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1,2,3 der Morgenkreis ist nun vorbei. Aber wie lange noch?

Es ist 6:25 Uhr, kurz bevor normalerweise der Wecker klingelt werde ich durch einen Fuß in meinem Gesicht geweckt. Abgesehen von der gewohnten Uhrzeit, zu der unser Sohn auch heute wieder wach wird, ist leider gerade nichts normal.  

© Bigstock/ scaliger

Corona-Ferien sind keine Ferien 

Wir befinden uns in Woche sechs der sogenannten Corona Ferien. Durch die zwei Wochen Ferien, die wir in Hamburg davor hatten, sind es bereits zwei Monate in denen unsere drei Kinder weder Schule noch Kita besuchen können. Und langsam verstehen wir wohl alle, warum der Absatz von Alkohol gerade massiv steigt. Nein, jetzt Mal ehrlich. Wir wollen hier nichts schön trinken. Aber der Spagat zwischen beruflichen Verpflichtungen und der Familie ist ja schon in normalen Zeiten Herausforderung genug.  

Drei Jobs an einem Tag: Zum Glück soll es Lohnersatzleistungen geben 

Nun sollen wir neben Homeoffice und HomeSchooling auch noch für HomeEntertainment der Kleinsten sorgen. Wie soll das parallel funktionieren? Genau. Gar nicht! Umso erfreulicher ist es, dass endlich über das Thema Verdienstausfall durch Kitaschließung gesprochen wird. Eltern, die durch die fehlenden Betreuungsangebote nicht ihrer Erwerbstätigkeit nachgehen können, stehen nun Lohnersatzleistungen zu!

Das wird vielen Familien helfen und wir können uns endlich unbeschwerter auf unsere Kinder konzentrieren. Denn auch die haben ihre Sorgen und Ängste. Sie dürfen ihre Freunde nicht mehr treffen. Sehen abgesperrte Spielplätze. Menschen mit Masken über Mund und Nase. Und die Großen reden immer wieder von diesem Virus, der so gefährlich sein soll. So gefährlich, dass sie nicht mal mehr Oma und Opa besuchen dürfen. Dabei kann man diesen Corona, wie unsere Tochter ihn nennt, nicht mal sehen, so winzig klein ist er. Und so groß sind seine Auswirkungen auf unseren Alltag.  

Was ist schon normal? 

Er bringt die sogenannte neue Normalität. Ein Zustand, dem wir uns anpassen müssen, im Wohle aller, den ich aber keineswegs als normal bezeichnen möchte. Schon meinen Kindern zuliebe, die bereits Pläne schmieden, was sie alles nach Corona machen wollen. Zum Glück ist ihr Zeitgefühl noch nicht so ausgeprägt. Meins übrigens auch nicht mehr. Es spielt gerade keine Rolle mehr, ob Montag oder Freitag ist. Oder doch? Was macht den Alltag aus? Was vermissen wir plötzlich, obwohl wir uns vorher oft darin gefangen gefühlt haben?  

Struktur hilft uns durch den Alltag 

Kinder brauchen Routine. Und wir Erwachsenen scheinbar auch. Oder die Fähigkeit uns selbst zu motivieren. Daher haben wir uns nun vorgenommen nicht mehr zu jammern. Denn letztlich sind unsere Kinder ein Spiegel unserer selbst. Wenn wir ohne Elan in den Tag starten, traurig über die aktuelle Situation sind, oder uns jede Kleinigkeit reizt, wie können wir da von unseren Kindern etwas anderes erwarten? Keine bahnbrechende Erkenntnis, aber sie hat mir geholfen. Und ich beginne nun damit wieder Struktur in unsere Woche zu bekommen.  

Der Wecker geht nun wieder täglich um 6.30h. Wir haben schließlich einiges vor. Wir gehen in den Wald und bauen ein Tipi. Balancieren auf Baumstämmen. Bemalen Steine. Pflanzen Blumen ein. Und genießen gemeinsam jeden Sonnenstrahl auf unserer Haut. Denn den Frühling kann uns keiner nehmen! Und da die Kinder nicht zum Morgenkreis können, kommt der Morgenkreis nun zu uns. Virtuell per VideoChat! Und wenn ich am Abend erschöpft aber glücklich vom Tag aufs Sofa falle, gönne ich mir ein Glas Wein. Manchmal auch zwei. In diesem Sinne: Prost & bleibt gesund!