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Frustrationstoleranz – Wie Kinder lernen, mit Ärger umzugehen

Der Umgang mit Wut, Ärger und Frust ist für Kinder ein schwieriger Lernprozess: So unterstützt du ihn. 

geprüft und ergänzt von Katharina Meier-Batrakow, Psychologin

© Unsplash / Vance Osterhout

Mit Frust umgehen will gelernt sein

Mit der Autonomiephase (bekannt als „Trotzphase“) entwickeln Kinder ein „Ich-Bewusstsein“ und somit eigene Ziele und Wünsche. Andererseits merken sie, dass andere Menschen nicht immer bereit, sind diese Wünsche zu erfüllen.

Das Kind muss kurz warten, Kompromisse schließen oder gar damit umgehen, seine Ziele nicht durchsetzen zu können. Ein wichtiger Lernprozess besteht also darin den hierbei entstehenden Frust auszuhalten und zu bewältigen.

Kleinkinder besitzen aber noch nicht die nötige kognitive Reife, ihre Emotionen zu regulieren. Es fehlen ihnen zudem Strategien, mit solchen starken Gefühlen umzugehen.

Die Folge: Wut und Frust steigern sich manchmal rasant und platzen förmlich heraus. Dies bezeichnen wir dann als „Wut- oder Trotzanfall“. An dieser Stelle brauchen dann auch wir Eltern Geduld und Frustrationstoleranz.

Was bedeutet Frustrationstoleranz?

Auch wenn schwerfällt und manchmal kaum auzuhalten scheint: Es ist nicht nötig, Kinder vor unangenehmen Gefühlen wie Wut, Ärger und Trauer bewahren zu wollen, denn diese sind wichtige Lernerfahrungen.

Frustrationstoleranz gehört zum Leben dazu, denn es bedeutet altersangemessen mit Frust, Enttäuschungen und Rückschlägen umgehen zu können.

Kleinkinder haben eine geringe Frustrationstoleranz – das ist normal und entspricht ihrem Entwicklungsstand. Im Lauf der Kindheit und Pubertät steigert sich diese Fähigkeit. Das Kind kann mit immer mehr Situationen und Gefühlen umgehen, je mehr die kognitive Reifung in Verbindung mit der Lernerfahrung vorangeht.

„Man kann nicht pauschal sagen, dass diese (Entwicklung) bis zum Schulalter abgeschlossen oder erworben ist, weil sich das Gehirn weiterentwickelt – und selbst in der Pubertät noch nicht abgeschlossen ist. Man denke nur an ein wütendes pubertierendes Kind.“ (K .Meier-Batrakow, Psychologin)

Jedes Kind hat eine individuelle Frustrationstoleranz

Mit Frust und Enttäuschung umzugehen, ist für alle Kinder eine Herausforderung. Aber auch charakterliche Unterschiede spielen eine Rolle. Die einen Kinder kommen mit dieser Art der Emotionsbewältigung besser klar, andere benötigen mehr Unterstützung, um mit ihren Gefühlen umzugehen.

Beispiele für eine niedrige Frustrationstoleranz bei Vorschul- und Schulkindern

  • Nicht-Warten-Können während Gesprächen und Telefonaten
  • Beim Spielen starke Gefühlsausbrüche, wenn man auf Regeln hinweist oder das Kind verliert
  • Schnelleres Aufgeben, wenn etwas nicht sofort klappt.
  • Heftige Reaktion auf Ablehnung eines Wunsches oder Durchsetzen einer zuvor abgesprochenen Regel.
  • Übermäßig starke Reaktion auf empfundene Ungerechtigkeiten
  • Aufgaben die unangenehm scheinen oder mit Misserfolg in Verbindung stehen werden aufgeschoben oder gemieden.(Hausaufgaben)
  • Konflikte mit Gleichaltrigen: schnell übermäßig ärgerliche, wütende oder beleidigte Reaktionen auf Konflikte mit Gleichaltrigen.

Frustrationstoleranz bei Kindern stärken

Spätestens in der Schule fallen Kinder mit einer niedriger Frustrationstoleranz auf. Dies macht sich möglicherweise darin bemerkbar, dass sie unaufmerksam werden, Schwierigkeiten mit Bewertungen haben und bei Gleichaltrigen anecken.

Um dem vorzubeugen oder die Kinder bei Bedarf zu fördern, kannst du verschiedene Möglichkeiten in Betracht ziehen. Bitte beachte, dass alle Kinder verschieden sind und einige daher mehr und andere weniger Unterstützung bei der Emotionsregulation benötigen.

  • Angemessen loben

Kinder zu loben ist natürlich nicht falsch. Aber es ist auch nicht permanent nötig. Kinder haben von sich aus den Wunsch, Dinge zu lernen und zu entdecken – eine innere Motivation

Lobst du dein Kind permanent, ist es auf ein ständiges Feedback von dir angewiesen und verliert dahinter seine eigene, innere Motivation. Auch ist es schwierig für Kinder mit Misserfolgen umzugehen, wenn es das Gefühl hat ständig Lob zu brauchen.

Wenn du etwas wirklich wertschätzen möchtest, dann freue dich mit ihm und zeige deine Anerkennung durch Zuwendung und Interesse.

  • Unterscheide Wünsche von Bedürfnissen

Bedürfnisse wie Nahrung, Sicherheit, Bindung, Schlaf sich überlebensnotwendig.

Wünsche dagegen sind Möglichkeiten diese Bedürfnisse zu erfüllen.

Frage dich also bei einem Wunsch deines Kindes, welches Bedürfnis eigentlich dahinter steht und ob du genau diesen Wunsch erfüllen musst. Wenn du dich entschieden hast, dass dieser Wunsch nicht erfüllt werden kann z.B. weil ihr kein neues Spielzeug mehr braucht, dann solltest du das gegenüber deinem Kind vertreten und den entstehenden Frust begleiten.

Auch ist es bei älteren Kinder nicht immer nötig, Wünsche sofort zu erfüllen z.B. ist es vollkommen in Ordnung zu erst zu Ende zu duschen, wenn dein Kind vor dem Badezimmer steht und nach einem Eis fragt.

„Ich würde nicht empfehlen das Kind absichtlich warten zu lassen. Wartesituationen ergeben sich im Alltag ohne dass man sie provoziert. Man muss dann nur eben dazu stehen, dass das Kind mal eben warten muss – auch wenn es ärgerlich ist.“ (K .Meier-Batrakow, Psychologin)

  • Fehler und Misserfolge sind in Ordnung

Wenn dein Kind in eine Situation gerät, die es fordert, greife nicht vorschnell ein und erledige die Aufgaben für dein Kind, bevor es dich überhaupt um Hilfe bittet. Für eine gute Selbstwirksamkeit ist es wichtig, dass Kinder das Gefühl haben etwas selbst zu schaffen.

Bei Scheitern oder Misserfolgen werte dein Kind nicht ab oder beschäme es nicht, sondern sei einfach da und zeige ihm wie man mit Frust und Ärger umgehen könnte.

  • Vorbild sein

Kinder lernen am Modell und wir als Eltern sind wichtige Vorbilder für die Emotionsregulation. Frage dich also, wie du im Alltag mit Frust umgehst und was sich die Kinder davon abschauen könnten. Wenn du dich ärgerst, dann sprich mal laut deine Gedanken aus. So sieht dein Kind,  wie du damit umgehst

Zum Beispiel: Man, ich bin so sauer, dass mir der Teller runter gefallen ist. Ich würde am liebsten mit den Füßen auf dem Boden stampfen so sauer bin ich. Ich zähle jetzt langsam bis  10 und dann wird mein Ärger weniger sein.

Quellen