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Hochsensible Kinder – was sie besonders macht und wie du sie unterstützen kannst

Besonders feinfühlige Kinder werden oft als „Sensibelchen“ abgestempelt. Vielleicht sind sie aber auch einfach hochsensibel. Lies hier, was hochsensible Kinder von anderen unterscheidet und wie du dein hochsensibles Kind am besten unterstützen kannst.

Hochsensible Kinder brauchen manchmal nur ein bisschen mehr Unterstützung!
Hochsensible Kinder brauchen manchmal nur ein bisschen mehr Unterstützung!
© Pixabay/ debowscyfoto

Hochsensible Kinder – was sie so besonders macht

Ganz einfach erklärt nehmen hochsensible Kinder ihre Umgebung intensiver wahr als andere. Deswegen werden hochsensible Menschen auch oft als „Feinfühler“ und „Vielfühler“ bezeichnet. Das bedeutet konkret, dass ein hochsensibles Kind von einem positiven Umfeld stark profitieren können. „Wenn die Eltern sich oft streiten […] kämpfen die Kinder eher mit Depressionen, psychosomatischen oder stressbedingten Krankheiten“, erklärt die Psychologin Elaine Aron gegenüber dem Nachrichtenmagazin Welt. Aron schrieb vor mehr als 20 Jahren das Buch „Sind Sie hochsensibel?“ und gilt als eine Expertin zum Thema. Im Interview betont sie, dass Hochsensibilität keine Krankheit ist, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal.

Hochsensible Kinder reagieren stärker auf bestimmte Reize wie Licht, Geräusche oder Gerüche. Manchmal brauchen sie auch länger, um diese Eindrücke zu verarbeiten.

Ist mein Kind hochsensibel? Woran erkenne ich das?

Da Hochsensibilität keine Krankheit, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal ist, gibt es keine 100% eindeutige Diagnose. Eltern, die vermuten, dass sie hochsensible Kinder haben, suchen deshalb oft in Büchern oder im Internet nach einer klaren Antwort. Und fündig werden sie da sicherlich. Es gibt zahlreiche Test, die versuchen, Hochsensibilität bei Kindern zu diagnostizieren. Jedoch kann auch keiner dieser Tests ein eindeutiges Ergebnis liefern. Weil es so viele verschiedene Facetten der Hochsensibilität bei Kindern gibt, dienen diese Tests eher als Orientierungshilfe.

In ihrem Buch „Das hochsensible Kind: Wie sie auf die besonderen Schwächen und Bedürfnisse ihres Kindes eingehen“ stellt Elaine Aron für Eltern eine Liste mit 23 Aussagen über ihr Kind bereit. Werden 13 oder mehr Aussagen mit Ja beantwortet, handelt es sich laut Aron höchstwahrscheinlich um hochsensible Kinder.

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Im Folgenden findest du eine kleine Auswahl an Aussagen aus dem Test:

Mein Kind…

  • …erschrickt leicht.
  • …erzielt die besten Leistungen, wenn keine Fremden dabei sind.
  • …bevorzugt leise Spiele.
  • …ist geruchsempfindlich, sogar bei schwachen Gerüchen.
  • …denkt über mögliche Gefahren nach, bevor es Risikos eingeht.
  • …scheint meine Gedanken lesen zu können.

Aron weist in ihrem Buch aber auch darauf hin, dass „kein Psychologischer Test […] so genau [ist], dass Sie ihre Erziehung allein an diesem Ergebnis ausrichten können.“ Das heißt, auch wenn du fast alle Fragen im Test mit Nein beantwortest, könnest du hochsensible Kinder haben. Und, auch, wenn du alle Fragen mit Ja beantwortest, muss dein Kind nicht unbedingt hochsensibel sein.

In einem Infoblatt des Informations- und Forschungsverbunds Hochsensibilität e.V. werden auch einige Eigenschaften von hochsensiblen Kindern aufgelistet. Zum Beispiel sind hochsensible Kinder eher wenig mit anderen Kindern befreundet, oft gut in kreativen Schulfächern und manchmal unpünktlich oder vergesslich.

Ich glaube mein Kind ist hochsensibel, was nun?

Grundsätzlich ist eine Selbstdiagnose nie ratsam. Deshalb sollten Eltern, die vermuten ein hochsensibles Kind zu haben, sich professionelle Hilfe holen. Viele Psychologen und Ergotherapeuten kennen sich mit Hochsensibilität bei Kindern aus und können Familien helfen.

Tipps für Eltern: so kannst du dein hochsensibles Kind unterstützen

Hier gilt wieder: Hochsensibilität ist keine Krankheit! Hochsensible Kinder entwickelt sich auch ohne spezielle Hilfe total normal. Manchmal kann ihnen ein bisschen Unterstützung aber auch helfen. Hier findest du eine kleine Auswahl an Dingen, die du tun kannst.

#1 Motiviere dein Kind

Laut dem Informations- und Forschungsverbund Hochsensibilität e.V. sind hochsensible Kinder oft sehr „wissensdurstig und hochkonzentriert bei Themen, die das Kind anregen, sonst eher unmotiviert.“ Hier kannst du dein Kind motivieren, indem du ihm die Themen schmackhaft machst und sie mit deinem Kind durchgehst.

#2 Reduziere Reize, wenn dein Kind überfordert ist

Wenn du merkst, dass dein Kind überfordert ist, solltest du die Reize in der Umgebung reduzieren. Das heißt: Musik abschalten, Duftkerze ausblasen oder Raum abdunkeln. Du kannst zum Beispiel eine bestimmte Zone schaffen, in die dein Kind sich zurückziehen kann.

#3 Hilf deinem Kind, seine eigenen Erwartungen zu senken

Ein hochsensibles Kind ist manchmal vergesslich oder unpünktlich. Infolge dessen können hochsensible Kinder manchmal traurig sein, wenn sie ihren eigenen (oder fremden) Erwartungen nicht entsprechen. Das zeigt sich zum Beispiel bei Schulaufgaben aber auch bei positiven Ereignissen wie Geburtstagen. Mache deinem Kind klar, dass du keine Perfektion von ihm erwartest.

#4 Schaffe feste Abläufe

Für ein hochsensibles Kind ist es besonders wichtig, eine gewisse Struktur im Leben zu haben. Ungeregelte Abläufe können dein Kind überfordern. Schaffe also bestimmte Traditionen und feste Abläufe, auf die sich dein Kind verlassen kann. Ein Beispiel ist das Zubettgehen – feste Rituale können dein Kind entlasten. Gleichzeitig solltest du deinem Kind aber genug Freiräume lassen, damit es sich selbst gut entwickeln und Selbständigkeit lernen kann.

#5 Lass dein Kind allein sein, wenn es allein sein will

Hochsensible Kinder können sich sehr gut allein beschäftigen. Manchmal brauchen sie diese allein-Zeit auch, um Erlebnisse zu verarbeiten oder einfach abzuschalten. Deswegen solltest du deinem Kind auch mal Zeit für sich geben. Auf keinen Fall solltest du dein Kind zu Interaktionen zwingen, um es so abzuhärten. Das kann schnell nach hinten losgehen.

 

In unserem Artikel „Ist mein Kind überfordert? Das kannst du bei einer Reizüberflutung tun“ findest du Tipps, was du bei einer Reizüberflutung tun kannst und, wie du sie sogar vorbeugen kannst.

Quellen


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