaß an ihrer Beschäftigung entwickeln können.

Nicht genug damit: Heutzutage hat wirklich jeder Mensch eine Meinung zu diesem nicht immer leichten Thema. Zahlreiche Ratgeber mischen sich ein und wissen scheinbar ganz genau, was für die eigenen Sprösslinge am besten ist. Genau aus diesem Grund werden wir hier keine Aussagen à la „Radfahren ist das Beste für Ihr fünfjähriges Kind“ treffen, sondern stattdessen darauf hinweisen, dass die individuelle Entwicklung von Kindern höchst unterschiedlich ist.

Abgesehen von den allgegenwärtigen Ratgebern zu solchen Themen ist es eine Tatsache, dass gerade heutzutage das Freizeitangebot, das für Kinder zur Verfügung steht, unübersehbar groß geworden ist. Gerade durch die Tatsache, dass Tablets und Apps eine größere Rolle hierbei spielen und die Frage, wie man in der Erziehung mit der Digitalisierung umgehen will.

Die Entwicklungsstadien von Kindern

Das Verfolgen von Hobbies hat selbstverständlich etwas mit Lernen zu tun. Denn genau wie jede andere Beschäftigung wollen auch unsere liebsten Hobbies erlernt sein – was für uns als Erwachsene gilt, gilt natürlich im erhöhten Maße für die Kinder. Um hier eine Orientierung zu haben, ist es hilfreich sich an einem der wissenschaftlich anerkanntesten Erziehungsmodelle zu orientieren, das beschreibt, wann Kinder welchen kognitiven Status erreicht haben.  Bei diesem Modell handelt es sich um das Entwicklungsmodell nach dem Forscher Piaget, der die Entwicklungsstadien der Kinder in verschiedenen Stufen beschrieben hat.

Mit diesen Tipps wird dein Kind zur Leseratte

Das Positive an diesem Modell: Piaget unterscheidet sehr genau, in welchem Alter Kinder kognitiv auf welchem Level sind. Selbstverständlich sind die von ihm vorgeschlagenen Stufen lediglich Orientierungshilfe. Das heißt: Wenn eine Stufe bei ihm erst ab einem gewissen Alter beginnt, ist es durchaus möglich, dass hier ein wenig Spielraum für das eigene Kind besteht. So kann die Entwicklungsstufe hier durchaus bis zu einem Jahr früher oder später beginnen. Das ist ganz normal und kein Grund zur Sorge – die Menschen sind eben unterschiedlich, und genauso sollte man auch den eigenen Nachwuchs akzeptieren.

Die Entwicklung der Kindesfähigkeiten

Selbstverständlich ist das von Piaget entwickelte Modell nicht ohne Bezüge. Schließlich ist auch immer fraglich, wie man das Kind beim Erlernen von Fähigkeiten unterstützt. So kann man sich ständig fortentwickelnde kognitive und motorische Fähigkeiten nicht einfach als gegeben voraussetzen. Sie brauchen eine entsprechende Unterstützung, um sich auf gesunde Weise entwickeln zu können. Deshalb ist es so wichtig, hier als Eltern aktiv zu sein. Aber wie viel Eingreifen ist richtig? Wie viel ist zu wenig? Und wie viel ist zu viel?

Das richtige Maß an Eingreifen

Aus diesem Grunde steht die Frage auch im Vordergrund, in welchem Maße man eingreifen sollte – und wo das Kind sich frei entfalten können muss. Die Frage ist schwer zu beantworten. Denn einerseits müssen wir die Entwicklung des Kindes unterstützen – ihm aber auch im Rahmen der Entdeckung seiner eigenen Persönlichkeit ermöglichen, sich selbst zu verwirklichen.

Nehmen wir zwei extrem negative Beispiele: Einerseits das der Eltern, die ihr Kind zwingen, die ganze Woche lang täglich sechs Stunden lang Geige zu üben. Auf diese Weise üben sie einen immensen Druck auf ihre Kinder aus und zwingen sie zu einer Beschäftigung, gegen die sie in einer Art Trotzreaktion womöglich eines Tages rebellieren. Das liegt dann mit großer Wahrscheinlichkeit unter anderem daran, dass das Kind weder die Intensität der Beschäftigung noch die Beschäftigung selber auswählen durfte. Hier gibt es keinerlei Platz zur Selbstentfaltung.

Das andere extreme Beispiel wäre, dass das Kind keinerlei Orientierung in seiner Freizeit bekommt. Auf diese Weise kann es sich zwar maximal entfalten – hat aber keinerlei Orientierung. Insofern kann es auch hier nicht seine Potenziale ausschöpfen und sich nicht richtig entwickeln.

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Inspirieren, nicht zwingen

Aus diesem Grunde ist der richtige Mittelweg von größter Bedeutung. Wie kann man seinem Kind Richtungen aufzeigen, ohne es zu zwingen? Wie kann man, um das Beispiel Instrument weiterzuverfolgen, hier einen positiven Einfluss ausüben, um die Kreativität des Kindes anzuregen und es zu inspirieren? Dabei ist natürlich in der musikalischen Früherziehung etwas anderes gefragt als später. So sollten Kinder in jüngerem Alter eher mit der Blockflöte starten, bevor sie sich an schwierigere Blasinstrumente wie das Saxophon heranwagen, von denen es zudem noch verschiedenste Varianten gibt, die nicht alle für Anfänger geschaffen sind.

Also gilt es, hier eine Orientierung bereitzustellen, die natürlich nur dann möglich ist, wenn man sich vorab selbst informiert hat. Das gilt übrigens für alle Hobbies. Wer selbst keine Orientierung hat, kann wohl kaum im Stande sein, sie zu geben. Und ebenso wenig ist es die Aufgabe von Eltern, die eigenen und vergeblich geträumten Hobbies durch die Kinder umsetzen lassen zu wollen – diese haben ein Recht auf das Ausüben ihrer eigenen Freizeitbeschäftigungen!

Alle Bereiche wollen entdeckt werden!

Es ist absolut sinnvoll, sich als Eltern eine Liste zu machen, was für die Kinder interessant sein könnte. Erst einmal abwegig erscheinende Ideen können dabei durchaus gut sein! Warum zum Beispiel sollte man die Kinder nicht einmal in die Galerie bringen, damit sie sich dort Gemälde ansehen können? Womöglich beeindruckt sie, dass Menschen Gemälde schaffen können und versuchen, es den Künstlerinnen und Künstlern gleichzutun.

Auch verschiedene Sportarten wollen ausprobiert sein. Was für Instrumente gilt, stimmt selbstverständlich auch für Sport: Für die meisten Menschen gibt es eine geeignete Disziplin – nur findet man sie nicht immer gleich beim ersten Versuch. Ein bisschen Geduld, damit die Kleinen sich ausprobieren können, ist also absolut gefragt.

Die Ideen der Kleinen aufgreifen

Dabei ist es absolut gerechtfertigt und sogar notwendig, den Ideen der Kleinen nachzugehen. Natürlich ist nicht jede Äußerung des Nachwuchses immer der Schlüssel zur idealen Beschäftigung für ihn – aber gerade öfter wiederholte Wünsche sollte man durchaus mit dem gebotenen Ernst behandeln! Vielleicht birgt sich ja der Schlüssel zum künftigen Hobby in einer solchen Äußerung.

Doch neben den funktionellen Vorteilen dieses Verhaltens ist auch eine psychologisch positive Wirkung haben möglich: Sohn oder Tochter merken nämlich sofort, dass sie in ihren Ansichten und Wünschen, was die Hobbyfindung angeht, einbezogen werden und nicht einfach bei Seite geschoben werden. Diese Inkludierung in die Überlegungen wird sie wiederum empfänglicher für eigene Vorschläge machen und sie motivieren, diese in Erwägung zu ziehen.

Denn letztendlich können Hobbies nur dann entstehen, wenn bei den Kindern eine intrinsische Motivation vorhanden ist. Diese entsteht beim Mitwirken besonders – die Option zur Selbstgestaltung unserer Umwelt ist schließlich etwas, das uns Menschen antreibt. So ist eine spielerische Beteiligung unserer Kinder durchaus eine Möglichkeit, ihnen den Reiz dieser Mitgestaltung zu zeigen.

Fazit

Bei allem Wissen um die optimale Erziehung für die eigenen Kinder sollte man sich auch auf die eigene Intuition und das Gefühl verlassen. Kombiniert man die Faktoren Wissen und Instinkt, wird man den Kindern vermutlich einen großen Dienst dabei leisten, ihren eigenen Weg zu schönen Hobbies zu finden, von denen sie viele Jahre lang zehren können.