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Gehirnerschütterung bei Babys und Kindern: Symptome rechtzeitig erkennen

vonConnie Gräf-Adams | freie Autorin
Kind hält sich die Augen zu.
Gehirnerschütterung: Symptome bei Kindern erkennen
©Unsplash/ Annie Spratt

Kleine Unfälle stehen im Kindesalter leider auf der Tagesordnung. Bei jeder zweiten Unfallverletzung ist der Kopf beteiligt. Neben harmlosen Beulen kann es dabei auch zu einer Gehirnerschütterung kommen. Die Symptome solltest du daher erkennen können.

Warum verletzen sich Kinder häufiger am Kopf?

Bei einem Sturz fliegt der schwerste Körperteil immer voraus. Während das Gewicht vom Kopf bei Erwachsenen etwa ein Dreißigstel des Körpergewichts beträgt, macht es bei Säuglingen ein Drittel und im Kleinkindalter etwa ein Sechstel des Gesamtgewichts aus. Zudem ist der Reflex, einen Sturz mit den Armen abzufangen, noch nicht vollständig ausgeprägt. Die Reaktionszeit ist beim Kleinkind deutlich länger als bei Erwachsenen.

Eine Gehirnerschütterung kann jedoch nicht nur infolge eines Sturzes auftreten, sondern auch von häufigen Stößen und Erschütterungen des Kopfes, z.B. beim Sporttraining, verursacht werden.

Wie erkenne ich eine Gehirnerschütterung bei Baby und Kleinkind?

Bei einem Sturz auf den Kopf sind Eltern zu Recht besorgt, ob sich das Kind ernsthaft verletzt haben könnte. Im Gegensatz zu Prellungen und Platzwunden gibt es bei einer Gehirnerschütterung keine äußerlich sichtbaren Merkmale. Gerade bei den Kleinsten, die Beschwerden nicht verbal äußern können, kann es deshalb schwierig sein, eine Gehirnerschütterung zu erkennen.

Ein Gedächtnisverlust ist ein typisches Symptom einer Gehirnerschütterung. Das Kind erinnert sich hinterher nicht mehr daran, was unmittelbar vor dem Unfall passiert ist. Außerdem kann es zu Bewusstlosigkeit kommen, die einige Sekunden bis 15 Minuten anhalten kann.

Babys und Kleinkinder schreien oft über einen längeren Zeitraum. Häufige Begleitsymptome sind zudem

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Schwindel
  • Kopf- und Nackenschmerzen (bei sehr kleinen Kindern erkennbar an ungewohnter Weinerlichkeit und Unruhe bzw. einer ungewöhnlichen Kopfhaltung)
  • starke Blässe und ungleich große Pupillen
  • Verwirrtheit und auffallende Schläfrigkeit
  • Gang- und Sprachstörungen

Wichtig bei einem Sturz auf den Kopf ist, das Kind genau zu beobachten. Nicht nur unmittelbar nach dem Unfall, sondern in den kommenden 48 Stunden. Die Symptome können noch nach etlichen Stunden auftreten. Ärzte empfehlen deshalb, den kleinen Patienten in den ersten beiden Nächten nach dem Unfall mehrmals kurz aufzuwecken und darauf zu achten, ob es Mama oder Papa erkennt und auf die Störung in erwarteter Form reagiert.

Wann muss man beim Sturz auf den Kopf mit dem Kind zum Arzt?

Ist ein Baby beispielsweise nach einem Sturz von der Wickelkommode oder aus dem Bett auf den Kopf gefallen, sollte man grundsätzlich sofort einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. Das gilt auch, wenn es bei Kindern jeden Alters zu einer Bewusstlosigkeit gekommen ist.

Sofort den Notarzt rufen sollte man zudem bei folgenden Warnzeichen:

  • Länger als fünf Minuten dauernde Bewusstlosigkeit
  • Anhaltendes Weinen oder Wimmern mit zunehmender Teilnahmslosigkeit und auffallender Schläfrigkeit
  • Mehrmaliges und anhaltendes Erbrechen
  • Auffallende Blässe, starkes Frieren, beschleunigte Atmung
  • Krämpfe und unkoordinierte Bewegungen
  • Sprachstörungen (Lallen, verwaschene Sprache)
  • Austritt von Blut oder wässriger Flüssigkeit aus Ohren oder Nase
: wichtig

Bei diesen Anzeichen sofort zum Arzt!

Ist eine Gehirnerschütterung bei Kindern gefährlich?

Im Allgemeinen heilt eine Gehirnerschütterung ohne Folgen aus. Betroffene sind im Falle einer leichten Gehirnerschütterung nach einigen Tagen weitgehend beschwerdefrei. Handelt es sich um eine schwere Gehirnerschütterung, können Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben.

Gefährlich kann es werden, wenn die Gewalteinwirkung auf den Kopf eine Hirnblutung verursacht hat. Derartige innere Blutungen sind jedoch bei typischen Stürzen im Haushalt nicht zu befürchten, sondern können bei Stürzen aus größerer Höhe oder Fahrradunfällen ohne schützenden Helm auftreten.

Wie wird eine Gehirnerschütterung behandelt?

Bei einer Gehirnerschütterung kommt keine spezielle Therapie zur Anwendung. Bei Kopfschmerzen oder anhaltender Übelkeit kann in Absprache mit dem Arzt ein auf die Beschwerden abgestimmtes Medikament gegeben werden. Erbricht das Kind mehrmals, ist darauf zu achten, den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, zum Beispiel mit leichten Fruchtschorlen.

Das Wichtigste ist, dass der kleine Patient mehrere Tage Bettruhe einhält. Von Fernsehen und Spielen am Smartphone oder Computer ist in den ersten zwei bis drei Tagen abzusehen. Studien haben ergeben, dass bei Bildschirmabstinenz eine schnellere Genesung eintritt. Ärzte raten zudem, dem Kind in den nächsten Wochen und Monaten bei Sonne immer eine Mütze aufzusetzen, um Kopfschmerzen vorzubeugen.

Wie schnell das Kind wieder fit ist, hängt vom Einzelfall ab. Vorsichtshalber sollte man das Kita-Personal über den Sturz informieren, damit bei etwaigen Verhaltensauffälligkeiten adäquat reagiert wird.

Wie lange sollte das Kind nach einer Gehirnerschütterung beim Sport pausieren?

Früher ging man davon aus, dass körperliche Bewegung erst wieder bei völliger Symptomfreiheit erlaubt sei. Eine großangelegte kanadische Beobachtungsstudie kommt inzwischen aber zu dem Ergebnis, dass sich leichte körperliche Aktivitäten wie Spazierengehen, Radfahren und Schwimmen in der ersten Woche nach dem Unfall positiv auf den Genesungsprozess auswirken können – sofern sich das Kind bewegen will. Man vermutet, dass die Bewegung den Blutfluss im Gehirn verbessert und die Heilung unterstützt. Zudem könnte es das allgemeine Wohlbefinden steigern, wenn sich der „Stubenarrest“ nicht über einen längeren Zeitraum erstreckt.

Bis junge Sportler wieder voll ins Training einsteigen können, sollten nach Expertenmeinung aber mindestens 23 Tage vergehen. Die längere Schonfrist als bei Erwachsenen ist angeraten, da sich die Nervenzellen bei Kindern und Jugendlichen langsamer erholen. Um Komplikationen zu vermeiden, sollte vor allem bei Sportarten wie z.B. Fußball, bei denen ein erhöhtes Risiko für Erschütterungen des Kopfes besteht, eine stufenweise Rückkehr zu den gewohnten Aktivitäten erfolgen.

Quellen

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