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Lernen? Unnötig! Kann ich doch schon alles!

Die Kinder unserer Autorin Daniela Kirschbaum halten mütterliche Einmischung in ihre Schulangelegenheiten gar nicht gut aus. Das stellt Daniela vor so manche Herausforderung. Lange Leine oder Kontrollzwang? Wie viel sollten Kinder eigentlich selbst bestimmen dürfen?

Soll ich meine Kinder einfach machen lassen?
Soll ich meine Kinder einfach machen lassen?
© Unsplash/ Ben White

Lernstress? Der fängt schon in der Grundschule an!

In der Schule geht es mittlerweile so richtig zur Sache. Tests, Wiederholungen und Klassenarbeiten jagen einander, dass es eine wahre Freude ist. Meine Sprösslinge selbst sehen das recht locker. Irgendwie kriege, beim Prüfungspensum meiner Kinder, hauptsächlich ICH Stress. War das zu meiner eigenen Schulzeit denn auch schon so heftig? Vielleicht habe ich das alles einfach nur erfolgreich verdrängt? Gut jedenfalls, dass ich der Schule längst den Rücken gekehrt habe, mit so viel Stress käme ich nämlich gar nicht mehr klar…

„Lernen? Na sicher nicht! Kann ich doch schon alles!“

Wie gesagt: Mein Nachwuchs sieht das ausgesprochen entspannt! Ganz nach dem Motto: „Das bisschen Lernen macht sich von allein, sagt mein Kind…“ Oder: – im kindlichen Originalton – „Geh bitte, Mama, chill! Lernen? Na sicher nicht! Das kann ich doch schon alles!“  Was bitteschön macht die moderne Mama von heute in so einem Fall? Lange Leine oder Lernzwang? Chillen oder Stress? Womöglich liegt ein gangbarer Weg irgendwo in der Mitte, aber meine Kinder stellen sich da quer. Die wurden nämlich blöderweise zu äußerst selbstbewussten Knirpsen erzogen (Tja, selbst schuld!) und wissen, was sie wollen (Freizeit), was sie nicht wollen (Stress) und vor allem – (glauben sie zu wissen) was sie können!

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Kinder einfach machen lassen?

Zugegeben, sie haben eine gute Auffassungsgabe und sind nicht dumm. Schulisch gibt es soweit keine Schwierigkeiten. Man *könnte* sie also einfach machen lassen, oder? Aber ist das wirklich sinnvoll? Wie weit können ein 9-jähriger und eine 7-jährige die weitreichenden Konsequenzen ihrer Lernverweigerung abschätzen? Braucht es da nicht doch ein wenig Kontrolle durch Erwachsene?

Mein Sohn hat darauf natürlich eine Antwort parat: „Wir haben doch die Lehrerinnen! Die sind die Profis, du bist nur die Mama!“ Und seine kleine Schwester zieht selbstverständlich nach, indem sie mir erklärt, dass SIE ja wohl am besten wissen wird, was sie schon kann und was nicht! Und ich? Ich muss zugeben, dass das durchaus logisch klingt. Wir Erwachsenen lassen uns ja auch nicht gerne von unseren Chefs sagen, dass wir dieses oder jenes noch erledigen müssen, obwohl wie das doch schon längst getan haben, oder?

Geduld ist eine Tugend…

Nachdem Geduld ja zumindest sprichwörtlich eine Tugend ist, übe ich mich darin (Ja, das ist schwierig! Sehr schwierig! Wer gibt schon gerne die Kontrolle ab?) und lasse die beiden schulisch einfach machen. Ihr wisst schon: Selbständigkeit, Vertrauen und so… Der Nachwuchs genießt es, dass die – unchillige – Mama ihre Argusaugen abwendet und ihn schulisch endlich an die lange Leine lässt. Bisher ist notenmäßig auch wirklich alles im grünen Bereich. Da kann die Mama von heute ihre Argusaugen also ruhig anders beschäftigen – indem sie sie zum Beispiel auf unaufgeräumte Zimmer richtet…