Ein Klaps auf den Po schadet nicht? Die größten Mythen über Disziplin

Die 3 größten Mythen über Disziplin

Laut werden oder sogar ein Klaps auf den Po? Das sagen die Experten zu drei der größten Disziplin-Mythen in der Kindererziehung.

Kleines Mädchen schreit wütend
Wenn das Kind nicht hören will © Anastasia_vish via Bigstock

#1 Mythos: Ein Klaps auf den Po hat noch niemanden geschadet

Knapp die Hälfte aller Eltern halten einen „Klaps auf den Po“ als Erziehungsmaßnahme immer noch für in Ordnung. Das hat zumindest eine repräsentative Studie des Universitätsklinikums Ulm gezeigt. Allerdings sei die Klaps-Akzeptanz in den letzten zehn Jahren deutlich zurückgegangen, so Studienleiter und Experte für Kindeswohlgefährdung Jörg M. Fegert.

Ein ähnliches Bild zeigt auch eine groß angelegte Studie des Journal of Family Psychology aus dem Jahr 2016. Dafür wurden über 50 Jahre hinweg Forschungsdaten von über 160.000 Kindern, die in ihrer Kindheit körperliche Bestrafungsmaßnahmen erfuhren. Zu dieser Maßnahme gehörte das Schlagen mit der offenen Handfläche auf den Po oder auf Extremitäten wie Unterarm oder Oberschenkel.

Die Forscher fanden heraus, dass das Schlagen von Kindern nur selten den erwünschten Effekt erzielte, ihnen ungezogenes Verhalten langfristig abzugewöhnen. Daniel j. Siegel und Tina Payne Bryson, Autoren des Bestsellers „No Drama Discipline“ warnen: „Körperliche Disziplinarverfahren stellen ein unglaublich mächtiges Werkzeug in der Erziehung dar (…). Kommt es zu Konfliktsituationen mit dem Kind, wirkt oft eine sanfte Berührung viel entwaffnender als anderes körperliches Vorgehen. In diesen Situationen ist das Kind auf Hilfe von seinen Eltern angewiesen, um sich zu beruhigen.

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#2 Mythos: Durch Schreien erlangt man Aufmerksamkeit

Manchmal scheint es, als würden Kinder in ihrer ganz eigenen Welt leben. In einer Welt zu der man als Erwachsener keinen Zutritt hat. Da hilft dann nur noch Anschreien, um sie zurück in die Realität zu holen. Anders wollen sie ja scheinbar nicht hören. Mit Schreien wird in dieser Angelegenheit aber keinem Geholfen. Am allerwenigsten dem Kind. Für dieses entwickelt sich das Anschreien nur zu einer normalen Verhaltensweise und wird früher oder später selbst übernommen. Bleiben Eltern in diesen Situationen aber still und sprechen nur sehr leise zu dem Kind, ist das Kind gezwungen ebenfalls ruhig zu werden, um das Gesagte zu verstehen. Experten beschreiben diese Vorgehensweise als „Ruhe mit Ruhe koppeln“.

#3 Mythos: Mit Kindern wird nicht verhandelt

Mit Kindern zu verhandeln geht sogar ziemlich gut, allerdings nur mit der richtigen Taktik. Ziel dieser Verhandlung ist es, die eigenen elterlichen Interessen durchzusetzen, dem Kind aber gleichzeitig das Gefühl zu geben, den Deal ihres Lebens gemacht zu haben. Wer mit Kindern verhandelt, darf die Empathie nicht vergessen. Dazu wird dem Kind am besten eine gewisse Anzahl an akzeptablen Optionen vorgeschlagen, zwischen welchen es wählen kann. Natürlich entsprechen die Optionen dem Willen der Eltern. Für das Kind fühlt es sich aber so an, als läge die Entscheidung alleine bei ihm. Verhandlungen mit Kindern ist nichts anderes als gezielt angewendete „Manipulation“. Eine erzieherische Strategie die immer aufgeht. Mythos hin oder her.