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Endlich alleine schlafen – Wie meine Kinder lernten im eigenen Bett zu schlafen

Hätte ich früher gewusst, wie schlafraubend Kinder sind: Ich hätte vorgeschlafen. Rein prophylaktisch natürlich und außerdem haben alle unsere Kinder ganz schnell ganz toll geschlafen. Oder so ähnlich. Und vor allem in ihrem eigenen Bett. Weil nämlich in einer Familie jedem alles gehört und damit unser Bett auch ihr Bett ist.

Bei Mama und Papa im Bett ist es viel gemütlicher.
Bei Mama und Papa im Bett ist es viel gemütlicher.
©Unsplash/ Annie Spratt

Bei unserem ersten Sohn löste die Kinderkrankenschwester im Krankenhaus Panikkäufe bei uns aus: Im Elternbett schlafen und dann noch in der Mitte??? No way, viel zu gefährlich. Also kauften wir ein Beistellbett. In diesem lag konsequent das kleine Würmchen im Schlafsack. Das führte zu wenig Schlaf bei mir und einem ausgerenkten Wirbel beim in der Nacht herüber schlängelnden Baby. (Wer es nicht glaubt, ich habe die Schlangenbewegungen gesehen. Erstaunlich, was Babys leisten, wenn sie Nähe möchten.)

Einige Krisen und viel Schlafmangel später war ich überzeugt, dass er durchaus mit acht Monaten in seinem Bettchen in seinem Zimmer schlafen könnte. Zur Unterstützung haben wir – auf Empfehlung – das Buch „Jedes Kind kann schlafen lernen“ gekauft. Dass Babys sich zum Übergeben brüllen können, war mir als Erst-Mutter nicht klar. Allerdings war ich noch überraschter vom ernstgemeinten Hinweis, das Baby im Anschluss nicht aus dem Bett zu nehmen und lediglich das Bettlaken zu wechseln. Das Buch flog in die Tonne und der Schlafmangel blieb.

Wie bekommen wir das Baby aus dem Bett?

Die Frage stand weiter Nacht für Nacht mit wachsenden Augenringen im Raum: Wie bekommen wir das Baby aus dem Bett? Für uns war das gleichbedeutend mit mehr Schlaf für alle. Wir führten ein Abendritual im Kinderzimmer ein (Vorlesen im Sessel mit Flug ins Bett) und ich spielte statt im Wohnzimmer im Kinderzimmer. Wir saßen lange auf dem Sessel, neben dem Bett und lauschten nachts auf Atemgeräusche. Tatsächlich haben wir in dieser Zeit alle deutlich weniger Schlaf als zuvor bekommen. Wir fragten uns oft, was wir falsch machen. Denn bei allen anderen schien das werdende Kleinkind viel besser zu schlafen. In Gesprächen über Schlaf sprechen in größeren Gruppen in der Regel die Eltern, bei denen es super klappt. Es schien Tricks zu geben, die wir nicht kannten. Hörten wir Tricks, schienen wir sie falsch anzuwenden. Oder wir hatten am Anfang etwas so grundlegend falsch gemacht, dass es nun nicht mehr klappen konnte.

Schlafmangel-Profiliga

Dann kam Sohn 2 und mit ihm stieg ich beim Thema Schlafmangel in die Profiliga auf. Alle anderthalb Stunden wach für anderthalb Jahre haben mich ununterbrochenen Schlaf sehr schätzen gelehrt. Dieses Baby forderte permanenten Hautkontakt so demonstrativ ein, dass es dort keine Diskussionen zwischen uns gab: Das Baby schlief im Bett auf meiner Seite und das leere Beistellbett sicherte ihn. Die Jungs hatten lange ein gemeinsames Kinderzimmer und das war wohl auch der Trick beim Auszug aus dem Bett. Sohn 2 zog keineswegs in ein leeres Zimmer, sondern mit gut 20 Monaten in das Zimmer mit seinem vergötterten großen Bruder. Beim Einschlafen saß ich daneben, hielt Händchen durch das Gitterbett und streichelte das Köpfchen. Das Vorlese-Ritual blieb und half.

Keinen Zeitplan und kein Druck

Bei unserem ersten Sohn habe ich verzweifelt versucht, mich an einen Zeitplan zu halten. Es war mir wichtig, alles richtig zu machen – vor allem in den Augen von anderen. Bereits beim zweiten Kind waren mir Meinung und Ratschläge von anderen Menschen egaler. Dann schlief er eben noch im Bett. Dann waren bei uns die Abende wenig erwachsen, sondern eher kuschelig und kindergeprägt. Bei unserer ersten Tochter war mir alles ziemlich egal. Sie hat wirklich gut geschlafen, aber eben bevorzugt im Arm. Solange wir alle dadurch insgesamt genug Schlaf bekamen, waren mir schräge Blicke gleichgültig. Als sie anderthalb war, haben wir geübt in ihrem eigenen Bett neben unserem Bett zu schlafen. Etwas im großen Bett vorlesen, kuscheln und dann ins eigene Bett. Das klappte gut. Bis uns ein ziemlich schlimmer Husten samt Pseudo-Krupp aus der Routine gerissen hat. Für mich war das ok. Ich wollte keinen Druck und habe akzeptiert, dass die ersten Jahre mit Kindern nicht gerade schlafreich sind.

Das eigene Zimmer als Geschenk

Frei nach Astrid Lindgren hat Kind 3 ein eigenes Zimmer neben unserem Schlafzimmer als Geschenk bekommen. Wir haben gestrichen, Möbel abgeschliffen und alles nett gestaltet. Ihr kleines Bett zog aus dem Schlafzimmer aus, es gab ein Nachtlicht mit Feen und jetzt saß Papa beim Einschlafen auf dem Boden. Sie hat sich über ihr eigenes Zimmer so sehr gefreut, dass der Umzug die erste Zeit prima geklappt hat. Danach gab es Einbrüche, aber insgesamt tragen Rituale und wenig Zwang zur Entspannung bei. Auch Abwechslung bei den Eltern ist sinnvoll, damit die Nerven geschont werden oder eher abwechselnd strapaziert. Denn natürlich ist es nach einem langen Tag nicht immer toll am Abend lange neben einem Kinderbett zu sitzen. (Auf der anderen Seite habe ich schon viel schwachsinniger meine Zeit bei schlechten Filmen verbracht.) Die kleinen Rituale sind es, die den Abend mit Kindern oft genug nett machen.

Rituale anpassen

Diese geliebten Rituale zu schaffen und bei jedem Kind zu halten, finde ich bei wachsender Kinderzahl schwierig. Eine größere Altersspanne macht das gemeinsame Vorlesen schwer und die Bettgehzeiten gehen langsam aber sicher bei uns auseinander. Aktuell möchte ich eine abendliche Yoga-Geschichte versuchen. Bei uns gibt es nämlich einige Kinder, die am Abend noch viel aus dem Tag mit ins Bett nehmen und über dem Grübeln schlechter einschlafen. Aber Ausprobieren schadet ja nicht. Der Auszug aus dem Bett steht bei Kind 4 noch bevor. Doch tatsächlich hat mir Sohn 2 viel Selbstbewusstsein in der Hinsicht gegeben. Irgendwann – und das dauert aus der Retrospektive gar nicht so lange – schlafen alle Kinder in ihren eigenen Betten. Vielleicht kommen sie dann noch mal ab und zu ins Bett der Eltern, aber die Abende gehören wieder den Erwachsenen.