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Kind 4 Jahre: Entwicklungsschritte im fünften Lebensjahr

vonBarbara Schniebel

Ist dein Kind 4 Jahre alt, endet die Trotzphase langsam. Alles über die Entwicklung von 4-Jährigen und, wie du dein Kind im fünften Lebensjahr fördern kannst.

vonBarbara Schniebel
Was muss mein Kind mit 4 Jahren können?
Was muss mein Kind mit 4 Jahren können?
©Unsplash/Kelly Sikkema

Was muss mein Kind mit 4 Jahren können?

Zu wissen, welche Fortschritte dein Kind in seiner Entwicklung macht, kann für das Verständnis seines Verhaltens wichtig sein. Es hilft dir, deinem Kind die richtigen Aktivitäten und Reize anzubieten und seine gesunde Entwicklung zu unterstützen. Hier findest du eine Checkliste für wichtige Meilensteine bei 4-Jährigen.

Motorische Entwicklung: Kind 4 Jahre

Ist dein Kind 4 Jahre alt, hat es Hummeln im Hintern. Es will die Welt entdecken: In Pfützen plantschen, auf Dinge klettern, am liebsten durch die offene Gartentür „in die weite Welt hinein“. 4-Jährige brauchen viel Platz zum Austoben!

Körperliche Aktivitäten an der frischen Luft sind wichtig und bieten viele Reize – sowohl körperlich wie kognitiv. Toben, klettern, rennen, hüpfen, werfen, balancieren: Immer sind die Kleinen in Bewegung.

Begeisterung an Sport und Bewegung

Erste sportliche Aktivitäten wie Tanzen und Fußball spielen, werden jetzt richtig interessant. Kreative Bewegungsspiele stehen hoch im Kurs, wenn dein Kind 4 Jahre alt ist. Die großen Muskelpartien wie Bein- und Armmuskulatur werden trainiert.

Es entwickelt ein Verständnis für Entfernungen, Geschwindigkeit, Beschleunigung, Lenken und Bremsen. Das sind wichtige Voraussetzungen fürs Fahrrad fahren lernen.

 

Achtung: 4-Jährige haben ihren Kopf in den Wolken. Sie schauen in die Ferne, der Blick gen Horizont gerichtet. Kein Wunder, dass sie stürzen oder Dinge umwerfen. Wirf in der Nähe von Teichen, Bächen, Planschbecken, Straßen und anderen Gefahrenzonen ein Auge auf dein Kind.

Kind 4 Jahre: Fein- und Grobmotorik

Feinmotorisch hält das Kind Stifte noch mit der Faust und beim Zeichnen bewegen sich Hand und Arm als Einheit. Entsprechend ungelenk sind die Ergebnisse. Trotzdem kann dein Kind besser malen. Bilder bekommen mehr Details: Menschen haben Hände mit Fingern und es gibt einen Himmel und den Boden.

Dein Kind kennt die Grundfarben. Bücher helfen, weitere Farben zu erkennen. Hinweise im Alltag können dies fördern. „Schau mal, das Haus ist lila.“

Es braucht zu diesem Zeitpunkt eher grobmotorische Spielaktivitäten mit großen Objekten, die wenig Details aufweisen.

: Womit spielen 4-Jährige?

Trotzphase mit 4 Jahren: Dein Kind wird vernünftiger

Von sporadischer Bockigkeit über nicht enden wollendes „Ich will aber!“ bis hin zu Wutausbrüchen epischen Ausmaßes: Die letzten Jahre waren eine schwierige Phase. Mit 4 Jahren endet die Trotzphase langsam. Bald hast du es geschafft!

Stimmungsschwankungen sind weiterhin möglich, werden im Laufe des Jahres weniger. Dein Kind weiß jetzt, wie weit es gehen kann und wo die Grenzen sind.

Aber: Mach dir nichts vor. 4-Jährige werden weiterhin Blödsinn machen oder Regeln brechen.

Soziale Entwicklung im 5. Lebensjahr

Die Aufmerksamkeitsspanne deines 4-jährigen Kindes ist noch recht kurz. Zu viele Spielsachen oder ein laufender Fernseher tragen zur Ablenkung bei. Einfache Maßnahmen schaffen hier Abhilfe wie zum Beispiel mehrere kleine Spielstationen: Eine Ecke mit Kinderküche, eine mit einfachen Puzzles, eine Kiste mit Figuren und eine Ecke mit Bauklötzen.

Freundschaften werden für 4-Jährige wichtiger

Das Interesse an anderen Kindern steigt. Es entwickeln sich erste kleine Freundschaften, die nicht von langer Dauer sind. Gemeinsames Spiel findet häufig nebeneinander statt, wird aber immer mehr.

Zur Entwicklung von Kindern gehört mit 4 Jahren, kooperieren zu lernen: Warten können, sich abwechseln, Konflikte mit Worten lösen, all das ist im Spiel mit anderen gefragt.

Kind 4 Jahre: Ich bin ein Mädchen/Junge

In diesem Alter versteht dein Kind, dass es einem Geschlecht angehört – „Ich bin ein Mädchen – das ist ein Junge.“. Freundschaften schließt es eher mit dem gleichen Geschlecht.

Kinder zwischen vier und sechs Jahren interessieren sich besonders für das gegengeschlechtlich Elternteil Das Zentrum Bayern Familie und Soziales schreibt im „Elternbrief“:

Das kleine Mädchen wendet sich intensiv dem Vater zu und versucht, ihm zu gefallen oder ihn zu beeindrucken. Der kleine Junge ist in dieser Zeit oft stark an die Mutter gebunden und rivalisiert eher mit dem Vater.

Es ist normal, wenn Mädchen eine Mama-Phase mit 4 Jahren haben. Oder wenn Jungs an Papa hängen.

Gefühle erkennen und äußern

4-Jährige sind in der Lage, Emotionen zu erkennen. Wenn ein anderes Kind weint, ein Elternteil fröhlich oder ein Fremder ärgerlich ist, bemerkt es das. Es kann diese Gefühle in Worte fassen. „Der Mann ist wütend“, wird es vielleicht sagen, wenn es im Buch eine Abbildung eines ärgerlichen Mannes sieht.

Fördere diese Fähigkeit mit Bildern und Geschichten in denen Personen Gefühle zeigen. Es ist wichtig, dass dein Kind die Gefühle anderer Menschen erkennen und einordnen kann. Dasselbe gilt für seine eigenen Gefühle.

Sprachliche Entwicklung: Der Wortschatz wächst

4-Jährige sprechen viel und experimentieren mit der Sprache. Für manches fehlen ihnen noch die Worte. Hilf deinem Kind hier: Integriere neue Wörter in deinen alltäglichen Sprachgebrauch, dein Kind lernt diese Wörter dann auch.

Grammatikfehler kommen noch vor, jedoch wird die Ausdrucksweise zunehmend von der Babysprache abweichen. Laute spricht dein Kind häufiger richtig aus.

Sätze sind nun sechs bis zehn Wörter lang und deutlich komplexer als noch mit 3 Jahren. Dein Kind kann kleine Geschichten erzählen. Ärger dich nicht, wenn dein Kind es mit der Wahrheit nicht immer genau nimmt. So stecken Kinder mit 4 Jahren mitten in der sogenannten magischen Phase. Und in dieser sind Feen, Hexen oder gemeine Trolle real. Es braucht noch eine Weile, bis Kinder zwischen ihrer inneren Welt und der realen Welt unterscheiden können.

A-B-C und Zeiten erkennen

Dein Kind kann jetzt vielleicht schon buchstabieren. Wenn es Interesse zeigt, kannst du mit ihm seinen Vornamen buchstabieren.

Im 5. Lebensjahr lernen Kinder zeitliche Zusammenhänge wie Vergangenheit und Zukunft. Du kannst dies fördern: Erzähle deinem Kind z.B, was gestern passiert und was morgen geplant ist. Es kann nicht schaden, dabei Wochentage zu nennen:

„Heute ist Mittwoch. Gestern war Dienstag, da waren wir beim Kinderarzt. Morgen ist Donnerstag, da gehen wir zur Spielgruppe.“

Lieder, Fingerspiele und Bewegungsspiele dürfen jetzt anspruchsvoller sein. Rhythmus, Reime und sich wiederholende Muster interessieren 4-Jährige jetzt brennend und Verkleiden spielen ist jetzt der absolute Renner.

: Perfekt zum Verkleiden

„Du Pupskackawurst“: Schimpfwörter werden interessant

Ist dein Kind 4 Jahre alt, werden Schimpfwörter interessant. Es entdeckt, dass bestimmte Wörter bei Erwachsenen zu interessanten Reaktionen führen: 4-Jährige beginnen mit Fäkalsprache und Schimpfwörtern zu experimentieren. Sie haben (zu) großen Spaß daran.

Tipp: Reagiere möglichst gelassen. So machst du das Schimpfwort-Roulette uninteressant und dein Kind verliert den Spaß daran. >> Wie du am besten auf Schimpfwörter reagierst, liest du hier. 

Deine Fragen über 4-Jährige

Wie lange können 4-Jährige sich konzentrieren?

Welche Kinderbücher für 4-Jährige

Was essen Kinder mit 4 Jahren?

Kognitive Entwicklung: kleine Aufgaben im Haushalt

Wenn dein Kind 4 Jahre alt ist, …

  • …verbessert sich sein Verständnis für Zahlen und Mengen: kleiner oder größer, leicht oder schwer
  • …kann es Gegenstände sortieren: alle gelben Klötze, alle roten, …
  • …kann es wiederkehrende Muster entdecken: rot-gelb-grün-rot-gelb-grün
  • …kann es Dinge kategorisieren: Tiere, Fahrzeuge, …

Dein Kleinkind kann kleine Aufgaben im Haushalt übernehmen. Es kann es ohne Probleme die Katze füttern oder morgens die Vorhänge öffnen.

So kannst du ein 4-jähriges Kind fördern

Kinder im fünften Lebensjahr sind kleine Wissensschwämme. Sie saugen Informationen regelrecht auf. Es ist wichtig, dass den Kindern das Lernen Spaß macht:

  • Lies mit deinem Kind Bilderbücher mit Reimen oder sich wiederholenden Sätzen. Zum Beispiel „Henriette Bimmelbahn“ oder „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“. Die Bücher sollten nur wenig Text und eine leicht erkennbare oder vorhersehbare Handlung zeigen.
  • 4-Jährige haben Redebedarf. Höre ihm geduldig zu, wenn es eine Geschichte erzählt.
  • Dein Kind interessiert sich in diesem Alter für Themen wie Märchen, Tiere, seinen Körper, Dinosaurier, Fahrzeuge und so weiter. Die Liste ist endlos. Biete zu den Interessensgebieten passende Aktivitäten an.
  • Lass dein Kind alles anfassen. Denn: Was sie anfassen, können sie leichter begreifen. Dabei stehen nicht Stift und Papier im Vordergrund sondern Matsch, Stein, Schnecke und Stock.
  • Übe mit ihm das Erkennen und Benennen von Farben im Alltag. Belasse es zunächst bei den einfachen Farben wie rot, gelb, grün, orange und blau. Dann kannst du lila, hellblau oder türkis hinzufügen. Zum Beispiel indem du sagst: „Hole deine blauen Gummistiefel“.
  • Zähle Dinge, zum Beispiel beim Zuknöpfen der Jacke: „1, 2, 3, 4, 5 … 5 Knöpfe!“
  • Sortiere mit ihm alle Lastwagen, alle Autos, alle Trecker oder alle runden und alle eckigen Dinge.
  • Lege Spielsachen in wiederholenden Mustern zurecht, fordere dein Kind auf das Muster zu vervollständigen: eine Murmel, ein eckiger Klotz, eine Murmel, ein eckiger Klotz … was kommt jetzt?
Kinder entwickeln sich individuell!

Diese Entwicklungsschritte und Fähigkeiten beziehen sich auf ein Durchschnittsalter. Welche Entwicklungen 4-Jährige machen, ist keine genaue Wissenschaft – Kinder wachsen und entwickeln sich unterschiedlich. Dein Kind 4 Jahre alt und noch nicht bereit für das erste Fahrrad? Seine Sätze sind fünf Wörter statt zehn Wörtern lang? Das ist kein Weltuntergang.

Quellen

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