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Frustrationstoleranz bei Kindern steigern: Lernen, mit Ärger umzugehen

In ihren ersten Lebensjahren entdecken Kinder ihre Welt und sich selbst – inklusive vieler Gefühlepositive wie negative. Vor allem der richtige Umgang mit Wut, Ärger und Frust ist ein schwieriger Lernprozess. So kannst du dein Kind dabei unterstützen 

© Unsplash / Vance Osterhout

Wie sie mit Frust umgehen, müssen Kinder erst lernen

Mit der Trotzphase erproben Kleinkinder ihren eigenen Willen. Dass der aber nicht bedeutet, dass alle Wünsche immer und sofort erfüllt werden, ist dabei ein wichtiger Lernprozess. Geduld haben: ein großer Schritt hin zu einer gesunden Frustrationstoleranz. Bei Kindern steigern sich negative Gefühle manchmal aber schnell und platzen in einem Wutanfall aus den Kleinen heraus. Da ist dann auch von uns Eltern Geduld gefragt. Zum Beispiel, wenn beim gemeinsamem Mensch-Ärger-Dich-Nicht spielen das gesamte Spielbrett abgeräumt wird, wenn der Papa die eigene Spielfigur wieder an den Anfang setzt.

Aber was bedeutet Frustrationstoleranz bei Kindern?

Auch wenn es schwerfällt: Es ist falsch, Kinder vor solchen negativen Gefühlen bewahren zu wollen. Da muss das Kind durch. Dieser Entwicklungsprozess ist wichtig und Kinder sollten vor der Einschulung gelernt haben, Enttäuschungen zu verkraften und Rückschläge hinzunehmen. 

Jedes Kind hat eine andere Frustrationstoleranz

Mit Frust und Enttäuschung umzugehen, ist für alle Kinder eine Herausforderung. Aber auch charakterliche Unterschiede spielen eine Rolle. Die einen Kinder kommen mit dieser Art der Stressbewältigung besser klar, anderen benötigen mehr Unterstützung, um mit ihren starken Gefühlen umzugehen.

Ob dein Kind eine niedrige Frustrationstoleranz hat, kannst du vor allem in Alltagssituationen sehen: beim Einkaufen, im Spiel mit anderen Kindern oder wenn es vor neuen Herausforderungen steht.

Typisches Beispiel für eine niedrige Frustrationstoleranz bei Kindern 

  • Gespräche werden unterbrochen
    Während du telefonierst oder mit einer anderen Person sprichst, unterbricht dich dein Kind immer wieder.
  • Beim Einkaufen kommt es zu Problemen
    Dein Kind entdeckt beim gemeinsamen Einkaufen eine Süßigkeit, welche es unbedingt haben möchte. Du kaufst sie aber nicht. Dein Kind reagiert mit motzen und weinen. Es versucht, dich zum Kauf zu bewegen, indem es diskutiert oder den Einkauf boykottiert.  
  • Konflikte mit Gleichaltrigen
    Beim gemeinsamen Spielen ist es häufig zu beobachten, dass Kinder mit einer niedrigen Frustrationstoleranz schnell trotzig reagieren, sobald es nicht nach ihren Wünschen läuft. Für sie ist die Nichterfüllung ihrer Bedürfnisse etwas Hochemotionales, womit sie nicht umgehen können. 
  • Verlieren führt zu großen Gefühlsausbrüchen 
    Mit einer Niederlage umzugehen, ist selbst für Erwachsene keine einfach Sache. Wenn ein Kind mit niedriger Frustrationstoleranz beispielsweise bei einem sportlichen Wettkampf verliert, kann es nur schwer damit umgehen. Teilweise möchte diese Kinder die Sportart dann aufgeben.
  • schnelles Aufgeben
    Gerade bei den Hausaufgaben ist es häufig zu beobachten, dass Kinder mit einer geringen Frustrationstoleranz dazu neigen aufzugeben. Sobald sie eine Aufgabe nicht verstehen, weigern sie sich sie weiter zu bearbeiten.

Mögliche Strategien: Frustrationstoleranz bei Kindern stärken

Spätestens in der Schule ecken Kinder mit einer niedriger Frustrationstoleranz oft an. Sie reden dazwischen, reagieren nicht auf Ermahnungen der Lehrer und haben Probleme mit Benotungen. Um dem vorzubeugen, kannst du verschiedene Strategien nutzen, um schon früh die Frustrationstoleranz bei Kindern zu stärken.

Nicht zu viel loben

Kinder zu loben ist natürlich nicht falsch. Aber du solltest es richtig machen. Lob ist dann gut, wenn dein Kind aktiv etwas dazu beigetragen hat. Lobst du zum Beispiel dein Kind häufig für seine Intelligenz, kann es bei einer schlechten Note nur schwer damit umgehen, im schlimmsten Fall kann das zu Versagensängsten führen. Wenn dein Kind hingegen Lob für sein eigenes Zutun, also beispielsweise Fleiß, bekommt, lernt es für den eigenen Erfolg auch selbst verantwortlich zu sein.

Nicht jeden Wunsch sofort erfüllen

Nörgeleien nerven. Manche Eltern geben dann zu schnell nach, um die Harmonie der Familie nicht zu gefährden. Jedoch wirkt sich das langfristig auf das Verhalten der Kinder aus. Kinder mit einer niedrige Frustrationstoleranz sind oft ungeduldig. Sie haben nie gelernt, warten zu müssen. Sie haben gelernt, nur lange genug nörgeln zu müssen um das zu bekommen, was sie möchten. Lass dein Kind daher auch einmal warten. Wichtig ist dabei, ihm zu erklären warum es jetzt warten muss. Das Allerwichtigste hierbei ist – bleib konsequent.

Lass dein Kind Fehler machen

Bringe dein Kind bewusst in Situationen, die es fordern und daran vielleicht sogar scheitern. Lasse es an Aufgaben grübeln und selbstständig neue Lösungswege finden. Für ein gutes Selbstbewusstsein ist es nötig, Dinge alleine herauszufinden und aus Eigeninitiative Lösungen zu finden. Das kann zu Anfang auch sehr anstrengend für Kind und Eltern sein, denn Durchhaltevermögen und Konfliktmanagement, lässt sich nur schrittweise erarbeiten.

Quellen