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„Mama, ich mach das“: Das Kind in der Autonomiephase

vonAnja Polaszewski

Ist dein Kind auch gerade mitten drin in der „Autonomiephase“ und möchte einfach alles selbst machen? Eine ganz schön anstrengende Zeit, in der man viel Geduld mitbringen muss, findet unsere Autorin Anja Polaszewski. Aber irgendwie – so sagt sie – ist es auch schön mitanzusehen, wie ihr kleiner Sohn immer selbständiger wird.

vonAnja Polaszewski
„Mama, nein, ich mach das!“
„Mama, nein, ich mach das!“
© Pexels/ Andrea Piacquadio

Das Kleinkind weckt mich schon vor dem Wecker

Kurz vor sieben Uhr morgens. Der Wecker klingelt … nicht. Denn ich habe ja ein aufgewecktes Kleinkind. K. weckt mich also mit „Hallo, Mamaaa!“ und einigen unglaublich feuchten Liebesküsschen. Nass, aber süß. Wahrhaftig schön, so aufzuwachen – wenn ich nur nicht so müde wäre … Wir stillen ein bisschen, das gibt mir etwas Zeit, wach zu werden.

K. tappelt zum Lichtschalter. Bäm! Gnadenlose Helligkeit. Ich ziehe die bunte Bettdecke über den Kopf und grummele so vor mich hin. „Mmmmm …“ Ich will noch nicht aufstehen … Zu meiner Mutter habe ich früher immer gesagt: „Nur noch fünf Minuten.“ Und dann noch einmal fünf und noch einmal. Heute geht das natürlich nicht mehr.

„Mama! Aufstehen!“ Der Dreijährige kommt, zieht mir energisch die Decke weg, springt auf mich drauf. Autsch. Die Wirbelsäule … Achtzehn Kilo sind schon verdammt viel.

„Kaffee machen.“ Hm? Kaffee! Ja, das ist eine gute Idee. Das Kind kennt sich aus.

Ich stehe auf, tapse ins Bad. „Ich mach das Licht an!“ Ruft der kleine Tyranno-Benglus K. – und weckt dabei gleich noch seinen Vater und Bruder, die eben noch tief im Nebenzimmer schlummerten.

„Mama, spielen!“ – Jetzt schon?

K. trottet – falsch, eigentlich rennt er – ins Kinderzimmer, kommt mit ein paar Autos wieder. „Mama, mitspiel’n!“ Jetzt?! Ich muss doch bitte erst mal wach werden … oder zumindest erst einmal von der Toilette aufstehen.

„Mamaaaaaaaaa!!!“ Oh Gott, steh‘ mir bei. „Hallo rotes Rennauto, ja, geht mir gut. Und dir? Komm, wir fahren Kaffee machen.“ Zusammen steigen wir die Wendeltreppe hinunter. Längst kann er allein hinuntersteigen, aber seit ein paar Tagen fordert er wieder meine Hand – egal, was da komme, egal, was ich sonst noch trage. Mutti weiß natürlich Bescheid und gibt, was er braucht.

„Ich mach unten das Licht an!“ Jaja, ist ja schon gut. Mach du mal.

„Mama, nein, ich mach das!“

Ich möchte Wasser in den Kocher füllen. Der Sohn runzelt heftig seine Stirn. „Mama, nein, ich mach das!“ Jawoll ja. Dann hol mal deinen Stuhl. Mhm. Ja, schieb ihn an die Spüle. Gut so. Vorsicht, nicht so weit aufmachen, den Wasserhahn … ja, so ist gut. Prima! (Wie gut er das macht!)

Ich nehme die Kanne des Wasserkochers, möchte den Deckel wieder schließen, um ihn der Elektronik nahe zu bringen – in der Hoffnung auf lecker kochendes Wasser … (Gleich schlafe ich ein …)

Und das jeden Morgen

„Ich mach das!!“ Entschuldigung. Hab‘ ich kurz vergessen. Klaro. Ich bin so fehlerhaft. Vorsicht, okay. „Und ich mach den Schalter an.“ Geschafft. Das Wasser beginnt zu kochen, der Kaffeegenuss naht … Und das jeden Morgen.

Und es ist erst Morgen.

Irgendwie ganz schön anstrengend, irgendwie ganz schön schön.

Ich bin glücklich darüber, ich bin müde.

Ich bin … Mutter.

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