Dein Kind hat sich den Finger eingeklemmt: So reagierst du richtig

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
Kind klemmt Finger an Autotür ein
Es ist schnell passiert: eingeklemmte Finger sind für Kinder oft sehr schmerzhaft
© Bigstock / mitsuap

Kurz nicht aufgepasst und schon ist es passiert: Die Tür schlägt zu und die kleinen Fingerchen sind noch dazwischen. Das kann nicht nur sehr schmerzhaft sein, sondern womöglich auch eine ernsthafte Verletzung verursachen. Jetzt ist schnelles Handeln gefragt! Wir erklären dir, wie du richtig Erste Hilfe leistest, wann ein gequetschter Kinderfinger ein Fall für den Arzt ist und wie du Unfällen dieser Art am besten vorbeugen kannst.

Gequetschte Finger sind typische Verletzungen bei Kindern

Quetschwunden stehen im Familienleben fast schon auf der Tagesordnung. Sie stellen bei Kindern die häufigste Verletzung der Hände dar. Gefahrenquellen lauern überall. Im Kleinkind- und Vorschulalter werden die Finger und insbesondere die Fingerkuppen in Türen, Schubladen und Scharnieren eingeklemmt. Die Größeren quetschen sich häufiger die Finger am Skateboard oder beim Bowling.

Schmerzen, Schwellungen, blauer Fingernagel

Wer sich selbst schon einmal die Finger eingeklemmt hat, weiß: Es kann höllisch weh tun. Denn in den Fingern befinden sich viele Nerven. Deshalb sind sie äußerst schmerzempfindlich. Zudem sind die filigranen Knochen in der Kinderhand nahezu ungeschützt, da sie nur wenig Gewebe umgibt.

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Die Finger sind sehr gut durchblutet und schwellen daher bei einer Quetschung schnell an. Oft macht sich zusätzlich ein heftiges Pochen in der Fingerkuppe bemerkbar. Auch der Nagel kann in Mitleidenschaft gezogen werden und blau anlaufen, wenn sich darunter ein Bluterguss entwickelt.

Erste Hilfe bei gequetschten Fingern

Vermutlich wird dein Kind lauthals schreien oder weinen, wenn es sich die Finger geklemmt hat. Und auch wenn du selbst bestimmt einen gehörigen Schrecken bekommen hast, gilt es jetzt unbedingt Ruhe zu bewahren und dem kleinen Patienten Sicherheit zu vermitteln.

  • Beruhigende Worte und eine vorsichtige Umarmung helfen, damit dein Kind die Angst verliert und du die Verletzung begutachten kannst.
  • Bei Schwellungen empfiehlt es sich, die betroffene Stelle zu kühlen. Halte die verletzten Finger ca. fünf Minuten unter fließend kaltes Wasser. Das verhindert, dass die Finger zu stark anschwellen und lindert den Schmerz.
  • Bitte dein Kind anschließend, die Hand hochzuhalten und lege ihm einen kalten Umschlag an. Dafür eignet sich z.B. ein Coolpad, das du zuvor mit einem Handtuch umwickelt hast, damit es nicht direkt auf der Haut liegt.

Bei leichten Quetschungen reichen diese Maßnahmen im Allgemeinen aus, dass die Schwellung zurückgeht und kleinere Blutergüsse innerhalb weniger Tage verschwinden.

Was Eltern bei Quetschwunden auf keinen Fall machen dürfen

Wenn die Blutgefäße in der Fingerkuppe verletzt wurden, staut sich das Blut und kann den Fingernagel leicht anheben. Dadurch besteht die Gefahr, dass er sich ablöst. Eltern sind dann manchmal versucht, ein Loch in den Nagel zu stechen, damit das Blut entweichen kann.

Eine solche Nagel-Trepanation sollte jedoch immer vom Arzt durchgeführt werden. Sie darf nur unter sterilen Bedingungen erfolgen, andernfalls kann es zu Entzündungen im Gewebe kommen.

Wann zum Arzt bei eingeklemmten Fingern?

Leider verläuft es manchmal nicht ganz so glimpflich und das Kind zieht sich eine ernsthafte Verletzung am Finger zu.

Unbedingt zum Arzt – oder besser noch in die nächstgelegene Notaufnahme – solltet ihr

  • bei einer unnatürlichen Stellung der Finger
  • wenn sich der Nagel oder der komplette Finger blau verfärbt
  • bei länger anhaltenden und sehr starken Schmerzen
  • wenn – auch erst Tage später – Fieber auftritt. Das kann ein Anzeichen für eine Entzündung sein.

Mit Babys oder Kleinkindern unter zwei Jahren empfiehlt es sich ohnehin, selbst bei vermeintlich harmlosen Verletzungen einen Arzt aufzusuchen.

Was macht der Arzt bei Quetschwunden am Kinderfinger?

Der Arzt wird sich zunächst den Unfallhergang berichten lassen und schaut sich dann die Hand genau an bzw. versucht durch behutsames Tasten zu ermitteln, wo und welche Verletzungen vorliegen.

Kleinkinder werden gebeten, eine Faust zu machen und die Finger wieder zu öffnen, bei größeren Kindern sind gezieltere Funktionstests möglich. Bei Hinweisen auf eine Fraktur erfolgt eine Röntgenuntersuchung.

Welche Behandlungsschritte erforderlich sind, ergibt sich aus dem Befund. Kleinere Frakturen in der Fingerspitze heilen im Allgemeinen von selbst gut aus, eventuell wird eine Schiene angelegt.

Ist der Nagel stark geschädigt und kann durch eine Trepanation nicht gerettet werden, muss er ggfs. entfernt werden. Anschließend wird die Wunde vernäht und der alte Nagel oder ein Kunstnagel eingesetzt.

Quetschungen an Kinderhänden vermeiden

Am besten ist, es kommt erst gar nicht zu eingeklemmten Fingern. Einen hundertprozentigen Schutz gibt es zwar nicht, mit folgenden Maßnahmen lässt sich das Risiko von Quetschverletzungen aber deutlich verringern:

  • Erkläre deinem Kind mit einfachen Worten, wie Türen funktionieren und wie es sich verhalten soll, damit es sich nicht die Finger klemmt.
  • Bei Kleinkindern empfiehlt sich ein Klemmschutz an Türen, Fenstern und Schubladen. Alternativ kann man auch ein kleines Stück Schaumstoff an Scharnieren anbringen oder ein Geschirrtuch um beide Türklinken schlingen und verknoten.
  • Bevor du die Autotür schließt, kontrolliere immer, dass sich dein Kind nicht am Rahmen festhält.
  • Achte bei der Anschaffung von Kinderbett, Hochstuhl und anderen Einrichtungsgegenständen darauf, dass es keine Ritzen gibt, in denen die Finger eingeklemmt werden können.

Quellen

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Die hier gegebenen Ratschläge und Informationen ersetzen in keinem Fall die medizinische Betreuung durch qualifiziertes Fachpersonal. Bitte kontaktiere immer deinen Kinderarzt oder deine Kinderärztin für eine professionelle Diagnose und Behandlung.