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„Ich kann das nicht“ – was dein Kind damit wirklich sagen will

„Mama, ich kann das nicht“ – instinktiv willst du jetzt „Natürlich kannst du das, ich glaube an dich“ antworten oder gleich selbst helfen. Aber nimm dir doch mal einen Moment und frage dich, ob das „Ich kann das nicht“ wirklich bedeutet, dass dein Kind etwas nicht kann. Manchmal bedeutet der Satz nämlich etwas ganz anderes.

"Ich kann das nicht" heißt nicht immer, dass dein Kind etwas wirklich nicht kann
"Ich kann das nicht" heißt nicht immer, dass dein Kind etwas wirklich nicht kann
© Unsplash/ @vducdanh

„Ich kann das nicht“ kann verschiedene Bedeutungen haben

Viele Kinder wollen am liebsten ALLES Selbermachen – auch die Sachen, die sie noch nicht können/dürfen. Andere Kinder sind da das komplette Gegenteil. Wenn dein Kind „Ich kann das nicht“ sagt, kann das aber auch eine versteckte Bedeutung haben.

#1 „Ich hab keine Lust, es zu machen!“

Die bei ALLEN Eltern geliebte Trotzphase. Manchmal stellen sich die Kleinen einfach quer. Und seien wir mal ehrlich – „Ich kann das nicht“ ist eine viel bessere Ausrede als „Ich will das nicht!“. Das verstehen auch Kinder irgendwann. Wenn sie sagen, dass sie etwas nicht machen wollen, müssen sie es trotzdem machen. Wenn sie es aber nicht machen können, besteht wenigstens die Möglichkeit, dass sie es auch nicht machen müssen.

Meistens kannst du das trotzige „Ich kann das nicht“ am Tonfall oder der Situation erkennen. Dein Kind kann auf einmal Sachen nicht mehr, die es sonst nur macht, nachdem du es quasi dazu zwingen musst? Vielleicht versucht es dieses Mal nur eine andere Strategie.

#2 „Ich habe Angst, dass ich es nicht kann!“

Ein „Ich kann das nicht“ kann auf ein fehlendes Selbstbewusstsein hinweisen – dein Kind will nicht versagen. Deswegen versucht es gar nicht erst, es zu schaffen. Kinder mit älteren Geschwistern wollen zum Beispiel immer mithalten. Wenn sie etwas aber noch nicht so schnell oder gut schaffen, macht dich schnell Frustration breit. Hier ist es wichtig, dass du deinem Kind klarmachst, dass es auch scheitern darf. Jeder von uns musste so einiges mehrmals versuchen, bevor wir es konnten.

#3 „Ich fühle mich überfordert!“

Vielleicht wird es deinem Kind auch einfach mal zu viel. Ein ganz konkretes Beispiel: Dein Kind baut ein Puzzle für Kinder in seinem Alter. Mit dir hat das Kind das Puzzle schon mehrmals gebaut. „Versuchs doch mal allein!“ – Und auf einmal kann dein Kind dasselbe Puzzle nicht mehr bauen. Vielleicht fühlt sich dein Kind in der Situation einfach überfordert und ist noch nicht bereit, es ganz allein zu machen. Dränge es dann auch nicht dazu.

#4 „Ich denke, dass ich es nicht kann!“

Auch wenn du dir vielleicht ganz sicher bist, dass dein Kind es schon kann – dein Kind sieht das vielleicht anders. Manchmal sind Kinder selbst so überzeugt, dass sie es wirklich nicht können. Hier liegt es dann an dir, deinem Kind zu zeigen, was es eigentlich schon alles kann.

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#5 „Ich will es noch nicht selbst können!“

Älter werden kann ganz schön gruselig für Kinder sein. Irgendwann sind Mama und Papa nicht mehr da, um auszuhelfen. Dein Kind hat vielleicht Angst vorm Älterwerden und versucht deshalb, an seiner Kindheit festzuhalten. In diesem Fall heißt „Ich kann das nicht“ so viel wie „Ich will noch nicht so selbstständig sein“.

#6 „Ich will austesten, wie viel du noch für mich machst!“

Mama und Papa sind immer da und helfen, richtig? Wenn dein Kind verweigert, was es eigentlich schon kann, will es vielleicht nur testen,  ob du nachgibst. Das solltest du aber in diesem Fall nicht. So lernt dein Kind nicht, selbstständig zu sein.

#7 „Ich will Aufmerksamkeit!“

In manchen Situationen kann „Ich kann das nicht“ auch einfach heißen, „Mama, mach du bitte!“. Dein Kleines kann sich eigentlich morgens schon selbst anziehen, besteht aber darauf, dass es plötzlich seine Socken nicht mehr anziehen kann? Vielleicht will dein Kind einfach nur, dass du es tust, um deine Aufmerksamkeit für einen Moment zu haben. Vielleicht vermisst dein Kind eine Routine, die ihr bis vor kurzem hattet. Hier bietet sich an, Kompromisse zu finden – wie: Ihr zieht euch zusammen an und unterhaltet euch.

#8 „Ich kann es WIRKLICH nicht!“

Manchmal heißt „Ich kann das nicht!“ auch wirklich nur „Ich kann das nicht!“ Dein Kind will dir nicht immer irgendeine verstecke Botschaft schicken. Manchmal braucht es auch einfach nur deine Hilfe. Hier gilt: Hilf deinem Kind und genieße es – bald wird dein Kind noch selbstständiger werden und du wirst dir die Momente zurückwünschen, in denen dein Kind deine Hilfe braucht.

Tipps für dich: So gehst du am besten mit einem „Ich kann das nicht“-Kind um

Egal aus welchem Grund dein Kind „Ich kann das nicht“ sagt, es gibt einige Hinweise, die in all diesen Situationen für Eltern hilfreich sein können:

Hilf deinem Kind nicht immer!

Viele Eltern wollen fast schon reflexartig und helfen. Na klar, kein Elternteil will, dass die Kleinen sich abquälen. Immer gleich helfen kann aber dazu führen, dass dein Kind nichts mehr selbst versucht. Sieh es einfach mal so: Wenn du deinem Kind in dieser Situation sofort hilfst, dann stimmst du quasi zu, dass es etwas nicht kann.

Hier kannst du zum Beispiel Hilfestellungen anbieten. Dein Kind „kann“ sein Zimmer nicht aufräumen? Gib ihm klare Anweisungen. „Schmeiß zuerst alle Klamotten in die Wäschetruhe und dann sag ich dir, was dann kommt.“

Fordere dein Kind heraus

Bei manchen Kindern kann es hilfreich sein, wenn du deinem Kind vorher zeigst, dass die Aufgabe wirklich schwer ist. „Oh ja, das ist wirklich eine anspruchsvolle Aufgabe – da brauchst du viel Ausdauer!“ Aussagen wie diese können dein Kind anspornen. Es fühlt sich dann auch noch besser, wenn es die Aufgabe geschafft hat. Im Gegensatz dazu können Sätze wie: „Du kannst das, so schwer ist das nicht“ dein Kind entmutigen, wenn es die Aufgabe als zu schwer empfindet.

In Lernsituationen: Lass dein Kind einen Schritt perfektionieren!

Wenn dein Kind gerade lernt, Schuhe zu binden oder seinen Namen zu schreiben,  solltest du Schritt für Schritt vorgehen. Und dann sollte dein Kind diesen ersten Schritt erstmal gut können. Das heißt: zuerst einen Buchstaben schreiben oder ein Schuhband zum Hasenohr machen. Kinder lernen so am besten – und kleine Erfolge motivieren zusätzlich.

Wenn dein Kind es geschafft hat – erinnere es an seine Zweifel.

Dein Kind hat etwas geschafft von dem es vorher dachte, dass es das nicht kann? Gut so – dafür solltest du ein Lob aussprechen. Dabei kannst du auch daran erinnern, dass es davor daran gezweifelt hat. „Schau, Du dachtest, dass du es nicht kannst. Aber konntest du doch. Du hast dich angestrengt und nicht aufgegeben!“ So verinnerlicht dein Kind seinen Erfolg. Außerdem weiß es dann, dass „Ich kann das nicht“ auch zum Erfolg führen kann. Langsam wird sich so das negative Denken auflösen.

Auch wenn du helfen musst: Lass es den letzten Schritt machen

Manchmal brauchen die Kleinen einfach deine Hilfe. Sie kommen noch nicht allein in das zweite Hosenbein oder das Bild vom Weihnachtsmann und der Zahnfee will einfach nicht perfekt werden. Hier solltest du dein Kind auf keinen Fall verzweifeln lassen, sondern helfen. Aber mach nicht alles für dein Kind – lass es den letzten Schritt tun. Du kannst deinem Kind durch das Hosenbein helfen – lass es aber die Hose selbst hochziehen. Du kannst einen Weihnachtsmann malen – lass dein Kind die Mütze dazufügen. So fühlt dein Kind trotzdem ein Erfolgsgefühl.

Lass dein Kind Experte sein

Kinder sind 24 Stunden am Tag mit lernen beschäftigt. Und alles, was sie lernen, können die Eltern und großen Geschwister schon. Natürlich kann das frustrierend sein. Du kann dann die Talente und Fähigkeiten hervorheben. Was kann dein Kind besonders gut? Mit einfachen Aussagen wie „Ich weiß das nicht, frag deinen Bruder, der weiß total viel über das Weltall“ oder „Da solltest du deine Schwester um Hilfe bitten, die kann viel schneller schwimmen als ich.“ So stärkst du das Selbstwertgefühl des jeweiligen Kindes.